Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es im Bezug auf die Landwirtschaft im aktuellen System auch nichts zu machen gibt.
Wenn es nicht regnet, dann leiden die Pflanzen und werden anfälliger für Schädlinge, der Ertrag sinkt oder fällt ganz aus. Künstliche Bewässerung ist nur für einen Bruchteil der Anbauflächen möglich und verschärft das Grundproblem, weil noch mehr Wasser aus dem Ökosystem entnommen wird. Von Versalzung usw. mal ganz zu schweigen.
Für massive Subventionen und Ausgleichszahlungen ist kein Geld da. Und es wäre auch Wahnsinn, bei dauerhaft veränderten Umweltbedingungen die daraus resultierenden Schäden von jetzt bis in die Ewigkeit jedes Jahr auszugleichen.
Es gibt keine „Lösung“ und keine realistische Möglichkeit für „Unterstützung“, die den Namen verdient.
Was die Regierung theoretisch machen könnte, wäre einen tiefgreifenden Wandel der Landwirtschaft anzustoßen.
Zum Beispiel weitreichende Landnutzungsveränderungen durch die Wiedervernässung von Mooren und Flussauen. Die funktionieren wie eine Wasserbatterie, von der auch die Landwirtschaft profitiert. Moore haben mal 5% der Landfläche Deutschlands bedeckt, heute sind es noch der Bruchteil eins Prozents. Selbst kleinste Flüsse haben im natürlichen Zustand oft einen dutzende Meter breiten Uferstreifen, heute bestehen die meisten aus einem begradigten, tief in die Landschaft geschnittenen Bett.
Und/oder eine Umstellung von großflächigen Monokulturen (die auch im Bio-Anbau typisch sind) hin zu kleinteiligen Polykulturen im Sinne einer regenerativen Landwirtschaft. Auch das würde die Erzeuger widerstandsfähiger gegen Schockereignisse machen.
Damit das wirtschaftlich für die Produzenten möglich ist, müssten die Eigentums- und Vermarktungsstrukturen grundlegend verändert werden. Landwirtschaftlich genutzte Flächen müssten dem Bodenmarkt entzogen werden (aktuell sind < 40% der landwirtschaftlichen Flächen in der Hand von Bauern und landwirtschaftlichen Betrieben). Profite müssten aus dem (Zwischen)Handel in die Produktion verschoben werden.
All das wird einem CSU-Landwirtschaftsminister nichtmal einfallen, geschweige denn seine Zustimmung finden. Und selbst wenn, dann würde es den Landwirten heute in diesem Jahr null Komma nichts helfen.
So traurig es im Einzelfall ist: hier müssen sich die Landwirte in das Bett legen, dass sie die letzten Jahrzehnte selbst mit gemacht haben. Treffen wird es vor allem diejenigen, die der bisherigen Irrsinnigen Regierungspolitik treu gefolgt sind. In meinem Umkreis wettern jedenfalls die eher ökologisch arbeitenden, eher diversifizierten Höfe mit eigener Direktvermarktung die Situation deutlich besser als jene, die einfach nur große Massen „Agrarprodukte“ an gesichtslose Wertschöpfungsketten verkaufen.