Ich fürchte, diejenigen, die eine Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Entschuldigungen von den Medien fordern, denken dabei nicht an die Welt oder die Bild, sondern an alle anderen Medien 
Ich habe bewusst der Welt und den eher mittigen Medien nur jeweils einen gewissen Bias unterstellt und explizit gesagt, dass beides aus meiner Sicht in Ordnung ist, daher weder das eine noch das andere „Fake News“ waren, für das man sich entschuldigen müsste.
Ich war auch strikt gegen die abendlichen Ausgangssperren (und habe sie permanent gebrochen, weil ich eben nur nach Sonnenuntergang laufen gehe…), ich fand diese Ausgangssperren auch ausgesprochen problematisch, weil letztlich das Ziel war, Menschen vom Feiern in Privatwohnungen abzuhalten, man aber nicht den Mut hatte, in die geschützte Wohnung einzugreifen, und man lieber eine Maßnahme erlassen hat, die zu einem großen Teil Kollateralschäden verursacht hat, also Leute getroffen hat, die man eigentlich nicht treffen wollte. In diesem Punkt habe ich der sehr Maßnahmen-kritischen Berichterstattung der Welt durchaus zugestimmt. In vielen anderen Punkten (z.B. die generelle Ablehnung von Maskenpflichten oder Impfpflichten) nicht.
Ich finde beim Thema „Aufarbeitung der Conora-Pandemie“ schauen wir nun viel zu sehr auf die verhältnismäßig kleinen Fehler und berücksichtigen viel zu wenig, wie schwierig es damals für die Verantwortungsträger aus Politik und Verwaltung war, hier einen halbwegs zielführenden Weg vorzugeben. Dabei stellt sich eben auch die Frage, ob die Politik den Empfehlungen von Institutionen wie dem RKI zwingend folgen muss oder doch das Recht hat, zu sagen: „Im Sinne der Vorsicht oder zum Wohle der Wirtschaft weichen wir von den Empfehlungen ab“.
Beispiel: Wäre es nach dem RKI gegangen, hätte man sich erst nach mehreren negativen Tests „freitesten“ können, die Politik hingegen wollte eine großzügigere Regelung (Freitesten nach 5 Tagen), um die wirtschaftlichen Schäden geringer zu halten. Ebenso hat das RKI relativ schnell erkannt, dass eine Impfung nicht zwangsläufig Ansteckungen reduziert, daher Geimpfte immer noch das Virus weitergeben können (keine „Sterile Impfung“). Das hat die Politik, vor allem Jens Spahn, mit seiner Äußerung der „Pandemie der Ungeimpften“ natürlich konterkariert und die gesetzlichen Regelungen spiegelten dies auch nicht wieder.
Was witzigerweise in beiden Fällen passiert ist, ist, dass die Regierung nach Unten von den Vorgaben des RKI abgewichen ist, daher: Das RKI war „vorsichtiger“ als die Politik, nicht „weniger vorsichtig“. Was in der Berichterstattung nun passiert, ist aber, dass z.B. Spahns Satz der „Pandemie der Ungeimpften“ im Zentrum steht und es so dargestellt wird, als habe das RKI weniger Maßnahmen gefordert, als die Politik umgesetzt hat. Das war aber gerade nicht der Fall.
Ich sehe da zweifellos auch Fehler, die gemacht wurden, aber in der Summe überwogen die richtigen Einschätzungen und Handlungen der Politik deutlich. Trotzdem wird nun so getan, als hätten die Anti-Corona-Maßnahmen-Demonstranten Recht gehabt und die Regierung habe bei den Maßnahmen maßlos übertrieben. Das ist ein katastrophales Framing, das leider sehr dominant ist.