Corona und Beherbergungsverbote - LdN208

Hallo ihr Beiden,
ich gebe zu in mir stieg bei dem Thema innerlich der Zorn auf. Ihr kritisiert, aus meiner Sicht zurecht die Beherbergungsverbote als zu weitgehend. Und Ulf erwähnt, dass die Quarantäneregelug in MV erst recht zu weit ginge.
Gleichzeitige ist es aber völlig „selbstverständlich“, dass die Quarantäne für Personen aus nichtdeutschen Risikogebieten normal und akzeptiert ist.
Und da drehe ich schlicht am Rad. Denn: Wenn ich auf einer einsamen Berghütte in Tirol Urlaub mache ist mein Infektionsrisiko gleich Null, dennoch wird es mir de Fakto verboten, weil ich nach dem Urlaub 14 Tage in Quarantäne muss. Und einem Tiroler wird selbstverständlich bei der Einreise nach Deutschland eine Quarantäne auferlegt.
Aus Risikosicht: Was unterscheidet denn einen Tiroler aktuell von einem Berliner, außer das im wahrscheinlich der deutsche Pass fehlt?
Für mich gibt es nur 2 Möglichkeiten, entweder sind Risikogebiete riskant und dann müssen Personen die dort waren, ob nun im Urlaub oder als dauerhaftem Wohnsitz in eine verpflichtende Quarantäne … oder eben nicht. Und dann darf es keinen Unterschied machen, ob dieses Risikogebiet nun in Deutschland oder um EU Ausland oder sonst wo in der Welt ist.
Um es klar zu sagen, ich empfinde diese Einschränkung meiner Bewegungsfreiheit für mich persönlich als Zumutung. Aber eine Unterscheidung zwischen Inland und Ausland sehe ich erst recht als Ungerechtfertigt an.
Das war jetzt tatsächlich recht emotional formuliert, ich veröffentliche es trotzdem so. Und vielleicht kann mich ja doch jemand überzeugen, warum Berliner weniger Risiko beim Reisen mitbringen als Tiroler oder Tschechen? Dem halte ich aber schon mal Adieu Europa, willkommen in der Welt der europäischen Nationalstaaten entgegen:)
Jan

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Ich finde diese Unterscheidung auch unlogisch. Allerdings komme ich von der anderen Seite des Problems: Meine Familie und ich sind seit Beginn der Pandemie extrem vorsichtig, wir bleiben so viel wie möglich zuhause, tragen immer Masken, wenn wir einmal pro Woche Lebensmittel einkaufen gehen, halten auch bei Kontakten mit Nachbarn, Postbot’innen, Paketbot’innen im Haus Abstand. Wir wollen, dass der Mist jetzt endlich mal effektiv bekämpft wird und nicht, dass Leute das Virus immer weiter verbreiten. Wie man das konkret regelt, ob nun Berghütten und Ferienwohnungen gemietet werden dürfen, während Hotelübernachtungen und Flugreisen verboten werden, ist mir egal. Aber das Virus ist doch längst fast überall, wozu Grenzen dicht machen?

Hallo zusammen,
ich bin Hoteldirektor eines größeren Hotels einer internationalen Hotelkette. Daher war die aktuelle Folge für mich natürlich super interessant.

Aktuell ist wieder, wie im März für uns eine schwierige Zeit! Unsicherheit bestimmt das Denken und eine unzureichende und unklare Kommunikation der Regeln tut ihr Übriges!

Auch Ihr sprecht im Podcast ausschließlich von Touristen die nicht reisen dürfen, das steht sogar so auf der Seite der Regierung (https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/faq-reisen-1735032)

Geschäftliche Reisen machenfür Stadthotels oftmals 80% der Gäste aus, dürfen die denn dann aufgenommen werden? Wäre ja prima!

Richtig ist jedoch das die corona Verordnung nicht nach Anlass der Reise unterscheidet! Diese Unklarheit führt zu Diskussionen, Verärgerung und Bürokratischem Aufwand!

Allein das die Kontrollfunktion welcher Gast aus welchem Landkreis beherbergt werden darf auf die Hotels ausgelagert wird führt zu großen Problemen!

In BW gilt das Verbot ja schon die letzten Monate, es gab immer ein paar Landkreise die Tabu waren, beim check in werden PLZ überprüft und fertig.

Immer mehr Gäste wissen aber überhaupt nicht (oder wollen es nicht wissen) das Ihr Landkreis betroffen ist. Da die Zahlen ja täglich schwanken ist der Gast heute morgen vielleicht gestartet und fährt 6 Stunden, kommt an und zack sein Landkreis ist einer der verbotenen!

Als Hotel kannst du nur verlieren:

  • der Gast ist sauer( natürlich auf dich)
  • du verlierst den Umsatz
  • sollte sich einer durchschleichen drohen drakonische Strafen
  • viele stornieren jetzt einfach mal prophylaktisch

Ps: je nach Buchungsportal hat das Hotel uU nur einen Namen u keine Adresse d.h. Wir können tatsächlich erst bei Check in prüfen! Selbst wenn wir vollständige Infos haben, kann München heute Risikogebiet sein aber morgen am Tag der Anreise nicht mehr!

Ich wünsche mir klare und einheitliche Regeln die bundesweit gelten!

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Ich fand die klare Bewertung „das geht jetzt aber wirklich zu weit“ auch etwas irritierend. Unter anderem wurde das Argument gebracht, dass positive Fälle ja sowieso unter Quarantäne stehen und deswegen nicht reisen dürfen, und deswegen wären die übrigen ja kein großes Risiko. Mit dem Argument müsste man auch Parties erlauben, denn da dürfen unter Quarantäne stehende auch nicht hin. Auch was die von Ulf und Philip begrüßte Maßnahme von Alkoholverboten angeht, findet man da immer irgendwen, der überhaupt keine Gefahr darstellt, und wo man die Maßnahme deswegen als völlig unverhältnismäßig ansehen kann. Wenn ich bspw. nachts um halb eins plötzlich Appetit auf ein Bier habe, und ich kaufe mir das dann an der Tanke, um es alleine in meiner Wohnung zu konsumieren, stellt das überhaupt keine Gefahr für irgendwen dar, und genauso muss man auch Argumente einstufen wie mit der Familie im Urlaub auf der Berghütte.

Und gerade wenn z.B. Berlin es anscheinend nicht auf die Reihe kriegt, seine eigenen Verordnungen auch nur minimal durchzusetzen, finde ich es irgendwie schon ein Stück weit verständlich, wenn andere Bundesländer sagen „kriegt mal erstmal euren Kram auf die Reihe, bevor wir eure Leute weiter beherbergen“. Und wenn tatsächlich aufgrund exorbitant hoher Zahlen örtlich wieder härtere Maßnahmen wie Komplettshutdown der Partygastronomie und Kontaktverbote in der Öffentlichkeit anstehen, und diese auch durchgesetzt werden, hilft es sicherlich absolut nicht, wenn es dann Ausweichbewegungen gibt, und bspw. Berliner Partypeople massenhaft Wochenendtrips nach Leipzig, Hamburg oder Köln machen.

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Außerdem machen Ulf und Philip einen Denkfehler: Wenn es 50 positive Tests auf 100.000 Einwohner gibt, dann können doch durchaus mehr Menschen infiziert sein, Stichwort „Dunkelziffer“! Zum Einen gibt es Menschen, die kaum Symptome haben, aber trotzdem das Virus verbreiten. Zum Anderen lässt sich nicht jeder, der mal hustet, gleich auf Corona testen. Im Gegenteil, viele Leute, die mal husten oder sich die Nase putzen, sagen eher reflexartig: „Ist aber kein Corona!“ Wenn ich dann frage, ob sie getestet wurden, reagieren sie irritiert oder genervt. Aber bisher hat zum mir niemand gesagt: „Ja und das Ergebnis war negativ.“ Nur das würde mich beruhigen.

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Außerdem machen Ulf und Philip einen Denkfehler: Wenn es 50 positive Tests auf 100.000 Einwohner gibt, dann können doch durchaus mehr Menschen infiziert sein, Stichwort „Dunkelziffer“!

Nein, wir machen da keinen „Denkfehler“, sondern sagen das selbst ausdrücklich. Bitte hört doch erst einmal genau hin, ehe ihr steile Thesen in den Raum stellt.

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Hallo Ihr beiden,

für die Testung gesunder Menschen in großer Zahl, z. B. vor Reisen finde ich (als Hausärztin) die vorhandenen Schnelltests mit einer Sensitivität von 80% absolut ausreichend. 100% Sicherheit gibt es aufgrund verschiedener Faktoren bekanntlich nie.

Die PCR sollte der Diagnostik von kranken Menschen vorbehalten bleiben.

Der Schnelltest braucht 30 Minuten und kostet ca. 20-30€.

Viele Grüße Kathrin

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Hallo zusammen,

Es handelt sich quasi um einen Urlaubs-Lockdown, da der scheinbare Ausweg eines negativen Testes mangels ausreichender Kapazitäten faktisch unrealistisch ist, zumal wenn man die Sache zwei Tage vor Beginn der Herbstferien raushaut.

Das Beherbergungsverbot betrifft außerdem nicht nur Hotels und Pensionen, sondern auch Camping- und Wohnmobilstellplätze. Im Wohnmobil habe ich mein eigenes Zuhause mitgenommen, wo also ist das Problem? Das liegt tatsächlich in Feiern und mangelnden Kontrollen.

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Hallo,
der Ärger ist absolut verständlich aus deiner Sicht. Aber betrachte mal das Gesamtbild. Nicht jeder macht Urlaub auf der einsamen Alp. Das wäre zwar auch mein Traumurlaub aber es gibt eben auch viele Partytouristen. Mallorca in den Sommermonaten hat gut gezeigt wo das hinführt. Da sind die Maßnahmen durchaus verständlich aber auch zu wenig zielgerichtet, da geb ich dir recht.
Das Infektionsgeschehen hat sich in den letzten Monaten stark gewandelt, hin zum Fokus auf Jugendliche und junge Erwachsene. Es wird Zeit das die Maßnahmen nun auch darauf fokussiert werden sonst haben wir in wenigen Wochen höhere Infektionszahlen als zur Hoch Zeit anfang des Jahres.
Ich bin aber auch der Meinung das es nicht mal unbedingt schärfere Regeln braucht wenn geltende einfach auch mal umgesetzt, kontrolliert und sanktioniert werden würden.

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Hallo ihr beiden,

Meine Freundin ist MTA und wir sind beide leicht entsetzt über die Darstellung der Corona Tests insbesondere des Framings.
Da wird von „diesem komischen Testzentrum“ gesprochen. Das impliziert als wären die MTAs dort ursächlich Verantwortlich für die langen Wartezeiten auf Testergebnisse. Man muss sich klar machen, dass auch in der Zeit von März nicht mehr MTAs ausgebildet werden konnten. Auch sind kann man nur begrenzt Plätze in den Laboren schaffen.
Das Problem ist einfach, dass mit den gestiegenen Coronafällen auch die Anzahl der Tests gestiegen ist. Man kann nicht in der gleichen Geschwindigkeit die realen Testkapazitäten aufbauen. Dazu darf man gerne noch die Arbeitsbelastung der MTAs und ihr dazu verhältnismäßig geringes Gehalt in Betracht ziehen.

Dafür im Vergleich mal 5 Tage zu Hause zu verbringen, weil man eine vermeidbare Reise angetreten hat (auch wenn Erholung natürlich ein Gut ist), ist alles andere als inakzeptabel.

Man kann kritisieren, dass die Ergebnisse länger auf sich warten lassen, als der Test braucht aber da liegt die Schuld nicht bei den Laboren oder Mitarbeitern sondern an der allgemeinen Teststrategie.

Auch wirft Ulf der Teststation und dem Labor vor, dass die ja gar nicht dolle ausgelastet sein, weil er nur ne handvoll Leute gesehen hat. Der Trugschluss ist doch ziemlich offensichtlich. 1. Ist das furchtbar subjektiv, vielleicht haben die noch Last der letzten Tage oder er hatte gerade ne ruhige Zeit erwischt und 2. Verarbeitet das Labor bestimmt mehr als nur die Test der einen Station. Vorallem aus dem Corona Hotspot Berlin.

Persönliche Erfahrungsberichte sind ja schön und gut. Aber trotzdem solltet ihr da nicht so gehen lassen.

Gruß Max

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Ich verstehe, dass ihr als Betroffene euch angesprochen fühlt, aber wir haben ausdrücklich niemandem konkret die Schuld zugewiesen, auch und gerade nicht den MTAs, weil wir schlicht nicht wissen, wo es hakt. Wir haben auch keine Anhaltspunkte, dass die Mitarbeitenden der Labore keinen guten Job machen, deswegen sagen wir auch nichts dergleichen.

Wir wissen nur, dass viele Tests einfach viel zu lange dauern und dass es immer noch Testergebnisse gibt, die sich nicht über die Corona-Warn-App abrufen lassen. Das haben wir kritisiert, weil beides einfach nicht sein kann.

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Explizit tut ihr das nicht, aber dennoch wirkt es so implizit. Ihr habe Verständnis dafür, dass man in einem fast-live Format nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt.

Vielleicht reagieren wir da mit unserem Hintergrundwissen empfindlicher, aber Aussagen wie dass es andere Teststationen ja hinkriegen, wenn sie nur genug wollen (den genauen Wortlaut habe ich nicht nochmal geprüft), erwecken einfach den Eindruck als hätten, die Leute, die die Test barbeiten eine Wahl. Den Gesundheitsämter räumt ihr ja auch ein, dass sie überbelastet sind.

Die Einschätzung, dass die Tests nicht so funktioniert, wie sie die Teststrategie vorsieht teilen wir auch.

Es wäre schön wenn ihr diese Perspektive in Zukunft beachten könntet.

Ich fände es einfach gut, wenn hier in den Kommentaren nicht Positionen von uns diskutiert oder gar kritisiert würden, die wir überhaupt nicht vertreten haben („Strohmänner“). Das bringt nämlich die Diskussion nicht gerade voran.

Du findest ja unsere Sicht auf die Gesundheitsämter richtig, aber die Sicht auf die Labore nicht. Das ist schon skurril, denn die Gesundheitsämter haben wir ausdrücklich kritisiert, nicht aber die Labore. Bei letzteren haben wir vor zwei Wochen allerdings moniert, dass immer noch nicht alle mit der Corona-Warn-App zusammenarbeiten, was auch echt nicht sein kann.

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in NRW wird das Beherbergungsverbot noch nicht angewendet, weil es zurzeit nicht als verhältnismäßig angesehen wird.
Hier nachzulesen:

Ich bin wahrlich kein Fan des Beherbergungsverbot, denn vor allem werden hier Testkapazitäten genutzt die an anderen Stellen viel sinnvoller einzusetzen wären. Wieso kann man hier an der Stelle nicht mit den nun verfügbaren ungenaueren Schnelltests arbeiten? Es handelt sich ja um Personen, die symptomfrei sind.
Ein Aspekt, der mir in der Folge zu kurz kam sind die überlasteten Gesundheitsämter. Die Schwelle von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner*innen wurde ja auch v.a. vor dem Hintergrund der Belastung der Gesundheitsämter eingeführt. Landkreise die diesen Schwellenwert übersteigen sind vermutlich auch bei der Nachverfolgung nicht mehr auf dem neusten Stand. Damit ist in meinen Augen das aufgeführte Argument, die positiven Personen wären ja in Quarantäne zumindest nicht mehr vollumfänglich haltbar. Das Beherbergungsverbot gibt Bundesländern etwas Kontrolle zurück, die sie natürlich über Landkreise anderer Bundesländer nicht haben. Wie gesagt: ich finde das Beherberungsverbot nicht sinnvoll, aber diese Sichtweise kann ich nachvollziehen.

Die rechtliche Einschätzung zum Beherberungsverbot fand ich toll - ist ja auch euer Steckenpferd :+1:

In den letzten Monaten habe ich mich bei dem Punkt Corona häufig gefragt, wieso ihr hier nicht mal mit Expert*innen sprecht. Gerade weil das Thema uns alle beschäftigt und so drastische Einschränkungen hat, ist hier Expertise wichtig. Es wird doch mit Sicherheit ein Labor geben, die bereit für ein Interview sind zur Frage von Tests und Abläufen. Das fände ich super bereichernd und würde über persönliche Vermutungen hinausgehen. Ich bin großer Fan eures Podcasts, weil ich in die Themen wirklich tief reingeht und Dinge umfassend analysiert. Bei Corona schafft ihr das in meinen Augen meist eher selten, da nehme ich meist eher persönliche Empörung wahr.
Und auch in der Lage 208 wurde in meinen Augen zu stark aus der eigenen Perspektive argumentiert. Natürlich ist es ärgerlich nicht in den Urlaub zu können. Den Gesamtblick habe ich an der Stelle vermisst. Wenn wir die Lage in den Großstädten nicht unter Kontrolle bekommen, dann hat das ja Auswirkungen auf viel mehr als den Urlaub. Die Situation erfordert Solidarität, mehr Blick auf das Ganze und weniger die eigenen Bedürfnisse zuerst.

Ein paar Anmerkungen von mir zu eurer SARS-CoV-2 Berichterstattung.

Disclaimer vorweg, ich habe mit medizinischen Laboren nur mittelbar zu tun, bin also kein Angestellter/Betreiber.

Zunächst zu der Situation der Labortests. Ich fand es etwas seltsam, das eure Berichterstattung nur auf euren eigenen Erfahrungen und welchen die ihr von Hörern zugesandt bekommen habt basierte. Das mag zwar anekdotisch interessant sein aber hilft in meinen Augen nicht wirklich weiter um einen Überblick über die Gesamtsituation zu bekommen.

Das RKI veröffentlicht jeden Mittwoch in seinem Situationsbericht einen Abschnitt zur aktuellen Situation von Tests und Laboren.

Hier der aktuellste: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Okt_2020/2020-10-07-de.pdf?__blob=publicationFile

Dort findet sich auch zum Thema Rückstau etwas (Seite 13):

Rückstau

Insgesamt hat der Rückstau an PCR-Proben seit KW 32 stark zugenommen (s. Abbildung 5). Es gaben 42 Labore einen Rückstau von insgesamt 8.245 abzuarbeitenden Proben an. In 32 Laboren wurden Lieferschwierigkeiten für Reagenzien genannt.

Weiterführende Informationen kann man in den ebenfalls wöchentlich erscheinenden Berichten finden die aus den Daten der ARS-Schnittstelle gewonnen werden.

Cave: Hier nehmen nur 72 Labore teil, also nicht ganz die Hälfte.
Edit: Naja oder nur ein Drittel je nachdem wie man zählt.

Auch hier der aktuellste:

Hier kann man auf Seite 5 sehen wie lange die teilnehmenden Labore von Probenentnahme bis Testergebniss brauchen. Zum einen ist zu sehen, das Zeit zwischen Entnahme und Test Woche für Woche zunimmt, zum anderen aber auch das ca. 75% der Tests am Tag der Entnahme oder am darauffolgenden Tag durchgeführt werden. Die Zunahme der Dauer liegt offensichtlich am steigenden Testaufkommen.

Auch wenn man natürlich jetzt noch die Zeit für die Befundübermittlung draufrechnen muss, wird die wohl die Mehrheit zeitnah informiert werden.

Man sieht aber auch das ein Teil der Proben bis zu 5 Tage warten muss.

Wenn man übrigens einen Blick in die Nationale Teststrategie wirft sieht man das Reiserückkehrer in der Liste an Stelle 3 bzw 5 Stehen, andere Proben also bei Engpässen bevorzugt bearbeitet werden sollten.

Ob/wie das in einzelnen Laboren konkret umgesetzt wird entzieht meiner Kenntnis, es ist aber möglich das die Proben aus Testzentren für Reiserückkehrer, nach denen von z.B. Praxen, Gesundheitsämtern, Kliniken bearbeitet werden, aber wie gesagt hier nur Spekulation meinerseits.

Da wären doch mehrere sinnvolle Ansätze für weiterführende Recherche.

Allgemein möchte ich zu den Tests anmerken das es im Sommer nur einen geringen Rückgang der Tests gab (nachzuvollziehen in den von mir verlinkten Dokumenten). Die entspannte Zeit im Sommer gab es für die Labore so nicht. Gerade als man wohl die Mitarbeiter ins Frei schicken wollte kam die Bundesregierung auf die Idee alle Reiserückkehrer testen zu lassen und hat damit auch auch in kurzer Zeit alle Versuche Vorräte an Testkits anzulegen vereitelt.

Was übrigens sehr gern vergessen wird ist das die Labore nicht nur SARS-CoV-2 PCR machen. Die komplette normale Labordiagnostik läuft parallel weiter und braucht genauso Maschinen, Zeit und Aufmerksamkeit, auch wenn der Laborbereich generell sehr automatisiert ist. Die Labore würden auch ohne die 1 Mio. Tests pro Woche sehr gut wissen wie sie ihre Tage rumbekommen.

Ohne Fehler und Versäumnisse schönreden zu wollen finde ich das die Menschen die hier im wesentlichen versuchen die Krise zu stemmen, also auch die Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern, eine faire Beurteilung ihrer Arbeit verdient haben. Ein „das kann nicht sein“ auf Basis von einzelnen Berichten führt da ohne weitere Recherche doch nicht weiter.

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Wir haben ganz bewusst niemanden konkret kritisiert, einfach weil wir so weit noch nicht sind. Aus einer journalistischen Perspektive geht es uns auch nicht unbedingt darum, Schuld zuzuweisen. Wir wollten zunächst einmal deutlich machen, dass gerade etwas richtig schief läuft bei uns - zum einen bei den Tests, zum anderen beim Tracing in den Gesundheitsämtern. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sein mögen ist dann erst der nächste Schritt.

Ich denke zB, dass bei knappen PCR-Kapazitäten die Politik dafür Sorge tragen sollte, dass diese Kapazitäten möglichst sinnvoll eingesetzt werden. So scheint es mir nicht sinnvoll zu sein, Reiserückkehrer per PCR zu testen - angesichts des geringen Risikos und der knappen Tests wäre vermutlich ein Schnelltest sinnvoller. Und das Beherbergungsverbot verbietet sich von vornherein, wenn klar ist, dass die für einen reibungslosen Ablauf nötigen Tests überhaupt nicht durchgeführt werden können. Diese weitgehend sinnlose Belastung der Labore hätte man sich schenken müssen.

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Wie von aufmischelefant schon angesprochen: der Grenzwert 50/100.000/7 Tage für eine Region ist ein Indikator, dass in dieser Region bei Überschreitung von diesem Grenzwert das Gesundheitsamt an seine Grenzen kommt (z.B. bzgl. Nachverfolgung). Dann müssen in dieser Region weitere Maßnahmen ergriffen werden (wie z.B. von euch angesprochen: nicht zwingend neue Maßnahmen, sondern verstärkte Überprüfung/Durchsetzung bestehender Maßnahmen). Dieser Grenzwert sagt aber nicht aus, dass aktuell zu viele Menschen in dieser Region infiziert sind und somit Geschäftsreisende oder Urlauber aus dieser Region andere Regionen gefährden.

Weitere Grenzwerte, insbesondere unter Berücksichtigung der Altersstruktur der Infizierten, sind nötig (vgl. auch Drosten-Corona-Podcast #58 bzgl. einer Meta-Studie: die Alterszusammensetzung erklärt fast die gesamte Varianz der Infektionssterblichkeit unterschiedlicher Studien (unterschiedlicher Länder). Siehe z.B. Grenzwerte in Frankreich:

Zum Thema Superspreader und Hotels hier ein Fall aus meinem eigenen Umfeld! Von wegen das gibt es nicht.

Ich habe eure Kritik am Beherbergungsverbot ehrlich gesagt nicht verstanden. Ihr hattet im Frühjahr mehrfach über die Hammer and Dance Strategie berichtet und mein Eindruck war, dass ihr diese auch für sinnvoll gehalten habt. Soweit ich sie verstanden habe, ist ihr Kern Ausbrüche lokal zu begrenzen und dazu muss doch gehören die Reisetätigkeit in Hotspots einzuschränken.
Man kann sich sicher darüber streiten ob das Beherberungsverbot so sinnvoll ist aber die Botschaft ist „Bleibt vor Ort wenn ihr in einem Hotspot wohnt“. Wie könnte man das denn gesetzlich anders umsetzen?