Vorab: Zum Thema Bürokratie empfehle ich folgenden Podcast:
Hier wird klar, dass nicht Bürokratie an sich das Problem ist - die ist sogar notwendig und sinnvoll - sondern „Überbürokratie“.
Ja, wir haben viel Dokumentation zur Haftungsfreistellung (wer mal Verantwortlich für die Haftung des Arbeitgebers für Berufsunfälle war, weiß, wie wertvoll eine gute Dokumentation ist, wenn ein Unfall passiert und die Berufsgenossenschaft kommt). Und viel Dokumentation, weil wir den Verantwortlichen nicht vertrauen, sich an Recht und Gesetz zu halten. Letzteres hat schon deshalb zugenommen, weil wir immer weniger Verantwortliche in Wirtschaft und Verwaltung haben, die eine intrinsische Motivation haben, das Richtige zu tun (Beispiel Lieferkettengesetz). Das sind übrigens die Gleichen, die sich jetzt besonders laut über zu viel Bürokratie beschweren …
Dass es Überbürokratie gibt und davon viel zu viel, will ich überhaupt nicht in Zweifel ziehen. Aber wir müssen aufpassen, dass wir bei dem Versuch, diese wieder abzubauen, nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.
Bürokratie ist die Basis dafür, dass alle Bürger durch Behörden gleich behandelt werden (Rechtsstaatlichkeit, Abwesenheit von Willkür). Gute Bürokratie sorgt für effiziente Abläufe und Struktur in Behörden, Unternehmen und sonstigen Organisationen.
Oftmals ist es gar nicht die Bürokratie, sondern die Einstellung der in der Bürokratie arbeitenden Menschen, denen es schlicht an Kunden- oder Bürgerorientierung fehlt. Wir brauchen Mitarbeiter, die die Antrage nicht bearbeiten, um sie schnellstmöglich vom Tisch zu bekommen, sondern die wollen, dass die Probleme der Kunden oder Bürger gelöst werden.
Das ist ein klarer Mangel an Personalführung, in der öffentlichen Verwaltung, oft genug aber auch in Unternehmen. Meist werden diesen Menschen innerhalb der Organisation nicht mit dem Respekt und der Anerkennung begegnet, mit denen sie den Kunden oder Bürgern begegnen sollten.