Den von Dir genutzten und nicht belegten Wert 18.700€ habe ich gefunden – er stammt aus der ChemSec-Studie „The Top 12: PFAS producers in the world and their emissions" bzw. dem darauf aufbauenden „PFAS Cost Calculator" (2023). ChemSec verweist dort auf Berechnungen, die ursprünglich auf dem Nordic Council of Ministers Report (2019) basieren.
Wie die 18.700 €/kg zustande kommen:
Die Methodik:
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Nordic Council schätzt Gesundheits- und Umweltkosten aller PFAS in der Umwelt im EWR auf 52–84 Mrd. €/Jahr.
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Diese Summe wird durch geschätzte jährliche PFAS-Emissionen geteilt → ergibt einen €/kg-Wert für emittierte PFAS.
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ChemSec wendet diesen Wert dann auf produzierte Mengen an.
Warum das auf gebundenes PVDF im Akku nicht anwendbar ist:
Hier liegen mehrere methodische Fehler:
Fehler 1: Emission ≠ Produktion Der Nordic-Council-Wert bezieht sich auf freigesetzte PFAS, nicht auf produzierte. Diese werden über Wasser, Luft, Boden mobil und verursachen Gesundheitskosten. PVDF im Akku ist gebunden – die Emission ist ein Bruchteil der eingesetzten Menge.
Fehler 2: Monomere/Kleinmoleküle ≠ Polymer Die Gesundheitskosten im Nordic-Report stammen ganz überwiegend von bioverfügbaren PFAS (PFOA, PFOS, PFHxS – im Blut nachweisbar, plazentagängig). PVDF ist hochmolekular, nicht resorbierbar. Die toxikologische Datenbasis hinter den 18.700 € passt nicht zu PVDF.
Fehler 3: Aggregat-Schaden ÷ Menge ist ökonomisch fragwürdig Diese Art der Berechnung („Gesamtschaden ÷ Gesamtmenge = €/kg") ist in der Umweltökonomie umstritten, weil sie lineare Schadensfunktionen unterstellt. In Wirklichkeit sind PFAS-Schäden stark nichtlinear – die ersten Mengen in einem unbelasteten Gebiet richten viel Schaden an, weitere Mengen in bereits belasteten Gebieten relativ weniger (oder umgekehrt, je nach Schwellenwert-Modell). Solche Pauschalwerte taugen für politische Kommunikation, nicht für Einzelproduktbewertungen.
Fehler 4: ChemSec selbst ist transparent über die Grenzen ChemSec schreibt explizit, der Wert sei eine „conservative estimate of societal costs" – gemeint als Argumentationshilfe gegen Industrie-Behauptungen, PFAS sei „kostenlos". Er ist nicht als Lebenszyklus-Externalitätswert für einzelne Produkte konzipiert.
Was wäre methodisch sauber?
Für eine seriöse externe Kostenrechnung von PFAS in Batterien bräuchte man:
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Tatsächliche Emissionsfaktoren der PVDF-Produktion (g PFAS-Hilfsmittel pro kg PVDF)
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Tatsächliche Emissionsfaktoren am Lebensende (Recycling vs. Verbrennung)
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Stoffspezifische Schadenskostensätze pro emittiertem kg
Solche Werte gibt es ansatzweise in der EcoInvent-Datenbank und in ReCiPe-/IMPACT-LCA-Methoden. Die dortigen PFAS-Charakterisierungsfaktoren liegen Größenordnungen unter 18.700 €/kg, weil sie nur die tatsächlich emittierten Mengen betrachten.
Konkret zur Tragfähigkeit deiner Rechnung:
Wenn man den ChemSec-Wert konsequent nur auf emittierte PFAS anwenden würde:
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PVDF-Produktionsemissionen: vielleicht 1–10 g PFAS pro kg PVDF (je nach Standort und Hilfsmittel)
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Bei 4 kg PVDF im Akku: 4–40 g emittierte PFAS
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0,004–0,04 kg × 18.700 €/kg = 75–750 € externe Kosten
Das ist drei Größenordnungen unter den 112.200 € deiner ursprünglichen Rechnung – und ändert das Verbrenner-vs.-BEV-Fazit nicht.
Fazit:
Die 18.700 €/kg sind eine NGO-Kommunikationszahl, kein wissenschaftlich abgesicherter Externalitätswert für gebundene Polymere in Produkten. Sie auf das gesamte PVDF im Akku anzuwenden, ist methodisch nicht haltbar. ChemSec selbst würde diese Anwendung vermutlich nicht stützen – ihr eigener Fokus liegt auf Produzenten-Emissionen, nicht auf Polymer-Inhalt in Endprodukten.