Ausgelagerte Diskussion: Ist die Abgabenlast in Deutschland zu hoch

Das ist schon richtig, aber auch die Arbeitsweise der Mitarbeitenden ist ein Problem, wird von diesen aber selten so erkannt oder benannt.

In der nahen Verwandtschaft gibt es eine verbeamtete Person. Die erzählte kürzlich, dass sie nach dem Umzug ins neue Büro jetzt am Tag ewig in der Schlange vor dem Druckerraum steht, sicher eine halbe Stunde oder mehr am Tag, weil der Dienstherr nur einen Drucker pro Abteilung angeschafft habe.

Als Erstes fragte ich, warum, denn sie hat doch seit einiger Zeit die E-Akte. Aber sie verwies mich darauf, dass sie trotzdem alles in Papierform abheften müssen.

Also fragte ich, warum sie nicht ausdruckt, in der E-Akte weiterarbeitet, und zum Mittag oder vor Feierabend ihre fertig gedruckten Dokumente abholt und abheftet. Antwort: Na, das habe sie ja noch nie so gemacht, und außerdem, was passiert, wenn jemand ihre Dokumente einfach wegnimmt.

Und so verbringt sie eben lieber fast 10 % ihrer täglichen Arbeitszeit vor dem Drucker.

Und ich höre ähnliche Probleme von Freunden mit Freunden oder Verwandten im öffentlichen Dienst. Da wird nicht ergebnisorientiert gearbeitet, sondern Prozesse und Protokolle abgearbeitet. Das führt zu extremen Ineffizienzen.

4 „Gefällt mir“

Natürlich kostet das Geld, aber es gibt mittlerweile auch starke DSGVO-konforme Betriebssystemplattformen Made in Germany wie Nuwacom. Da könnte man sehr schnell sehr viel Effizienz reinbringen. Aber natürlich kuschelt man wohl lieber wenn mit dem ehr mittelmäßigen bis schlechten Microsoft Copilot.

Außerdem muss wirklich dringend viel an unsere Verwaltung verändert werden. Keine Verbeamtungen mehr außer im allerhöchsten Staatsdienst, Leiter in Ministerien, so wie Polizei und Feuerwehr. Rest einfach lassen. Dann ist es auch möglich ineffiziente Beamte los zu werden ohne sie weiter zu bezahlen. Dann muss es mehr Möglichkeiten für Bürger geben, andere Ämter zu nutzen wenn das eigene schlecht arbeitet. So könnte man auch mal identifizieren, wer schlechte Zahlen hat. Fände ich auch wichtig. Gerade kann man sich schon gemütlich in seinem Paragrafensesseln einrichten ohne den harten wirtschaftlichen Druck der freien Wirtschaft. Merkt man eben dann auch an der Bearbeitungszeit und -qualität. Über die erbärmliche Erreichbarkeit muss man gar nicht erst reden.

Und natürlich muss parallel entschieden mit aller Härter gegen Steuerhinterziehung vorgegangen werden mit harten Strafen für die Täter und der Rückholung des Geldes.

5 „Gefällt mir“

Also beim Zoll auch keine Verbeamtungen mehr?

Generell keine Verbeamtungen mehr finde ich schwierig, weil hoheitliche Aufgaben nach Art. 33 (4) GG eben nur vom Beamten vollzogen werden dürfen. Ich glaube, da machst du es dir zu einfach.

Ineffiziente Beamte sind immer noch Beamte.

Dann musst du die Zuständigkeiten aber neu definieren, das ist sicherlich auch kein Spaziergang. Da würde ich eher auf den Rechtsweg setzen, dass dein Anspruch auf bestimmte Dinge von der entsprechenden Verwaltung zu gewähren ist. Dafür gibt es klare Hierarchien.

Dienst mit dem obersten Ziel, gute Zahlen zu haben, setzt völlig falsche Anreize. Das Problem haben wir teilweise jetzt schon, im Interview mit Anne Brorhilker letztes oder vorletztes Jahr wurde das ausführlich diskutiert. Solche Zustände kann keiner wollen. Es muss andere Mittel geben, Verwaltungen zu guten Dienstleistungen zu bewegen.

Ich kann das emotional nachvollziehen, aber vergiss dabei bitte nicht, dass es immer noch Menschen braucht, die diese Jobs machen wollen müssen. Wenn du denen die Jobsicherheit, gute Bezahlung und Pension nimmst, dann finden sich noch weniger Menschen, die in den öffentlichen Dienst gehen wollen.

Also doch mehr Leute einstellen..?

2 „Gefällt mir“

Es entfallen weniger als zehn Prozent des Budgets auf Verwaltungsausgaben des Bundes, nur sechs bis acht Prozent auf die Länderverwaltungsausgaben und ca. zwanzig Prozent auf kommunale Verwaltungsausgaben.

Rechnet man das anteilig auf die Gesamtausgaben des Öffentlichen Gesamthaushalts um, dann waren das im letzten Jahr 8,6 %. Nehmen wir jetzt mal an, man könnte das - großzügig veranschlagt - um ca. ein Fünftel auf 6,9 % senken, dann würde das eine Einsparung von 37 Milliarden bedeuten.

Pro Einwohner:in wären das 37 € mehr im Monat, wenn man das vollständig ausschüttete.

Das ist jetzt nicht nix, aber auch nicht die Welt.

Was uns allen aber klar sein sollte, ist, dass die reinen Verwaltungsausgaben als solche kein Hebel sind, bei dem man jetzt im großen Stil Einsparungen vornehmen könnte.

Dass man natürlich trotzdem Verwaltungsprozesse effizienter gestalten kann, ist sicher richtig. Die Frage ist allerdings, ob das zu geringeren Kosten geht.

Es ist ja doch wünschenswert, dass Verwaltungsprozesse schneller gehen, und weniger, dass sie trotz Effizienzsteigerungen am Ende genauso lange dauern, weil der Personalbestand so zusammengekürzt wurde.

Ob und ggf. was man am Beamt:innenrecht drehen kann und wie viel Einsparpotenzial das tatsächlich birgt (insb. was Pensionen anbelangt), wäre noch mal eine Frage.

Der Öffentliche Dienst steht ja auch in Konkurrenz zu anderen Arbeitgebenden bei knapper werdenden Personalressourcen am Markt.

Um ermessen zu können, wie okay das hiesige Rentenniveau ist, sollte man zumindest berücksichtigen, dass die Renten der ehemaligen DDR-Bürger:innen, die ja für die Zeit der Teilung nicht einzahlen konnten, trotzdem mitbezahlt werden.

Für einen fairen Vergleich mit anderen Staaten müsste man mindestens das erst einmal rausrechnen.

Des Weiteren müsste man das jeweilige Verhältnis von Einzahlenden und Rentenbeziehenden durch Umrechnung berücksichtigen.

Bekanntermaßen sind ja weder Reproduktionsraten noch Alterskohorten gleichverteilt in verschiedenen Staaten.

Erst wenn man die Statistiken solcherart bereinigt hätte, könnte man sagen, wie fair/effizient/… unser System im Vergleich mit anderen ist.

Aber die Mühe muss man sich schon machen.

Was mir relativ unbestreitbar erscheint, ist noch, dass die Finanzierung öffentlicher ‚Infrastrukturen‘ über Jahrzehnte vernachlässigt wurden.

Um mal ein paar Zahlen in den Raum zu stellen:

Deutschland müsste einer Studie zufolge bis 2035 rund 1,7 Billionen Euro in seine Infrastruktur investieren. Die Summe entspreche jährlichen Ausgaben von durchschnittlich 170 Milliarden Euro, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Schätzung des Kreditversicherers Allianz Trade hervorgeht.

Trotz bereits geplanter Vorhaben bleibe eine erhebliche Investitionslücke von rund 465 Milliarden Euro. Die Schätzung deckt die Bereiche Energie, Klimaschutz, Transport, Digitalisierung, Abwasser, Gebäude und die Transformation der Industrie ab.

Das sind ganz andere Dimensionen.

Ich glaube nicht, dass die Lösung allein im Verzicht auf Verbeamtung liegt. Ich arbeite im öffentlichen Dienst; da gibt es, abgesehen von Jurist*innen, gar keine Beamten mehr, aber die Ineffizienz, Überadministration und das Bremsen laufen unverändert weiter. Es ist die große Angst, Fehler zu machen und haftbar gemacht zu werden, es ist die Angst, Sachen anzupacken, Neues zu wagen – dies ist aus meiner Sicht das größte Problem.

Andererseits gibt es Gründe für den Beamtenstatus, wozu @JohanneSAC an anderer Stelle schon, wie ich finde, Überzeugendes geschrieben hat.

3 „Gefällt mir“

Das ist sicher richtig. Aber wovor haben die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes genau Angst? Um persönlich haftbar zu machen muss man grob fahrlässig oder mit Vorsatz handeln. Und wer sich wirklich gegen Regress-Forderungen des Dienstherrn absichern möchte, für den gibt es Diensthaftplicht- oder Amtshaftpflichtversicherungen.

Das Risiko Fehler zu begehen und damit Schäden zu verursachen hat jeder Arbeitnehmer, egal ob im öffentlichen Dienst oder in einer Firma. Und grundsätzlich kann jeder für diese Fehler herangezogen werden. Ja es gibt prozessuale Unterschiede, aber die sind eher Detailfragen.

Warum sollten Mitarbeiter im öffentlichen Dienst deswegen einen anderen Arbeitsethos (prozess- und absicherungsorientiert, statt lösungs- und kundenorientiert) an den Tag legen können.

In meiner Zeit im öffentlichen Dienst (immerhin 8 Jahre) mit überwiegend angestellten Mitarbeitern, habe ich noch ein anderes Problem wahrgenommen. Es gibt im öffentlichen Dienst oft tarifliche Regeln, dass nach x Jahren (x bei uns = 10) oder bei Erreichen eines bestimmten Alters, Mitarbeiter ordentlich unkündbar werden. Von unseren 200 Mitarbeitern, davon 1/3 langfristig beschäftigt, gab es tatsächlich eine signifikante Zahl, die dieses Privileg ausgenutzt haben und ihre Zeit quasi abgefeiert haben. Kaschiert haben sie das dann oft durch Formalismen wie „Schwerer Fall, das muss ich noch mal ganz genau prüfen.“ oder „Das geht so gar nicht, da fehlt doch noch Formular A38“.

Natürlich haben das die anderen Kollegen mitbekommen und entsprechend schlecht war auch die Stimmung. So kann man Arbeitsfreude killen und ich bin sicher, dass diese Nullbock-Haltung langfristig ansteckend wirkt.

Diese Beobachtungen bringen mich zum Ergebnis, dass es auch im Öffentlichen Dienst viel stärkere arbeitsrechtliche Mittel geben muss, um gegen Low Performer vorgehen zu können. Da der öffentliche Dienst auch kräftig wächst dürften diese Kollegen auch schnell Anschlussverwendungen finden.

Da zudem die Jobs des öffentlichen Dienstes seit Jahren wieder beliebter bei jungen Menschen werden, würde ich auch keinen wesentlichen Mitarbeiter-Engpass erwarten.

7 „Gefällt mir“

Die Frage ist ja, welches Ziel man anstrebt. Dass weniger Beamt:innen langfristig Kosten sparen (v.a. im Hinblick auf Pensionen), könnte ich mir schon vorstellen.

Aber, wie gesagt, die Verwaltungsausgaben für den laufenden Betrieb sind eher nicht das Problem (s.o.), eher schon, was du mit „Überadministration“ beschrieben hast.

Das wäre aber dann wohl noch mal ein eigener Thread, denn hier ging’s ja um Finanzierungsfragen.

Und da frage ich mich, ganz ehrlich, warum man angesichts riesiger Finanzierungslücken jetzt ausgerechnet Bürger:innen entlasten muss.

Denn die Staatsquote ist ja langfristig recht stabil (trotz steigender demografischer Herausforderungen):

1 „Gefällt mir“

Ich sage ja nicht, dass diese Angst rational und berechtigt ist; da hast du mich wohl nicht ganz verstanden. Ich habe nur konstatiert, dass die Probleme meiner Beobachtung nach unabhängig vom Status sind. Meine Antwort bezog sich auf den Beitrag von Tris und seine Annahme, die Beamten seien das Problem.

Abgesehen davon erlebe ich nur sehr wenig (genauer gesagt: immer weniger) Lowperformer, es ist vielmehr umgekehrt: Immer mehr Leute sind hoffnungslos überarbeitet, haben unendlich viele Überstunden, arbeiten auch am Feierabend, an den Wochenenden und im Urlaub. Nicht alle, aber die absolut überwiegende Mehrheit. Natürlich auch je nach Stelle unterschiedlich.

Mein Erfahrungsschatz speist sich aus Anstellungen (+ 6 Jahre Beamtin auf Zeit) an verschiedenen Universitäten auf ganz unterschiedlichen Stellen: Forschung und Lehre, Verwaltung, Prüfungsamt (Schnittstelle IT/Rechtstexte), Forschungsförderung (alle Fächer), Transfer, Eventmanagement usw., insgesamt 30 Jahre, auf Projektstellen, Promotions- und Habilitationsstellen, Professuren und eben in der Wissenschaftsverwaltung.

Wie man aus dieser Angst – gerade in der Verwaltung, weniger in der Forschung/Lehre – herauskommt, weiß ich nicht. Einzelne Persönlichkeiten haben vor Jahren eine Kultur geschaffen, aus der man offenbar nur sehr schwer rausfindet.

4 „Gefällt mir“

Da bin ich ganz bei dir. Die Welt steht Kopf, die Ära der regelbasierten Politik scheint vorbei, skrupellose Staaten stürzen sich auf die Kleinen, und die Wirtschaft leidet unter diesen Wirren. Für uns als exportorientierte Nation bringt das besondere Herausforderungen mit sich. Außerdem stecken wir mitten in einer Phase dringend notwendiger Aufrüstung und kämpfen zudem noch mit dem demografischen Wandel.

Ich frage mich schon seit einiger Zeit, wann die seit Jahren (mMn zurecht) angekündigten Zumutungen eintreten. Momentan wirkt es so, als bemühe man sich sehr, alle Herausforderungen so zu bewältigen, dass niemand davon ernsthaft betroffen ist.

Die Reallöhne scheinen jedoch trotz allem Klagen über die Inflation seit 2023 Jahren durchgehend zu steigen.

„Niemand“ sind, wenn ich’s richtig verstehe, derzeit Empfänger:innen von Sozialleistungen und Kulturschaffende. Dort wird spürbar gekürzt.

Zu der von Dir geposteten Graphik muss man sagen, dass man eigentlich das Integral der Reallohnkurve anschauen muss, wo man sieht, dass die Verluste der Jahre 2021-2023 gerade erst ausgeglichen sind. Da es relative Zahlen sind, muss man auch bedenken, dass das Wachstum nach einem größeren Verlust von einer kleineren Basis aus startet, also hinter den Prozentzahlen geringere absolute Beträge stehen. Außerdem mussten einige Menschen v.a. während Corona an die Substanz gehen, d.h. Vermögen oder Altersvorsorge haben möglicherweise Dellen erlitten, die noch nicht ausgeglichen sind.

Den Eindruck kann ich aber verstehen: Die bürgerliche Mitte scheint recht gut im Klagen und Verhindern zu sein, während die Einschnitte angesichts großer Verwerfungen in der Welt noch moderat erscheinen. Man muss hoffen, dass dafür nicht das dicke Ende kommt, weil der Klimawandel nochmal richtig reinhaut oder USA oder Russland ihre Aggressionen mal an jemandem anders auslassen wollen. Die Menschen mit hohem Vermögen sind sogar noch gar nicht zur Finanzierung dieser höheren Lasten herangezogen worden.

4 „Gefällt mir“

Alles gut, ich wollte deine Position nicht kritisieren, sondern den Gedanken nur erweitern.

Auch das ist sicher richtig. Vor allem von den Hochschulen, besser gesagt aus der Wissenschaft generell, kenne ich das ebenfalls. Es waren aber stets die Gleichen, die über das erforderliche Maß hinaus arbeiten, während eine kleine Zahl anderer Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift, bzw. deutlich weniger, leisten. Das sorgt dann unter Umständen auch für die beobachtete Überlastung der motivierten Kollegen. Sicher kennst du das auch.

1 „Gefällt mir“

Das ist sicher so, aber dieser Aussage liegt der Anspruch darauf zugrunde, dass es im mittelfristig immer bergauf geht. Schon 2022 habe ich das nicht nachvollziehen können. Natürlich muss man den Schwächsten helfen und zusätzliche Belastungen für sie vermeiden.

Doch darüber hinaus ist den Bürgern klar, dass sich die Lage verändert hat. Irgendwer muss schließlich die Aufrüstung, die Energiewende und auch die industrielle Erneuerung finanzieren. Wichtig ist nur, dass wir die Lasten fair zwischen Normalverdienern und Reichen verteilen und unsere enormen Mittel effizient und effektiv einsetzen.

Ich würde mir hier mehr Mut wünschen, von der öffentlichen Verwaltung zu Effizienz auch wenn das mal bedeutet Fehler zu machen und von der Politik uns Zumutungen zuzutrauen.

1 „Gefällt mir“

Ich nehme diese Daten über steigende Reallöhne immer wieder mit Verwunderung zur Kenntnis. Nicht, weil ich nicht glaube, dass sie stimmen, sondern weil sie meiner Meinung nach nur ein sehr unzureichendes Bild zeigen. Erst einmal ist aus meiner Sicht die lange Reihe interessant, weil man dann sieht, dass sie Löhne im Grunde kaum über dem Niveau von 1998 sind. Und wer damals schon gearbeitet hat, wird sich gewahr sein, wie krass die Arbeitsverdichtung seit dem gewesen ist.
Und dann differenziert der Reallohnindex vor allen nicht nach Dezilen. Und das ist in zweierlei Hinsicht schwierig. Erst einmal entfallen grundsätzlich die größten Reallohngewinne auf die oberen Dezile, was den Index natürlich erst einmal verzerrt. Ausnahmen bilden hier die Jahre um die Einführung und dann die politische Erhöhung des Mindestlohns. Der zweite Faktor, der den Index imho unzureichend macht ist die Tatsache, dass diese bereits durch die oberen Ausreißer verzerrten Daten sich dann auf den allgemeinen Verbraucherpreisindex beziehen, der ebenfalls nicht nach Dezilen unterscheidet. Und die Inflation für jemanden, der 50% seines Einkommens für Wohnen und den Rest für Nahrungsmittel, Energie und Mobilität ausgibt, sieht halt deutlich anders aus, als die von jemandem, der 30% seines Einkommens spart und sich freuen kann, dass Fernseher mal wieder besser geworden sind. Ich habe das irgendwann mal mit Claude durchgesprochen und das Ergebnis war relativ erwartbar ernüchternd.

3 „Gefällt mir“

Wie hier schon gesagt: Das ist ein verkürztes Bild - seit den 80er Jahren sind die Reallöhe im Wesentlichen unverändert geblieben, weil Lohnsteigerungen stets durch Inflation aufgefressen werden. Hier geht es um den Zeitraum 1991 bis 2012.

Quelle: bpb

Jetzt muss man noch betrachten, wie sich der Reallohn für ärmere, reiche und die dazwischen entwickelt hat. Leider habe ich da keine Daten seit den 80er Jahren bis heut gefunden. Es gibt eine DIW-Studie für die (hier besser geeigneten) Haushaltseinkommen. Zwischen 1995 und 2019. Danach stieg in diesen 26 Jahren das reale Haushaltseinkommen

  • für die untersten 10% um 5%
  • für das zweite Dezil um 8%
  • für das 5.-8. Dezil um 25%
  • für die obersten 10% um 42%

(Anmerkungen des DIW: Reale, bedarfsgewichtete verfügbare Haushaltseinkommen; Dezile nach Einkommensposition; Indexierung auf Basisjahr; Personen können ihre Dezilposition über die Zeit wechseln)

Was ich nicht verstanden hatte: Wie können in den 26 Jahren von 2995 und 2019 die realen Hauseinkommen steigen, wenn laut der bpb-Grafik zwischen 1991 und 2012 der Reallohn so gut wie gar nicht gestiegen ist? Antwort von Perplexity: „ Der Reallohnindex misst die inflationsbereinigte Entwicklung des Bruttolohns je Arbeitnehmer, während das reale Haushaltseinkommen zusätzlich weitere Einkommen, Steuern, Transfers und oft die Einkommen mehrerer Erwerbstätiger im Haushalt umfasst. Deshalb konnten reale Haushaltseinkommen steigen, obwohl der durchschnittliche Reallohn lange kaum zunahm — etwa weil mehr Personen je Haushalt arbeiteten und Renten oder Transfers beitrugen.“

7 „Gefällt mir“

Selbst wenn es Kritik gewesen wäre, hätte ich damit kein Problem, aber es hat halt total vom Thema abgelenkt: Die Aussage, auf die ich reagiert habe, lautete: Durch wesentlich weniger Beamte könnten wir sehr viel Geld einsparen. Meine Aussage dazu war: Die Überadministration hat m.E. andere Gründe als die Anzahl an Beamten, nämlich (ganz verkürzt:) Bremsen aus Angst. – Wenn du nun wortreich auseinandersetzt, wie es um die Haftbarkeit und Versicherungen bei der Arbeitnehmerschaft steht, kommen wir – so richtig deine Ausführungen auch seien – m.W. in der Diskussion nicht weiter.

Das stimmt zwar, aber da es nur sehr wenige sind, wie ich oben schon geschrieben habe, erklärt das die Situation nicht ausreichend. An vielen Hochschulen reicht die Grundfinanzierung hinten und vorne nicht, deswegen wird an Personal gespart. (Da Bildung Ländersache ist, gilt dies aber nicht flächendeckend; so sind traditionell die Hochschulen in Bayern und Baden-Württemberg vergleichsweise sehr gut ausgestattet.)

Um auf die Frage zurückzukommen, wo man großes Einsparpotenzial hätte: Ich würde das Hauptproblem zumindest in dem Ausschnitt der Gesellschaft, über die ich gesicherte Aussagen treffen kann, nicht bei den Beamten sehen.

Und um auf das Thema des Threads zurückzukommen: Was die Steuern betrifft, so sehe ich es ähnlich wie @TilRq. Ich zahle gerne Steuern, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden, und ich zahle gerne Steuern, wenn sie gerecht verteilt sind (Besteuerung der Superreichen etc.).

(Edit: erstes Zitat eingefügt)

2 „Gefällt mir“

Vielen Dank für die Mühe die konkreten Daten herauszusuchen. So in etwa hatte ich das auch aus meiner Beschäftigung mit Hilfe von Claude in Erinnerung.

Das trifft so ziemlich auch meine Wahrnehmung. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass meine Blase natürlich was das Alter betrifft eher homogen ist, und jüngere Menschen tendentiell aufgrund vermehrter Umzüge deutlich stärker von Steigerungen bei den Wohnkosten betroffen sind, dann muss man wohl feststellen, dass die ökonomische Lage insbesondere der jüngeren und ärmeren Hälfte Deutschlands heute trotz massiver Verdichtung in der Arbeitswelt schlechter ist, als vor 30 Jahren. Und es ist diese Hälfte, die angehalten ist möglichst viel privat für die Rente vorzusorgen.

Und diese Entwicklung passierte, während sich das BIP praktisch verdreifacht hat.

Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Wenn man diese Realität zur Kenntnis nimmt, kommt man kaum umhin ein krasses Versagen der Steuer- und Abgabenpolitik in den letzten 30 Jahren zu konstatieren. Und ich bin fasziniert davon, dass vor diesem Hintergrund keine Mehrheit für eine massive Umverteilung der Steuerlast von Einkommen hin zu Kapital zustande kommt.

2 „Gefällt mir“

Es kursiert doch grad wieder dieser Schnipsel von Merz bei der Stiftung Familienunternehmen und Politik, das in der NDR-Doku „Die da oben“ verwendet wurde. Da macht Merz ganz eindeutig die Unterscheidung zwischen „uns“ und „denen“. Und mit uns meint er die Reichen. Nichts ist eindeutiger für mich, als dass Merz mit seiner gesamten Sozialisation, seinem gesamten Leben, seiner gesamten Existenz ein Produkt der Welt der Reichen ist und sich dazuzählt, während besagte Normalverdiener die anderen sind, denen man paternalistisch klar machen muss, dass sie den Gürtel enger zu schnallen haben. Von dieser Regierung wird rein gar nichts kommen, dass irgendwelche Lasen irgendwie fairer verteilt.

1 „Gefällt mir“

Dass ich von den Jahren seit 2023 schrieb hatte den Hintergrund, dass in diesen Diskussionen oft auf die Doppelkrise Corona-Ukraineinvasion verwiesen wird, selbst diese realen Großereignisse (im Mittel) aber bereits wieder egalisiert wurden.

Klar kann und sollte man auch auf die letzten 30 Jahre schauen, und du hast recht, dass die Realeinkommenssteigerungen in den unteren Dezilen ziemlich mau waren. Aber das lag nun mal an politischen Entscheidungen wie Globalisierung und der EU-Osterweiterung. Für Menschen mit geringem Einkommen war das immer eine Bedrohung, weil sie ohne starke Spezialisierungsmöglichkeiten im harten Wettbewerb mit günstigeren Anbietern standen.

Ehrlich gesagt ist mir das aber nicht so wichtig. Ich sehe grundlegend nicht, warum Löhne langfristig stärker steigen müssten als die Inflation. Natürlich sollte der Staat die Effizienzgewinne der Unternehmen abschöpfen und umverteilen oder besser in die Zukunft investieren, da sind wir uns einig. Aber wer im Jahr 2000 mit seinem Realeinkommen gut leben konnte, wird das bei einer Realeinkommensentwicklung von ±0 € auch 2025 noch können. Helfen muss man vor allem den Ärmsten, die kaum über die Runden kommen. Die anderen, zu denen ich mich auch zähle, können ruhig mal die Zähne zusammenbeißen. Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen, aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt, um den persönlichen Vorteil zu erzwingen und damit dringend nötige Maßnahmen zu verlangsamen.

Interessant, wieso machst Du genau diese zwei Aspekte verantwortlich, und gibt es dazu gesicherte Daten? Ich könnte nämlich ein paar andere Gründe nennen, weswegen die Reallöhne in den 30 Jahren nicht gestiegen sind.

1 „Gefällt mir“

Vielleicht ist dies ein guter Thread, um die von der BReg angedachte Steuerreform zu diskutieren. Als Einstieg:

Sieht nach einem Tropfen auf den heißen Stein aus.

1 „Gefällt mir“