Aufnahme Kinder aus Gaza

Hallo,
Als ich heute die Nachricht gelesen habe, dass sich deutsche Städte für die Aufnahme von Kindern aus Gaza einsetzen war ich erst zwiegespalten und je länger ich nachdenke desto mehr Ablehnung baut sich in mir auf.

Natürlich ist der erste Reflex der Menschlichkeit, hier muss man helfen. Die Bilder sind schrecklich und da muss man was tun.

Etwas länger nachgedacht stellt sich dann die Frage was wird sich daraus entwickeln. Die Mehrzahl der Menschen in Gaza hat den Hass auf Israel von klein Auf eingetrichtert bekommen…(edit Mod.) Anscheinend haben Düsseldorf und Hannover aktuell die Migration, Integration, Betreuung gut im Griff und Ressourcen übrig um weitere Flüchtlinge zu integrieren. Nur werden die Geflüchteten nicht dauerhaft in diesen Städten bleiben. Damit erwiesen die Vorreiter anderen Städten und unserem Land einen Bärendienst… (edit Mod.)

Mein Fazit Hilfe selbstverständlich und gerne. Jedoch vor Ort oder Möglichkeiten in benachbarten Ländern schaffen. Import der Probleme und Schaffung von Stellvertreterkonflikten in die EU oder nach Deutschland bitte vermeiden.

Edit: Hier noch ein Kommentar aus dem Focus von Malte Arnsperger

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Mir fällt dazu Folgendes ein:

Ein Vorurteil ist ein Urteil, das ohne vorherige Erfahrung über etwas gefällt wurde. Beide [sc. Stereotypen und Vorurteile] erfüllen für die Menschen die Funktion, Unsicherheit und Bedrohung psychisch abzuwehren. Sie dienen dazu, die Welt überschaubar zu machen, Komplexität zu reduzieren.

Der Vorurteilsbegriff ist wesentlich durch seinen normativen, moralischen Gehalt bestimmt. Demnach unterscheiden sich Vorurteile von anderen Einstellungen nicht durch spezifische innere Qualitäten, sondern durch ihre soziale Unerwünschtheit. Als Vorurteile erscheinen also nur soziale Urteile, die gegen anerkannte menschliche Wertvorstellungen verstoßen, nämlich gegen die Normen der

  • Rationalität, das heißt, sie verletzen das Gebot, über andere Menschen nur auf der Basis eines möglichst sicheren und geprüften Wissens zu urteilen. Vorurteile verletzen diese Rationalitätsnorm durch vorschnelles Urteilen ohne genauere Kenntnis des Sachverhaltes, durch starres, dogmatisches Festhalten an Fehlurteilen, indem triftige Gegenargumente nicht anerkannt werden, und durch falsche Verallgemeinerungen, die von Einzelfällen auf allgemeine Gültigkeit schließen.
  • Gerechtigkeit (Gleichbehandlung), das heißt, sie behandeln Menschen oder Menschengruppen ungleich, die eigene Gruppe wird nach anderen Maßstäben beurteilt als andere Gruppen. Vorurteile lassen eine faire Abwägung der jeweils besonderen Umstände vermissen, unter denen Mitglieder anderer Gruppen bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigen.
  • Mitmenschlichkeit, das heißt, sie sind durch Intoleranz und Ablehnung des Anderen als eines Mitmenschen und Individuums gekennzeichnet, ihnen fehlt das Moment der Empathie, ein positives Sich-Hineinversetzen in andere Menschen.

Unsere Definition, die diese Aspekte der „sozialen Unerwünschtheit“ einbezieht, schränkt den Vorurteilsbegriff in doppelter Weise ein: Er steht nur für negative Einstellungen (obwohl positive Verallgemeinerungen wie „Die Juden sind intelligent“ auch falsch sein können) und ist nur auf Einstellungen zu Menschen, genauer Menschengruppen, bezogen. Vorurteile sind demnach stabile negative Einstellungen gegenüber einer anderen Gruppe bzw. einem Individuum, weil es zu dieser Gruppe gerechnet wird.

Hier geht es um Nothilfe in - darüber hinaus - sehr geringem Ausmaß.

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Laut Zeit geht es erst mal nur um medizinische Hilfe, nicht mal das bekommt Deutschland hin.

Kinder im Gazastreifen: "Es ist ein Armutszeugnis, dass sich die Bundesregierung nicht bemüht" | DIE ZEIT

Allerdings geht es ja da schon los beim Problem des Ausfliegens. Das war in Afghanistan schon ein Problem und auch während dem Angriff auf den Iran, als deutsche Staatsbürger, die den Iran verlassen wollten, selbst schauen mussten, wie sie nach Jordanien kommen, damit Deutschland sie von dort dann ausfliegen konnte.

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„je länger ich nachdenke desto mehr Ablehnung baut sich in mir auf.“

Je länger ich über deinen Kommentar nachdenke, desto mehr Ablehnung baut sich in mir auf. Weil ich aber lieber auf Fakten schaue, als auf Bauchipedia, habe ich mich mal umgesehen, was es zu deinem Post so an belastbaren Daten von verlässlichen Quellen gibt.

1.) „Die Kinder sollen vor Ort versorgt und behandelt werden“:

Laut WHO (Stand Juli 2025) sind weniger als 30 % der Gesundheitseinrichtungen in Gaza überhaupt noch in irgendeiner Form funktionsfähig. Die meisten Kliniken sind beschädigt oder zerstört. Die, die noch arbeiten, haben kaum Personal, kaum Strom, kaum Medikamente. Es fehlen Narkosemittel, Antibiotika, Verbände, sauberes Wasser. Es gibt keinen Schulbetrieb.
Hinzu kommt: Auch langfristig ist keine realistische Perspektive da, die Situation substanziell zu verbessern. Es gibt keine Planungssicherheit, keine funktionierende Lieferkette und keine Garantie, dass morgen nicht wieder eine zivile Einrichtung unter Feuer gerät.

2.) „Sollen halt die Nachbarländer ran“:

OCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) nennt im Update #309 vom 3. Juli 2025 insgesamt 7.390 medizinisch evakuierte Menschen seit Kriegsbeginn, darunter 5.160 Kinder. 3.995 davon wurden nach Ägypten ausgeflogen, 1.387 in die VAE, 970 nach Katar. Die Zahlen stammen laut OCHA aus den Evakuierungslisten des palästinensischen Gesundheitsministeriums, ergänzt durch WHO und UN-Partnerorganisationen. Die Nachbarländer tun also ihren Teil.
Und wo wir bei den Nachbarländern sind:

Die Forderung, dass Gazas arabische Nachbarn mehr Menschen aufnehmen sollten, klingt zwar erstmal naheliegend, scheitert aber nicht primär am politischen Willen, sondern an strukturellen Grenzen.

Ägypten kontrolliert Rafah, hat aber in Nord-Sinai seit Jahren ein Sicherheitsproblem mit bewaffneten Gruppen, kaum Infrastruktur und eine eigene Wirtschaftskrise mit über 30 % Inflation. Jordanien hat bereits über zwei Millionen Palästinenser aufgenommen (fast 30% der Gesantbevölkerung Jordaniens), kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen. Libanon ist wirtschaftlich kollabiert, hat weder funktionierende staatliche Strukturen noch die Möglichkeit, auch nur die bestehende Flüchtlingsbevölkerung vernünftig zu versorgen. Die Golfstaaten verfügen nicht über ein Asylsystem, dafür gravierende Menschenrechtsverletzungen, und waren nebenbei der Ursprung, von dem sich der salafistische islamistische Fundamentalismus über den Nahen Osten verbreitet hat. Etliche Golfstaaten, vor allem Qatar, Saudi-Arabien und früher Kuwait, haben darüber hinaus über Jahre direkt oder indirekt islamistische und dschihadistische Gruppen mitfinanziert, teils über staatliche Kanäle, teils über private Spender unter staatlicher Duldung. Also wenn sie sich um die potentielle Radikalisierung vulnerabler Kinder sorgen… ja, nee, besser nicht.

Und zuguterletzt: Wir reden von 20(!) Kindern. Ja, die werden vermutlich auf Juden nicht gut zu sprechen sein. Das ist unschön, aber vollkommen nebensächlich. Wie sie selbst demonstrieren, kann man eine ganze Reihe von Ressentiments und Vorurteilen hegen, und gut integriert und ohne eine Gefahr darzustellen in diesem Land leben. Problematische Ansichten sind, wie uns die AfD immer wieder vormacht, von der Meinungfreiheit gedeckt.

20 traumatisierte Kinder können wir problemlos absorbieren, auch wenn ein paar davon vermutlich keine Fans von Israel werden. Das müssen sie auch nicht. Es reicht, wenn sie sich an bestehende Gesetze halten. Und das tun die allermeisten Geflüchteten, die wir seit 2015 aufgenommen haben (über 90% wurden nie irgendeiner Straftat inkl. Eigentumsdelikte auch nur verdächtigt, präzisere Daten geben die Statistiken leider nicht her).

Mein Fazit: Etwas weniger rechte Talking Point lesen und dafür etwas genauer recherchieren, ob Bauchipedia plausibel ist.

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Ich würde es hier im Forum bevorzug, wenn wir uns den entrüsteten und abwertenden Ton verkneifen und dem anderen erst einmal eine gute Absicht unterstellen.

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Einem Post, der schon zweifach moderiert wurde, um pauschalierende und diskriminierende Formulierungen abzuschwächen, und in dem immer noch verunglimpfend vom „Import der Probleme“ die Rede ist, gute Absichten zu unterstellen fällt mir - offen gestanden - schwer.

Es stellt sich ganz grundsätzlich in dem Zusammenhang die Frage, ob die ‚Normalisierung‘ solcher Positionen resp. Unterstellungen dem gesellschaftlichen Rechtsruck geschuldet ist.

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… und genau das ist die Herausforderung, wenn wir in sozialen Medien zu einem zivilisierten Diskurs zurückkommen möchten.

Kann ja durchaus sein, dass die auf der reinen Sachebene geäußerten Argumente den Thread-Starter zum Nachdenken gebracht haben. Aber der herabwürdigende Ton macht das Aufeinanderzugehen dann sehr schwer.

Nur so ein Gedanke …

P.S.: Dass man sich mit der Aufnahme von kriegstraumatisierten Menschen auch Probleme ins Land holt - v.a., wenn man sich darauf nicht vorbereitet, in dem man adäquate Unterstützung bietet - ist ja nicht aus der Luft gegriffen.

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Das Problem ist, dass dieses „Aufeinanderzugehen“ nur unter Anerkennung des Ausschlusses der stigmatisierten Gruppe von Menschen passieren kann.

Es ist immer wohlfeil, wenn sich ‚Biodeutsche‘ miteinander über bestimmte Gruppen Nichtdeutscher unterhalten, wenn die ‚Biodeutschen‘ gar nicht von Diskriminierung betroffen sind.

Ganz allgemein ist es problematisch, wenn Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit und zugeschriebener Kollektiveigenschaften, für deren Zuschreibung diese Menschen nichts können, pauschal als Problem angesehen werden und dann Leute, die nicht unter diese Zuschreibung fallen, einander mit Wohlwollen begegnen.

Denn dann ist der abwertende Ausschluss bereits erfolgt. Ein Diskurs von Gleich zu Gleich, der sich über die zum bloßen Diskursobjekt degradierte Menschengruppe erhebt. Ein Diskurs auf Basis von Mutmaßungen und Unterstellungen.

Das ist hochgradig problematisch.

Gilt das dann auch für ukrainische Kriegsgeflüchtete?

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Heißt das dann in Konsequenz, dass die „Biodeutschen“ nicht über Herausforderungen und absehbare Probleme diskutieren dürfen, wenn es sich um Kriegsflüchtlinge aus anderen Kulturkreisen und Religionen handelt?

Selbstverständlich darf man auch die Aufnahme ukrainischer Kriegsflüchtlinge hinterfragen.
Diese sind im Gegensatz zu anderen Flüchtlingen noch nicht so oft in der Berichterstattung von Straftaten in Erscheinung getreten.

Hier könnte man die Statistik bemühen (Seite11).

Leider sind die Zahlen etwas veraltet und klar tritt auch der Effekt auf der in der Lage schon mehrfach angesprochen wurde. Es gibt Straftaten bezüglich des Aufenthaltsrechtes, die ein Deutscher Staatsbürger gar nicht begehen kann.

Wenn wir jede Diskussion und Kritik von vornherein ablehnen wird die Abstimmung mit den Füßen erfolgen.

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Mal abgesehen davon, dass es sich bei den PKS-Daten um eine Tatverdächtigen-Statistik handelt und Menschen, die äußerlich als nichtdeutscher Herkunft erkennbar sind, überproportional einer Straftat verdächtigt werden, mal abgesehen davon, dass auf kriminogene Faktoren wie Alter und Geschlecht nicht ‚normalisiert‘ wurde, um die Daten annähernd vergleichbar zu machen, zeigen die von dir verlinkten Statistiken, dass zum einen die große Mehrheit der Eingewanderten gar nicht durch Straftaten auffällig wird und zum anderen die Geflüchteten aus Afghanistan, Irak und Syrien in etwa entsprechend ihres Anteils mutmaßlich straffällig werden (vgl. S. 11). Überproportional mutmaßlich straffällig werden hingegen Eingewanderte aus dem Maghreb, Georgien und Moldau, die alle jedoch weitaus geringere Anteile an den Eingewanderten ausmachen. Der deutlich unterdurchschnittliche Anteil bei den ukrainischen Geflüchteten hängt wohl insb. damit zusammen, dass es sich ganz überwiegend um Frauen und Kinder handelt, die kriminogenen Faktoren männlich und adoleszent hier also nicht greifen. An der Stelle der Hinweis, dass die Statistik auf Seite 12 nicht auf Anteile der Altersgruppen an der Gesamtpopulation normalisiert ist.

Daraus kann man nun einmal ableiten, dass der religiös-kulturelle Hintergrund offensichtlich keine Rolle spielt, denn es gibt je zwei Gruppen von Muslimen und Christen, solche mit durchschnittlichem Anteil und solche mit überdurchschnittlichem.

Darüber hinaus kann man einfach mal festhalten, dass in allen Gruppen nur eine deutliche Minderheit überhaupt kriminell wird.

Und schließlich kann man noch sehen, dass Kinder kaum als Tatverdächtige in Erscheinung treten (vgl. auch S. 12, wobei man noch auf die Alterskohorten normalisieren müsste, der Anteil der einer Straftat verdächtigen Kinder ist, wenn man mit anderen Statistiken zur Altersverteilung Geflüchteter vergleicht, stark unterdurchschnittlich, was auch niemanden ernsthaft verwundern sollte).

Wenn man nun also auf die Gruppe palästinensischer Kinder extrapolieren wollte, müsste die Ableitung lauten, dass diese kaum mit Straftaten in Erscheinung treten, weil das für Kinder generell gilt, und zudem sie, da aus dem Nahen Osten stammend, wie auch syrische und irakische Geflüchtete, aller Wahrscheinlichkeit nach nur durchschnittlich häufig kriminell werden.

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Nein! „Aufeinander zugehen“ heißt nicht „Recht geben“. Widersprechen ist völlig o.k. Erniedrigen nicht.

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Das gilt für alle Kriegsflüchtlinge. Die Frage ist, welche Schlussfolgerung man daraus zieht. Eine Unsolidarische / Unempatische? Oder ob man - was man auch ohne Flüchtlinge dringend tun müsste! - die Zahl der Psychotherapeuten massiv aufstockt.

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Was meinst du mit „Erniedrigen“?

Du schriebst, man solle „dem anderen erst einmal eine gute Absicht unterstellen“.

Wenn es für solches Wohlwollen aber keine sachliche Grundlage gibt?

Wenn jemand eine konkrete Gruppe anderer Menschen durch pauschale, auf Vorurteilen gründende Abwertung erniedrigt, soll man ihm dann wirklich wohlwollend gute Absichten unterstellen?

Ein Widersprechen impliziert eine Distanzierung, das ist für mich schwerlich mit Aufeinanderzugehen, also einer Annäherung, vereinbar.

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Das ist m. E. eine Frage der Ambiguitätstoleranz und der Differenzierung zwischen verschienenen Ebenen. Eine klare Distanzierung auf der inhaltlichen Ebene muss eben nicht zwangsläufig einhergehen mit der Abwertung einer Person, nur weil diese Positionen vertritt, die ich falsch oder gar gefährlich finde. Kommunikationsanalytisch würde ich sogar sagen, dass ein Widerspruch auf der inhaltlichen Ebene sehr viel zielführender ist, wenn die kritisierte Person sich respektiert fühlt. Aber das setzt natürlich voraus, dass es um ein gemeinsames Gespräch geht und nicht nur darum, dass eine Seite sich besser fühlt.

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Die Hervorhebungen durch Fettung sind von mir.

Man soll also eine Person respektieren, die andere Personen, sogar pauschal („Import von Problemen“), nicht respektiert.

Man soll also eine Person nicht abwerten, die andere Personen pauschal abwertet.

Das hat nichts mit „Ambiguitätstoleranz und der Differenzierung zwischen verschienenen Ebenen“ zu tun, das ist paradox.

Und es hat auch nichts damit zu tun, sich besser fühlen zu wollen.

Noch mal: Es handelt sich dann um einen „Diskurs von Gleich zu Gleich, der sich über die zum bloßen Diskursobjekt degradierte Menschengruppe erhebt“, was den Ausschluss der von einer Seite pauschal abgewerteten und nicht respektierten Menschen bedeutet.

Das ist ungefähr so, als ob in den USA kurz vorm Bürgerkrieg ein Sklavenhalter und ein weißer Gegner des Sklaverei, beide Großgrundbesitzer, beim Nachmittagstee auf der Veranda über das Für und Wider der Sklaverei parlieren und der Gegner der Sklaverei dem Befürworter sagt: „Ich kann ja verstehen, dass du …, aber …“

Das würde - hoffentlich - auch niemand von euch für einen angemessenen Umgang halten, oder?

Was zielführend sein soll, hängt im Übrigen davon ab, was das Ziel sein soll.

Mir erscheint es oft so, als glaubten viele immer noch, man könne gewisse Leute, die gefährliche Positionen vertreten, überzeugen, weshalb man mit ihnen besonders pfleglich umgehen müsste. Sorry, aber diese Art der Herangehensweise halte ich für illusorisch.

Vielmehr wirkt dieser besonders pflegliche Umgang belohnend, also das Gegenüber tendenziell bestärkend, auch wenn man inhaltlich widerspricht, und darüber hinaus Normen relativierend.

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In der Aussage stecken m. E. zwei Annahmen: 1. Wer in der Aufnahme bestimmter Personen einen „Import von Problemen“ sieht, verhält sich pauschal respektlos gegenüber Angehörigen dieser Gruppe von Menschen. 2. Wer sich selbst respektlos gegenüber anderen verhält, verdient selbst keinen Respekt mehr.
Über 1. kann man m. E. sehr gut auf der inhaltlichen Ebene diskutieren oder auch streiten. Ich würde diesen Automatismus nicht so sehen. Ich bin zwar auch nicht der Ansicht, dass 20 (oder auch 100) nach Deutschland kommende Menschen wirklich einen Unterschied machen, was die Verbreitung potenziell problematische Haltungen innerhalb der Bevölkerung angeht, aber ich finde auch nicht, dass es (vor allem) auf einer menschlichen Ebene respektlos ist, anzunehmen, dass unter der Herrschaft der Hamas sozialisierte junge Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur israelfeindliche, sondern auch antisemitische Einstellungen haben.
Der springende Punkt ist für mich aber 2.: Ich kann fast immer eine Begründung dafür finden, warum ein Gegenüber meinen Respekt nicht „verdient“, vor allem wenn es mir vor allem darum geht, mich mit meiner Einschätzung im Recht zu fühlen oder mich mit Gleichgesinnten gegenseitig zu bestätigen. Wenn es aber um ein gemeinsames Gespräch gehen soll, ist der Respekt der anderen Person gegenüber m. E. eine zwingende Voraussetzung. Denn wer will schon mit jemandem reden, der mich nicht respektiert?

Das Wort paradox beinhaltete nach meinem Verständnis einen gegenseitigen Ausschluss, während das Wort Ambiguität die Widersprüchllichkeit betont. So gesehen ist es also eine Frage der Sichtweise. Wenn ich will, kann ich behaupten, dass eine bestimmte Haltung auf der inhaltlichen Ebene einen Respekt gegenüber einer Person unmöglich macht. Ich kann aber auch meine starke inhaltliche Ablehnung dieser Position mit Respekt gegenüber dieser Person artikulieren. Das ist allein meine Entscheidung - insofern hast du vollkommen Recht wenn du schreibst:

Ich finde es merkwürdig, dass du aus der Artikulation eines inhaltlichen Widerspruchs „überzeugen“ machst und aus der Forderung nach einem respektvollen Umgang „besonders pfleglich umgehen“. Erstens gibt es sehr viele mögliche Gründe, warum ich meine Meinung vertreten oder inhaltlichen Widerspruch artikulieren kann - mein Gegenüber überzeugen zu wollen ist nur eine mögliche davon. Zweitens sehe ich gegenseitigen Respekt nicht als eine eine Art Belohnung für vorteilhaftes Verhalten an, sondern, wie geschildert, als Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Kommunikation - gerade auch wenn diese nicht zu einem Überzeugen oder zu einer inhaltlichen Einigung führt.

Gegenfrage: Wie soll deiner Meinung nach eine Gesellschaft funktionieren, in der immer mehr Menschen gar nicht mehr miteinander reden (sondern höchstens noch übereinander), weil sie sich gegenseitig den Respekt absprechen und sich daher nicht mal mehr respektvoll gegenseitig sagen (können), dass sie die Meinung des Gegenübers nicht teilen?

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Was sind die anderen Gründe? Bitte konkret!

Es wirkt aufs Gegenüber belohnend. Das ist ein Unterschied.

Zu deiner Frage: Mir geht es nicht darum, den Diskurs zu verweigern, obwohl das im Einzelfall auch sinnvoll sein kann, mir geht es um norm enforcement. Und das bedeutet dann auch, dass man Leuten, die gegen grundlegende Regeln der Anständigkeit verstoßen, indem sie z. B. Personengruppen pauschal abwerten, nicht mit dem Respekt begegnet, den sie anderen gegenüber vermissen lassen.

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Ein Grund kann das Formulieren eines inhaltlichen Dissenses sein - das kann, muss aber nicht, die Person adressieren, der man widerspricht.

Das ergibt m. E. nur Sinn, wenn man Respekt als eine Art von Belohnung ansieht und nicht als einen Standard im Miteinander.

Ich weiß leider nicht, was mit norm enforcement konkret gemeint ist, aber wenn es darum geht, bestimmten Normen (oder Werten) zur Durchsetzung zu verhelfen, kann ich mir nicht vorstellen, wie die selektive Anwendung eigentlich universeller Normen (zu denen m. E. Respekt gegenüber einem Gesprächspartner gehört) oder der Abbruch von Kommunikation dazu beitragen sollen.

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Das wäre dann selbstzweckhaft. Aber du schriebst von vielen möglichen Gründen, das war jetzt nur einer.

Die ‚Goldene Regel‘ könnte lauten:

‚Ich respektiere dich, solange du alle anderen auch respektierst.‘

(Reziprozitätsprinzip)

Norm enforcement ist nichts anderes als das Durchsetzen bestimmter Verhaltensregeln.

Man stiehlt nicht, man betrügt nicht …

Aber auch: Gruppenbezogen menschenfeindliche Abwertungen äußert man nicht.

Danke für den Vergleich.

Leider hat diese Diskussion inzwischen nichts mehr mit dem grundsätzlichen Thema des Ursprungspost zu tun. Genau dieses Muster kann man leider oft auch bei Politikern beobachten oder Menschen die sich einfach der Diskussion nicht stellen wollen.

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