474 Gas-Kathie: Wie groß ist das Problem der Dunkelflauten? Wem gehören eon, RWE und Co.?

Ich finde interessant, dass diese Option so wenig diskutiert wird. In einer brancheninternen Veranstaltung hatte eine sehr hohe Führungskraft von einem der größten Erneuerbaren-Erzeuger weltweit genau dieses Szenario als das systemisch und klimatechnisch wünschenswerte herausgestellt. Dieser Konzern ist selber nicht in der Koglekraft, wohl aber auch im Gasbereich aktiv (90+% Erneuerbare) plus ist weltweit als Stromvermarkter aktiv, hat also ein sehr gutes Bild zum Marktgeschehen.

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Das wichtigste über die Dunkelflaute ist meines Erachtens, dass Deutschland längst auf sie vorbereitet ist. Das Land hat bei weitem genügend an fossilen Kraftwerken, um den Strombedarf abzudecken. Und auch wenn die Sonne und Wind nicht scheinen, beträgt die erneuerbare Erzeugung nicht Null. Selbst für ein völlig außergewöhnliches Ereignis haben wir also bereits die Kapazitäten vorhanden. Deshalb sollten wir wirklich kritisch betrachten, wenn über die Subventionierung neuer teurer Erzeugungen gesprochen wird; sei es, dass wir von der Subventionierung des Baus von Gaskraftwerken reden, über Atomkraftwerke nachdenken oder Fracking erwägen. Das ist alles wahnsinnig teuer. Und es gibt Alternativen.

Und weil diese Beispiele so teuer sind, kann es sogar sein, dass eine kurzfristige Minderung des Verbrauchs in bestimmten Fällen die wirtschaftlichere Alternative darstellen kann. Dunkelflauten sind keine Ereignisse, die in Deutschland und Europa auf der Tagesordnung stehen.

Vor diesem Hintergrund sollten wir darauf bestehen, dass die Regierung sehr ausführlich begründet, wenn sie sich für teure Maßnahmen entscheidet, statt sich beim Ausbau allein auf die kostengünstigen Möglichkeiten, das heißt vor allem Sonne, Wind und Batterien, zu konzentrieren.

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Die Subventionierung von neuen Gas-Peakerkraftwerken bei gleichzeitiger Abschaltung von Kohlekraftwerken kann in mehrfacher Hinsicht Sinn machen (wenn man voraussetzt, dass es eine “fossile Reserve” geben muss):

  • Gaskraftwerke haben kürzere Reaktionszeiten als Kohlekraftwerke. Sie können also auch spontane Leistungsspitzen abfangen und “Load Following” betreiben. Das können Kohlekraftwerke (besonders die schon am Netz befindlichen) in der Regel nicht.
  • Gaskraftwerke kann man so bauen, dass sie auch mit Wasserstoff betrieben werden können.
  • Die meiste Zeit stehen diese “Reservekraftwerke” ja still - und werden dabei aus Steuergeld subventioniert. Ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich vermute, dass dieser Reservebetrieb bei modernen Gaskraftwerken deutlich billiger ist als bei Kohlekraftwerken.

Ich würde aber Zustimmen, dass der Fokus auf einer radikalen Ausweitung der Erneuerbaren Erzeugungskapazität und (aller) Speichertechnologien liegen muss. Und auf das Einsparen von Energie, denn jede kwh, die wir nicht brauchen, muss auch nicht erzeugt werden.

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Rein rational wäre das m.E. aus ökonomischer und Klima Perspektive langfristig wenig sinnvoll. Denn dann könnte man die Kohlekraftwerke ja nicht wirklich zurück bauen und im “Rumstehen" sind die so viel teurer als Gaskraftwerke, dass sich langfristig eben doch ein Neubau lohnt.

Taktisch kann die Kommunikation so eines Szenarios natürlich dennoch sinnvoll sein. Gewissermaßen als Gegenpol zur taktischen Gaskraftwerk Offensive von Frau Reiche. In der Realität werden wir langfristig sowohl Gas- (H2 ready) als auch Erneuerbare ausbauen müssen.

Die Dunkelflaute ist m.E. höchstens ein ökonomisches aber kein Klima-Problem. Habe ich hier ja schon ein paar Mal diskutiert. Ich lasse halt ein paar fossile Gaskraftwerke stehen und schalte sie im absoluten Dunkelflauten Notfall an. Dadurch dass das so gut wie nie passiert werden sie auch so gut wie kein Gas verbrauchen. Im “Rumstehen” sind sie aber deutlich günstiger als H2 oder Kohle und auch als so mancher Langzeit Speicher.

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Was hat Helmut Kohl und Kabelfernsehen mit Katharina Reiche und den Gaskraftwerken zu tun?

Helmut Schmidt und die sozialliberale Koalition beschlossen in einer Kabinettssitzung am 8. April 1981 den bundesweiten Glasfaserausbau. Im Jahr danach übernahm Helmut Kohl die Macht und förderte stattdessen das Kabelfernsehen. 45 Jahre später gibt es noch immer kein flächendeckendes Glasfasernetz.

Sitzungsprotokoll (AZ B 136/51074): „Sobald die technischen Voraussetzungen vorliegen, wird die Deutsche Bundespost aufgrund eines langfristigen Investitions- und Finanzierungsplanes den zügigen Aufbau eines integrierten Breitbandglasfasernetzes vornehmen“. Wir warten noch heute darauf.

Danke CDU, danke wirtschaftshörige CDU-Minister, die einzelnen Unternehmen verpflichtet sind, nicht dem Wohl und den Interessen der hier lebenden Menschen. Der damalige Post-Minister Schwarz-Schilling (CDU): „Das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen war in dieser Zeit mit einer absoluten linken Schlagseite versehen.“ Seine Gegenmaßnahme, wenn „Monitor“ und „Panorama“ nicht verboten werden können, dann wenigstens das Privatfernsehen, eingespeist in die Kabelnetze, so stärken, dass sich so ein veritables Gegengewicht ergibt. Also verlegte die Bundespost Kupferkabel.

Interessant ist, dass bereits 1899 für Fernsprecher Batterien aus Zink-Kupfer-Elementen verwendet wurden. Christian Schwarz-Schilling war Geschäftsführer der Accumulatorenfabrik Sonnenschein GmbH. Kupfer ist ein besonders leitfähiger elektrischer Rohstoff und bisher unersetzlich in der Herstellung von Batterien. In Lithium-Ionen-Batterien wird Kupfer als Anoden-Kollektorfolie mit einem Anteil von fünf bis neun Prozent am Gesamtgewicht genutzt,

Und hier schließt sich der Kreis. Wie wir so oft erleben mußten, haben Politiker, vor allen der CDU/CSU und der FDP den mit ihnen verbandelten Unternehmen vorteilhafte politische Konditionen verschafft, die langfristig zum Nachteil für Deutschland, seine Entwicklung und Zukunftsfähigkeit und seine Finanzen (Ramsauer, Seehofer, Dobrindt, Scheuer: PKW-Maut kostet 243 Mio €, reduzierter MwSt Satz für Gastronomie – also Mac Donalds & Co …. eine endlose Liste) führten, an denen wir nachhaltig zu knabbern haben. Schwarz-Schilling hatte zudem einen der größten Berliner Umweltskandale mit seiner Trockenbatteriefirma „Sonnenschein“ zu vertreten und ging dabei mit 50 000 DM Geldstrafe ziemlich günstig vom Hof. Dafür, dass er den flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland über mehr als viereinhalb Jahrzehnte blockierte, ging er straflos aus, wie auch Scheuer und Konsorten für ihre Schäden an der deutschen Wirtschaft. Warum also sollte sich Katharina Reichelt nicht selbstbewusst und unerschütterlich als Lobbyistin im Ministerinnenbüro präsentieren? Mit etwas Glück und – vor allem! – vernünftigen Parteien an der Regierung!!! Könnten wir also rein rechnerisch vielleicht 2074 das letzte Gaskraftwerk vom Netz nehmen. Oder setzt zwischendurch Seehofer noch eine andere Zielmarke mit diesen wundervollen, kleinen, ganz umweltfreundlichen Atomkraftwerken?

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Braucht man das bei der Dunkelflaute?
Für die kurzfristige Überbrückung wird es ja trotzdem Batteriespeicher geben. Und so eine Dunkelflaute über ganz Europa bildet sich ja mutmaßlich nicht spontan sondern hängt mit Großwetterlagen zusammen, die Metereologen vorhersagen können. Und on top ist ja auch noch etwas Zeit, bis die kurzfristigen Speicher leer sind.

Grundsätzlich ist doch die Frage, inwieweit sich die Investition lohnt, für eine Infrastruktur, die nur wenige Tage im Jahr benötigt wird. Und je seltener das Auslegungsereignis ist desto teurer der dann produzierte Strom. Was darf der Strom aus so einem Kraftwerk kosten im Vergleich zu den Kosten, wenn man, in der Zeit zB in energieintensiven Unternehmen auf den Strom verzichtet und mal ein paar Tage Kurzarbeit macht.

Was wir brauchen ist eine Technik, die klimaneutral und trotz weniger Betriebsstunden günstig ist. Das heißt geringe Investitions und Speicherkosten, während die Betriebskosten kaum eine rolle spielen. Welche Technologien da geeignet sind, scheint mir aber eher eine ingenieurwissenschaftliche als eine politische Frage zu sein.

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Meinem Verständnis nach würden die auch häufiger als nur bei großflächiger Dunkelflaute laufen um auch lokale Mängel auszugleichen. Das spart dann wieder an der maximalen Energie die das Netz transportieren können muss.

Dazu hilft es auch wenn sie gut regelbar sind, das sind meines Wissens viele der Kohlekraftwerke auch nicht.

Bei Dunkelflaute würden dann halt mehr und unter voller Last laufen.

Und sie könnten CO2 neutral betrieben werden. Das ist mit Kohle kaum möglich.

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Die Methanemission der Gasproduktion mach den co2 Vorteil der Gaskraftwerke zunichte.

62,94 Euro pro Kilowatt (kW) und Jahr bei einem vorhandenen (abgeschriebenen) Gaskraftwerk als “Reservekosten”

Hier wird von bestezKohlekraftwerken gesprochen, “Kosten: Die Kapazitäten werden mit durchschnittlich 57-101 EUR/kW vergütet,”

Von daher würde ich annehmen dass Ein neues Gaskraftwerk teurer wird als die abgeschriebenen Kohlekraftwerke.

Die letzten Jahre haben es gezeigt, die Versorgungssicherheit der heimischen kohle ist um einiges besser als die von Gas

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Wir reden hier von Reservekraftwerken für extrem seltene Dunkelflauten Ereignisse. D.h. die Kosten pro kWh Strom werden dominiert von den Kosten für Abschreibung und Betrieb im Leerlauf. Wir haben das ja in anderen Threads bereits ausführlich diskutiert. Die entstehenden Kosten des Stroms für Reservekraftwerke pro kWh sind so gigantisch dass die Kompensationskosten für Emissionen praktisch nicht ins Gewicht fallen. Das wäre natürlich beim saisonalen und vor allem beim Spitzenlastausgleich völlig anders.

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Genau ich spreche hier nicht von der Energie Einheit kWh sondern der Leistung kW, die in die Reserve gesteckt werden muss , so wie ich es verstehe sind die Reserve Kraftwerke aber nicht dafür da in den wenigen Stunden Laufzeit sich zu refinanzieren sondern es wird dafür bezahlt als Notstromaggregat rum zu stehen.

Die Frage ist was das günstigste Notstromaggregat ist, abgeschriebenes Kohlekraftwerk oder neues Gaskraftwerk.

Nach den Daten oben sind abgeschriebene Gas und Kohlekraftwerke eventuell gleich teuer.

Neue, nicht abgeschriebene Gaskraftwerke werden Teurer für die Reserve, müssen ja noch abgeschrieben werden.

Ich gehe davon aus dass der Preisverfall bei den Akkus zusammen mit Ausbau der EE die fossilen Energieträger im strommarkt in den Reserve Markt verdrängen. Die Erdgas Ministerin kann das nur verzögern und eventuell beeinflussen was dann in der Reserve steht…

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Nicht nur deins, die Diskussion dieses ganzen Themenfeldes wird gerne auf Basis von (meiner Meinung nach zu viel) Halbwissen geführt. Quintessenz ist meist “müsste schon irgendwie klappen, aus Prinzip per sofort keinen Cent mehr in Fossil und mit dem Kopf durch die Wand” lautet die Schlussfolgerung. Und ich bin ebenfalls auf Basis von Halbwissen soweit nicht überzeugt davon das dieser Weg Richtung 0 Carbon der effektivste oder effizienteste ist. Und bin daher auch raus aus der Diskussion. Und das nicht weil ich Fossil toll finde, sondern weil ich ideologisiertem Blindflug nicht traue :man_shrugging:t2:

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Mal davon abgesehen, dass ich noch von niemanden gehört habe

fehlt mir auch völlig das Verständnis, was diejenigen, die den zuletzt eingeschlagenen Weg zu 0-Emissions ablehnen, als Alternative anbieten. Was ist denn dann der effektivste und effizienteste Weg?

Das soll oft dann irgendwie in der Zukunft gelöst werden, technologieoffen oder so. Ist halt auch schwierig da einen verbindlichen Plan aufzustellen, wenn man eigentlich gar nicht hinter dem Ziel steht.

Erstmal verzögern, mit Verweis auf die viel bessere Lösung, dann weitersehen. Irgendwann kann man dann vielleicht sagen, jetzt ist es zu spät, jetzt müssen wir mit dem weiterarbeiten was wir haben. Und dann baut man neue Kohlekraftwerke und verschiebt alles auf nach dem Ende der Laufzeit oder so.

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In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Geladen - der Batteriepodcast“ geht es um folgendes Thema:

Werden Großbatterien in der aktuellen Energiepolitik systematisch unterschätzt – oder sogar ausgebremst?

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche steht derzeit massiv in der Kritik. Recherchen legen nahe, dass ihr Ministerium Argumente gegen Großbatterien direkt bei einem großen Energiekonzern eingeholt hat – während gleichzeitig der Ausbau von Gaskraftwerken politisch priorisiert wird.

In dieser Geladen-Episode sprechen wir mit Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von ECOSTOR und Vorstand des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES), über die wachsende Rolle von Großbatteriespeichern im deutschen Energiesystem – und warum sie weit mehr sind als nur „Strompuffer“.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Kernaussagen (KI-generiert):

:battery: Rolle von Großbatterien

  • Großbatterien sind stationäre Stromspeicher („Parkhäuser für Elektronen“), die überschüssigen Strom speichern und bei Bedarf wieder einspeisen.
  • In Deutschland gibt es aktuell viel zu wenig Speicher (ca. 5 % des Bedarfs) – nötig wären etwa 40–90 GW.

:high_voltage: Bedeutung für die Energiewende

  • Sie gleichen die Schwankungen von Wind- und Solarenergie aus und sind entscheidend für Versorgungssicherheit.
  • Vorteile:
    • Senkung der Strompreise
    • Weniger Netzausbaukosten
    • Reduktion von CO₂-Emissionen
    • Weniger Abhängigkeit von fossilen Energieimporten

:counterclockwise_arrows_button: Konkurrenz zu Gaskraftwerken

  • Batterien verdrängen bereits heute Gaskraftwerke, weil sie günstiger Strom anbieten können.
  • Trotzdem sollen neue Gaskraftwerke gebaut werden – vor allem für seltene Extremfälle („Dunkelflauten“).
  • Kritik: Starker politischer Einfluss und Lobbyarbeit zugunsten von Gas.

:construction: Probleme und Herausforderungen

  • Ausbau von Speichern ist noch langsam (Genehmigungen, Netzanschlüsse, Regulierung).
  • Netzbetreiber führen neue Regeln ein („Verkehrsregeln“), die:
    • das Netz schützen
    • aber gleichzeitig die Gewinne von Speicherprojekten reduzieren

:money_bag: Wirtschaftlichkeit

  • Früher hohe Gewinne („Goldrausch“), inzwischen deutlich gesunken.
  • Investitionen lohnen sich nur, wenn ca. 10 % Rendite erreichbar bleiben.
  • Zu starke Regulierung könnte den Ausbau stoppen.

:classical_building: Politische Streitpunkte

  • Diskussion um:
    • neue Gaskraftwerke vs. Speicher
    • Netzentgelte und Marktregeln
  • Kritik an möglichen rückwirkenden Änderungen, die Investoren abschrecken könnten.
  • Forderung nach technologieoffener Politik statt Bevorzugung von Gas.

:chart_decreasing: Auswirkungen auf Verbraucher

  • Mehr Speicher könnten:
    • Strompreise senken
    • Netzentgelte reduzieren
    • insgesamt rund 1 Mrd. € pro Jahr einsparen

:globe_showing_europe_africa: Strategische Perspektive

  • Speicher stärken Energieunabhängigkeit und geopolitische Sicherheit.
  • Länder wie China investieren massiv in Speicher – Europa droht zurückzufallen.

:brain: Fazit

  • Großbatterien sind ein Schlüsselbaustein der Energiewende und wirtschaftlich zunehmend konkurrenzfähig.
  • Der Ausbau wird aktuell vor allem durch politische Entscheidungen und Regulierung gebremst – nicht durch die Technik.
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Was in dem Podcast eventuell zwischen den Zeilen stand: “früher war Akku der Sportwagen auf “freier” Rennstrecke, jetzt muss eine Straßenverkehrsordnung her”

Akkus sind extrem schnellen ein/ausspeiser, eventuell sogar zu schnell für das Netz.

Nodale StromPreise sind wohl politisch schlecht durchsetzbar. Mit dynamischen Netzentgelt könnte eventuell ähnliches möglich werden.

Hier eine Studie von Lion Hirth im Auftrag? Des o.g. Akkubetreibers

Dort wird ein redispatch Netzentgelt empfohlen

Auch im AgNes-Verfahren wird eine lokale Komponente der Netzentgelte diskutiert und als wesentlicher Bestandteil vorgeschlagen.

Agora Energiewende bzw eine dort genannte Kopernikus-Studie betont, dass lokale Preise über 90 Milliarden Euro Netzausbaukosten einsparen könnten, durch intelligente Positionierung von Erzeugern und Verbrauchern.

Allerdings wehren sich manche Akku Betreiber dagegen. Allerdings muss ich mit meinem Auto ja auch Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten die nach Erstzulassung in Kraft gesetzt werden :wink:

Naja, das ist jetzt wirklich ein Fakt, auf den sich alle Klimawissenschaftler einigen können. Netto 0 ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir die Lebensgrundlage unseres Planeten erhalten. Und das ist ja auch gar nicht Mal so schwer zu verstehen. Jenseits von wann, jenseits von wie und jenseits jeglicher Kipppunkte, Modelle und Unsicherheiten. Wenn wir uns darauf nicht nicht mal einigen können, sehe ich schwarz für jede weitere Diskussion in diesem Themenbereich.

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Wir brauchen für die zeitliche Umverteilung der erneuerbaren, besonders den Tagesgang von PV, ohnehin große Kapazitäten und Leistungen von Speichern. Die übernehmen klimaneutral das “Load Following”. Fossile Kraftwerke müssen nur einspringen, wenn Sonne und Wind absehbar nicht genug liefern, dafür reichen die Reaktionszeiten von Kohle-KW locker aus.

Dazu ist mir neulich ein Artikel verlinkt worden: Grüner Wasserstoff frisst Turbinen: Das verdrängte Problem der Energiewende demnach gibt es noch ungelöste Probleme für Gas-Turbinen im Wasserstoffbetrieb, was die Haltbarkeit der Materialien betrifft. Die Industrie wird das nicht davon abhalten “H2-ready” Gaskraftwerke anzubieten und deren Errichtung vom Steuerzahler übernehmen zu lassen. Mutmaßlich ist es ja bis dahin gelöst… Brennstoffzellen dagegen können heute schon zuverlässig und langlebig Wasserstoff verstromen.

Es kann gut sein, dass die im Standby billiger sind als Kohle-KW. Aber die Unternehmen wollen ja auch die Errichtung bezahlt bekommen. Also gibt es eine Lebensdauer, nach der dieses Invest durch geringere Standby-Kosten hereingeholt sein wird.

Das bringt uns zurück zu deiner Prämisse: ob es eine fossile Reserve geben muss. Ich glaube, mittelfristig (auf 10-15 Jahre gesehen) sicherlich. Wenn wir die Weichen zur Klimaneutralität und damit Elektrifizierung und Wasserstoffwirtschaft richtig gestellt haben, danach nicht mehr. Das Fenster, in dem Gasturbinen anderen Techniken überlegen sein könnten, ist damit aus meiner Sicht zu kurz, um ihren Neubau rentabel zu machen. Reversible Elektrolyseure im Norden, die die Windüberschüsse stofflich nutzbar machen und nebenbei die Rolle von Reservekraftwerken einnehmen können, scheinen mir weit förderwürdiger. Auch wenn sie zunächst schweineteuer sind! (China baut gerade die grüne Wasserstoff- und Methanolwirtschaft auf. Wollen wir diese Prozesse auch selbst umsetzen oder nachher alles importieren?)

Wir müssen uns immer wieder erinnern: die Präferenz von Gas gegenüber Kohle beruht u.a. auf der geringeren Klimawirkung. Aber wenn wir diese nur herbeirechnen, indem wir Methanverluste und Emissionen bei Förderung und Transport, insbesondere von LNG (Umwandlungsenergie, Boil-Off Freisetzung) außerhalb unserer Landesgrenzen ausblenden, hilft das dem Klima gar nichts. Und Kohle wird auch von mehr Ländern exportiert, die Abhängigkeiten und mögliche Preisrisiken sind daher geringer.

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In dem Szenario einer Dunkelflaute sind die Speicher weitgehend leer. Auch dann braucht man aber noch “Load Following”. Denn schließlich muss das Stromnetz sekundengenau im Gleichgewicht zwischen Last und Einspeisung sein. Wenn du zu Hause eine Lampe anmachst, dann muss irgendwo ein Kraftwerk minimal mehr Strom einspeise (etwas überspitzt ausgedrückt) Sonst gibt es einen Blackout wie in Spanien. Das können Kohlekraftwerke meines Wissens nach nicht leisten.

Nein, die Präferenz wird sowohl durch die geringere Klimawirkung als auch technologisch und wirtschaftlich verargumentiert.

Meine persönliche Vermutung ist übrigens ebenfalls, dass wir erheblich weniger fossile Kapazitäten brauchen werden, als die konservativen Beteiligten der Debatte behaupten. Das sind immerhin die selben Akteure, die uns mal erklärt haben, dass Erneuerbare Energien nie mehr als 30% der Stromproduktion stemmen werden können und das uns das im Vergleich zu Öl und Gas viel zu teuer kommt.

Aber vor dem Hintergrund das Robert Habeck als grüner Wirtschaftsminister eine Notwendigkeit für Gaskraftwerke gesehen hat und ich den Mann immer als sehr unideologisch und lösungsorientiert wahrgenommen habe, bin ich geneigt, das als Lösung zu akzeptieren.

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Ich bin zwar auch für einen massiven Ausbau der Stromnetze, aber dieser Anspruch ist sehr hoch. Die oben als als positives Beispiel angeführten 12 GW würden schon heute nur ein Fünftel des durchschnittlichen Stromverbrauchs Deutschlands decken, mit weitergehender Energiewende und mehreren betroffenen Ländern wird der Bedarf noch viel höher sein.

Außerdem wäre es ein großes sicherheitspolitisches Risiko, wenn wir uns so von nordafrikanischen Stromanbietern abhängig machen würden. Die (und die Transitstaaten) hätten dann ein noch größeres Erpressungspotential als der Iran jetzt mit der Straße von Hormus, weil wir keine Reserven für Monate (wie bei Öl und Gas) hätten. Der Nahe Osten wäre wohl kein sicherer Übertragungsweg. Und da viele der Leitungen durch das Mittelmeer liefen, würde das Putin und seiner Schattenflotte und auch allen anderen, die Schiffe fahren lassen und uns nicht wohlgesonnen sind, die Möglichkeit geben, uns „den Stecker zu ziehen“.

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Man muss da unterscheiden zwischen Speichern, die sich an der Bieterrunde für die Kraftwerksreserve beteiligen und denen, die marktgetrieben agieren. Die sich an der Bieterrunde beteiligen, haben die dort eingekippten Kapazitäten voll zu halten, damit sie sie jederzeit auf Abruf liefern können. Reiche hat da wohl eine 10-Stunden-Regel in die Ausschreibung eingebaut, um “technologieoffen” die Batterispeicher wegzuekeln. Ein Anbieter (hab ich in einem Bericht zu den zu den Lobbyleaks gelesen, ich glaube Kyon) hat als Beispiel genannt: sie würden einen 100MW,400MWh Speicher hinstellen, und davon 10MW,100MWh (um die 10h-Regel einzuhalten) bei dieser Reserve anbieten. Die restlichen 90MW,300MWh würden sie am Markt bewirtschaften.

Nun kommt eine Dunkelflaute ja nicht plötzlich, sondern man kann sie aus dem Wetterbericht mehrere Tage vorher kommen sehen, und auch die Dauer in etwa abschätzen.

Daher werden die marktlichen Speicher keineswegs so blöd sein, zu Beginn mit leeren Speichern dazustehen, sondenr sie voll machen, weil sie da die schönsten Day-Ahead Preise realisieren können. Sie werden sich ihre Ladung auch über die voraussichtliche Dauer der Dunkelflaute einteilen, weil ja zum Schluss hin vielleicht ein Squeeze die höchsten Preise möglich macht.

Das schließt die Stromvermarkter von bidirektionalen E-Auto-Flotten oder entsprechend gemanagten Heimspeichern ein, da kann man zwar keinen einzelnen Kunden zwingen, sein Auto/Haus zur rechten Zeit leersaugen zu lassen, aber statistisch gibt es sicher genügend, die eine Entladung auf einen Mindestwert erlauben, notfalls, indem man ihnen für solche Situationen was extra auszahlt.

Wir gucken auf diese 10 oder 12 GW und denken, mann, ist das wenig im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch. Aber dabei vergessen wir, dass die marktlichen Speicher ebenfalls zig GW haben werden und alle ein Interesse haben, in Hochpreisphasen, die Dunkelflauten naturgemäß sind, möglichst viel zu liefern.

Fürs Load Following werden Batteriebetreiber auch einige Prozent ihrer Kapazität immer als Regelleistung anbieten, weil das sehr hoch vergütet wird, und die Pumpspeicher gibt’s ja auch nach wie vor, die genau das schon seit vielen Jahrzehnten leisten. Das sehe ich daher wirklich entkoppelt von der Energiezufuhr ins System während Dunkelflauten, wo Speicher natürlich an ihre Grenzen stoßen. In einem 100% erneuerbaren System kommt dann die Wasserstoffverstromung ins Spiel - bis dahin finde ich bestehende Kraftwerke erhalten wirtschaftlicher als neue bauen.

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