Heho,
in vielen Bundesländern (ich weiß es von Thüringen, Hessen und Sachsen-Anhalt) kürzen die Länder gerade massiv an den Haushalten der Hochschulen (bspw. hier schon thematisiert: Drohende Kürzungen an hessischen Hochschulen ? )
Dabei merke ich, dass mir da grundlegend ganz viel Verständnis fehlt:
Gibt es Mechanismen die Länder direkt dafür belohnen Studierende auszubilden?
Also bekommt beispielsweise Thüringen etwas dafür, wenn sie mehr Studierende ausbilden als sie Abiturienten haben die ein Studium aufnehmen? Gibt es da einen Ausgleich zwischen Bundesländern und wenn ja wie gehen die mit Leuten um die zwischen Master und Bachelor wechseln?
Wie ist das mit internationalen Studierenden? Haben die Länder einen Vor- oder Nachteil wenn der Anteil an internationalen Studierenden besonders hoch ist in den eigenen Hochschulen?
Gibt es irgendeine Koordination zwischen den Ländern was ausgebildet wird? Also wie schnell würde auffallen dass wir chronisch zu wenig Chemie-Studienplätze anbieten und die Industrie mehr nachfragt und gäbe es irgendeine Motivation für die Länder da entsprechend gegenzusteuern, gerade wenn es um eher teure Studiengänge geht?
Allgemein wird häufig argumentiert, dass die Länder durch die Hochschulen Fachkräfte gewinnen können, wenn die Studierenden nach dem Studium einfach in der Region bleiben - zumindest in meinem Umfeld wechseln aber fast alle zwischen Bachelor und Master die Hochschule, warum also noch Bachelor anbieten und nicht nur Master? Und zumindest für die ostdeutschen Bundesländer stellt sich die Frage ob diese Logik überhaupt funktioniert, wenn die gut bezahlten Stellen sowieso im Westen sind… Dazu kommen Studiengänge die zwar viel Kosten aber wenig BIP bringen (bspw. Kunst mit sehr intensiver Betreuung und Absolventen die häufig kaum etwas verdienen)
Heute dazu auch ein passender Artikel in der Tagesschau: Die MINT-Lücke bleibt trotz Konjunkturschwäche groß | tagesschau.de
Wir suchen MINT-Studierende, gerade aus dem Ausland wird dafür rekrutiert - aus Thüringen weiß ich, dass die Angst besteht die Menschen auszubilden nur damit sie dann in Westdeutschland arbeiten - bekommt ein Bundesland irgendwelche Vorteile dadurch eine:n MINT-Student:in auszubilden?
Beispiel Hessen:
Hier der Plan des Landes - bei der Vorstellung wurde die Planungssicherheit für die Hochschulen betont…
Die Medien haben das ganze kurz aufgegriffen - da dann auch die parteipolitischen Positionierungen dazu. Zitat aus dem Artikel zur UAS Frankfurt: “Eingestellt werden laut Senat zwei ingenieurwissenschaftliche Studiengänge, die durch zusätzliche Praxis und einer damit einhergehenden intensiveren Betreuung der Studierenden charakterisiert waren.”
Und hier noch die Darstellung der Uni-Kassel, gibt es so ähnlich an allen betroffenen Hochschulen (zumindest soweit ich das überblicken konnte)
In der Diskussion geht es scheinbar nur darum wieviel Geld das Land hat und wieviel es den Universitäten gibt - kennt sich da jemand aus? Eigentlich würde man ja erwarten dass auch Nachfrage-Angebot betrachtet wird. Also was leisten die Hochschulen aktuell und was wird gebraucht?
Ich habe jetzt mit kurzer Recherche gefunden, dass Hessen ca. 43000 Erstsemester aufnimmt und gleichzeitig nur 23000 Abiturient:innen ausbildet - das wird in der Diskussion aber nicht besprochen
Gibt es Analysen welche Länder in diesem Kontext “Geber” und “Nehmer” sind? Bzw. wer besonders viele Hochschulplätze anbietet und wer weniger Plätze anbietet als Abiturient:innen von den Schulen abgehen?
Ich kenne mich nicht bei der Diskussion bei den Hochschulen aus. Aber bei den Grund- und weiterführenden Schulen ergibt sich aus den “Bedarfsanalysen” der Kultusministerkonferenz und den Bildungsministerien der einzelnen Länder immer zufällig und praktischerweise, dass der jeweils im Haushalt vorgesehene Betrag zur Finanzierung ausreichend ist. Das macht mich dann schon ziemlich stutzig, vor allem wenn ich in der Praxis beobachte, dass es deutlich mehr Personal bräuchte um die tatsächlichen Bedarfe auch zu erfüllen.
In den 43.000 Erstsemestern sind auch Studierende an den Fachhochschulen inbegriffen. Dort reicht die Fachhochschulreife, ein Abitur wird nicht verlangt. Deutschlandweit machen fast so viele Schüler:innen eine Fachhochschulreife wie ein Abitur, entsprechend kann das in Hessen schon so hinkommen, ohne das es wahnsinnigen Zuzug von außen gibt.
Das finde ich eine schwierige Diskussion. Studienplatz ist nicht gleich Studienplatz. Und das Abitur ist nicht der einzige Weg, um an eine Universität zu kommen (auch Handwerksmeister erhalten beispielsweise in der Regel automatisch die Hochschulzugangsberechtigung). So eine Sichtweise fördert nur einen oberflächlichen “****Längenvergleich” zwischen Bundesländern.
Interessant wäre ein qualitativer Vergleich der Hochschullandschaft: Wer bildet besonders viele Studierende in stark nachgefragten/gesellschaftlich wichtigen Berufen aus? Wo sind die Studienbedingungen (einschließlich der Wohnsituation) besonders gut? Wo werden Hilfskräfte und Doktorand:innen angemessen bezahlt und haben Jobsicherheit? Wo gibt es besonders viele “Bildungsaufsteiger”, also Menschen, die über ein Studium einen höheren Bildungsabschluss und größere wirtschaftliche Unabhängigkeit als ihre Eltern erreichen?
Das sind die Art von Fragen, die uns gesellschaftlich interessieren sollten und um die sich die öffentliche Debatte drehen sollte.
Laut Pressestatement der CDU ( Abschlussprüfung 2025 – Bildungsminister Schwarz drückt allen Prüflingen die Daumen - CDU Hessen ) sind das ca. 8000 - unter dem Strich kommen also Studierende für das Studium nach Hessen (Quelle ist nicht perfekt, aber die Größenordnung dürfte stimmen)
Mir geht es auch gar nicht darum ob und wer mehr Studierende ausbildet als Schüler*innen von den Schulen abgehen oder nicht - mir geht es um die Frage welche Motivation ein Land hat Studienplätze zu schaffen, weil genau da liegt der Unterschied im Vergleich zum von dir zitierten Schulsystem
Bei den Unis muss nichts reichen - alle Kinder und Jugendliche müssen in die Schule, wenn das Geld da nicht reicht wird die Qualität schlecht, aber das Land kann nicht sagen, dass sie keine Schulplätze anbieten - bei Unis geht das sehr wohl: Wenn das Geld nicht reicht wird an den Hochschulen gekürzt und im Zweifel bedeutet das weniger Studierende werden ausgebildet
Ich sehe gar keinen Unterschied in unserer Frage - mir geht es keinesfalls darum Studierendenzahlen als neue Metrik wessen Bildungspolitik gut/schlecht ist aufzumachen
aber der von dir angesprochene
besteht bereits: Die Länder konkurieren um die Fachkräfte an denen es mangelt, wenn sie diese selbst anstellen sogar ganz direkt, sonst konkurieren die entsprechenden Wirtschaftsakteure in den Ländern
In der Bildung sind es aber die selben Länder die investieren - wo ist jetzt der Anreiz für ein Bundesland wie Berlin weiter Unis zu haben, wenn das selbe Geld einfach als Anreiz für frisch ausgebildete Absolvent*innen aus den neuen Bundesländern verwendet werden kann? Berlin findet damit genug Fachkräfte und spart sich die Unis - aber als Gesamtsystem wäre das desaströs