Zwischen Solidarität und Spaltung: Warum moderne Tarifpolitik viele Beschäftigte nicht mehr erreicht – und wie Gewerkschaften fair neu gedacht werden müssten

Anhand aktueller Tarifrunden (etwa bei der Deutschen Telekom AG) stellt sich erneut die Frage, wie zeitgemäß klassische Gewerkschaftslogiken noch sind. Mitgliederboni, die nur tarifgebundenen Beschäftigten zugutekommen (aktuelle Forderung 55€ monatlich!), treffen auf eine Arbeitsrealität mit vielen Nicht‑Tarifangestellten, ausgelagerten Bereichen und faktischen Zwei‑Klassen‑Belegschaften im selben Konzern. Besonders problematisch wirkt das in Unternehmen mit quasi‑monopolistischer Infrastrukturverantwortung.

Zugleich sind die Mitgliedsbeiträge in vielen Gewerkschaften spürbar hoch, während ein wachsender Teil der Beschäftigten subjektiv den Eindruck hat, für diese Kosten weder wirksam vertreten noch geschützt zu werden .. insbesondere dort, wo Tarifverträge gar nicht mehr greifen. Solidarität wird so zunehmend an formale Mitgliedschaft und Tarifstatus geknüpft, statt an Arbeitsrealität und ökonomische Verletzlichkeit.

Diskussionsfragen könnten sein:

  • Wann kippt ein Mitgliederbonus von legitimer Organisationspolitik in soziale Spaltung?

  • Wie lässt sich tarifliche Solidarität rechtfertigen, wenn große Teile der Belegschaft strukturell ausgeschlossen sind?

  • Welche Verantwortung haben Gewerkschaften für nicht‑tarifgebundene Beschäftigte im selben Konzern?

  • Sind hohe Mitgliedsbeiträge noch vermittelbar, wenn Tarifabschlüsse häufig Reallohnverluste bedeuten oder an vielen vorbeigehen?

  • Wie glaubwürdig sind zusätzliche Anreize wie Mitgliederboni, wenn frühere Tarifabschlüsse für einzelne Beschäftigte real zu weniger Monatsnetto geführt haben - etwa durch Arbeitszeitverkürzungen mit höherem Stundenlohn, aber spürbaren Einkommensverlusten?

  • Wie könnten Gewerkschaften neu gedacht werden: niedrigere Eintrittshürden, breitere Zuständigkeiten, andere Beitragsmodelle, echte Konzern‑ statt Tariflogik?

Warum das Thema relevant ist:
Die Debatte berührt zentrale Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Transformation der Arbeitswelt und demokratischer Legitimation von Interessenvertretung. Ohne Antworten droht Gewerkschaftspolitik weiter an Akzeptanz zu verlieren .. gerade bei denjenigen, die sie eigentlich stärken müsste.

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Das sind jetzt die Forderungen der Gewerkschaft, mit denen sie in die Verhandlung geht. Das wird ja noch runter verhandelt.
Ein paar Fakten und Zahlen wären schon gut, auf deren Basis man diskutieren und einschätzen kann.

Wie hoch ist ein spürbar hoher Mitgliedsbeitrag?
Meiner beträgt 1% vom Brutto. Ja, das ist ein Posten, der neben DSL-Anschluss, Streaming-Abo und Krankenzusatzversicherung unangenehm herausragt am Monatsanfang, aber nicht tragisch ist.
Da er vom Netto weggeht, macht sich auch eine Lohnerhöhung erst mal negativ bemerkbar, der prozentuale Anteil für die Gewerkschaft steigt. Und dass ich 20% über die Steuererklärung wiederbekomme, geht in der Summe unter.
Ich würde begrüßen, wenn Beiträge nach SV und vor Steuern berechnet werden würden.

Mitgliederbonus von 55€ monatlich wird nicht kommen. Damit wäre es bei obigem Beitrag für Produktionsangestellte ein No-Brainer, also genau das Gegenteil von dem, was Arbeitgeber wollen.
Ich habe einen zusätzlichen Urlaubstag, was bei meinem Stundenlohn durchaus großzügig ist, aber nur ein geringer Anreiz, in die Gewerkschaft einzutreten.

Gewerkschaften haben drei Ziele: das Wohl der Angestellten, Jobsicherung und Begleitung der Unternehmen, sich für die Zukunft zu wappnen.
Letzteres Ziel geht teilweise direkt gegen die Arbeitnehmer, zweiteres wird gemäß Präventions-Paradoxon wenig gewürdigt und nur ersteres bringt neue Mitglieder.
Ersteres scheitert gerade stark an der wirtschaftlichen Lage. Also laufen den Gewerkschaften die Leute weg, denen fehlt das Geld und sie konzentrieren sich panisch noch mehr auf ersteres, gehen noch aggressiver in die Verhandlungen, setzen noch aggressiver auf Warnstreiks und versuchen dann über Mitgliederboni Mitglieder zurückzugewinnen. Unternehmen reagieren, indem sie die Tarifbindung verlassen. Dem versucht dann der Staat mit allgemeiner Tarifbindung entgegen zu wirken. Allgemeine Tarifbindung bedeutet aber, dass viele denken, da können sie sich den Beitrag für die Gewerkschaft auch sparen.
Das ist ein sehr komplexes Thema.

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Danke für die differenzierte Einordnung. Vieles daran ist richtig, besonders der Hinweis, dass es sich bei den 55 € zunächst um eine Maximalforderung handelt und die Realität am Ende deutlich geringer ausfallen dürfte. Mein Punkt ist allerdings weniger die konkrete Höhe, sondern die grundsätzliche Logik solcher Mitgliederboni in der heutigen Konzernrealität.
Vor allem aber: Man sieht ja (wie du auch sagst), dass das Thema komplex ist. Gerade deshalb eignet es sich meiner Meinung nach sehr gut um es mal zu recherchieren und als Thema im Podcast zu behandeln.

Zu dem was du schreibst:
Ein Gewerkschaftsbeitrag von rund 1 % des Bruttos ist formal nicht „exzessiv“, wirkt aber für viele Beschäftigte spürbar .. insbesondere dort, wo Tarifverträge gar nicht greifen oder reale Einkommenszuwächse ausbleiben. Dass Beiträge vom Netto gehen und Lohnerhöhungen den absoluten Gewerkschaftsbeitrag automatisch erhöhen, verstärkt dieses subjektive Missverhältnis zusätzlich. Es geht hier weniger um rechnerische Leistbarkeit, sondern um wahrgenommene Gegenleistung. Es gibt nicht wenige Betriebe wo dieser Beitrag die tatsächlichen Gehaltserhöhungen “auffrisst” .. und das berücksichtigt nicht mal die Inflation.

Der entscheidende Punkt ist: Mitgliederboni adressieren nur den Teil der Belegschaft, der ohnehin tarifgebunden ist. In Konzernen mit ausgelagerten Bereichen, Tochtergesellschaften oder AT‑Beschäftigten entstehen faktische Zwei‑ (oder Drei‑) Klassen‑Belegschaften. Solidarität wird dann nicht mehr entlang von Arbeitsrealität oder ökonomischer Verwundbarkeit organisiert, sondern entlang formaler Zugehörigkeit. Genau dort kippt aus meiner Sicht legitime Organisationspolitik in Spaltung (selbst wenn sie tarifrechtlich korrekt ist).

Deine Beschreibung der strukturellen Zwickmühle der Gewerkschaften trifft einen wunden Punkt: Wirtschaftliche Krise, Präventionsparadoxon bei Jobsicherung, Mitgliederschwund und aggressive Tarifrunden greifen ineinander. Aber genau deshalb stellt sich die Frage, ob die klassische Tarif‑ und Mitgliederlogik noch zur heutigen Arbeitswelt passt. Wenn die Antwort auf sinkende Tarifbindung vor allem aggressivere Forderungen innerhalb der verbleibenden Tarifwelt sind, beschleunigt das den Exodus aus eben dieser Welt.

Der Hinweis auf Allgemeinverbindlichkeit ist ebenfalls zentral: Sie ist sozialpolitisch sinnvoll, untergräbt aber gleichzeitig das individuelle Beitrittsmotiv. Das lässt sich nicht einfach mit „dann sollen halt mehr Boni her“ lösen .. im Gegenteil, das verschärft das Legitimationsproblem!

Kurz gesagt:
Mir geht es nicht darum, Gewerkschaften schlechtzureden oder Forderungen isoliert zu kritisieren. Mir geht es um die Frage, ob ein auf Tarifstatus und formale Mitgliedschaft fokussiertes Modell noch glaubwürdig Solidarität abbildet, wenn große Teile der Beschäftigten strukturell außen vor bleiben (gerade in Konzernen mit gesellschaftlich kritischer Infrastruktur).

Dass das ein komplexes Thema ist, darin sind wir uns einig. Genau deshalb wäre es aus meiner Sicht ein gutes Diskussionsthema. Nicht als Gewerkschaftsbashing, sondern als Debatte über ihre zukünftige Rolle.

Ergänzung:
Teil davon könnte es auch sein, dass man bspw. Gewerkschaftsbeiträge kritisch hinterfragt. Zum Beispiel könnte man auch ähnlich wie bei modernen Plattformen für Tarifoptimierer etwas vereinbaren, dass die Gewerkschaft XX% von Lohnsteigerungen profitiert.

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Ich verstehe die meisten Punkte nicht. Ist die Forderung, dass Gewerkschaften sich nicht nur um ihre Mitglieder kümmern sollten, sondern um alle Arbeitnehmer im Betrieb? Soll der ADAC auch Autos von Nicht-Mitgliedern kostenlos abschleppen?

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Das Problem ist doch schon die Ausgangslage. Nicht alle Mitglieder haben die gleichen Interessen.

Dein Vorschlag Beiträge nur an Lohnerhöhungen festzumachen passt da nicht dazu. Die Erzieher die ich kenne z.B. würden sofort statt einer Lohnsteigerung eine Reduzierung der Vollzeitstunden von 39 auf z.B. 37 nehmen. An sowas hätte eine Gewerkschaft aber natürlich kein Interesse wenn das dann keine Beiträge zur Folge hätte.

Generell sind bei Erziehung und Pflege die Arbeitsbedingungen mindestens so wichtig wie die Gehälter.

Oder Branchen bei denen es schwer ist überhaupt die Jobs in Deutschland zu halten. Hier ist es womöglich mehr im Interesse der Mitglieder möglichst viele Jobs zu erhalten als bestmögliche Gehälter auf dem Papier zu bekommen, wobei real dann eher die Jobs wegfallen.

Aber auch Joberhalt kann kritisch sein. In der Automobilindustrie z.B. heißt es, dass die Fabriken in Deutschland inzwischen was den Automatisierungsgrad angeht hinter denen in Osteuropa hinterherhinken, ganz zu schweigen vom Vergleich mit Japan. Grund ist auch, dass es unmöglich war einen Abbau von Arbeitsplätzen durchzubekommen, selbst wenn der ohne Entlassungen auskommen würde. Das mag kurzfristig erstmal ein Erfolg sein, schadet langfristig aber dem Standort und damit auch den jüngeren Mitgliedern.

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Was ich nicht verstehe ist die Kritik an

wenn gleichzeitig kritisiert wird, dass Gewerkschaften zu teuer wären

Also soweit ich dir folgen kann können sie doch entweder unattraktiv und teuer sein oder nur an ihre Mitglieder denken und eine Zwei-Klassengesellschaft fördern
Wenn sie gleichzeitig Beiträge von ihren Mitgliedern bekommen und deren Lohn stärker steigern klingt das für mich nach einer „zweiten Klasse“ die gleichzeitig mehr bekommt und davon etwas abgibt?

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Da bin ich grundsätzlich bei dir: Mitglieder haben sehr unterschiedliche Interessen wie bspw. Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen, Standortfragen, Joberhalt oder Entgelt. Genau deshalb ist das Thema so komplex und ich fände es gut wenn es mal aufgedröselt wird.

Nur als ein Gegenbeispiel aus dem realen Leben: ver.di hat in einem IT/TK-Betrieb die Tarifarbeitszeit von 38 auf 34 Stunden reduziert, bezahlt wurden aber faktisch 36 Stunden. Für viele Beschäftigte war das kein Gewinn, weil der Workload real nicht sank. Man war formal kürzer im Büro, musste die gleiche Arbeit lediglich effizienter erledigen bei zugleich spürbar geringerem Monatsnetto. Verkauft wurde es als “Ihr kriegt besseren Stundenlohn!”

Das mag tarifpolitisch als Fortschritt oder „Arbeitszeitverkürzung“ gelten, lief aber gegen die Interessen vieler Angestellter, die lieber entweder echtes Entgelt oder tatsächlich weniger Arbeit gehabt hätten. Und genau hier entsteht Frust: Entscheidungen werden kollektiv getroffen, obwohl Tarifangestellte weder individuell verhandeln noch einen anderen Verhandlungspartner benennen dürfen .. die Gewerkschaft hat faktisch das Monopol.

Dass Arbeitsbedingungen oft wichtiger sind als Geld (Pflege, Erziehung) oder dass Joberhalt kurzfristig höher gewichtet wird als Produktivität (Automobilindustrie), sehe ich genauso. Aber gerade deshalb braucht es mehr Differenzierung und Transparenz, weil kurzfristige Erfolge langfristig auch schaden können - etwa jüngeren Beschäftigten oder dem Standort insgesamt.

Mein Punkt ist daher nicht „alles auf Lohn fixieren“, sondern: Wenn Interessen so unterschiedlich sind und die Verhandlungsmacht exklusiv gebündelt ist, müssen Gewerkschaften sichtbarer machen, wessen Interessen gerade durchgesetzt werden und wessen nicht.
Sonst wird Solidarität nicht gestärkt, sondern als übergestülpt empfunden.

Der ADAC‑Vergleich greift aus meiner Sicht zu kurz. Der ADAC schleppt nur Mitglieder ab aber nur Mitglieder fahren auch auf ADAC‑Straßen? Nein!
Die passendere Analogie wäre eher: Eine Organisation regelt den Verkehr auf einer Autobahn, auf der alle fahren müssen, verlangt aber von einem Teil der Fahrer zusätzliche Maut, während andere strukturell ausgeschlossen sind, beizutreten.

Gewerkschaften sind keine reine Mitglieder‑Serviceorganisation, sondern haben im Betrieb faktisch eine Sonderrolle:
Normale Tarifangestellte dürfen gar nicht individuell verhandeln und können auch keinen anderen Verhandlungspartner benennen .. ver.di hat hier praktisch ein Monopol auf Tarifverhandlungen.

Genau deshalb ist die Situation anders als beim ADAC: Dort kann ich Mitglied werden oder eben nicht und organisiere mir sonst Hilfe selbst. Tarifbeschäftigte haben diese Wahl nicht. Der Tarifabschluss prägt ihre Arbeitsbedingungen .. ob sie Mitglied sind oder nicht.

Wenn man unter diesen Bedingungen Lohnbestandteile gezielt nur an einen Teil der Belegschaft bindet, wirkt das für viele wie eine institutionalisierte Zwei‑Klassen‑Logik, gerade in Konzernen mit AT‑Bereichen, Ausgründungen und Tarifflucht.

Es geht also nicht um „gratis Leistungen für alle“, sondern um die Frage:
Wie bleibt Solidarität glaubwürdig, wenn die Verhandlungsmacht exklusiv ist, die Arbeitsrealität aber längst fragmentiert?

Man kann die Frage auch umgedreht stellen, sind alle nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer, die trotzdem von Tarifabschlüssen (oder auch der Arbeit der Gewerkschaftsmitglieder in Betriebsräten) profitieren Trittbrettfahrer?

Letztendlich erstreiten die Gewerkschaften Abschlüsse für alle, die Mitgliedsschaft in Gewerkschaften sank aber in den letzten Jahren beständig auf inzwischen nur noch 17% der abhängige Beschäftigten. Da finde ich es einen sinnvollen Weg, Bonbons zu verhandeln, welche nur Gewerkschaftsmitgliedern zu Gute kommen.

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Um das ADAC-Bild aufzugreifen: der ADAC macht Lobbyarbeit für alle Autofahrer.
Gleichzeitig gibt es Services, Veranstaltungen und Rabatte, die nur Mitgliedern offenstehen. Wer verbilligt bei der Oldtimerrallye startet, kann das bei seinem Mitgliedsbeitrag wieder gegenrechnen. Das ist der Sinn der Mitgliederboni.
Nicht alle Autofahrer finden immer gut was der ADAC macht, auch der ist im Spannungsfeld der verschiedenen Interessen. Ein Vorsitzender musste zuletzt zurücktreten, weil er sich zu positiv über Elektroautos geäußert und in dem Zusammenhang den CO2-Preis gelobt hat.
Vieles, was Gewerkschaften entscheiden, kann man zusammen mit dem Betriebsrat aushebeln. Dafür gibt es den, um die allgemeinen Regeln auf die Betriebsrealität anzupassen. Aber ja: Löhne und Arbeitszeiten sind meistens recht fix. Arbeitszeiten in der Hoffnung, dass mehr Mitarbeiter eingestellt werden, wenn die sinken.

Warum sollte sich die Gegenseite auf solche Verhandlungen einlassen und absichtlich Zwist und Unmut unter ihren Mitarbeitenden sähen?

Vielleicht müssen sich die Gewerkschaften an die eigene Nase fassen und versuchen aus eigener Kraft attraktiver für Angestellte zu werden.

Ich war mittlerweile in einigen Betrieben und habe nur sehr wenige sympathische Betriebsräte oder Gewerkschaftsvertreter getroffen. Meist eine Mischung aus Überheblichkeit, Unfähigkeit, Unfreundlichkeit und mangelnder Kooperationsbereitschaft.

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Wieso darf ich nicht selbst verhandeln? Ich bin seit 2013 in tarifgebundenen Organisationen. Bei der Forschungsgesellschaft im öffentlichen Dienst durfte ich darüber verhandeln, ob ich für 50 % oder 100 % Arbeitszeit bezahlt werde (nach einer einjährigen Durststrecke wurden es 100 %), über Zulagen für den Wohnort oder dafür, dass ich nicht an eine andere namhafte Einrichtung im Ausland gehe. Tatsächlich bergab ging es erst, als die Muttergesellschaft entschied, die Verträge bestimmter Mitarbeitergruppen aus dem Tarifvertrag zu entfernen und lieber per Hausverträgen ohne Spielräume neu zu regeln (= -7% Gehalt und -1/3 Urlaub dank kurzlaufender Befristungen) um prekär beschäftigte Doktoranden besser zu stellen (endlich!), während andere Gruppen weiterhin viele Spielräume nutzen konnten.

Und auch bei meinen letzten beiden Arbeitgebern in der Wirtschaft wurden wir von der Verdi vertreten. Klar gibt es da ein Basisgehalt auf Basis einer Eingruppierung. Aber diverse Leistungszulagen oder das Erlangen einer neuen Entgeltstufe lässt sich ebenso verhandeln wie das Erreichen eines AT-Vertrags oder diverser entgeltähnlicher Gehaltsbestandteile.

Ich verstehe daher ehrlich deine Aussage nicht. Mit meinem Erleben hat sie wenig zu tun.

Wie in der Politik, so auch in der Wirtschaft. Erst werden die Falschen gewählt und sich dann darüber beschwert, dass auf den Stellen die Falschen sitzen.

Ich habe leider wie in der Politik sehr wenig Einfluss darauf wer auf der Liste wo platziert ist. Will ich die CDU wählen aber finde ich Julia Klöckner zutiefst unsympathisch habe ich keine Chance dem Ausdruck zu verleihen.

Ansonsten verstehe ich nicht wieso es jedes Mal aufs neue Gehaltsverhandlungen geben muss. Wieso gibt es z.b. bei der Telekom keinen festen Schlüssel aus z.b. Inflation, Gewinn, Dividende und Management Bonuszahlungen. Das alles zusammen ergibt Prozentwert x (Der kann halt auch mal 0 sein). Und die Verdi konzentriert sich auf die ansonsten wichtigen Dinge. Im Endeffekt sind die Gehaltsverhandlungen doch eh Blödsinn. Arbeitgeber sagt Null, Verdi sagt x und im Endeffekt wissen beide vorab wo man sich treffen wird.

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Die IG BCE hat im Tarifvertrag für ihre Mitglieder einen zusätzlichen Urlaubstag verhandelt. Geht also.

Ich selbst bin im VAA der chemischen Industrie organisiert, hier wurden u.a. für Mitglieder eigene Kündigungsfristen verhandelt.

Generell glaube ich schon, dass derArbeitgeberseite eine Verhandlungspartei auf Augenhöhe gegenüber sitzen sollte, die Verhandlungsmacht (z.B. durch viele Mitglieder) hat und gleichzeitige ökonomischen Sachverstand über die Industrie/ Branche, über die verhandelt wird. Dazu sind Gewerkschaften und Betriebsräte unerlässlich.

Was mir z.Z. Sorgen macht, ist die Zersplitterung der Gewerkschaften um verstärkt Partikularinteressen zu vertreten. Es ist meiner Ansicht nach wirtschaftsschädigend, wenn die Lufthansa erst durch die Piloten, dann durch das Bordpersonal, dann durch die Fluglotsen, das Bodenpersonal der Flughäfen und zuletzt die Sicherheitsfirmen bestreikt werden kann.

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