Das ist falsch, was du hier schreibst. Natürlich spielt es eben für die Gesundheit eine entscheidende Rolle, wie die Kohlenhydrate verpackt sind. Das ist essenziell für die Verstoffwechselung. Es ist relevant, ob die Kohlenhydrate zusammen mit Ballaststoffen, Proteinen, Fetten usw. oder isoliert eingenommen werden.
Das Gehirn jedes Menschen braucht Kohlenhydrate. Am besten eben gut verpackt, nicht isoliert.
Speziell Migräniker*innen müssen sogar akkurat darauf achten, regelmäßig Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Und Haferflocken sind da aus verschiedenen Gründen sehr gut geeignet, während isolierter Zucker schädlich ist.
[Edit: Ja, es gibt Sonderfälle, bei denen auf Kohlenhydrate im Rahmen einer medizinisch indizierten Diät gänzlich verzichtet wird, z.B. bei schwerwiegender Epilepsie, die sonst nicht behandelbar ist usw. Aber in der Regel benötigt auch der moderne Mensch Kohlenhydrate.]
Zu den Preisen steht ja schon einiges in diesem Thread, daher gehe ich nicht darauf ein. Aber jenseits der Spekulation, die mit den (diskutablen) Preisen zusammenhängt: Fakt ist, dass ich viele Geringverdienende kenne, die Hafermilch trinken. Studierende sind z.B. eine typische Gruppe für geringverdienende Hafermilchtrinker*innen.
Das stimmt nicht. Wenn wir die Discounter Milch nehmen , das ist der selbe Preis für beide Varianten. Klar Oatly und Alpro kosten gerne 2,5€ pro Liter. Aber bei den Hausmarken ist der Preis 0,95€ pro Liter.
Ja aber sie wird eben nicht gleich bewertet. Kuhmilch wird bei diesem Vorschlag natürlich explizit ausgenommen. Also mal wieder ein gezielter Angriff der Milchlobby auf vegane Alternativen.
Die Ausweitung der Zuckersteuer ist vom Tisch. Klingbeil hat sich dazu deutlich erklärt und die Idee lediglich als offene Diskussion auf Fachexpertenebene dargestellt, die nie politisch geeint gewesen sei.
Typischer Fall von Empörungsjournalismus, auf den nun wieder viele Leute aufgesprungen sind. Man hätte auch auf einen offiziellen Entwurf warten können, statt sich über Arbeitspositionen aufzuregen.
Ich stimme Klingbeil jedenfalls ausdrücklich zu, dass auf Arbeitsebene auch mal abwegige Ideen vertraulich diskutiert werden können müssen. Schon so manches Mal hat sich eine dumm erscheinende Idee im Rückblick als hilfreich herausgestellt. Wenn man nun aber vorschnell jede nicht-triviale Diskussion gleich leaked und abwürgt, traut sich früher oder später keiner mehr, Umstrittenes einzuwerfen, womit wir wieder beim Konformismus enden.
Die Frage ist: Wer hat ausgerechnet diesen Vorschlag geleaked und warum?
Ernsthaft: wenn es so normal ist, dass da auch „abwegige Ideen“ in solchen Eckpunkte-Papieren ausgetauscht werden, dürfte es ja eine ganze Menge Dokumente geben, die große Empörung hervorrufen würden. Warum wurde also ausgerechnet das geleaked?
Ich zweifle daran, dass es ein „Zufall“ ist. Möglich ist auch, dass aus Regierungskreisen bewusst diese Idee durchgestochen wurde, um das Wasser zu testen. Genau deshalb ist dieser „Empörungsjournalismus“ im Endeffekt korrekt, denn dadurch ist die Idee nun hoffentlich endgültig vom Tisch.
Das zunächst zur volkswirtschaftlichen Gesamtbedeutung.
Jetzt könnte man natürlich mal berechnen, wie viel Inflation eine Zuckersteuer für ‚Heavyuser‘ von Pflanzenmilchgetränken mit kleinem Geldbeutel ausmacht.
Selbst für Studierende, die unter der Armutsgrenze leben, wird sich der Unterschied in sehr geringen Grenzen halten.
Was glaubst du wer diese Entwürfe veröffentlicht?! Das sind Testballons wie weit man gehen kann. Und wenn die Empörung zu groß rudert man medienwirksam zurück. Das Spiel ist immer das gleiche. Wenn das Medienecho kickt so groß gewesen wäre, hätte man es durchgezogen. Das zeigt im übrigen auch, dass von der Union aus anderen Ministerien Widerspruch kam. Also kann das nicht nur eine abwegige idee gewesen sein.
Na ja, deine Annahme, wonach sich Geringverdienende nicht „oft Hafermilch gönnen“. Es gibt faktisch Geringverdienende, die systematisch Hafermilch trinken.
Dass du dies angenommen hast, weil du falsche Preisvorstellungen hattest, habe ich ja schon zur Kenntnis genommen:
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich finde es absolut normal, dass man mit seinen Annahmen nicht immer richtig liegt. Schwierig finde ich es, wenn dann zu einer Kleinigkeit sehr viel geschrieben wird.
Vielleicht hätte ich zur Vereindeutigung noch hinzufügen sollen, dass sich meine Aussage auf die Gruppe bezog.
Und ich gehe jede Wette, dass die Gruppe(!) der Geringverdienenden auch unabhängig von preisgünstigen Discounter-Pflanzendrinks seltener solche Produkte konsumiert als die Gruppe(!) der Normal- oder Gutverdienenden.
Und die Gruppe der Studierenden mit geringen Einkommen ist noch mal eine relativ kleine Subgruppe der Geringverdienenden im Ganzen.
Du siehst: Wenn du’s ganz differenziert haben willst, wird das - zwangsläufig - immer noch mal wortreicher.
Aber wie schätzt du denn jetzt eigentlich die Bedeutsamkeit dieses Themas - unter Berücksichtigung des HVPI - angesichts sonstiger politischer Herausforderungen ein?
Ich glaube nicht, dass das ein Versuchsballon war, sondern dass jmd. im Ministerium mit dieser Idee ziemlich unzufrieden war und sie sofort beerdigen wollte.
Ich würde auch absolut widersprechen, dass der Empörungsjournalismus sinnvoll war. Die Empörung hätte auch noch ausgereicht, wenn das Gesetz durch den ministerialen Einigungsprozess ist und in die Lesungen geht.
Die Presse hat Wind davon bekommen, dass gerade eine eher unpopuläre Idee im Ministerium diskutiert wird und hat darüber berichtet. Dass Politiker die Medien nutzen, um solche Ideen früh zu beerdigen, ist doch kein echtes Problem. So ist die Idee jedenfalls direkt vom Tisch, und nicht erst, nachdem sich der Bundestag damit beschäftigen musste. Die Zeit des Bundestages ist wirklich zu begrenzt, um Gesetzesentwürfe in einer Lesung zu bearbeiten, die dann ohnehin zurückgenommen werden müssten.
Es ist ein Problem der Regierung, dass offensichtlich in den Ministerien Menschen arbeiten, die die Medien derart ausnutzen. Dass die Medien darüber berichten, kann man ihnen doch wirklich nicht vorwerfen, das ist deren Job. Und die Berichterstattung war jetzt ja auch - im Gegensatz zum Beispiel des Heizungsgesetzes - nicht unfair. Es wurde nichts verdreht oder fragwürdig geframed, sondern relativ neutral beschrieben, was da gerade diskutiert wird. Ob die Medien hingegen einschätzen können, welche konkrete Bedeutung so ein „Eckpunkte-Papier“ hat, kann man auch bezweifeln. Aber wenn ich Journalist wäre und mir würde jemand ein offizielles Eckpunkte-Papier aus dem Ministerium zustecken, dass eine derart bekloppte Idee enthält, würde ich darüber auch berichten wollen. Welcher Journalist würde das nicht tun?!?
Darauf bin ich doch eingegangen. Es ist ein Problem der Regierung. Ein Problem der Medien wird es erst, wenn über einen Referentenentwurf dann populistisch berichtet wird, wie es beim Heizungsgesetz durch die Springer-Presse (und andere!) leider der Fall war. Das ist hier aber nicht geschehen.
Man kann es Journalisten doch nicht vorwerfen, über sowas zu berichten. Die SPD kann es definitiv dem Ministeriums-Mitarbeiter, der es geleaked hat, vorwerfen, aber nicht den Medien.
Das stimmt natürlich. Ich hätte spezifizieren müssen, dass ich Kohlenhydrate in Zuckerform meine. Und da ist nun mal Hafermilch als Beispiel die Qatlys Barista-Edition mit 4g Zucker von 6,6g Kohlenhydraten schon vorn mit dabei. Laktose ist da etwas langkettiger, aber jetzt auch nicht so zu bewerten, als sei es so viel anders. Wir reden hier nun mal nicht von Kartoffeln.
Laktose und raffinierter Zucker sind beides Disaccharide, also Zweifachzucker. Laktose besteht aus Glukose und Galaktose (Schleimzucker, dh. tierischer Zucker), raffinierter Zucker aus Glukose und Fruktose (Fruchtzucker). Von der „Langkettigkeit“ unterscheiden sich beide nicht.