Danke für die vielen Antworten. Ich glaube, die Diskussion hat mir geholfen, meine ursprüngliche Frage etwas genauer zu formulieren.
Einiges scheint mir inzwischen relativ unstrittig:
Mehr öffentliches Eigentum erzeugt noch keine zusätzlichen Grundstücke, Handwerker oder Baukapazitäten. Auch öffentliche Wohnungsunternehmen brauchen Kapital, müssen Gebäude instand halten, Rücklagen bilden und effizient wirtschaften. Und bei der Vergesellschaftung bestehender Wohnungen gibt es offene Fragen zu Entschädigung, auch wenn ich glaube, dass @vieuxrenard sie hier eigentlich schon beantwortet hat.
Trotzdem habe ich den Eindruck, dass wir zwei Fragen immer wieder miteinander vermischen:
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Wie schaffen wir mehr Wohnraum?
Dafür brauchen wir Bauland bzw. Nachverdichtung, Baurecht, schnellere Planung, Infrastruktur, Fachkräfte, Bauunternehmen und Kapital. -
Wem soll dieser Wohnraum langfristig gehören?
Das ist eine andere Frage.
Neubau beantwortet zunächst die erste. Vergesellschaftung beantwortet zunächst die zweite.
Deshalb überzeugt mich „Neubau statt Vergesellschaftung“ immer weniger. Vergesellschaftung schafft keine neue Wohnung, richtig. Aber Neubau beantwortet umgekehrt nicht die Frage, wem die bestehenden oder neu gebauten Wohnungen gehören sollen.
Man kann also durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass Berlin viel mehr bauen und gleichzeitig den Anteil öffentlichen, genossenschaftlichen oder sonstigen gemeinwohlorientierten Eigentums erhöhen sollte.
Und genau hier würde ich gerne zur eigentlichen Frage des Threads zurückkehren.
Nehmen wir an, wir sind uns über den Neubau sogar weitgehend einig: Berlin schafft Baurecht und Infrastruktur. Ein privates Architekturbüro plant. Ein privates Bauunternehmen baut. Private Handwerker führen die Arbeiten aus. Eine Bank oder andere Kapitalgeber stellen einen Teil der Finanzierung bereit und erhalten dafür Zinsen. Alle diese Akteure werden für ihre Leistung bezahlt und können daran verdienen.
Warum muss der fertige Wohnraum deshalb dauerhaft einem privaten Investor gehören?
Ich habe darauf im Thread bisher noch keine überzeugende Antwort gefunden.
Es wurden gute Argumente dafür genannt, warum öffentliche Bautätigkeit nicht automatisch effizienter ist. Es wurde auf knappen Boden und knappe Baukapazitäten hingewiesen. Es wurde argumentiert, dass eine Vergesellschaftung zu teuer sein oder Investitionsvertrauen beschädigen könnte. Und es wurde zu Recht darauf hingewiesen, dass Kommunen unter den heutigen Verschuldungsregeln teilweise gar nicht selbst in ausreichendem Umfang investieren können.
Aber das sind für mich noch keine positiven Argumente für dauerhaftes privates Eigentum.
Vielleicht müsste man deshalb die Ausgangsfrage noch schärfer stellen:
Welche konkrete gesellschaftliche Leistung erbringt der dauerhafte private Eigentümer, die nicht auch getrennt eingekauft werden könnte?
Das Bauen können wir einkaufen. Planung können wir einkaufen. Verwaltung und Instandhaltung können wir einkaufen. Und selbst Kapital können öffentliche oder gemeinwohlorientierte Eigentümer am Kapitalmarkt aufnehmen und dafür Zinsen zahlen.
Natürlich trägt ein privater Eigenkapitalgeber auch Risiko. Das ist eine reale Leistung und muss in einem fairen Vergleich berücksichtigt werden. Aber dann würde mich interessieren: Ist die dauerhafte Eigentümerposition tatsächlich notwendig, um dieses Risiko zu übernehmen? Und ist sie für die Gesellschaft langfristig günstiger als öffentliches oder gemeinwohlorientiertes Eigentum?
Denn nach 30 oder 50 Jahren macht die Eigentumsfrage einen erheblichen Unterschied: Sind Kredite weitgehend getilgt, steht dort immer noch dasselbe Haus. Entweder gehört dieser Vermögenswert dann einem privaten Eigentümer, der weiterhin über seine Erträge und einen möglichen Verkauf verfügt, oder er gehört dauerhaft der Allgemeinheit, einer Genossenschaft oder einer anderen gemeinwohlorientierten Struktur.
Deshalb wäre mein Zwischenfazit aus der Diskussion:
Wir brauchen wahrscheinlich viel mehr Neubau, Kapital, Unternehmen und Planungssicherheit. Die Eigentumsordnung folgt daraus aber nicht automatisch. Sie bleibt eine politische Entscheidung.
Und vielleicht sollte genau darüber stärker gesprochen werden:
Nicht nur:
Wie bekommen wir möglichst viele Wohnungen gebaut?
Sondern auch:
Wenn wir sie einmal gebaut haben, wem sollen sie in bspw. 50 Jahren gehören?