Die These, das wir in Deutschland zuwenig arbeiten, zu viele freie Tage haben und zu viel krank feiern, hält sich nicht nur seit Christian Lindner hartnäckig (auch hier im Forum).
Merz erwähnte kürzlich, „Mit einer 4-Tage Woche und Work-Life-Balance“ werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können".
Eon-Chef Birnbaum (Jahresgehalt 7,02 Millionen Euro) fordert einen gesellschaftlichen Kulturwandel. Reformen im Rentensystem (Arbeiten bis 70?), Steigerung der Arbeitszeiten, ggf Streichung von Feiertagen.
Allianz-Chef Bäte (Jahresgehalt 7,5 Millionen Euro) fordert ähnliches, nennt eine „zu hohe Krankheitsqoute in Deutschland“, fordert die Abschaffung der Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag.
DIHK-Präsident Peter Adrian regt an, ein oder sogar zwei Feiertage zu streichen.
Tenor: Politiker und Manager gehen mit guten Beispiel voran, nun müssen die „faulen“ Beschäftigten ran. Deute ich das so richtig?
Unsere Tageszeitung hatte heute einige Daten dazu:
In Deutschland haben wir rund 83,3 Millionen Einwohner.
Davon sind 45,8 Millionen erwerbstätig, darunter 42,3 Millionen Arbeitnehmer.
Gut 60% davon /25,6 Millionen) der Arbeitnehmer arbeiten in Vollzeit., 16, 8 Millionen in Teilzeit (Stand 2024).
4,6 Millionen Menschen davon haben sogar mehrere Jobs.
Stand März sind 2,9 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.
Somit gehen 77% aller Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland zwiwchen 15-64 Jahre einer bezahlten Tätigkeit nach. Damit liegen wir deutlich über dem OECD-Durchschnitt (69%).
Durchschnittlich arbeiten Vollzeitbeschäftigte 38,19 Stunden pro Woche, teilzeitbeschäftigte 18,43 Stunden.
Darüber hinaus leisten die Beschäftigten in Deutschland laut IAB 552,3 Millionen bezahlte Überstunden. Pro Mitarbeiter also 13,1. Dazu kommen je Arbeitnehmer noch 15 unbezahlte Überstunden.
Laut IWH ist die Zahl der geleisteten Überstunden zwischen 1991 bis 2005 gesunken, danach wieder angestiegen und liegt heute deutlich über dem Niveau von 1991.
Generell ist die durchschnittliche Jahresarbeitszeit pro Beschäftigtem rückläufig, sagt das IWH, was an einer Zunahme der Teilzeitbeschäftigung liegt.
Laut IW bringt die Streichung eines Feiertages eine Steigerung von 0,1 bis 0,2 % des BIP; also rund 8,6 Milliarden Euro.
Laut IW könne so die Wirtschaftsleistung sehr kurzfristig und effektiv erhöht werden.
Allerdings löst das nicht das Fachkräfteproblem.
Zudem bemerkt Alexander Herzog-Stein vom IMK, das mehr Überstunden eher zu einer individuell sinkenden Stundenproduktivität führen würde. Auch die Gefahr von Arbeitsunfällen steige.
Fazit: Kann es sein, das es nicht an der mangelnden Arbeitsbereitschaft der Arbeitnehmer liegt, sondern an eher fehlenden Betreuungs- und Pflegeangeboten? Oder an zu hoher Einkommenssteuer, die Mehrarbeit nur bedingt attraktiv macht?
Also sind ggf doch Politik und Manager am Drücker?