Bellizistische Haltung der Lage?

Vielleicht kannst du diese Kritik mal kurz zusammenfassen oder die Folge mit Zeitangabe verlinken, damit wir den konkreten Inhalt der Kritik einordnen können.

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Das schadet im Sinne von Zeitverschwendung. Diese Positionen sind endlos durchgekaut und verworfen worden, aus den oben mal wieder zahlreich dargelegten Gründen. Keiner der o.g. Einwände konnte bisher von irgendwem, der ein „Deeskalation“ fordert (auch von dir übrigens nicht, du gehst auf keinen der Einwände ein und bleibst einfach bei deiner Ausgangsforderung stehen, ohne inhaltliche Begründung oder Diskussion), auch nur im Ansatz entkräftet werden, da kommen ausschließlich nebulöse Leerformeln. Wenn die Position mal auf Grund veränderter Tatsachen (Putin fällt aus dem Fenster oder so…) oder mit einem bahnbrechend neuen Argument begründet wird, kann das gern nochmal auf den Tisch, aber eine unhaltbare Position immer und immer wieder aufzugreifen ist Zeitverschwendung.

Ich finde, wer stattdessen (als ob das einander ausschließende Ansätze wären) den Verzicht oder die Reduktion militärischer Unterstützung für ein angegriffenes Land in Verteidigung gegen einen völkermörderischen Angriffskrieg unterstützt, sollte auch benennen, welches politische Ergebnis damit erreicht werden soll – und ob dieses realistisch ist. Die Frage muss man sich schon gefallen lassen. Und dann bitteschön irgendwann auch mal substantiell beantworten, anstatt immer nur zu fordern, dass die andere Seite dazu was sagen soll, das dann zu ignorieren und für die eigene Position immer an der Schwelle zur Realität stehen zu bleiben und sich die Augen zuzuhalten.

Auch so ein Elendsargument, das soooo oft durchdekliniert wurde und bei dem die empirische Trifftigkeit mindestens fragwürdig bleibt. Ohne, dass ich das jetzt nochmal durchdiskutiere, ich finde es etwas respektlos diese Diskussionen immer und immer wieder ganz von vorne anzufangen, als wäre das nicht x-mal besprochen worden. Auch hier im Thread haben sich einige ja nochmal die Mühe gemacht, darauf einzugehen.

Dann erklär mal, wie eine realistische und gleichzeitig gerechte Lösung aussehen soll, im konkreten Konflikt, die am Ende Russland unterschreibt. So ein „Ansatz“ hätte ganz ohne Ironie meine volle Aufmerksamkeit. Ich habe da aus friedenspolitischer Perspektive eigentlich ausschließlich Ansätze gehört, die alle darauf rauslaufen, die Ukraine und ihre Menschen mal in größeren, mal in kleineren Scheibchen an eine russische Terrordiktatur zu verfüttern und weiteren Angriffen gegenüber wehrlos zurückzulassen, falls der russische Appetit dann noch nicht gestillt sein sollte. Es gab eine ausgehandelte, gerechte Lösung. Das Budapester Memorandum, die völkerrechtlich klaren Grenzen der Ukraine. Die Rückkehr zu dieser gerechten Verhandlungslösung, wird aber heute schon als kriegstreiberische Maximalforderung verteufelt. Wie eine „gerechte“ Lösung unterhalb dieser Schwelle aussehen soll, die nicht dem Aggressor mehr oder weniger nachgibt hab ich nirgends gelesen.

Es tut mir ein bisschen Leid, dass es dich grade trifft, aber hier im Forum wird seit nun über 3 Jahren in Endlosschleife von wechselnden Kommentatoren deine Position vertreten, man müsse solchen Ansätzen Gehör verschaffen, ohne das irgendeine grundlegende, offensichtliche Frage zum konkreten Konflikt und möglichen Lösungen auch nur im Ansatz intellektuell redlich beantwortet werden konnte. Meist wird nichtmal der Versuch unternommen, auf die Gegenposition einzugehen. Ich finde es etwas respektlos gegenüber allen anderen Teilnehmern im Forum immer wieder damit anzukommen, ohne früheren, widerlegten Argumenten etwas hinzuzufügen. Es gibt ja hier auch nicht alle 4-6 Wochen eine Neueröffnung der Diskussion, dass längst mehr, schneller geliefert werden müsste, obwohl das nicht passiert. Weil die Argumente dazu reichlich ausgetauscht sind.

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Ich mag die nicht in aller Ausführlichkeit zusammenfassen, du verpasst da aber nichts. Für mich war ein Tiefpunkt unter vielen dass Ulf und Phillip zunächst vorgeworfen wurde, sie würden ihre Position nur vertreten, weil sie selbst oder ihre Kinder nicht von den Folgen betroffen wären. Als später klar wurde, dass genau das besprochen wurde und das Gegenteil der Fall ist, wurde das nicht etwa so kommentiert, dass diese Kritik damit entkräftet wäre, sondern dass das die Position der beiden nur noch verwerflicher mache, weil sie sogar ihre eigenen Kinder opfern würden. Ad hominem und egal wie die Fakten aussehen, bleibt die Kritik identisch. Auf dem Niveau voller unstrukturierter, nur lose zusammenhängender Nicht-Argumente, empirisch falscher Aussagen und argumentativen Fouls geht das (buchstäblich) Stunden und Stunden.

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So sehr ich mir auch wünschen würde, dass man mit Russland in Zukunft in Frieden leben kann und man über Verhandlungen zu diesem Ergebnis kommt, so kann man nicht die massive Aufrüstung Russlands ignorieren.

Natürlich sollte man versuchen mit Putin zu reden aber man darf die zeitliche Komponente nicht unterschätzen. So lange es keine Einigung gibt, die auch eingehalten wird, muss Europa, muss Deutschland, aufrüsten um die Mittel und Soldaten zu haben einer russischen Bedrohung zu begegnen. So böse es ist aber der Krieg in der Ukraine ist für uns im Moment insofern „gut“ als dass er größere russische Kräfte bindet. Man stelle sich mal vor was passiert wenn dort morgen dann Frieden herrscht und Russland seine kampferfahrenen Verbände an die Grenze zum Baltikum und nach Weißrussland verlegt…

Für den Moment ist es leider so, dass Deustchland und Europa keine andere Wahl haben als die Ukraine massiv zu unterstützen und parallel massiv aufzurüsten. Und nicht anderes erwarte ich persönlich vom Staat: Für unsere Sicherheit zu sorgen. Und im Moment tut er das nicht.

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Das größte Problem, moralisch wie politisch, ist in meinen Augen die Zurückhaltung bei der Unterstützung der Ukraine.
Hätte man die Ukraine von Beginn des Krieges an besser unterstützt, hätte man eventuell schon den Punkt erreicht, dass sich der Krieg für Russland nicht mehr lohnt. Aber das hat „der Westen“ und vor allem auch Deutschland nicht getan, sei es nun aus wirtschaftlichen Gründen oder weil es wirklich Bedenken hinsichtlich einer Eskalation gab.
Und daher, finde ich, kann man schon fragen:
Haben die EU und die USA die Ukraine leichtfertig zu einen Konflikt mit Russland verleitet, den dann ausgerechnet die USA und vor allem die EU nicht bis zum Ende ausfechten wollten?

Aber ungeachtet dieser, mMn berechtigten Frage, ist die Lage halt inzwischen wie sie ist. Wenn die Ukraine komplett unter russische Kontrolle fällt, z.B. durch ein weitestgehende Kapitulation, dann stehen Racheankte an ukrainischen Soldaten, Plünderungen und Vertreibungen zu befürchten.
Deswegen halte ich ein Einstellen der Unterstützung für das potentiell schlimmere Szenario.

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Das impliziert eine Entscheidungsposition der Ukraine, die es so nicht gab. Das meinst du nicht, oder?

Und ethnische Säuberungen. Die offensive Ablehnung alles Ukrainischen durch Leute wie Medwedew (andere sind ggfs. subtiler) ist nicht neu, die Pläne für Massengräber sind bekannt, die Verschleppung von Kindern und das brutale Vorgehen in den besetzten Gebieten auch. Es ist absolut damit zu rechnen, dass in einer russisch kontrollierten Ukraine alle Träger ukrainischen Kulturguts (Künstler, Lehrkräfte, Historiker usw.) radikal beseitigt werden.

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Das impliziert, dass es nicht Russland allein war, das alle geltenden Verträge, Abkommen und Regeln zu den Beziehungen zwischen Ukraine und Russland zerrissen hat, gebrochen übetreten hätte, sondern die Ukraine ohne tatsächliche oder erwartete Unterstützung diesen Konflikt hätte abwenden können (hätte sie dann vielleicht ein längeres Kleid oder weniger Schminke getragen, wenn sie sich nicht so sicher gefühlt hätte). Dafür fehlt die Grundlage, denke ich. Ansonsten stimme ich dir aber zu.

Ergänzung: Bezogen auf 1994 könnte man so argumentieren, dass die Ukraine ihre Nuklearwaffen nicht aufgegeben hätte, wenn sie nicht die wertlosen Zusicherungen bekommen hätte.

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Das gab es so natürlich nicht. Aber es haben ja damals schon viele Experten gesagt, dass Russland die Ukraine nun einmal als Teil seiner Einflusssphäre ansieht und das Russland eine westliche Ausrichtung der Ukraine nicht hinnehmen wird.
Das ist natürlich völkerrechtlich nicht in Ordnung und wir können das verurteilen und auch der Ukraine helfen da rauszukommen. Aber dann müssen wir es auch richtig machen, auch mit schmerzhaften Sanktionen und mit soviel Waffenlieferungen wie wir gerade noch verschmerzen können.
Aber genau das haben wir halt nicht getan. Und genau deshalb müssen wir uns eben solche Fragen, wie ich oben formuliert habe, stellen.

Edit:
Und bei diesem „wir“ beziehe ich mich selbst auch ausdrücklich mit ein. Ich hab z.B. auch bis kurz vor der Invasion der Ukraine nicht geglaubt, dass die Russen soweit gehen würden, ungeachtet des vorherigen Stellungskrieges in der Ost-Ukraine.

Nein, das tut es nicht zwingend. Die Antwort an @Eule gilt hier im Grunde auch.

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Generell sollte man aber erkennen, dass mehr Waffen auf allen Seiten, sprich Aufrüstung im großen Masstab, nicht mehr Frieden bringt. Dazu muss man nur in die Geschichte schauen. Ja, wenn nur eine Seite aufrüstet kann das irgendwann sicherheitsmässig ein Problem werden. Deswegen muss das oberste Ziel sein über Diplomatie dieses Aufrüsten zu stoppen. Auch hier, man muss nur in die Geschichte schauen.

Und was sieht man dann in der Geschichte, in die man nur mal schauen muss? Wie man Menschen, die Gewalt anwenden wollen, um ihren bösen Willen anderen aufzuzwingen, mit waffenloser Diplomatie davon abhält?

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Finde das ehrlich gesagt extrem anachronistisch. Verleitet wurde hier niemand. Die Ukraine hat seit ihrer Unabhängigkeit den Anschluss an den Westen gesucht. In diesem Kontext ist auch eigentlich das Budapest Memorandum zu verstehen, als Signal an damalige US Abrüstungsbemühungen, dass man ein verlässlicher Partner ist. Ich bezweifle, dass man den Vertrag selbst wirklich als verlässliche Garantie gesehen hat in der Ukraine. Dass die Ukraine stets, aufgrund ethnischer diversität und geografischer Lage balancing zwischen Ost und West betrieben hat, sollte einen gerade als Deutscher nicht verwundern. Das selbe gilt für ukrainische, georgische und armenische Beteiligung in Afghanistan. Wenn man sich die damaligen Umfragen im Bezug auf die EU vs Eurasische Union zeigt sich klar, selbst in der Ostukraine wollen die Leute lieber teil der Union werden.
Die Annahme, das Verhalten der Union im Bezug auf ihre Aufnahmekandidaten wäre irgendwie einladend, ist spätestens nach dem Mazedonien Desaster doch eher absurd. Die europäische Integration ist für die Staaten in Europa einfach der realistische Weg die eigene Wirtschaft auszubauen, Westeuropäischer Rassismus und europäische Bürokratie hat noch keinen CEE Staat davon abgehalten teil der Union werden zu wollen. Umgekehrt wird ein Schuh draus, das zögerliche Verhalten und stete abweisen, wird in Russland als Schwäche wahrgenommen die man als Hebel benutzen kann. Selbst sicherheitspolitisch völlig von Russland abhängige Staaten, wie Armenien (seit den 90ern in der GUS und OVKS) streben in die EU und lassen sich wie in 2013 nur unter direkten Druck dazu bewegen, der eurasichen Union beizutreten und trotzdem hat Armenien seit 21, das CEPA abkommen mit der EU.
Wenn man jetzt zynisch sein wollte, könnte man fast sagen, der ukrainische Versuch sich gegen Russland zu behaupten hat deren europäische Integration erst richtig ins Rollen gebracht, weil es die EU gezwungen hat Position zu beziehen. Im Gegensatz zu den Staaten im Balkan stellt heute niemand mehr in Frage, dass die Ukraine Teil der Union werden sollte.

Man hat hier, das Gefühl, dass analog zur Frage der pull faktoren in der Migration, die verleitung allein in funktionierender Staatlichkeit in ihrer trivialsten Form, verlässlicher Output, besteht.

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Unser Ziel ist es, Putins Ambitionen (die Ukraine zu vernichten) zu unterbinden. Und das hat bisher mehr als gut funktioniert, vor allem wenn man sich Augen führt, dass man im Februar 2022 mit einem Kollaps des organisierten Widerstandes rechnete. Weiterhin ist ein Russland welches in der Ukraine gebunden ist, für uns erst mal keine direkte Bedrohung. So furchtbar es für die Ukrainer ist, es verschafft uns Zeit. Und dass die Russen die EU im Visier haben, ist ja hinlänglich aus Schriften, Worten und Taten bekannt.

Diese Binse vergisst immer den vorherigen Teil: Jeder Krieg der nicht mit einem totalen Sieg/Niederlage endet, wird zuvor auf dem Schlachtfeld entschieden und erst danach am Verhandlungstisch beendet. Das bedeutet: die Beteiligten müssen der Meinung sein, dass eine Fortführung des Krieges, aus welchen Gründen auch immer, weniger Sinn macht als Verhandlungen und allen Konsequenzen die daraus erfolgen.

Bezogen auf die Ukraine bedeutet das: Macht es für die Ukrainer Sinn jetzt aufzuhören zu kämpfen, damit Russland seine Stärken sammeln kann um in paar Jahren wieder das Land zu überfallen? Ich sehe nicht, dass der Westen den Ukrainern helfen kann (will), sich in der Zwischenzeit bis an die Zähne für diesen Fall zu bewaffnen.
Und macht es für die Russen Sinn, deren gesamte Wirtschaft und Gesellschaft auf den Krieg gepolt ist, jetzt aufzuhören? Vor alle auch weil die russischen Streitkräfte langsam aber sicher Fortschritte machen.

Diplomatie wurde ununterbrochen versucht, hat aber offensichtlich nicht funktioniert wenn das Gegenüber bereit ist, seine Ziele mit Waffengewalt zu erreichen (oder denkt er könnte sie erreichen). Und wieso ein Waffenstillstand in der jetzigen Lage wenig Sinn macht habe ich oben beschrieben.

Bezüglich Sicherheitsgarantien: das hat ja offensichtlich auch nicht funktioniert (Stichwort Budapester Memorandum). Beziehungsweise: wer sollte zukünftige Sicherheitsgarantien abgeben? Es gibt nur eine ernsthafte Macht die dazu militärisch in der Lage ist: Die USA. Aber wo diese unter dem genialen Deal Maker stehen ist ja leider hinlänglich bekannt. Und bevor jemand die EU erwähnt: diese kann sich nicht einmal selbst beschützen.

Und wurde die sogenannte Drittstaatenlösung nicht vor allem unter Kanzler Scholz gepusht? Das Problem hier ist, dass es 1. den Beteiligten am Willen fehlt die Kampfhandlungen jetzt einzustellen wodurch das ganze von Beginn an zu scheitern verurteilt sein wird (siehe oben) und 2. keiner der Drittstaaten die nötige geopolitische Macht hat (Südafrika oder Brasilien). China, und vielleicht Indien, sind hier Ausnahmen aber diese Staaten haben ihre eigenen Ambitionen und es wäre wahnsinnig zu glauben, dass die Chinesen in solch einem Szenario nicht ihre eigenen Interessen in eine europäische Sicherheitsarchitektur verbauen würden.

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Ok, habe mir die betreffende Stelle jetzt angehört. Mit weiten Teilen der Kritik konnte ich wenig anfangen, aber der zentrale Stein des Anstoßes war ja wohl folgende Aussage von Phillip: „du brauchst Persönlichkeiten, die jetzt voran gehen und den Europäern erklären, ihr werdet eure Söhne und Töchter in den Wehrdienst schicken müssen - mit der Aussicht, dass sie in den Krieg ziehen.“
Und da ist es natürlich grundsätzlich völlig fair, so eine Aussage zu kritisieren. Denn selbstverständlich ist ein verpflichtender Wehrdienst mit Aussicht auf Kampfeinsatz nicht alternativlos. Ich kann mir vorstellen, dass die Haltung von Phillip dazu etwas differenzierter ist, als er es mit diesem Satz darstellt. Leider führen solche Aussagen aber auch nach meiner eigenen Erfahrung dazu, dass sich bei vielen eine Erwartungshaltung herausbildet, dass jeder bereit sein muss, sein eigenes Leben und das seiner Kinder im Extremfall zu riskieren, um Demokratie und Freiheit zu verteidigen. Und das finde ich tatsächlich mehr als befremdlich und hoffe sehr, dass das in Deutschland nicht Mehrheitsmeinung wird. Allein die Tatsache, dass Menschen sich hinstellen und behaupten, sie wären zu so etwas bereit ist doch ein eklatanter Mangel an Demut. Bis auf ganz wenige Ausnahmen würde ich behaupten, dass man das genau zu dem Zeitpunkt belastbar sagen kann, wo man dem Tod ins Auge blickt oder der ungewisse Abschied eines geliebten Menschen unmittelbar bevor steht. Ich kann etwas dazu sagen, was ich mir für mich und andere wünschen würde, aber ich würde mir niemals anmaßen, Menschen zu verurteilen, die sagen, dass sie dazu nicht bereit sind.

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Wir müssen unterscheiden zwischen Russland und Putin, Putin ist bellizistisch, Russland muss es ohne Putin nicht bleiben. Putin ist der Dreh- und Angelpunkt, ihn dürfen wir keinerlei Zugeständnisse machen. Ich fürchte, Trump tut es, das ist die Gefahr.

Nebenbei bin ich für ein freies Jakutien ohne ihre aktuelle Kolonialmacht.

Ja, die Aussage ist unglücklich. Ich bin wie schon so oft gesagt auch gegen einen Wehrdienst (weil er keinesfalls „alternativlos“ ist, sondern viel mehr international betrachtet eine Ausnahme ist: Der internationale Normalfall ist gerade „kein Wehrdienst“). Und wenn ein Wehrdienst für die Verteidigungsfähigkeit notwendig sein sollte ist das Ziel ja gerade, etwaige Kriege durch Abschreckung zu verhindern (nach dem Motto: „Wir haben eine starke Armee und eine vorbereitete Zivilbevölkerung mit hunderttausenden Ex-Wehrdienstleistenden, die im Verteidigungsfall eingezogen werden können. Ihr wollt uns nicht angreifen!“), daher ist die Formulierung der „Aussicht, in den Krieg zu ziehen“ ungünstig. Denn das blendet die eigentliche Realität aus: Die Aussicht, in den Krieg ziehen zu müssen, haben grundsätzlich alle jungen Männer, egal ob mit Wehrpflicht oder ohne Wehrpflicht. Diese Aussicht hat wenig mit der Existenz eines Wehrdienstes zu tun. Im Gegenteil kann man eben argumentieren, dass eine durch einen Wehrdienst verstärkte Armee/Bevölkerung ein Argument für einen etwaigen Aggressor ist, gerade keinen Krieg anzufangen, die Kriegsgefahr durch Einführung eines Wehrdienstes daher eher sinkt als steigt. Deshalb halte ich die Aussage auch für einen taktischen Fehler und logischen Fehlschluss. Viel mehr bräuchte man Persönlichkeiten, die den Europäern erklären, dass weitere Untätigkeit im Hinblick auf die Wehrfähigkeit gerade dazu führen kann, dass ihre Töchter und Söhne möglicherweise bald völlig unvorbereitet in einen Krieg ziehen müssen.

Das ist immer schwierig, ähnlich wie zu unterscheiden zwischen „den Amerikanern“ und Trump oder „den Türken“ und Erdogan. Was diese Autokraten vereint ist eben, dass sie starken Rückhalt in ihren jeweiligen Bevölkerungen haben und die Teile der Bevölkerung, die sich gegen die Autokraten wehren, massiv unterdrücken.

Also ja, wir müssen schon zwischen „Guten Russen“ und „Bösen/Gleichgültigen Russen“ unterscheiden und auch anerkennen, dass viele Russen einfach durch ideologische Staatsmedien verblendet sind, aber das darf nicht davon ablenken, dass es innerhalb Russlands auch große Zustimmung für den Ukraine-Krieg und generell den expansionistischen, aggressiven Nationalismus Putins gibt.

Dieses Narrativ vom „Führer, der das Volk verführt habe“ halte ich für problematisch, auch im Hinblick auf die eigene Geschichte. Es muss nicht nur Putin weg, sondern Russland muss auch „entputinifiziert“ werden. Sonst tritt nur ein anderer Größenwahnsinniger wie Medwedew an Putins Stelle, dann haben wir den gleichen Irrsinn, aber vermutlich noch deutlich inkompetenter und damit auch gefährlicher (wenn man sich seine Aussagen zu Atomwaffeneinsätzen so anhört…).

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Dass Abrüstung den längsten Zeitraum mit Frieden ermöglicht hat. Dass Diplomatie, Kommunikation und Kompromisse mit der Udssr einen totalen Wandel in Europa ausgelöst hat (den man auch zu Beginn nicht glauben wollte).
Natürlich darf man das nicht mit Appeasement verwechseln. Es geht nicht darum sich zu unterwerfen. Nur werden mehr Waffen auf beiden Seiten unsere Welt nicht sicherer machen.

Dem würde ich absolut zustimmen, aber was die Welt noch unsicherer macht, ist, wenn eine Seite „mehr Waffen“ anhäuft (wie es Russland mit seiner aktuellen Kriegswirtschaft zweifelsohne tut!) und die andere Seite das nicht tut. Das ist das zentrale Problem:
Idealerweile rüsten beide Seiten ab. Das hat in der späten Phase des Kalten Krieges und danach auch funktioniert. Das hat den Frieden ein gutes Stück weit gesichert. Aber jetzt rüstet eine Seite massiv auf und wenn dadurch ein Ungleichgewicht entsteht hat die andere Seite ein massives Problem und die Kriegsgefahr steigt massiv.

Die richtige Einschätzung ist daher mMn:

  1. Ideal ist es, wenn beide Seiten wenig Waffen haben.
  2. Suboptimal ist es, wenn beide Seiten viele Waffen haben. („Gleichgewicht des Schreckens“)
  3. Katastrophal ist es, wenn eine (noch dazu aggressiv-expansionistische) Seite viele Waffen und die andere Seite wenig Waffen hat.

Wir können nicht direkt beeinflussen, wie weit Russland aufrüstet. Man kann mit Diplomatie auf Russland einwirken, aber das hat aktuell leider absolut keine Aussicht auf Erfolg, ohne im von dir selbst als problematisch bezeichneten Appeasement zu landen („Okay, ihr dürft die Ostukraine und die Krim behalten, wenn ihr dafür versprecht, abzurüsten…“; wobei ich bezweifle, dass sich Putin selbst darauf einlassen würde!). Und in dieser Situation wäre es absolut fatal und naiv, wenn Europa nun sagt: „Okay, wir machen den ersten Schritt und rüsten nicht weiter auf, während wir sehen, dass Russland massiv auf Kriegswirtschaft setzt und aufrüstet…“. Denn das würde bedeuten, darauf zu vertrauen, dass Russland uns schon nicht angreift, aber gerade weil Russland in diesem Szenario maßgeblich überlegen wäre, hätte es gar keinen Grund, nicht anzugreifen.

Deshalb bin ich ganz klar für Aufrüstung, weil ich das Szenario des „aufrüstenden Aggressors und pazifistischen Opfers“ für wesentlich gefährlicher halte als das Szenario des „Gleichgewichts des Schreckens“, auch wenn ich dir zustimme, dass ein Szenario gegenseitiger Abrüstung ideal wäre. Aber das sehe ich mit einem nationalistisch-expansionistisch-imperialistischen Russland unter Putin absolut nicht als möglich an. Daher: Jetzt aufrüsten - und wenn es irgendwann eine Änderung in Russland gibt sollte natürlich eine massive gegenseitige Abrüstung stattfinden.

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Vielleicht nochmal zu Deinen Fragen:

Zu 1. wohin soll das eigentlich führen?

Eine sehr gute und berechtigte Frage. Ich würde diese noch etwas erweitern:
In was für einer Welt wollen wir eigentlich leben?
In der sich die Schwächeren der Macht des Stärkeren beugen müssen? Oder in der alle friedlich ohne Waffen gleichberechtigt und mit Respekt zusammenleben? Oder eine Welt, in der wir versuchen wenigstens etwas Recht und Sicherheit aufrecht zu erhalten?

Was davon ist aktuell realistisch und wie zu erreichen?

zu 2. wie enden Kriege wirklich?

Meist kommt es zu Verhandlungen, wenn einer der folgenden Fälle eintritt:

  • eine Seite steht militärisch vor dem Kollaps und muss verhandeln/kapitulieren (wie Deutschland 1945)
  • eine Seite stellt fest, das man mit den eingesetzten Kräften nicht gewinnen kann und man nicht bereit ist mehr zu investieren (wie Vietnamkrieg 1973)
  • beide Seiten stellen fest, das sie sich militärisch festgefressen haben und absehbar nicht weiterkommen, und die eingesetzten Kosten zu hoch sind (wie Korea 1953)

Ich kenne jetzt keinen Fall, in dem beide Seiten einen plötzlichen Friedenswillen entdeckt hätten und darum verhandelt haben. Bin aber auch kein Historiker.

Bei der Ukraine muss wohl also erst einer dieser Fälle eintreten, befürchte ich.

Zu 3. Diplomatie ist keine Illusion

Sicher nicht. Sie funktioniert, wenn zwei oder mehrere Seiten miteinander reden und in etwa das gleiche Ziel haben. Also sowas wie Frieden.

In Bezug auf Putin frage ich mich, wie so ein diplomatischer Ansatz genau aussieht? Muss die Ukraine und der Westen erst etwas anbieten? Was ist wenn Putin das nicht ausreicht? Muss Russland Entgegenkommen zeigen? Wie genau und warum sollte er das aktuell tun?
Welche Rechte und perspektivische Existenzberechtigung hat die Ukraine dabei? Darf sie mitbestimmen über ihre Zukunft?

Bei allen Experten für diplomatische Lösungen endet die Diskussion leider immer bei diesen Fragen oder bleibt sehr unkonkret.
Was ich schade finde, weil ich hätte gern eine Lösung ohne militärische Gewalt.

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Ein Großteil dürften gleichgültigen Russen sein, die sich nicht auflehnen, was in vielen Fällen verständlich ist.
Wenn wir Russland und Putin auseinanderhalten, eröffnen wir gedankliche Spielräume. Wir müssen uns vorstellen können, dass es ein anderes, ein friedliches und ein demokratisches Russland geben kann.
(Medwedew muss sich in ein nachputinisches Russland erst einmal als Nachfolger durchsetzen. Meistens tauchen dann plötzlich Leute auf, die wir alle noch nicht kennen.)
Bei Trump und Erdogan wissen wir, dass die Hälfte der Bevölkerung die Männer nicht gewählt haben.

Vorstellen kann man sich das. Wir kommen wir zeitnah zu diesem Russland?

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