Atommüll Endlager suche

Ein Endlager für Eine Million Jahre?
Als die erste Nachricht von der Suche nach einem 1-Millionen-Jahre Endlager in der Nachrichten kam, konnte ich nicht begreifen, warum die ModeratorInnen nicht in hysterisches Gelächter ausbrachen. Eine Million Jahre! Ein paar Zahlenbeispiele:
1: Alter
Die Himmelsscheibe von Nebra ist bummelig 4000 Jahre alt. Eine der ältesten Schriften der Menschheit ist das Gilgamesh Epos, ebenfalls etwa 4000 Jahre alt. Wir wissen so gut wie nichts aus dieser Zeit! Die ältesten Zeugnisse des Homo Sapiens in Europa sind lediglich 45.000 Jahre alt, der Neandertaler ist 250.000 Jahre alt [1]. Die Letzte Kaltzeit begann vor 117.000 Jahren und dauerte bis vor 14.000 Jahren, damals war Europa - zumindest glauben wir das - mit einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt [Wikipedia]. Und wir wollen ein Endlager errichten, das viermal so alt werden soll wie die Menschheit selbst, zehnmal so alt wie die letzte Kaltzeit, und zweihunderttausendmal (!) so alt wie die frühesten Zeugnisse der Menschheit? Hysterisches Gelächter!

2: Kosten
„Die finanziellen Mittel für die Zwischen- und Endlagerung in Höhe von 24,1 Milliarden Euro wurden dem Bund von den Betreibern zur Verfügung gestellt.“ [2]
Rechner wir mal die Kosten für ein solches Endlager extrem vereinfacht durch: die Suche kostet nichts, nehmen wir mal an. Die Erkundung auch nichts, der Bau nichts, der Transport nichts, der Betrieb nichts, die Überwachung nichts. Nehmen wir lediglich einen Pförtner/eine Pförtnerin an, die den Laden bewachen soll. Die Personalkosten belaufen sich, um die Sache einfach zu machen, auf 36.000 Euro im Jahr. Inflation - geschenkt. Gehaltserhöhung - vergessen wir. Dann kostet alleine diese Person in der nächsten Million Jahre 36 Milliarden Euro! Hysterisches Gelächter.

Zu meiner Person: ich bin Physiker und entwickle seit 20 Jahren marine Seismometer. Ich habe viel Zeit im Wendland und Brokdorf verbracht und 2011 (Ausstieg) ging für mich ein Traum in Erfüllung.

[1] https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/aelteste-funde-des-homo-sapiens-in-europa/
[2] https://www.bafa.de/DE/Wirtschafts_Mittelstandsfoerderung/Handwerk_Industrie/Rueckbau_Rueckstellungen_Kernkraftwerke/rueckbau_rueckstellungen_kernkraftwerke_node.html

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Das ist nun leider auch vereinfacht. Steht das Windrad einmal, dann kommt das Material zur Erzeugung des Stroms (Wind) ohne weitere Energiekosten. Das ist bei der Atomkraft, da werden Sie mir sicherlich zustimmen, völlig anders. Hinzu kommt dann auch noch die Entsorgung. Die Kühlung des Reaktors. Die Notfallaggregate für Pumpen.

Und am Ende hat man ein strahlendes Endmaterial /nach heutigem Stand der Technik), was jeder klar denkende Mensch gerne so weit von sich weg haben möchte wie nur irgendwie möglich.

Ja aber nicht gezündetes Uran ist ungefährlich, solange du es nicht ißt, giftig ist es immer noch.

Und verbrennen von Kohle reicht nicht um den Kernzerfall des enthaltenen nicht angereichertem Urans zu starten.

Der Vergleich von Kohle und Atomkraft ist schwierig, da die Datenlage unzureichend ist und es auch rech vielschichtig ist. Lesenwert fand ich dieses kurze Dokument. Es stammt vom BUND NRW:

Radioaktivität von Kohlekraftwerken ist nach dem Lesen der paar Seiten etwas das aufgrund der großen Emotionen von Atomkraft meiner Meinung nach viel zu wenig betrachtet wurde und allgemein unterschätzt wird. Dass durch die Verbrennung flüchtige radioaktive Stoffe entstehen, die einfach durch die Filter wandern und dass der freigesetzte Feinstaub auch Uran enthält, war mir nicht so bewußt.

@Fischkopp:

  1. Alter: Sind Fossilien nicht die Dinger die per Zufall über bis zu 3,5 Milliarden Jahren in der Erde lagerten. Also so wie die Menschheit das mit dem Atommüll machen will, nur halt gezielte Lagerung?

  2. Alles was teuer ist und Milliarden kostet (vermutlich mehr als die 24,1) wird vernachlässigt, dafür wird für 1 Million Jahre ein Wachmann eingeführt? Und während der 1.000.000 kriegt er weder Gehaltserhöhung noch Inflationsausgleich?

Insgesamt finde ich diese Vorstellungen so realitätsfern und in sich widersprüchlich, dass ich sprachlos bin.

Nein, auch im Betrieb gibt es beim Windrad Energiekosten. Die Dinger müssen gewartet werden, es gibt Verschleißteile und es gibt auch noch das Blinklicht, das auch leuchtet muss, wenn kein Wind weht. Das sind allerdings alles Dinge die mit der Energieerzeugung nichts zu tun haben. Bei der Kernkraft ist es genau so. Genau wie man bei einem Windrad ein Solarblinklicht verwenden kann, kann man beim Kernkraftwerk das Notfallaggregat mit Wasserstoff betreiben.

Was soll „nicht gezündetes Uran“ sein? Googel kennt das nicht. Uran und seine Isotope sind alle radioaktiv und giftig (Schwermetall) und damit gleich doppelt gefählich. Woher das Zeug stammt ist völlig egal. Die Verbrennung ist für die Radioaktivität egal, sie führt nur zu einer Anreicherung, da Kohlenstoff und Wasserstoff als CO2 und H2O in die Atmosphäre gehen und nur noch der Rest übrig ist.

Die zerfallsfähigen Isotope sind aber künstlich hergestellt.
Nicht gezündetes Uran sind die Brennstofftabletten vor dem ersten Einsatz, also bevor die Kettenreaktion das erste Mal gestartet wird.
Ich weiß nicht ob und wie man hier Bilder verlinkt aber hier:

Im 5. Bild sind solche nicht gezündeten Uranpellets zu sehen, völlig ohne Schutz in der Hand liegend.

Das ist richtig, da hält jemand ziemlich reines Uran in der Hand. Durch die chemische Bindung ist das Zeug nicht mehr giftig. Radioaktiv ist es jedoch trotzdem. Ich schätze, dass in der Hand so etwa 12 cm³ sind, das ist etwa 1 mol Uran.

6,00E+23 Atome/mol
Uran 238
96,00% Anteil
5,76E+23 Atome
4,47E+09 Jahre
1,41E+17 Sekunden
4,09E+06 Zerfälle/s
Uran 235
4,00% Anteil
2,40E+22 Atome
7,00E+08 Jahre
2,21E+16 Sekunden
1,09E+06 Zerfälle/s
Summe:
5,18E+06 Zerfälle/s

Sind also grob 5 Millionen Zerfälle pro Sekunde bzw. 5 Millionen Bq (Bequerel). Ich habe versucht das einzuordnen, aber das ist leider nicht so einfach. Als Vergleich gibt es hier auf Seite 4 Werte.


Lebensmittel liegen im Bereich von grob 100 Bq/kg, Luft im Bereich von 15-300 Bq/m³. Damit ist die Strahlung von den Pellets erheblich mehr als sonst in der Natur üblich.

Nur weil man die Dinger für ein Foto kurz in der Hand halten kann sind sie noch lange nicht ungefährlich. Es gibt auch Fotos wo jemand von einer großen Menge gelber Fäßer steht. Ungefährlich sind die deshalb noch lange nicht.

Zu dem gezündet: Ich glaube es ist nicht trivial zu sagen, ob ein Brennelement bzw. ein Pellet frisch oder abgebrannt mehr Strahlung aussendet. Das Uran238 wird größtenteils nicht verändert und strahlt daher vorher und nachher mit den 4 Millionen Bq. Die Strahlung vom Uran235 fällt zu einem großen Teil weg, heißt erstmal vom Uran ca. 15-20% weniger Strahlung. Aber dann gibt es noch die Spaltprodukte, das sind knapp 100 verschiedene Atome, die entstehen können. Details gibt es hier:


Und wird für mich die Prognose schwierig, denn das sind stabile, nicht radioaktive Atome dabei, aber auch radioaktive mit extrem unterschiedlichen Halbwertszeiten. Somit gehe ich davon aus, dass durch die Kernspaltung zwar Uranatome vorzeitig gespalten wurden, aber durch die kurzlebigeren Spaltprodukte zunächst eine höhere Strahlung vorliegt, als bei frischen Brennelementen, diese sich jedoch relativ schnell reduziert. Falls ich dazu noch was finde, reiche ich es nach.
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Da dürfte die Erklärung liegen