Zukunft der Straße von Hormus

Mit >2000 Mrd m^3 an Erdgas (best case, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe), könnte man deutlich mehr als 20% decken, wenn man ca. 100 Mrd m^3/Jahr als Gesamtverbrauch annimmt.

Und die politische Debatte kommt doch erst durch die Nimby Mentalität zustande…

Lithium, Cobalt, Nickel, REE und andere Elemente werden in signifikanten Mengen in China abgebaut (Ausnahme Cobalt, das zum Großteil aus dem Kongo stammt) und zum Großteil in China zu industrietauglichen Produkten prozessiert. Bis auf Australien und Kanda (teils USA), spielt der Westen hier kaum eine Rolle und das wird gezielt als geopolitische Waffe benutzt. Selbstverständlich stellt dies daher eine enorme Abhängigkeit von einem Systemfeind dar.

Und natürlich ist ein bereits stehendes Windrad weniger anfällig für Störungen der derzeitigen oben genannten Verhältnisse als ein Gaskraftwerk. Aber auch das wissen die Chinesen und können langfristig planen. Ebenso ist das Automobilwerk durchaus von solchen kurzfristigen Schwankungen abhängig, wenn es Lithium für die laufende Produktion von Autobatterien braucht :wink: Von der Herstellung von Chips und co. will ich gar nicht erst anfangen.

Was ich sagen will: Solange man in Europa nicht aggressiv in den Bergbau, industrielle Verarbeitung, Diversifizierung von Rohstoffquellen, Aufkaufen von ausländischen Ressourcen etc. investiert, werden wir in einer postfossillen Wirtschaft (sollte sie je kommen) ein ganz böses Erwachen haben. Diejenigen die den Markt derzeit beherrschen, die Chinesen, werden unsere selbstverschuldete Abhängigkeit gezielt gegen uns nutzen.. hust hust Taiwan hust hust

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Gibt es dazu eigentlich irgendwo eine vernünftig aufbereitete Übersicht?

Ich lese nur vereinzelt von solchen Kleinstspeichern (gleichzeit Hamburgs bisher größter Speicher), die voll geladen einen einzigen Haushalt für ein Jahr versorgen könnten:

Frankreich hat mutmaßlich eine Vereinbarung mit dem Iran über die Benutzung der Straße von Hormus getroffen

https://www.reuters.com/world/europe/french-owned-cma-cgm-container-ship-passes-strait-hormuz-data-shows-2026-04-03/

Das würde auch dazu passen, dass Franreich zusammen mit Russland und China, eine Resolution im UN Sicherheitsrat, eingebracht von Bahrain, die ein militärisches Vorgehen in der Straße von Hormuz erlaubt hätte, blockiert hat bzw. Abgeschwächt hat.

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Das Markenstammdatenregister der Bundesnetzagentur hat unter “Erzeugern” auch alle “Speicher” gelistet, auch die in der Planungsphase: https://www.marktstammdatenregister.de/MaStR/Einheit/Einheiten/OeffentlicheEinheitenuebersicht

Der größte aktuell eingetragene Speicher in Planung ist eine 1 GW Anlage in Jänschwalde (am Standort eines Braunkohlekraftwerks).

Ich weiß aber aus erster Hand (weil ich mit einem Projekt peripher zu tun habe), dass eine Reihe von 500+ MW bis 1 GW Anlagen in Deutschland derzeit projektiert werden (es herrscht Zeitdruck, weil wohl Mitte 2029 die Netzentgeldbefreiung für Batteriespeicher auslaufen wird).

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Nein, die politische Debatte kommt durch die völlig legitime Abwägung zwischen Belangen des Umwelt- und Klimaschutz, der nachhaltigen (in allen Bedeutungen des Wortes) Ausrichtung der deutschen Energieversorgung, Kostenkalkulationen, technischer Machbarkeit und den Rechten und Bedenken der Anwohner zustande. Ich persönlich leben nicht in einem potenziellen Abbaugebiet (kann also per Definition kein Nimby sein) und bin trotzdem strickt gegen Fracking in Deutschland. Einfach weil es meiner Meinung nach in der Gesamtschau bessere Alternativen gibt.

Für im besten Fall 20% des tatsächlichen Bedarfs in Deutschland eine dermaßen dreckige und den Belangen des Klimaschutzes derart schädliche Energieform habe ich kein Verständnis. Was sind denn die Vorteile? Niedrigere Preise wohl kaum, denn dafür ist die förderbare Menge viel zu klein (wir reden ja über einen Weltmarkt). Mal davon abgesehen, dass wir im Sinne der Energiewende ja wollen, dass die Erdgaspreise (kontrolliert) steigen.

Diversifizierung und Versorgungssicherheit? Auch da ist mit 20% nicht viel zu holen, was mit einem strategischen Ausbau der Handelsbeziehungen zu anderen Staaten nicht machbar wäre. Und die aktuelle Krise zeigt ja gerade, dass bei einer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen eine Diversifizierung der Quellen nichts bringt. Deutschland bezieht keine großen Mengen Gas und Öl aus der Golfregion, kriegt die Verwerfungen des Irankriegs aber trotzdem mit.

Habe ich nicht bestritten. Ich habe nur hervorgehoben, dass die Abhängigkeit in keiner Weise so direkt und dramatisch ist, wie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die man eben verbrennt und darum ständig neu importieren muss.

Die Sache ist: wir könnten als Gesellschaft und Staat durchaus überleben, wenn China uns das Lithium abdreht. Das wäre hart, aber machbar. China hat auf keinen dieser Rohstoffe und Technologien ein natürliches Monopol. Alternative Wertschöpfungsketten sind denk- und machbar, wenn der politische Wille da ist. Insbesondere für einen Staatenbund wie die EU.

Die zentrale Stellung Chinas in vielen kritischen Wertschöpfungsketten ist ein geopolitisches Risiko dass die deutsche Regierung und die EU dringend besser managen muss, da stimmen wir völlig überein. Aber mein Argument ist, dass eine möglichst schnelle und umfassende Energiewende Teil dieses Managements sein kann. Auch wenn die meisten PV-Panele und Batterien dafür aus China kommen, bauen wir damit gleichzeitig eine gewisse strategische Unabhängigkeit auf (wenn man es richtig macht). Bei Erdöl und -Gas ist das anderes. Da verstärkt ein stärkerer Konsum die Abhängigkeit nur.

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Das sind wieder die üblichen pauschalen und wissenschaftsfeindlichen Buzzwords (“dreckig”, “schädlich” usw), die eine Debatte verhindert haben (siehe oben). Und die Klimafrage hat uns nicht daran gehindert, massiv in NS 1 und 2 zu investieren. Zumindest wurde damit nicht weniger CO2 von uns ausgestoßen.

Sicherheit, darum gehts hier primär. Und der best case hätte für mehr als 20% gesorgt und positiv dazu beigetragen. Wenn ein signifikanter Teil der Gasproduktion heimisch gedeckt werden kann, hat man im Worst Case einfach weniger Probleme. Aber wie gesagt: Der Zug ist in Sachen Erdgas abgefahren. Im Nachhinein haben wir falsch gehandelt.

Joa, bei der EU ist in vielen Dingen theoretisch der Wille da und man wird komischerweise immer und immer wieder von der Realität überrascht (siehe Ukraine, Trump usw.). Ich glaub es erst, wenn ich Resultate sehe. Und wir können uns auch denken, welche Parteien, NGOs etc. sich zum Beispiel gegen den heimischen Bergbau stellen würden, mit dem Resultat, dass wir am Ende wieder abhängig von anderen Zulieferern sind um die post-fossile Wirtschaft am Leben zu erhalten (auf die Wirtschaft kann am Ende natürlich niemand verzichten).

Das kann noch ein böses Erwachen geben. Und wie lange Chipfabriken (und alle untergeordneten Industrien), Autohersteller (Batterien) etc. ohne Reserven produzieren können, werden wir dann sehen.

Das stelle ich nicht in Frage: natürlich ist es anders. Mein Hauptpunkt ist: Es wird zu selten behandelt, dass eine post-fossile Wirtschaft auch erhebliche Schwachstellen hat was Rohstoffe angeht. Ohne eine breites gesellschaftliches Verständnis, aka warum muss hier etwas abgebaut und verarbeitet werden, laufen wir in die nächste Falle.

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Es war ein grüner Wirtschaftsminister, der 2022 die Versorgungssicherheit mit Flüssiggas gesichert hat. Der selbe grüne Wirtschaftsminister hat massive Subventionen für die Ansiedelung von Chip-Produzenten durchgesetzt und mit der EU die Nutzung von Gaskraftwerken als Brückenenergie ausgehandelt.

Es sind Umweltschutz-NGOs, die seit ca. 30 Jahren verzweifelt versuchen, die Politik und Gesellschaft vom Aufbau einer Energie- und Nahrungsmittelproduktion zu überzeugen, deren Wertschöpfungskette auf allen Ebenen nachhaltig (das umfasst auch wirtschaftliche und sicherheitspolitische Aspekte) gestaltet ist. Ich lese schon ebenso lange Berichte von Menschenrechts-NGOs, die eine transparente, diversifizierte und nachhaltige Wertschöpfungskette für kritische Rohstoffe fordern.

Ich kenne persönlich keinen links-progressiv orientierten Menschen (und das ist die Mehrheit meiner persönlichen Bubble), der dem Abbau von z.B. Lithium in Deutschland grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Niemand in dieser Bubble hat irgendwelche Sympathien für globale und CO2-intensive Wertschöpfungsketten, die Diktatoren und kommunistischen Parteien ein Veto-Recht über unsere wirtschaftliche Entwicklung geben. Ich habe persönlich schon einige Bergbau-Projekte in Deutschland und Afrika besichtigt und recherchiert und ich bin Realist genug, um zu erkennen, dass es für viele davon eine Notwendigkeit gibt, auch wenn sie per Definition umweltschädlich sind.

Worauf ich und andere Menschen nachdrücklich bestehen, ist dass bei einer Re-Lokalisierung von Bergbau und Aufbereitung nicht einfach die dreckigen und menschenrechtsverachtenden Praktiken aus China und Co. zu uns importiert werden, nur damit wir unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft mit erheblicher Vermögensakkumulation nahtlos fortsetzen können. Was bringt es mir, wenn statt der Kommunistischen Partei Chinas oder den Mullahs die Familie Quandt oder Trump Einfluss auf meine Rechte und die politischen Entscheidungen unserer Regierung nimmt? Welchen Vorteil habe ich davon, wenn wir katastrophalen Klimawandel mit heimischen statt mit ausländischem Erdgas erzeugen, selbst wenn wir dann eine total sichere Versorgung haben? Bei fossilen Energien stehe ich persönlich auf dem Standpunkt: je volatiler die Versorgungslage, desto besser. Jeder Cent öffentliche und private Investition ist aus gesellschaftlicher Sicht besser im Ausbau der Erneuerbaren Energien aufgehoben als in der Ermöglichung von Fracking.

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Ist doch schon längst da.
Wenn der Geldbeutel Alarm schlägt, dann ist es mit der Moral dahin.
Oder mit B.Brecht: „Erst das Fressen, dann die Moral“

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