ich pendele mehrfach in der Woche mit der Bahn arbeitsbedingt von Mainz nach Stuttgart.
Ich bin seit über 15 Jahren überzeugter Bahnfahrer. Wie wir alle feststellen ist die Zuverlässigkeit kaum mehr vorhanden.
Das Arbeiten in der Bahn wird durch eine mässige Internetverbindung erschwert, funktioniert aber irgendwie. Durch die Unberechenbarkeit der Umstiege und Anschlüsse wird die mobile Arbeit jedoch maximal beeinträchtigt. Auch sind Termine am Vormittag immer ein Risiko.
Auch die Anreise per Auto ist bei der Verkehrslage insb in Ballungsgebieten keine Option.
Gerade bei der Debatte um Krankheitstage, Teilzeit und Leistung frage ich mich, ob wir das Infrastruktur Thema nicht viel mehr einbringen müssen.
Wir sollen Eltern einen Puffer für Arbeitsweg und Heimweg einplanen um die Kinder aus der Kita abzuholen und dann noch am besten Vollzeit arbeiten.
Ist sicher auch eine grundsätzliche Frage unserer Arbeitsorganisation.
Wenn man sich zum einen überlegt wieviel Zeit man pro Tag damit verbringt, zur Arbeit und zurück zu pendeln, ist das immer irgendwie verlorene Lebenszeit, unabhängig vom Verkehrsmittel.
Nun hat leider nicht jeder die Möglichkeit, unmittelbar an seinem Arbeitsplatz zu wohnen.
Dazu, rechnet man mal die Kosten hoch, die man allein dafür aufwendet, zu pendeln, ist das schon enorm (da hilft auch die Pendlerpauschale nicht völlig).
Also effektiv ist unser Verständnis vom Arbeitsleben sicher nicht.
Die Einschränkungen durch die mangelhafte Infrastruktur kommen noch dazu.
Ich pendle seit vielen vielen Jahren mit dem Fahrrad zur Arbeit (einfache Strecke 10 km). So habe ich jeden Tag eine Stunde Bewegung an der frischen Luft und tue etwas Gutes für meine Gesundheit und die Umwelt. Also definitiv keine „verlorene Lebenszeit“.
Für uns war die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes ohne Auto eine wichtiges Kriterium bei der Wohnort- bzw. Arbeitsplatzwahl.
Klar hängt das von den individuellen Lebensumständen ab, aber eine einladende und funktionierende Infrastruktur ist beim Umstieg vom Auto auf andere Fortbewegungsmittel schon sehr hilfreich…
Gleichzeitig wird sehr viel Geld ausgegeben, um Fahrzeiten zu reduzieren. Da wird eine Brücke mit vier statt mit zwei Spuren gebaut, damit die durchschnittliche Reisezeit 5 Minuten schneller ist. Man muss m.E. schon eine Menge schön-rechnen, damit das wirtschaftlich ist. Seit wann ist es kein Argument mehr: fahrt doch einfach 5 Minuten früher los? Finanzieren Gesellschaft hier einen Wahn zur Optimierung, weil diese 5 Minuten tatsächlich gebraucht werden, um von der Arbeit noch rechtzeitig zum Pilates und danach in die Oper zu kommen? Macht doch einfach weniger, dann reicht die Zeit.
Gleichzeitig rollen immer mehr Arbeitgeber arbeiten im Home Office zurück, Meetings, die virtuell stattfinden könnten, werden wieder in Präsenz verlangt.
Und ja: Als eigentlich überzeugte Bahnpendlerin gebe ich dir völlig recht - der desolate Zustand unserer Infrastruktur wird als Produktivitätsbremse viel zu wenig beachtet.
Und es kann mir niemand erzählen, dass dies nicht auch für deutlich mehr Menschen möglich wäre. Breite und vor allem durchgehendes Radwege. Das würde die Attraktivität solcher Wege nochmal steigern. Und ist deutlich günstiger als immer mehr Autospuren zu bauen. Wer körperlich nicht ganz fit ist, holt sich ein E Bike. Stattdessen fahren die Leute mit dem Auto ins Fitnessstudio.
Ich denke eine Diskussion, was ist effiziente Infrastruktur wäre auch hilfreich. Man wird es sich nicht leisten können das Maß an Auto Individualinfrastruktur und immer mehr davon in Stand halten zu können.
Alles bis 30km mache ich auch mit dem Fahrrad - Berufspendlern, die z.B. zwischen Großstädten hin und her müssen, bringt das aber gar nichts.
Hunderte Kilometer fährst Du nicht mit dem Rad.
Schön klar. Deshalb sagte ich deutlich mehr. Und nicht für alle. Es geht darum Autoverkehr deutlich unnötiger zu machen. Die meisten Pendeln wohl im Umkreis von Städten und in der Stadt.
50% pendeln bis 10km. 78 % bis 25km. Aber 65% der Pendler nutzen das Auto.
Das stimmt. Selbst wenn es die Autostrecke reduziert, ist es m.E. den Ausbau wert, inkl Park and Ride z.B., also Parkplätzen am Stadtrand, mit schnellen, direkten ÖPNV-Verbindungen in die Innenstädte, nebst Inszentivierung, die auch zu nutzen.
Da wäre ich total dabei. Pendeln mit dem Auto ist vermutlich die schlechteste Wahl, wenn man eine solche hat. Für kurze Strecken sollte das Rad die beste Option sein. Hierfür braucht es aber Investitionen und die Infrastruktur. Für weitere Strecken sollte dies die Bahn sein. Gerade die Möglichkeit beim Reisen zu Arbeiten ist für Unternehmen mit mehreren Standorten und der Notwendigkeit hin und wieder an die versch. Orte reisen zu müssen (wie bei mir) ein Effektivitätgewinn im Vergleich zum Auto. Und auf diese Aspekte zielt auf meine ursprüngliche Frage/mein Denkanstoß ab. Dies funktioniert nur, wenn ich mich auf diese Möglichkeiten halbwegs verlassen kann.
In der Bahn kann ich arbeiten. Auf dem Rad mache ich Sport. Im Auto ist die Zeit komplett verloren.
3 Stunden Auto fahren, oder 4 Stunden im ICE produktiv nutzen? Das setzt aber natürlich voraus, dass der ICE pünktlich und am Ziel ankommt, und die Reise nicht Stunden später irgendwo endet.
Ja würde ich zustimmen. Aber ist auch Infrastruktur bedingt. Mit dem Rad abbiegen in der Stadt sind idR 2 Ampelphasen. Für Autos ist alles schön so gebaut, dass man schnell durchkommt.
Und mehr Menschen auf dem Rad/ÖPNV würden Staus reduzieren und es für alle Effizienter machen.
Wie gesagt, immer für den Teil der Bevölkerung, der erstmal easy umsteigen könnte. Niederlande macht es vor, was möglich wäre. Hab noch nicht gehört, dass dort Systeme zusammengebrochen sind.
Naja, bei uns im ländlichen Bereich fahren Busse nur maximal stündlich, oft mit mehrfach umsteigen.
Schon ein Problem.
Fahrrad wird hier viel genutzt, bis 20 km, wer es gesundheitlich kann.
Wie ihr richtig sagt, da wo es passt, sollte man schon umsteigen.
Infrastruktur ist dich ein Riesenthema. Darum gibt es foch Sondervermögen usw.
Ausbauziele für Straße und Schiene fallen ja auch nicht vom Himmel sondern sind abgeleitet aus Verkehrsbedarf, der umfassend untersucht wird (Insbesondere der zweite Link enthält zahlreiche weiterführende Links):
Man muss dazu sagen, dass es in erster Näherung unerheblich ist, wie lange ein Pendler zur Arbeit braucht, denn der Weg zählt nicht zur Arbeitszeit. Viel erheblicher ist der Schaden für den Güterverkehr.
Es ist auch nicht so, dass alle Menschen nur darauf warten endlich ÖPNV fahren zu können. Ich fahre mit dem Auto je nach Verkehrslage 25-45 Min pro Strecke, das ist für mich Erholung pur. Selbst wenn es umsonst wäre und etwas schneller (ist es natürlich nicht, einfache Fahrt kostet 6,50 Euro und dauert 1:15) würde ich nicht mit den Öffis zur Arbeit fahren.
Würde sagen es ist ein Prozess. Und der Prozess verläuft nicht geradlinig. Mal vor mal zurück. Aber je weniger wir noch mehr Straßen bauen und umso mehr wir in Alternativen stecken, umso eher wirds kippen. Es ist doch ein Fehlschluss das individuelle Auto als Freiheitssymbole zu huldigen. Der Mangel an Alternativen macht es zur Abhängigkeit in vielen Teilen Deutschlands. Z.B. sichere Schulwege und nicht notwendige Elterntaxis sind doch für jedes Elternteil ein Zeitgewinn.