Da ist ein Arbeitgeber, der Arbeit zu vergeben hat. Da ist ein Jobcenter, das Arbeit vermitteln soll und junge Arbeitslose, denen Arbeit vermittelt werden soll. Wieso stellt dann der Arbeitgeber diese Person nicht regulär ein, mit 50-80% Stelle? 6 Monate Probezeit. Enge Begleitung durch das Jobcenter (Fort- und Weiterbildung, Ausbildungsangebote, Kontrolle der Arbeitsaufnahme etc). Wenn derjenige sich verweigert, kann auch jetzt schon Bürgergeld gekürzt werden. Aber wieso im Bürgergeld weiterzahlen und 1 € Jobs querfinanzieren? Wieso glaubt man, dass man jmd. mit 1 €/h für einen Job begeistern kann?
Und da nur jüngere herangezogen werden. Ist das nicht eine unzulässige Ungleichbehandlung?
Du meinst die Mehrwertsteuer, die im Regelsatz berücksichtigt ist, die er vom Geld bezahlt, welches er vom Staat bekommt?
Lassen wir das, ich glaube, du verstehst sehr gut, warum jemand der von seinem eigenem Geld lebt nicht so sehr als Aufreger funktioniert.
Gute Punkte im Artikel. Aber bei “es ist zu teuer” wäre ich vorsichtig. Es geht ja nicht darum, günstige Arbeitskräfte zu haben, sondern darum zu verhindern, dass junge Menschen früh in die Langzeitarbeitslosigkeit abrutschen.
Idealer Weise würde man die Maßnahme wissenschaftlich begleiten lassen.
Nein, ich verstehe das ehrlich gesagt nicht. Der gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden, der durch asoziales Verhalten von sehr reichen Menschen verursacht wird (Umweltverschmutzung, Steuerhinterziehung, Finanzierung rechtsradikaler Parteien, etc.) ist meiner Ansicht nach um ein vieles größer, als der Schaden der durch angeblich “faule Bürgergeldbezieher” zustande kommt.
Das heißt nicht, dass man nicht Menschen die dauerhaft in die Abhängigkeit von sozialen Transferleistungen zu rutschen drohen frühzeitig und entschieden helfen sollte. Und ich wiederhole mich gerne: das kann durchaus auch mit “Zwang” geschehen, wenn die Umstände das rechtfertigen und sich dieser Zwang im Rahmen dessen bewegt, was man auch seinen eigenen Kindern antun würde. Die selbe Energie und Motivation, die bei solchen Maßnahmen an den Tag gelegt wird, wünsche ich mir aber auch bei der konsequenten Bekämpfung von Missständen am anderen Ende des sozialen Spektrums.
Ich glaube das die Motivation zur Einführung solcher Maßnahmen oft eben nicht die langfristige Verbesserung der Lebenssituation der Betroffenen ist. Bei vielen Unterstützern überwiegt sowohl im öffentlichen Diskurs, als auch in der Gestaltung der Maßnahmen der Ausdruck das subjektive Gerechtigkeitsempfinden, wie es ja auch hier in der Debatte deutlich wird. “Es kann ja nicht sein, dass irgendjemand nicht seinen Beitrag leistet”. Das ist aber der falsche Ansatz, wenn man wirklich an der Lösung des real existierenden Problems interessiert ist. Es gibt schlicht und ergreifend Fälle in denen die Gesellschaft viel mehr in eine Person investieren muss, als sie von dieser spezifischen Person zurückbekommt. Und ob sie etwas zurückbekommt, lässt sich im Vorfeld nicht sagen, die Gesellschaft muss “auf gut Glück” in Vorleistung gehen, weil es sich im Großen und Ganzen lohnt, allen Mitgliedern der Gesellschaft eine möglichst große Entfaltungsmöglichkeit zu geben.
Ab hier dreht sich die Diskussion doch um sich selbst. Wenn ich einen Langzeitarbeitslosen beschäftige, der im ersten Arbeitsmarkt nicht unterkommt, wird doch niemand verdrängt und erst recht niemandem etwas weggenommen.
edit: da du meintest, man könne diese Idee ja entwickeln, justmy2cent
Wenn ich den Arbeitnehmer anständig bezahle, fallen auf diese Jobs auch Abgaben an. Der Job führt also direkt zu Rückflüssen in die Sozialsysteme (ob man das als Staat will, ist eine andere Frage). Der Arbeitnehmer sieht, dass sich Arbeit lohnt. Er sieht, dass er sich nun auch mal etwas außer der Reihe leisten kann oder auch mal wertigere Zutaten fürs Essen kaufen kann.
Verstehe ich auch nicht. Weder der eine noch der andere leistet einen angemessenen Beitrag zur Gesellschaft, profitiert aber von ihren Errungenschaften. Wer vom Bürgergeld lebt, möchte da aber vermutlich langfristig raus und lebt im Existenzminimum, während der Millionär, der ebenfalls von erwerbslosen Erträgen lebt und diese, Dank kaputtem Steuersystem nicht angemessen versteuert, damit sehr gut leben kann.
edit: lese von hinten nach vorne, sind ja doch schon einige Beiträge.
Nein. Wenn der Mensch sich selbst gefährdet und für sich selbst keine Verantwortung mehr übernehmen kann, darf der Staat einen Betreuer einsetzen und ihn dann zu seinem eigenen Schutz auch begrenzte Zeit in Behandlung geben. Natürlich nur, nachdem ein Betreuungsgericht das geprüft hat.
Doch. Wenn die Pflege der Gärten der städtischen Kindergärten dann nicht mehr von lokal ansässigen Betrieben erfolgt, sondern durch die zur Arbeit verpflichteten Langzeitarbeitslosen, dann verdrängen die entsprechende Betriebe. Wenn die dann für die Stadt vor allem deshalb lukrativ sind, weil sie nicht voll bezahlt werden müssen, dann wäre das ein Wettbewerbsvorteil.
Das war aber nicht das, was @Christoph meinte.
Er meinte, dass eine faire Bezahlung zu einer Verdrängung führt. Ansonsten ist das natürlich richtig, was du sagst. Gilt aber unabhängig von der Bezahlung.
Ein Bürgergeldempfänger kann durchaus seinen angemessenen Beitrag geleistet haben und darf dann ganz zurecht die Unterstützung der Gemeinschaft in Anspruch nehmen. Das ist mMn die absokute Mehrheit.
Und ebenso würde ich jemanden, der zu Geld gekommen ist und jetzt halt “nur” 36.000€ Steuern + Krankenkassebeiträge + MWSt + X bezahlt, nicht vorwerfen, er würde keinen angemessenen Beitrag leisten.
Wenn er in die AV einbezahlt hat, wurde das entsprechend berücksichtigt. Ansonsten stellt sich die Frage, wie du das würdigen und gleichzeitig akzeptieren kannst, dass derjenige für 8€ am Tag Vollzeit arbeiten soll.
Die gleichen Leute haben mit Cum-Ex und Cum-Cum den Staat ausgeplündert, haben jahrzehntelang mit Filmförderung und Schiffscontainern die Steuersysteme umgangen. Jetzt werden Innenstädte mit §7i wieder auf Vordermann gebracht. Jeder zweite hat Rothschilds Zitat an der Wand hängen
Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Steuernzahlen. Die Kenntnis aber häufig.
Und man kann es ihnen ja auch nicht verübeln. Don’t hate the player, hate the game.
Aber die Realität sollte man da schon akzeptieren.
Welche Empirie steht hinter dieser Aussage, dass es insgesamt lohnt? Oder ist das eine individuelle Bewertung/Meinung (was okay ist)?
Was sind für dich möglichst große Entfaltungsmöglichkeiten?
Nein, mir geht es um mehr als bloße Gerechtigkeit. Wenn Sozialleistungen für Menschen gebunden werden, die sie eigentlich nicht bräuchten (weil sie arbeiten könnten), dann fehlen diese Mittel für diejenigen, die einen wirklichen Bedarf haben.
Deine Annahme ist, dass die Gruppe der Verweigerer extrem klein ist, weil du anhand der niedrigen Anzahl Vollsanktionierter als Referenz argumentierst. Ich zweifel an, dass dies die korrekte Referenz ist. Beides lässt sich wahrscheinlich nicht überein bringen.
Mir kam beim Lesen unweigerlich immer wieder die Frage, ob wir solche Diskussionen auch führten, wenn wir ein bedingungsloses Grundeinkommen hätten. Ehrlich gemeint.
Ernsthaft? Was ist denn der kolossale Wohlstandszuwachs über die letzten 200 Jahre denn anderes, als das Ergebnis immer größerer Entfaltungsmöglichkeiten individueller Potenziale?
Wird jedes einzelne Schulkind die hunderttausende Euro, die die Gesellschaft über Kita, bis zu 12/13 Schuljahre und eventuell Studium in es investiert wieder als Steuern und Abgaben in die gemeinschaftliche Kasse zurückspielen? Natürlich nicht. Je nach historischer Periode war die Antwort darauf, dass eben nur die Kinder des “Adeltums”, der “Oberschicht”, des “Bildungsbürgertums” oder “Parteikader” eine öffentliche Förderung genossen haben. Heute weiss man, dass es volkswirtschaftlich deutlich effizienter (nicht zu schweigen von moralisch geboten) ist, einfach allen Kindern eine bestmögliche Förderung zu geben.
Wurde hier im Forum schon oft diskutiert, die Einschätzung aller Experten und die verfügbaren Daten sind hier eindeutig und decken sich mit meiner Darstellung. ich verweise beispielhaft mal auf diesen Tagesschau-Artikel
Statistisch erfasst werde aber der Minderungsgrund „Weigerung Aufnahme oder Fortführung einer Arbeit, Ausbildung, Maßnahme oder eines geförderten Arbeitsverhältnisses“, bei dem auch Weiterbildungen und Qualifikationen berücksichtigt werden. Dabei zeigt sich, dass es in den ersten elf Monaten des Jahres 2023 insgesamt 13.838 Fälle gab.
Minderungen wegen einer Weigerung seien eher selten, so der Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. „Generell lässt sich feststellen, dass zuletzt mehr als 80 Prozent der Minderungen wegen Meldeversäumnissen festgestellt werden.“ Von Meldeversäumnissen ist die Rede, wenn Bürgergeldempfänger ohne den Nachweis eines wichtigen Grunds nicht beim Träger oder bei einem ärztlichen oder psychologischen Untersuchungstermin erscheinen.
Also nochmal zusammengefasst: Januar bis November 2023 gab es weniger als 14.000 Minderungen des Bürgergeldbezugs wegen verweigerter Arbeitsaufnahme oder fehlender Mitwirkung bei der Weiterbildung. Bei über 5 Millionen Bezugsberechtigten.
Wohlgemerkt sind das alle Minderungsfälle aus diesen Gründen. Viele davon werden keine “Totalverweigerer” im üblichen Sprachgebrauch sein. Vielleicht haben die nur einmal eine angebotene Stelle abgelehnt, aus individuell sogar nachvollziehbaren Gründen (z.B. weil die Arbeitsstelle mit so langen Fahrtzeiten verbunden ist, dass anderen Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen werden kann).
Und ich persönlich nehme Jobcenter nicht als besonders nachsichtige Institutionen war. Schon bisher müssen arbeitsfähige Menschen Jobangebote auch annehmen.
Egal wie man es dreht und wendet, egal von welcher realistischen Dunkelziffer man ausgeht. Wir reden über eine “Totalverweigererquote” von deutlichunter 1% der Bezugsberechtigten. Es ist ökonomisch und moralisch unhaltbar, wegen dieser im statistischen Sinne vernachlässigbaren Minderheit irgendeine Verschärfung der aktuellen Regelungen vorzunehmen, die auch nur die Möglichkeit mit sich bringen, dass andere Bezugsberechtigte davon negativ beeinflusst werden. Der ganze Diskurs basiert einfach auf einem Nach-Unten-Treten zur populistischen Beruhigung des öffentlichen Gemüts.
Es bleibt natürlich trotzdem notwendig, Menschen die aus eigener Kraft heraus nicht aus einer Abhängigkeit sozialer Transfersysteme entkommen können die dafür notwendige Unterstützung und Hilfe zu bieten. Und um es nochmal zu wiederholen: in einigen Fällen kann auch das Ausüben von Druck wie in dem thüringischen Fall sinnvoll sein. Aber eben nicht aus einem Gefühl des verletzten Gerechtigkeitssinns oder dem Zwang ökonomischer Rationalität heraus. Sondern weil man diese Menschen in ihrem Mensch-sein wertschätzt und ihnen Möglichkeiten eröffnen will.
Und wer Menschen wertschätzt, der lässt sie nicht für 1 Euro die Stunde arbeiten. Jeder von uns würde das als übergrifflich und entwürdigend wahrnehmen. Noch dazu ist es völlig unnötig.
Gute Frage. Es hängt von der betrachteten Dimension ab. Finanziell herrscht bei freiwilliger Arbeitslosigkeit (davon reden wir) wahrscheinlich Ebbe, also würde ich durchaus von finanzieller Verwahrlosung sprechen. Du kannst es auch Instabilität nennen, aber wer geplant aussteigt, muss schon einen sehr guten Plan haben, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten (oder davon ausgehen, dass die anderen einen solidarisch alimentieren).
Wenn das so ist, tut es mir leid, aber ich schaffe es aktuell nicht, jeden einzelnen Beitrag zu lesen, weil sehr viel gepostet wird.
So geht es aber auch anderen. Wenn ein Satz so da steht, wirkt er auch so. Dem widerspreche ich dann, um das Bild geradezurücken.
Genau die Arbeitslosen, die ein Sozialarbeiter aufsucht und zur Arbeit „motiviert“, sind sicherlich zu einem großen Teil die, die überhaupt kein Arbeitgeber anstellen möchte, weil sie aus welchem Grund auch immer nicht in der Lage sind, die vorgegebenen Strukturen und Rahmenbedingungen einzuhalten - wenn nicht jeden Tag ein Sozialarbeiter vor der Tür steht.
Und die Frage ist doch: Bekommen sie die Unterstützung nur, wenn sie zu 1 Euro-Jobs gestupst werden sollen? Oder wurde der Sozialarbeiter auch mal geschickt, um wirklich zu helfen und eine echte Arbeit zu finden?
Wer nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, der erkennt sofort, dass Arbeit zum Mindestlohn sich gegenüber Bürgergeld nicht lohnt. Das erkennen auch Leistungsbezieher spätestens nach der ersten Lohnabrechnung. Die individuelle Entscheidung bei Niedriglohnaussicht freiwillig im Bürgergeld zu verharren ist somit rational und niemandem vorzuwerfen. In der breiten Masse zersetzt das aber unser Sozialsystem und langfristig wird die Leistung auch für diejenigen erodieren, die wirklich nicht arbeiten können.
Die Abzüge auch bei niedrigen Löhnen sind viel zu hoch, was eben auch daran liegt, dass unser Sozialstaat nur noch auf tönernen Füßen steht, sobald die Wirtschaft hustet. Je weniger Abgaben, desto mehr lohnt sich Arbeit gegenüber Mindestlohn.
Glaubst du wirklich selbst an die 1% Arbeitsverweigerer? Es liegt absolut auf der Hand, dass es viel mehr sind, weil die meisten - wie gesagt - doch ganz gut selbst rechnen können, ob sich Arbeit wirklich lohnt.
Ich glaube nicht, dass Menschen freiwillig isoliert ohne Möglichkeiten der Teilhabe zu Hause sitzen.
Vielleicht hat man Zeit. Es fehlt aber das Geld, um irgendetwas zu tun.