Demographischer Wandel und Reproduktionsmedizin

Der Diskussionsbedarf wird schon hier im Forum deutlich, ich würde mich auch sehr über das Thema in der Lage freuen.

Insbesondere würde ich mich dann auch darüber freuen, wenn Reproduktion aus einem queeren Blickwinkel betrachtet wird - bekommen in Deutschland zwei (oder mehr) Menschen zusammen ein Kind, die nicht jeweils weiblich und männlich sind, sind nicht nur diese medizinischen Hürden im Weg, sondern auch noch rechtliche. Die Stiefkindadoption bei lesbischen Paaren ist eine Zumutung, die sogar gegen das Grundgesetz verstößt. Dabei wäre es witzigerweise sogar möglich, dass wenn eine der beiden Frauen ihren Geschlechtseintrag auf männlich (nach dem neuen Selbstbestimmungsgesetz) ändern ließe, sie das Kind ohne Probleme als „Vater“ anerkennen und sich auf der Geburtsurkunde eintragen lassen könnte.

Doch auch in der medizinischen Versorgung bestehen große Lücken: Menschen mit Gebärmutter, die einen nicht-weiblichen Geschlechtseintrag haben, haben in Deutschland keinen Anspruch auf Kostenübernahme gynäkologischer Untersuchungen der GKV. Egal ob in Beteiligung eines Babys oder nicht: Das ist eine ernstzunehmende Versorgungslücke, die zutiefst diskriminierend gegenüber Trans-, Nichtbinären und Intergeschlechtlichen Personen ist. (Zumal die Versorgung ohnehin schlecht ist, da sich die wenigsten Ärzt:innen mit genderqueeren Personen auskennen, was seine Wurzeln schon im medizinischen Curriculum hat…)

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Ganz spannender Punkt! Für mich sehr naheliegend es dann auch so zu machen in der Praxis und vermutlich überhaupt nicht so selten?

Das fand ich so absurd, dass ich kurz recherchiert habe und zumindest in der Theorie habe ich das so nicht gelesen.

§ 6 Abs. 4 SBGG:

Auf den aktuellen Geschlechtseintrag kommt es bei allen gesundheitsbezogenen Maßnahmen oder Leistungen nicht an, sofern diese im Zusammenhang mit körperlichen, insbesondere organischen Gegebenheiten stehen.

Die KV Hessen zu den abrechenbaren Leistungen ohne geschlechtsorganbezogenen Inhalt:

Richtet sich die Anspruchsberechtigung bei GOP ohne geschlechtsorganbezogenen Inhalt nach dem biologischen Geschlecht der Person, sind sie auch dann berechnungsfähig, wenn das anspruchsberechtigte Geschlecht nicht mit dem personenstandsrechtlichen Geschlecht übereinstimmt.

Vielleicht habe ich etwas missverstanden? Bin nicht so im Thema und möchte auch nichts besserreden als es ist.

Ja, total. Warum ist das kein No-Brainer?

Rente und Dividende sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Ohne Menschen die Arbeiten weder Steuern noch Unternehmensgewinne. :man_shrugging:t3:

Weil die gesellschaftlichen Voraussetzungen alles andere als optimal sind?

Kannst du das belegen?

Zwischen deiner Aussage „widerlegt“ und der eigentlich korrekten Aussage „es gibt keine zwingende Evidenz dafür“ liegt ein himmelweiter Unterschied.

Und andere Frage: sollten dann auch alleinstehende Männer die Möglichkeit haben zu Adoptieren?

Das ist doch überholt. Es ist doch schon lange nicht mehr so das eine höhere Anzahl an Menschen automatisch auch höhere Gewinne erwirtschaften. Dank Automatisierungsmöglichkeiten geht es doch rein um Produktivität und die wird weiter steigen. Steuern müssen in dem Rahmen eh neu überdacht werden. Google mal dunkle Fabriken. Auf meiner Arbeit sind wir noch 1/3 der Leute von vor 20 Jahren und schaffen mehr als das doppelte. Im Supermarkt betreut eine Mitarbeiterin 8 Selbstbedienungskassen und viele weitere Beispiele.

https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/forschung-belegt-kinder-wachsen-bei-gleichgeschlechtlichen-paaren-ebenso-gut-auf-117628

Auch bei Alleinerziehenden fehlt meist ein geschlechtlicher Teil, meistens der Männliche, was sich dann oft in Kindergarten und Grundschule fortsetzt, da auch dort mehr Frauen als Männer arbeiten.

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@Tinifee :backhand_index_pointing_up: da hast Du Deine Antwort. Solange eine Mehrheit der Gesellschaft Kinder als Last wahrnimmt wird diese auch nicht bereit sein Reproduktionsmedizin zu finanzieren.

Das ist nur die halbe Geschichte:

  • Simple handwerkliche, oder unweltschädliche Tätigkeiten haben wir ins Ausland verlagert.
  • Die größere Anzahl Produkte führt zudem zu mehr Konsum (Rebound-Effekt)
  • Falls wir tatsächlich mal in einer Welt ohne Arbeit leben sollten, dann braucht es trotzdem Konsumenten

Das ist halt nicht seine Aussage. Hinter der Aussage „es ist widerlegt“ würde eine Studie stecken, die widerlegt das ein Kind Mutter und Vater braucht.

Diese Studie sagt, dass auch andere Familienformen funktionieren. Was ich auch nicht bestreiten würde.

Mehr sollte man auch nicht fordern. Gibt genug Hetero-Familien, die alles andere als Bullerbü sind.

edit: aber eigentlich braucht es auch keine Belege, dass ein Kind nicht Mutter und Vater braucht. Denn das ist nur eine von unseren Vorfahren erzeugte Annahme. In der Natur zeigt sich, dass es unzählige Konstallationen gibt. Als ich Kind war, hat der Mann gearbeitet und die Frau war zu Hause (jedenfalls in Bayern). Meinen Vater habe ich so gut wie nie gesehen, für Erziehung war er nicht ernsthaft zuständig. Eigentlich müsstest Du Deine Annahme belegen.

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Wenn ein Kind für das Aufwachsen Mutter und Vater zwingend benötigen würde, dann müssten Kinder aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sich in der Tendenz schlechter entwickeln. Diesen Effekt müsste man auch in Beobachtungsstudien sehen, wenn die Sample Größe groß genug ist. Genau das ist aber nicht der Fall (s.u.). Zitat

Wenn es Unterschiede in der Entwicklung von Kindern in Regenbogenfamilien zu beobachten gebe, „dann eher in positiver Weise“, heißt es in der Studie.

Ähnliche Untersuchungen aus anderen Ländern kommen zu ähnlichen Ergebnissen, wie der Artikel beschreibt.

Für mich ist das so viel Beweis wie man mit ethisch vertretbaren und vom Aufwand her realistischen Studien erbringen kann.

Vorweg: ich stecke nicht tief im Thema Adoption drin. Daher ist mein Bauchgefühl hier mit Vorsicht zu genießen. Grundsätzlich aber würde ich sagen: selbstverständlich brauchen Kinder Bezugspersonen, die auch Zeit für sie haben. Das können homo- oder heterosexuelle Paare aber genau so auch gut sozial vernetzte und oder familiär unterstützte Alleinstehende sein.

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Ich weiß nicht mehr wo ich das gehört oder gelesen habe, aber historisch gesehen haben sich, wenn Papa viel arbeiten war, neben der Mutter noch viele andere aus Familie und Gemeinschaft an der Erziehung beteiligt. Großeltern, Tanten/Onkel, Dorfgemeinschaft. Bei vielen Affenarten ist es gar so das niemand eine bestimmte Elternschaft für sich reklamiert, sondern „macht jeder mit jedem“ und alle erziehen alle Kinder. Problematik heut ist wohl, dass von dieser ursprünglich „dezentralisierten“ Erziehung wenig übrig ist.

Es gibt heute noch Länder da ist das 3 Generationen Modell unter einem Dach die Norm (Isreal, Osteuropa). Die mittlere Generation sorgt für Einkommen und die Großeltern Generation kümmert sich um die Kleinkinder. Später helfen die dann bei der Pflege der Alten. Die „Abschiebung“ in Altersheime und Kindertagesstätten ist dort eher verpönt.

Wenn man in die Entstehung der Menschheit zurück schaut ist das Gruppenmodell (ich glaube funktioniert irgendwie bis 120 Menschen, oder so) auch das erfolgreiche Modell.
In einer modernen Welt mit starker Arbeitsteilung und in der politische Strömungen die Kinder so früh wie möglich aus den Familien fern halten wollen ist das meist nicht mehr umsetzbar. Alles natürlich für die Gleichberechtigung und damit beide Elternteile möglichst viel Arbeiten gehen.

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Die Realität die sich mir präsentiert sind eher Familien in denen Vater und Mutter gerne wieder arbeiten gehen möchten und eine Politik, die nicht für ausreichend professionelle Kinderbetreuungsmöglichkeiten sorgt, die nicht nur für die Entlastung der Eltern sondern in Summe auch für die Entwicklung der Kinder eine wichtige Rolle spielen.

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Was Sie schreiben ist sicher richtig. Und besonders dort, wo Eltern auf das Geld angewiesen sind, scheint es auch noch besonders schlecht um die Versorgung mit erreichbaren Kitas zu stehen.

Ich glaube aber beides ist kritisch zu sehen. Gerade wird geplant, die Bezugsdauer der Elterngeldes auf insg. 12 Monate zu bechränken. Ich finde man sollte sich aber mal klar machen, wie winzig 14 Monate (zukünftig 12 Monate) alte Kinder sind, bei denen der Staat sagt: „So, jetzt reicht es mit der individuellen Betreuung durch die Eltern, jetzt müsst ihr wieder Arbeiten oder schauen wie ihr das macht.“

Es kann jede/r selbst einschätzen wie er/sie das sieht, Kinder mit 12 Monaten in die Krippe zu geben, aber als Selbstverständlichkeit empfinde ich das (als Vater) nicht. Zukünftig fällt dann ja noch nicht mal mehr die Eingewöhnungszeit in die Elternzeit oO

Man lässt hier Menschen m.E. an der falschen Stelle hängen, tut so als wäre das volkswirtschaftlich relevant und kürzt wunderbarer Weise auch noch unter dem Überbegriff der Gleichstellung.

Ich finde das an der Stelle wirklich daneben.

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Also zunächst: ja - es wäre besser, wenn Eltern die Möglichkeit hätten, beispielsweise die bezahlte Elternzeit auf 18 Monate auszudehnen. Je nach Kind das ein erheblicher Vorteil sein. Ich habe mich auch schwer getan ein Kind mit 12 Monaten in der Krippe einzugewöhnen, das noch nicht mal Laufen konnte.

Allerdings: bezahlte Elternzeit ist eine - im wahrsten Sinne des Wortes - teuer erkaufte Errungenschaft. Wir werden es uns volkswirtschaftlich nicht leisten können für jedes Kind 3 Jahre lang Elterngeld zu zahlen. Das hat m.E. auch nichts mit Gleichstellung zu tun. Jedes Paar kann selbst entscheiden wer wie lange arbeitet, aber es gibt eben nur begrenzt Geld für die Elternzeit.

Ich wage zu behaupten, dass wir das problemlos könnten. Es wäre vermutlich nur ein verschwindender Bruchteil des Verteidigungshaushalts.

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Und mit den Anreizen für mehr Kinder hätten wir auch mehr zukünftige Soldaten für uns in Zukunft zu verteidigen. Gerade mit schlechter Technik ist mehr „Personal“ im Krieg ja wichtig. Ich verstehe deinen Ansatz :thinking:

Es ist halt einfach eine Rechenaufgabe und innerhalb Europas sind wir mit unserer Regelung vielleicht nicht die besten, aber gutes (oberes) Mittelfeld. Klar will man es immer besser haben, aber ist das gerade wirklich für Eltern die größte Baustelle? Mehr Geld für Schulen, Ganztagsbetreuung, kostenloses Mittagessen, Wohnungen für Studenten oder bessere Ausbildungsvergütung, Bürgergeld, Aufstockung, vielleicht Konditionen für die Rückzahlung von Bafög, anrechnen von Elternzeit für die Rente…es gibt vieles wo mehr Geld sinnvoll wäre. Jetzt muss man eine endliche Menge halt irgendwie aufteilen. Gerade das Geld für die Verteidigung finde ich zum Beispiel sinnvoll (unabhängig davon wie sinnvoll es gerade verwendet wird). Die Alternative ist hier nämlich das deine Kinder am Ende diejenigen sind die mit veralteter Technik an der Front stehen, wenn die Abschreckung Mal nicht mehr funktioniert. Ich glaube dass möchtest du auch nicht.

Oder wir sparen uns das ganze Klein-Klein und setzen da an, wo laut Umfragen das Problem liegt. Alle Mieten werden auf den Stand von 2010 zurückgesetzt. Notleidende Kleinvermieter können Anträge ausfüllen und in Härtefällen auf Beihilfen hoffen. Das Wohngeld bekommt quasi endlich einen Namen, der seinen Zweck abbildet und ist von jetzt an Vermietergeld.

Aber mal im Ernst: Solange junge Familien keine Wohnung finden in die genug Kinder passen und trotzdem 40+% ihres Einkommens für die Miete ausgeben, werden die Geburtenraten nicht steigen. Finanzielle Sicherheit ist heute die Minimalvoraussetzung, um alle weiteren Überlegungen die für oder gegen ein (weiteres) Kind sprechen überhaupt zu triggern.