AFD Anhänger oder Duldende und die Reaktion auf sie

Fortsetzung der Diskussion von #483 Umgang mit der AFD: Ich hatte mir ein wenig erhofft mehr hilfreiche Hinweise im Umgang mit AFD Anhängern zu bekommen, so aus dem Alltag. Mir ist klar das zuhören wichtig ist, und man mit Ihnen sprechen sollte aber die Zeit hat man ja nicht immer.

Mein Beispiel ist sehr klassisch und wird vielen bekannt sein. Wenn ich an einem der vielen AFD Stände auf dem Marktplätzen in meinem Ländlichen Kreis Samstags vorbei gehe. Die stellen sich vor Eisdielen auf und die Leute sitzen da in aller Ruhe neben deren Pavilions und konsumieren Ihre Eisbecher.

Bisher habe ich den AFD Mitgliedern zumindest mal ins Gesicht gesagt das Sie Nazis sind wenn ich dort vorbei ging, freundlich nicht laut aber schon direkt. Jetzt lerne ich das ist zu wenig und ich soll mit Ihnen diskutieren und Ihnen zuhören. Aber ich kann doch nicht bei jedem dieser Leute erst mal 10 Minuten stehen bleiben. Es geht mir ja auch eher darum ein Zeichen an die Umstehenden zu senden. Die im Pavilion der AFD Ihren Dienst machen die überzeuge ich doch nicht mehr. Aber die Menschen die drumherum sitzen und wie selbstverständlich Ihrer Freizeitaktivität nachgehen. Denen müsste man doch ein Zeichen geben. ICH könnte an einem solchen Ort nicht sitzen und mein Eis essen. Aber viele ignorieren das einfach, und das ist eine stille akzeptanz m.E.. Aber man darf das doch nicht akzeptieren.

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Um nicht vergangene Themen einfach zu wiederholen, würde ich darum bitten, wirklich eng am konkreten Alltag zu bleiben.

Geht es hier jetzt um AfD Mitglieder oder um AfD Anhänger?

Folge doch mal Marcant und hör zu, wie er mit AfD-Anhängern spricht.

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Ich könnte das vermutlich schon, aber ich würde mich dagegen entscheiden. Einerseits. Andererseits: Wenn man in einer Region lebt, in der die so stark sind, muss man sich Kämpfe suchen, bei denen es etwas zu gewinnen gibt, denke ich. Sich in Dauerkonflikten isoliert müde zu laufen, ohne was zu erreichen, ist am Ende auch ein Gewinn für die Feinde der Freiheit. Von daher ist es sicher schwer, das allgemein zu entscheiden. Ich halte es aber für sehr ehrenvoll, es den AfDlern so ungemütlich zu machen, wie man es im legalen Rahmen kann. So mutig sein, wie man kann, eben.

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Und was genau hast du dir davon versprochen?
Im Sinne von: „Die sind sowieso verloren, also kann man ihnen auch mal ein Nazi an den Kopf werfen“?


In meinem Bekanntenkreis gibt es inzwischen ein paar bekennende AfD-Wähler und noch ein paar andere, bei denen ich aufgrund bestimmter Aussagen stark davon ausgehe.

Ich diskutiere mit ihnen trotzdem über Politik. Das ist für mich sogar deutlich interessanter, weil es kein klassisches sich gegenseitig auf die Schulter klopfen ist, sondern ein argumentativer Schlagabtausch. Frustrierender ist es aber ebenfalls und zwar deutlich.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Solange man in Bereichen wie Außen- oder Wirtschaftspolitik unterwegs ist, kann man relativ normal diskutieren. Das heißt nicht, dass man sich einig wird. Aber man kann Positionen zumindest austauschen, ohne dass die Diskussion sofort emotional wird.

Sobald es allerdings Richtung Migrationspolitik oder „Kulturkampf“ geht, sehe ich da keine gemeinsame Diskussionsgrundlage. Dafür sind die Gräben leider zu tief, vor allem wenn man sich nicht mal mehr darauf einigen kann, was ein Fakt ist.


Gleichzeitig lebe ich quasi in einer liberalen Hochburg namens Köln. Mich würde vor allem interessieren, wie das aktuell in Regionen läuft, in denen die AfD auf dem Weg zur stärksten Kraft ist?

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Das klingt für mich schon fast nach einer Verharmlosung. Diese Menschen unterstützen eine radikale Partei und tragen aktiv dazu bei, dass deren Agenda der Gesellschaft schadet. Ich schätze Diskussionen mit Menschen, die anderer Meinung sind als ich, aber irgendwo muss die Grenze sein.

Man muss m.E. verschiedene Situationen unterscheiden.

Wählenden der rechtsradikalen AfD Kontra zu geben ist nötig, wenn es Bystander gibt. Dann sollte man argumentativ einigermaßen vorbereitet sein, sich auf Fakten berufen und ethisch auf unsere Verfassung (allgemeine Menschenwürde, Diskriminierungsverbot, Wissenschaftsfreiheit usw.).

Man sollte stets die Fahne der liberalen Demokratie hochhalten.

Aber es ist natürlich leichter, wenn die Rechtsradikalen im Wahlkreis wie hier einstellig sind, als wenn die extreme Rechte über 40 Prozent kommt.

Aber man sollte schon versuchen die Nicht-Rechtsradikalen öffentlich zu stützen, indem man ein gutes Vorbild ist.

Das kann auch andere anregen gegen den rechtsradikalen Ungeist Position zu beziehen.

Wenn aber die Gesprächsituation nur zwischen einem/r selbst und dem/r Wählenden der rechtsradikalen AfD ist, muss man entscheiden, ob einem die Diskussion die Mühe wert ist. Von Fakten oder Werten wird man das Gegenüber i.a.R. nicht überzeugen.

Da muss man dann überlegen, ob man sich das trotzdem antut.

Ist das Gegenüber aus dem engeren Kreis und vielleicht nur durch rechtsradikale Propaganda verunsichert, kann man m.E. einen Versuch wagen. Ansonsten kann man es meistens auch bleiben lassen.

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Sehe ich nicht als Verharmlosung. Der Austausch mit ihnen kann ja „interessant“ sein. Schon unter einem „kenne deinen Feind“ Aspekt, aber auch darüber hinaus. Solange man sich selbst keine Illusionen darüber macht, mit wem man es zu tun hat, gibts ja keine Verpflichtung, diesen Menschen mitzuteilen, was man wirklich von ihnen hält.

Und ganz selten kann so ein Gesprächsfaden ja auch gegen alle Wahrscheinlichkeit noch einen Unterschied machen.

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Beides irgendwie. Ich stelle bei mir halt eine gewisse Ratlosigkeit fest wie man im Alltag dieser immer häufiger Auftretenden Anwesenheit der AFD über Straßenwahlkampf begegnet. Aber eben auch der Ignoranz von anderen die wie selbstverständlich im Umkreis solcher Veranstaltungen Ihrem Freizeitverhalten nachgehen. Da bekomme ich immer „Sodbrennen“ stelle aber fest die meisten lässt das kalt.

Klar Diskussion ist immer wichtig, geht aber nicht immer. Bzw. ist nicht so alltagstauglich wenn man selber auch mal seine Freizeit genießen möchte. Ich wähle daher aktuell den Weg das ich mich nicht in der Nähe solcher Veranstaltungen im Straßenwahlkampf niederlasse , meist heißt das ich suche mir eine andere Gastronomie damit ich der AFD nicht beim Wahlkampf zuschauen muss. Ich denke immer wenn Sie wenigstens das Gefühl bekommen sie sind isoliert in Ihrem Tatendrang dann hilft das ggf.

Ja hatte ich bereits, und du hast Recht der ist wirklich beeindruckend. Aber das ist ja Vollzeitwiderstand. Ich suche eher was alltagstaugliches wo ich nicht ganz so viel Zeit investieren muss, ich glaub so geht es doch den meisten.

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Ich meinte eher, wie er darangeht.
Er stellt Fragen. Vielleicht sollte man fragen, warum meinst du dies oder das.

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Das wäre generell der richtige Weg.

Das Forum zeigt allerdings in letzter Zeit, dass das wohl vielen zu kompliziert ist. Da werden politische Positionen über angebliche Hirnspezifika analysiert, psychische Störungen attestiert oder pauschal Wähler als Demokratie- und Menschenfeinde abgestempelt.

Mich würde daher interessieren wie wir die Personen überzeugen, dass Reden, Zuhören und respektvolles Dagegenhalten sinnvoll ist, für die jeder AfD Interessent bereits schon ein Verlorener ist.

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Du konstruierst einen Scheinwiderspruch

Ich kann selbstverständlich auch Menschen zuhören, die Demokratiefeinde sind. Um so mit denen umzugehen, muss ich mir ja keine Illusionen machen, mit was für Leuten ich es zu tun habe. Ich muss auch nicht mal glauben, dass das im Einzelfall hilft und kann das trotzdem machen.

Zudem wurde hier ja auch mehrfach darauf hingewiesen, dass Verhalten situations-, ziel- und beziehungsabhängig ist. Auch jemand wie Marcant geht nicht ohne Sicherheitspersonal in diese Veranstaltungen.

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Man muss sich da auch etwas klar machen: für so ein Gespräch muss man sehr gut vorbereitet sein. Denn Fakten werden vermischt und dann falsch gedeutet.
Wie willst Du dagegen argumentieren, dass 1 Million Migranten keinen Einfluss auf die Wohnungslage haben? Natürlich erhöhen sie die Nachfrage. Dass diese gering genug ist, um nicht ins Gewicht zu fallen, wird dann einfach nicht akzeptiert. Und nun?
Ich hatte vor zehn Jahren Kontakt in die Szene und es wurde immer wieder argumentiert, China sei schuldenfrei, ganz im Gegensatz zu den USA, die USA seien sehr stark verschuldet bei China und damit abhängig. China war damals eine black box, keine Chance an Informationen zu kommen. Das musste ich dann als möglichen Fakt so hinnehmen. Heute ist klar, dass auch China ziemlich hoch verschuldet ist. Die Influencer der Szene sind gut vernetzt, stimmen ihre Geschichten ab, damit gibt es dann auch eine gute selbstverstärkende Bubble. Marcant folgt da sicher einigen und schaut sich deren Mist regelmäßig an. Er muss ja wissen, was da gerade verbreitet wird. Allein das kommt für mich schon nicht in Frage.

Das Forum ist auch ein denkbar schlechter Ort für Diskussionen. Da werden Fakten gegeneinander gestellt und dann zwanzig Posts lang ausdiskutiert. Das überzeugt keinen und macht für alle anderen den Thread unlesbar.

Generell empfehlenswert in solchen Momenten, wenn die Behauptung der Kern des Arguments ist: „Woher weisst du das, warum ist die Person oder Institution eine glaubwürdige Quelle?“

Wenn es in Wirklichkeit um was anderes geht, kann man die Behauptung auch erstmal als gegeben annehmen. Oft funktioniert AfD-Logik ja nicht mal, wenn stimmen würde, was AfDlinge für Fakten halten oder als solche zu verkaufen versuchen.

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Da musst du wohl den Beweis erbringen, warum 1 Million angeblich keinen Einfluss haben sollten. Das sind immerhin zusätzlich ganz Nürnberg, Regensburg, Erlangen, Ingolstadt. Die nächste Million sind dann Dortmund, Krefeld und Mülheim an der Ruhr. Einfach zu behaupten, dass diese zusätzliche Nachfrage nach Wohnraum nicht ins Gewicht fällt, überzeugt natürlich niemanden, wenn nicht zeitgleich in diesem Ausmaß neuer Wohnraum geschaffen wird.

Laut statistischem Bundesamt wurden 2025 nur 206.000 neue Wohnungen fertiggestellt, saldierter Bestandszuwachs belief sich auf ca. 196.000 Einheiten in einem offensichtlich bereits angespannten Wohnungsmarkt in absolut jeder Region, in der es nennenswerte Arbeitsplätze gibt.

Wie begründest du deine Behauptung?

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Dass diese Million teilweise Familien sind, auf ganz Deutschland verteilt sind, viele davon in Unterkünften leben. Das ist ein Posten, der aber nicht ins Gewicht fällt.
Aber wie geschrieben: wenn Dich das nicht überzeugt, kannst Du leicht dagegen halten und zeigt nur wie wenig sinnstiftend solche Diskussionen sind.

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Du unterstellst hier eine Position, die m.W. hier wirklich niemand vertreten hat.

Warum bedienst du dich eines Strohmann-Arguments?

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Ergänzend: Grade beim Wohnungsbau stellen Menschen mit Migrationshintergrund einen sehr hohen Anteil der Beschäftigen. Zusätzlich leben Migranten meist mit mehr Personen/m² zusammen. Man könnte zuspitzen, dass pro Migrant netto mehr Wohnraum geschaffen wird, als pro deutschstämmiger Person, aber das muss man ja vielleicht nicht unbedingt​:wink:

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