Atommüll Endlager suche

Seitdem ich den Zeit Artikel „Es wird nicht Billig“

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-09/endlager-atommuell-gorleben-zwischenbericht-teilgebiete-politik

zur Endlagersuche gelesen habe, werde ich den Gedanken nicht los, das ein Prozess, bei dem eine Mehrheit entscheidet (auf welcher Grundlage auch immer), welche Minderheit das Problem bekommt, nicht funktionieren kann. So verwerflich ich die Haltung Bayerns finde, glaube ich, sie sind damit nicht allein.
Daher fand ich eine Idee des Artikels gut, dass dieser Prozess umgedreht werden sollte.
Wir (die Gesellschaft) sollte die Regionen fragen unter welchen Umständen sie sich ein Endlager vorstellen könnten. Daraufhin können sich dann Regionen ums Endlager bewerben und man kann auf wissenschaftlichen Kriterien entscheiden, welche Region den Zuschlag bekommt.

Disclaimer: Ich kenne die Details des Prozesses nicht, eventuell ist so etwas ja sogar angedacht.

Den Vorschlag finde ich auch beim ersten Blick charmant, aber ich denke der würde an exakt die gleichen Hürden stoßen:
Wer wird überhaupt gefragt? Landespolitiker, Kommunalpolitiker, Interessensgruppen, jeder einzelne Bürger der Region? Wie groß wählt man die zu fragende Region? Und wer wird sich übergangen fühlen?
Auch diese Fragen müssten zunächst für einen transparenten Frageprozess begleitet werden (wo sich auch wieder Menschen übergangen fühlen). Und da beißt sich der Hund in den Schwanz.

Und ein zweiter Punkt wäre: Mit wie vielen Regionen möchte man dann in „Verhandlung“ treten? Dann wäre das eine neue Form der Müllmarktwirtschaft mit einem starken Nachteil wirtschaftlich schwacher Regionen. Ähnlich wie beim Müllverkauf aus Deutschland ins Ausland (z.B. Müllverkauf - Deutschlandfunk Nova).

Daher denke ich, dass ein kommunikativer wissenschaftlicher Weg die einzige Möglichkeit ist einen möglichst sinnvollen Ort für diesen Generationenmüll zu finden.

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Ich befürchte es wird sich bei der Endlagerstätte für Atommüll das wiederholen, was bei der Such einer Restmülldeponie in meiner Region abgelaufen ist:

Egal wer welchen Vorschlag gemacht hat, es gab sofort Bürgerinitiativen dagegen.
Die Lösung bestand letztendlich darin, dass unser Restmüll in eine über 80km. entfernte Verbrennungsanlage gekarrt wird.

Auf den Atommüll hochgerechnet wird es in Deutschland keine echte demokratische Lösung geben. Sondern nur die Region mit dem kleinsten Widerstand.

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Wer wird überhaupt gefragt? Landespolitiker, Kommunalpolitiker, Interessensgruppen, jeder einzelne Bürger der Region? Wie groß wählt man die zu fragende Region? Und wer wird sich übergangen fühlen?

Ich gebe dir Recht, dass es auch bei diesem Vorgehen große Hürden und offene Fragen gibt.
Weiterhin wird man auch hierbei nicht jeden glücklich machen können. Aber ich halte es über diesen weg für einfacher einen großen Teil der Betroffenen zu überzeugen. Ich glaube das 60% Zustimmung in der Region wichtiger sind als Zustimmung 90% in der gesamt Gesellschaft, bei 90% Ablehnung in der Region.

Vorstellen könnte ich mir das Bürgermeister*innen Gemeindeverbünde Gründen und ein Konzept ausarbeiten und dieses dann in den Gemeiden abstimmen lassen. Bei angenommenden Konzepten kann dann meines Erachtens nach von hoher lokaler Zustimmung ausgehen.
Ich möchte hier auf keinen Fall sagen das dies ein einfach Prozess wird, da sich die Bewerbenden Regionen vermutlich mit ihren Nachbarn abstimmen müssen.

Am Ende diese Prozesses hätte man dann eventuell eine Handvoll Bewerber*innen mit Konzepten aus denen ausgewählt werden könnte.

Auch diese Fragen müssten zunächst für einen transparenten Frageprozess begleitet werden (wo sich auch wieder Menschen übergangen fühlen). Und da beißt sich der Hund in den Schwanz.

Ich sehe bei dem Vorhaben nur eine große Zustimmung zu den Kriterien in Deutschland zu haben aber ein Demografisches Problem. Allein ca. 25% der deutschen Leben in einer Großstadt und die Annahme ein Endlager nicht in eine Großstadt zu bauen halte ich für Plausibel. Das heißt alleine diese 25% können darauf zurückziehen, dass es eh nicht in ihrem Garten passieren wird. Wenn man Großstadt auf Metropolregionen ausweitet sind es schon 63% der Deutschen. Die sich mehr oder weniger nicht für den Prozess interessieren werden, weil es eh nicht bei ihnen sein wird.
Daher sehe ich den entscheidenen Unterschied das einmal Betroffene über andere Betroffene überstimmen/übergehen werden und beim anderen Vorgehen nicht betroffene die betroffenen übergehen werden, frei nach dem Motto 9 von 10 Kindern der Klasse finden mobbing ok.

Und ein zweiter Punkt wäre: Mit wie vielen Regionen möchte man dann in „Verhandlung“ treten? Dann wäre das eine neue Form der Müllmarktwirtschaft mit einem starken Nachteil wirtschaftlich schwacher Regionen. Ähnlich wie beim Müllverkauf aus Deutschland ins Ausland (z.B. Müllverkauf - Deutschlandfunk Nova).

Der Staat tritt mit keine Region in Verhandlung sondern wartet darauf das Regionen sich bewerben, dass ist ja der entscheidende unterschied.
Die Wissenschaft und Politik/Gesellschaft ist dann gefragt um Gesellschaftliche und Technische/Geologische standarts zu definierend um die Bewerbungen zu bewerten. Ein Mindeststandart könnte sein, dass die Region in Deutschland (oder Europa oder Demokratischer Rechtsstart) sein muss.

Daher denke ich, dass ein kommunikativer wissenschaftlicher Weg die einzige Möglichkeit ist einen möglichst sinnvollen Ort für diesen Generationenmüll zu finden.

Ich glaube du überschätzt hier was die Wissenschaft leisten kann. Die Wissenschaft wird nicht den einen Optimalen Ort in Deutschland ausmachen können. Und der Ort wird auch Wissenschafliche Argumente finden warum ein anderer Ort zumindest nicht schlechter ist. Die Wissenschaft zu instrumentalisieren um Leute in der Kompromiss Region zu überzeugen halte ich auch für sehr gefährlich. Da es das Ansehen und Vertrauen in die Wissenschaft zerstören wird.

Egal wer welchen Vorschlag gemacht hat, es gab sofort Bürgerinitiativen dagegen.
Die Lösung bestand letztendlich darin, dass unser Restmüll in eine über 80km. entfernte Verbrennungsanlage gekarrt wird.

Ich glaube der Vorteil bei Atommüll ist, dass mehr Geld da ist um Leute zu entschädigen und die Deponie unterirdisch sein wird und somit nicht Stinken wird. Die Atomare Forschung hat immerhin um die 50Mrd € gekostet hat. Wenn man diesen Satz als Entschädigung der Region die das Endlager annimmt ansetzt könnte sich zum Beispiel Helogland bewerben, und sollte es Geologische geeignet sein jedem Bewohner ca 50millionen Entschädigung ausgezahlt werden. Sollte sich Berlin bewerben, könnte immerhin jeden noch 10.000€ ausgezahlt werden. Aber andersherum ist die Summe ja auch nicht fix, es könnte ja auch um Jährliche Leißtungen gehen.

Also was wäre besser geeignet als ein Wettbewerb um den Wert dieser Entschädigung zu bestimmen?

Ich wäre ja immernoch gegen eine Endlagersuche und mehr dafür endlich den Müll „zu verbrauchen“

Bei uns hier (LKW in Schweden) kursierte währen unseres Modernisierungsprojekts eine Studie wonach der geplante neue Reaktor die vorhandenen Brennstäbe so weit runter brennen sollte, dass die dann vorhandenen Reste „nur“ nur noch 100 Jahre gelagert werden müssten.
Hätte man alle derzeit vorhandenen Reaktoren durch solche ersetzt hätte Schweden für 250 Jahre auf derzeitigem Stand Energie erzeugen können ohne auch nur einen neuen Brennstäbe zu benötigen.

Allerdings wurde auch der Bau des Testreaktors bereits dem Ausstieg geopfert.

Wohingegen sich hier mehrere Kommunen um das Endlager „geprügelt“ haben, was jetzt schlussendlich in Forsmark gebaut werden soll.

Hallo,

ich würde mal gern ein Aspekt mit einbringen der immer in Bezug auf Atom-Themen vergessen wird das es oft ein Bauch bzw. Emotionales Thema ist.

Es sollte mal vernünftig aufgeklärt werden wie die Konstruktion zu einem Endlager aussehen wird und welche absehbaren Folgen das Ganze haben wird oder könnte. Es ist völlig klar das heute kein Mensch beantworten kann was die Stahlung, die ja durch entsprechende Behältnisse garnicht in vollem Umfang an die Umgebung abgegeben wird, mit der Umgebung machen wird. Auch die geologischen Veränderung über die nächsten 1000ende von Jahren kann nur grob errechnet werden.

Aktuell habe ich das Gefühl das über Atommüll genauso Diskutiert wird immer. Es ist Grundsätzlich Böse und soll nicht bei mir in der Nähe sein ohne wirklich fundierte Begründungen. Irgendwer muss in den sauren Apfel beißen müssen und dann sollte klar sein was auf die Region zu kommt. Wir sind ja nicht mehr am Anfang der Atomzeit. Wir wissen inzwischen viel mehr und das muss transparent an die Bürger kommuniziert werden. Nur dann kann man vernünftig Diskutieren. Solange das Thema emotional bleibt wird es mit Sicherheit ein Bürgerbegehren nach dem anderen geben.

Was ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, und zu welchem Aspekt ich mir zumindest einen Einwurf bei der Lage gewünscht hätte: Es wird von wissenschaftlicher Suche nach einer Lagerstätte gesprochen für das am meisten tückische tödliche Gift, das Menschen gelungen ist zu produzieren. Gelagert werden soll das für eine Million Jahre. Was bei allen Göttern - von denen keiner bis jetzt auch nur zehntausend Jahre überlebt hat - ist in Leute gefahren, die sich Wissenschaftler nennen? Endlager? Vielleicht ist die weiter oben in den Kommentaren besprochene schwedische Lösung ein Ansatz. Aber „Wir verbuddeln das, weil wir wissen, wo der Sandkasten am tiefsten ist!“ - das ist mit infantil noch nett beschrieben.
Und, sorry, Bayern - Bashing ist da billig. Söder ist der einzige, der zumindest auf die Schwierigkeit der Vermittlung des Zeitraums der Lagerung hingewiesen hat. Und von wegen "Not in my backyard ": wieviel Hinterhöfe weltweit sollen es denn bitte sein? Wieviel strahlenden Müll haben wir zu vergeben? Und wenn wir alles vergraben und versiegelt haben, und es stellt sich (vielleicht gar nicht erst nach Generationen) heraus, dass wir uns mal wieder geirrt haben? Bloß mal an die Müllversenkung und Säureverklappung in der Nordsee erinnert.
Man nannte so etwas einmal Hybris…

Gedanken zum Endlager

Die Asse ist auch ein „Endlager“ da das Material nicht geborgen werden kann. Da hieß es die wäre sicher, bis die Natur einen anderen Plan hatte.

Was ist, wenn wir das Zeug verbuddeln und es stellt sich heraus wir bräuchten das als Rohstoff?

@Ulyssesthemiller: Wie @Olaf.K schon sagte es

Das ist mir leider noch viel zu viel Konjunktiv…

Ähnlich wie bei so vielen anderen „neuen Ideen“ sind die negativen Folgen und damit auch eine mögliche gesetzliche Regulierung erst sehr zeitverzögert zu erreichen. Es ist utopisch eine vollumfängliche Folgenabschätzung bei Technologien vor Markteinführung zu fordern bzw. zu erwarten.

Diese Frage kann ich einfach nicht unkommentiert lassen!
Deutschland hat 1957 das erste Forschungs-AKW in Garching und 1962 das erste AKW in Großwelzheim (btw. beides in Bayern) in Betrieb genommen (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernreaktoren_in_Deutschland). Seit dieser Zeit wird „Atommüll“ produziert und mit dem laufenden Betrieb sind erst die wissenschaftlichen Erkenntnisse angewachsen. Viele Probleme - aber auch Technologien - sind dadurch erst entstanden. So funktioniert aktuell der Fortschritt. Das ist zwar irgendwie scheiße, aber eine bessere Lösung fällt mir dazu auch nicht ein.
Stand jetzt: Deutschland steigt aus der Atomkraft aus und wir haben (!) den Müll. Bisher gibt es keine Lösung, wie man gezielt gemischte leicht strahlende langlebige Isotopenmischungen deaktivieren kann. Aber daran forschen Wissenschaftler auch! Das ist nämlich der Kern der Wissenschaft. Jeder ist dazu angehalten sich mit einem Thema so detailliert zu beschäftigen, um unbekannte Details zu entdecken, welche der Menschheit neue Wege eröffnen.
Fragen wie „Wie können wir diesen Müll so sicher wie möglich lagern?“, „Können wir gezieltere Kernspaltungen erreichen, um mit AKWs weniger langlebig strahlende Reste zu erzeugen?“ oder „Können wir radioaktiven Abfall irgendwie behandeln, um ihn schneller ungefährlich zu machen?“ sollten wissenschaftlich (wertneutral) verfolgt werden. Und ich glaube, dass sie das auch werden.

Selbst wenn durch Transmutation die Atommüllmenge verkleinert werden könnte und die Strahlungszeit verkürzt werden könnte, ist ein Endlager unumgänglich. Der verglaste Abfall aus den WAAs ist nicht mehr zu behandeln, und auch der reduzierte bis zu 1000 Jahre strahlende Rest aus der Transmutation muss in nicht weniger sichere Endlager. Die Technik funktioniert grosstechnisch noch nicht und ist zusätzlich riskant. Rückholbare Endlager könnte man vorsehen, für den Fall, dass es irgendwann doch ein sicheres und leistungsfähiges Verfahren gibt. Eine wirkliche „Lösung“ des Problems wird es kaum geben. Die Nutzung von Atomenergie würde ich deshalb als Menschheitsverbrechen aus Dummheit und Gier sehen. Das Geschehene ist unumkehrbar natürlich, was jetzt noch geplant und gebaut wird in vielen Ländern ist halt die Fortsetzung des Verbrechens, unglaublich, egoistisch, kurzsichtig. Ich rechne damit, dass ziemlich alle ehemaligen Standorte von AKW und Endlager zu irgendeinem Zeitpunkt zu unbewohnbaren Zonen werden. Geht natürlich auch irgendwie. Wäre halt gut gewesen, zur rechten Zeit das Hirn anzustrengen und sich die Zeiträume vorzustellen, und wie die Menschheitsgeschichte verläuft. Ich glaube nicht, dass noch nicht einmal in 200 Jahren überall noch genug verantwortliche und wissende Leute die Ruinen, den frei lagernden Abfall und mehr oder weniger gut organisierte Endlager im Griff haben.

Kurzer Hinweis: Radioaktiv ist nicht gleichzusetzen mit giftig. Was davon gefährlicher ist, hängt vom jeweiligen Stoff und der Menge ab. Es gibt auch Stoffe wie z. B. Uran oder Plutonium die sowohl radioaktiv als auch giftig sind.
Dass der Atommüll für 1 Million Jahre sicher verwahrt werden muss, hört sich schlimm an. Aber danach ist es weitgehend unschädlich. Im Gegensatz zu sehr vielen giftigen Stoffen, die einfach immer da sind, auch noch nach 1 Million Jahre.

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Dann glaubst du leider falsch.

Du schreibst zu meiner Studie das wäre dir zu viel Konjunktiv.

Gleichzeitig stellst du die Frage ob man das könnte und bist dir sicher das die Wissenschaft die Frage verfolgt.

Wie soll die Wissenschaft einer Frage folgen, wenn die Politik diese in den Bereich der Theorie verbannt hat?

Welcher Ingenieur gibt sich noch der Brotlosen Kunst des Reaktorbaus hin, in dem man die Erkenntnisse gewinnen könnte die man benötigt um den Müll zu verarbeiten?

Herzlichen Dank für diese sachliche Kritik. Könntest du bitte näher erläutern wo ich falsch glaube? Das die Lagerfrage, gezieltere Nuklearreaktionen und z.B. bestrahlung von „radioaktivem Abfall“ nicht wissenschaftlich bzw. technisch verfolgt wird?


Bei einem argumentativen Sachbezug in einem Forum wäre ein Link zu der Quelle, also zu deiner Studie schon sehr hilfreich. „Sollte“ und „müsste“, also die Worte, die du verwendet hast, sind soweit ich weiß Möglichkeitsformen.

Die Aussage verstehe ich ehrlich gesagt nicht.

Ich glaube gut ausgebildete Ingenieure in diesem Bereich werden weltweit gesucht. Vielleicht nicht in Deutschland, aber:


(Keine wirklich tolle Quelle, aber sie sollte meinen Punkt verdeutlichen)

Lieben Gruß,
Thorben

Das ist ungefähr so, als ob Du jemanden vorwirfst dumm zu sein, weil er letzte Woche im Lotto nicht die Zahlen von der Ziehung am Sonntag getippt hat. Damals war der Kenntnisstand ein komplett anderer. Die Auswirkungen der Strahlung waren damals noch nicht in vollem Ausmaß bekannt. Und zugegeben, die schädigende Wirkung ist bei Radioaktivität auch nicht intuitiv, da sie indirekt wirkt, man es nicht spürt, die Wirkung stark zeitverzögert eintritt und es stochastische Schäden sind (mal passiert was mal nicht - salop gesagt). Entsprechend hatte man die Beseitigung des Mülls auch nicht als Problem erkannt. Was man allerdings erkannt hatte, war mit einer der größten Vorteile, nämlich der unglaublich hohe Energiegehalt. 1kg Uran enthält so viel Energie wie 20.000 kg Kohle. Von daher würde ich eher sagen, aus damaliger Sicht wäre es dumm gewesen diese Energieform nicht zu nutzen.

Was man kritisieren kann, ist die Frage, ob der Ausstieg nicht zu spät kam. Aber das Problem haben wir auch an anderen Stellen, siehe Müllentsorgung allgemein oder das aktuelle Klimaproblem.

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In den 50ern kannten die Kernphysiker die Halbwertszeiten, die Energiedichte von Uran, und wenn sie es wissen wollten, konnten sie ausrechnen, wieviel Abfall zu verwahren ist, wenn der Energiebedarf (damals noch viele weniger zwar) mit Atomenergie gedeckt werden soll. Die Gefährlichkeit hatten sie vermutlich damls noch unterschätzt. Der Punkt ist, dass sie lediglich hofften, es würde sich rechtzeitig eine Lösung für die sichere Verwahrung oder Aufarbeitung finden.

Das ist der Anfang der Dummheit (vor der auch fähige Wissenschaftler nicht gefeit sind, zumal wenn Ruhm und Geld vor der Nase sind). Das besagte Verbrechen wächst mit der Zeit der Erkenntnis, dem Wachstum der Probleme, dem Märchen, dass es sich um eine preiswerte Energieform handelt, somit dem fortgesetzten Betrug an der Menschheit. Das Motiv ist Gier, weniger der Wissenschaftler als die der Geschäftemacher, die im Hier und Jetzt den Profit machen, während der Rest der Menschheit die Folgen zu tragen hat, sowohl zeitlich wie geographisch gesehen.

Auch die Geologie war zu den Anfängen so weit, 1 Mio Jahre als einen Zeitraum zu sehen, in dem mehrere Eiszeiten ins Land gehen und z.B. ein Endlager einen Gletscher mit Geschiebe nicht überstehen würde.

Es werden ja jetzt noch AKWs geplant und gebaut. Ist das nicht völlig dumm und skrupellos zugleich?

Wissenschaftlich sauber wäre es gewesen, wenn man gesagt hätte: Gut, wir machen es grosstechnisch erst, wenn wir für den Abfall der Forschungsreaktoren eine Lösung haben. Aber da war eben die Angst zu gross, dass die Konkurrenz loslegt. Und die Politiker mit wenig Wissen machten Druck , weil sie paradiesische Zustände erwarteten und jeweils im Rennen der Nationen vorne sein wollten. Sie wurden kräftig von den Wissenschaftlern mit entsprechenden Informationen versorgt.

Im übrigen gab es ja die weitsichtigen Wissenschaftler schon damals, die vor den Gefahren warnten, aber Gier und Kurzsichtigkeit der Zeit haben sie untergebuttert.

Damit stimmt dein Vergleich nicht: Der Lottospieler hat null Information über die Ziehung im Voraus. Die Physiker zumindest hatten Information genug, wenn auch nicht so viel wie heute vorhanden ist.

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Die Lösungen gab es doch bereits und die wurden bereits umgesetzt, z. B. Deponierung im Meer. Dort sollte es sich dann so stark verdünnen, dass es unschädlich ist. Mit zunehmendem Erkenntnisgewinn hat sich auch die Entsorgung als immer schwieriger erwiesen. Ist genau wie bei anderem Müll. Alte Autobatterien wurden auch einfach in Wald geworfen, bis man gemerkt hat, dass das keine so gut Idee ist.

Damals brauchte man Energie. Wind und Solar gab es noch nicht, Wasserkraft war und ist begrenzt, bleibt Kohle oder Kernkraft. Und ist Kohle besser als Kernkraft? 1kg Brennstab gibt ca. 1kg hochradioaktiven Müll, während die 20.000 kg Kohle vermutlich ein paar hundert kg Flugasche ergeben. Die Flugasche ist wie die Kohle stark unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung, aber sie enthält Schwermetalle und ist auch radioaktiv, da sie teilweise mehr Uran enthält als Uranerze.


Fazit egal ob Kohle und Kernkraft, beides ist echt schei…, äh, mit deutlichen Nachteilen verbunden. Kohlekraft verursacht extrem viel CO2 und auch jede Menge anderer Abgase wie z. B. Quecksilber und auch Radioaktivität. Das Verschleppen des Kohleausstiegs halte ich daher für „dumm und skrupellos“.

Nicht in Deutschland. Japan steigt wegen Fukushima von AKWs auf Kohlekraftwerke um. Ist das besser?

Im Meer verklappen war eben kurzsichtig, schon nach damaligem Wissensstand. Diejenigen, die überzeugt waren von der atomaren Energieversorgung der Welt hätten sich schon vor dem ersten kommerziellen Reaktor ausrechnen können, wieviel Radioaktivität im Meer landen würde - also unverantwortlich; sie taten es nicht, weil das ihre Träume zerstört hätte.

Windräder wären möglich gewesen, aber total uncool, zu primitiv, wie die Altvorderen, aus der Sicht der Ideologen des technischen Fortschritts - und natürlich aus der Sicht der Grossindustrie, für die Umsatz wichtiger war als Effektivität.

Freilich, Kohle ist sehr schädlich und beim Kohleausstieg bin ich deiner Meinung. Dennoch sind die Gefahren von Kohle und Atom nicht vergleichbar. Radioaktivität nach einem GAU macht einen Landstrich so lange unbewohnbar, wie es vielleicht gar keine Menschen mehr gibt. Ein Endlager, das nicht nach dem dem mindestens jetztigen Stand der Technik überwacht werden kann, ist eine Zeitbombe.

Das Uran in der Kohleasche ist noch um Grössenordnungen entfernt von der Gefährlichkeit in Form eines abgebrannten Brennstabes, also muss man auch hier relativieren.

Es ist natürlich immer schwierig, in der Rückschau klug über Fehler der Vergangenhait zu reden. Aber was Kernkraft betrifft: die ist so heimtückisch, so überdimensional und weitreichend gefährlich, dass ich jeden Befürworter zu jeder Zeit nach wie vor verantwortungslose Dummheit vorwerfe. Und wie gesagt, es hat die Warner aus der Wissenschaft von Anfang an gegeben.

Nur um dem vorzubeugen: Atomstrom ist keineswegs CO2 frei:

Zum weiteren vorbeugen: Das gilt nicht nur für Atomstrom, sondern für alle Stromarten. Windräder brauchen Fundamente aus Zement, bestehen aus Stahl und Kunststoff. Solarzellen benötigen Silizium und Dächer.
Wenn man genau sein möchte, müsste man auch noch die Infrastruktur dazurechnen. Und bei den Regenerativen müsste man die Speicher auch noch dazurechnen. Die Energiegewinnung ist bei Atomkraft genau wie bei den regenerativen faktisch CO2-frei, darauf bezog sich meine Aussage. Das davor und danach könnte man übrigens auch CO2-frei machen. Aber das dauert für den Klimawandel zu lange.

Dann rechnen wir mal. Das Meer hat 1.370.323.000 km³ Wasser


Atommüll sind bis 2010 300.000t angefallen (mit so viel war zu Begin der Kernkraft vermutlich nicht zu rechnen)

3e5 t = 3e8 kg = 3e11 g = 3e17 µg Abfall pro 1,37e9 km³ = 1,37e18 m³ => Also 2 µg/m³
Ist also so ähnlich wie Granit. Der wird in Wohnhäusern verbaut.

Ich will das im Meer versenken nicht schönreden. Ich will nur zeigen, dass meine kurze Abschätzung zeigt, dass mit den damaligen Grenzwerten nichts unverantwortliches daraus folgt. Den von Dir unterstellten Vorsatz, kann ich nicht nachvollziehen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Personen, die in den 50er und 60er Jahren mit Radioaktivität zu tun hatten, sich selbst zu hoher Strahlung ausgesetzt haben, eben weil sie es nicht besser wußten. Die Erkenntnis über die Schädlichkeit von radioaktiver Strahlung hat nämlich eine ganze Zeit gedauert, denn Strahlenschäden treten zum Teil oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten auf. Die Einheit mit der man heute die Gefährlichkeit von radioaktiver Strahlung misst, wurde erst 1978 überhaupt festgelegt.

Den Vorwurf, dass die Politiker in den 60er Jahren vorsätzlich wider besseren Wissens gehandelt haben, ist aus meiner Sicht nicht haltbar. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Du Recht hast, aber ich sehe auch das als extrem schwer festzulegen, wann genau das ist, vor allem da das Grundproblem da bereits vorhanden war.

Soweit ich weiß, sind die Windparks an Land erst dadurch rentabel geworden, dass durch neue Materialien in den letzten Jahrzehnten die Windräder in dieser Größe gebaut werden konnten. Davor waren sie, auch wegen fehlender Speichertechnologie (das Problem haben wir immer noch) keine Alternative.

Kohle enthält bis zu 20g Uran, heißt in den 20.000 kg Kohle können bis zu 400g Uran sein. Von dem 1 kg ist das nicht so weit weg.

Ich will hier Radioaktivität nicht verharmlosen, aber ich halte es für sehr sinnvoll und auch für Notwendig sich rational mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn ja es ist gefährlich, aber es gibt auch Grenzen wo es nicht gefährlich ist. Der emotionale Umgang mit Radioaktivität führt dazu, dass die Gefahr oft überschätzt wird. Das wichtigere ist jedoch, dass dies oft dazu führt, dass andere Gefahren unterschätzt werden. Radioaktivität ist z. B. aus meinem Empfinden ein so großes rotes Tuch, dass z. B. Giftmüll gar nicht diskutiert wird. Auch sehe ich die Kohle allgemein zu positiv.