Wie hängen soziale Ungerechtigkeit und Rechtsextremismus zusammen?

Das Statement in der Befragung lautet “Ich mache mir große Sorgen, dass zu viele Fremde nach Deutschland kommen”.

Darauf das Label “ausländerfeindlich” kleben zu wollen, halte ich für beinahe pathologisch. Die Schnittmenge ist sicher groß, aber es ist nicht dasselbe.

Dem Ganzen setzt du dann noch die Krone auf und bezeichnest Sorge vor Inflation oder Verlust an Lebensstandard als ausländerfeindlich.

Das ist vieles, aber sicher keine objektive Auseinandersetzung mit Befragungsergebnissen.

Die AfD-Wähler haben dieses Statement doch noch häufiger genannt als die Grün-Wähler?

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Weil hier die Ideen fehlten, warum AfD/AgD-Wähler vllt noch enttäuscht sind, hab ich mal frech von weit oben kopiert:

  • einen effektiven Klimaschutz,
  • eine auskömmliche Rente,
  • bezahlbares Wohnen,
  • ein effektives und effizientes Gesundheits- Pflegesystem mit guter - Krankheitsprävention,
  • gute Digitalisierung,
  • instandgehaltene Infrastruktur,
  • eine rund laufende Wirtschaft,
  • funktionierende Integration,
  • eine gute Bildung,
  • eine gerechte Vermögensverteilung,
  • eine abschreckende Verteidigung,
  • die Eindämmung von Lobbyismus,
  • u.v.m.

Völlig spekulativ irgendwelche, oftmals vieldeutige Schlagworte ohne den geringsten empirischen Beleg zu posten halte ich - mit Verlaub - nicht für einen sinnvollen Diskussionsbeitrag.

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Ich sehe es genau andersherum. Wer in einem Verbot der AfD die Lösung des Problems sieht, der der macht sich gleich doppelt etwas vor. Zunächst mal ist ein erfolgreiches Verbotsverfahren rechtlich und politisch extrem schwierig und der Erfolg mMn sehr ungewiss.
Es gibt mWn ja noch nicht mal große, öffentliche Bestrebungen den Finanzierungsentzug, der in der Lage mal als einfachere Maßnahme vorgestellt wurde, in Angriff zu nehmen.

Und selbst für den Fall, dass ein AfD-Verbotsverfahren erfolgreich wäre, wer sagt denn, dass die AfD-Wähler sich nicht einfach der nächsten rechtsextremen Protestpartei zuwenden. Bei der letzten Senatswahl in Bremen ist genau das passiert (Stichwort: „Bürger in Wut“). Die „Bürger in Wut“ heißen inzwischen „Bündnis Deutschland“. Das könnte man durchaus als den Versuch sehen, sich eine bürgerliche Fassade zu geben, vielleicht sogar mit dem Hintergedanken, dass man bei einem erfolgreichen AfD-Verbot als Alternative zur Verfügung steht.

Warum auch nicht. Sehr viele Selbstständige haben z.B. traditionell FDP gewählt, weil sie hofften, dass sie dadurch z.B. weniger Steuern zahlen müssen. Und das, obwohl es ihnen bereits sehr gut ging. Da finde ich es im Vergleich weniger egoistisch, wenn sich Menschen mit schlechterem sozialen Status eine Verbesserung wünschen. Insbesondere dann, wenn man Verbesserungen für die unteren Einkommen durch objektiv gerechte Maßnahmen herbeiführt.

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Die aktuelle Anstalt hat wieder mal alles perfekt auf den Punkt gebracht.
Nach den 45 Minuten sollten eigentlich alle Fragen zur AFD beantwortet sein.
Besonders Sarah Bosetti ist ans Herz zu legen (23:50).

Edit:

Zusammengefasst: da das Konzept der AFD die Spaltung und die Errichtung einer konservativen Mitte (dort wo sie steht) ist, bringt es weder etwas, ihre Themen zu kapern, noch die soziale Spaltung zu beheben. So konnte während Corona die Schließung der Flüchtlingsrouten die AFD kurz zurückdrängen. Aber nur solange bis sie das nächste Thema entdeckte, mit dem sie in der Gesellschaft Hass und Spaltung fördern konnte (Coronamaßnahmen).

Ist denn eine so große und so spürbare Reduzierung der Ungleichheit in unserer Gesellschaft rechtlich und politisch weniger schwierig und der Erfolg nicht nur diese Reduzierung überhaupt zu erreichen, sondern auch, damit weiteren AfD-Erfolgen und einer Machtübergabe zuvor zu kommen, gewisser? Sind Versuche in dieser Richtung weiter gediehen? Ich sehe es nicht. Das müsste aber gegeben sein, damit das stichhaltige Einwände gegen ein Verbotsverfahren sein könnten.

Das kann passieren. Dann ist aber Zeit gewonnen, mal eben so funktioniert das außerdem nicht bundesweit. Es gäbe also Zeit wieder präventiv zu arbeiten, statt nur mit dem Rücken zur Wand die Demokratie zu schützen. Dann kann man es ja mit der großen Umverteilung versuchen (fände ich super, aber genau die Hälfte, die uns die AfD eingebrockt hat, wird das auch weiterhin blockieren), man kann niedergerissene soziale Normen wieder etablieren (s. vorherige Klammer). Und wenn nicht, gibt es eben ein weiteres Verbotsverfahren. Für solche Verfahren könnte man auch die rechtlichen und politischen Bedingungen mal so anpassen, dass man nicht darauf angewiesen ist, dass es eine politische Entscheidung für die Einleitung bräuchte. Dass mir als Bürger keinerlei rechtliche Handhabe zum Schutz vor einer derart fundamentalen Bedrohung wie einer rechtsextremen Regierungsbeteiligungen zur Verfügung steht, solange die Antragsberechtigten sich weigern, einen Antrag zu stellen, halte ich für einen Konstruktionsfehler.

Deine Position läuft darauf hinaus, grundsätzlich keine Verbotsverfahren durchzuführen. Entweder gewinnt man dann genug AfD-Wähler zurück oder die regieren halt irgendwann (mit). Das steht aber im kompletten Widerspruch zur Geschichte und zum Geist des GG, denn nicht nur mit dem Verbotsverfahren wird ja deutlich, dass das GG eine erneute Machtübergabe an Rechtsextremisten letztlich um jeden Preis verhindern will. Nicht nur solange, wie nicht wieder 30% rechtsextrem wählen. Deswegen sollte man sich gegenüber Deutschen, die rechtsextrem wählen auf nichts einlassen, sondern denen diese Option konsequent verwehren. Wenn sie Feinde unserer Demokratie sein wollen, sollten sie es nicht unter dem Deckmantel demokratischer Wahlen sein dürfen.

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Rechts und Links sind ja Positionsbeschreibungen, die meist in Relation zur eigenen Position gesetzt werden. Von daher würde ich schon sagen, dass die AfD keinesfalls eine rechte Partei ist, sondern in Einzelfragen sogar eine linke Partei sein könnte, zumindest von der Position vieler ihrer Wähler aus betrachtet, von der aus die FAZ ja auch schon Teil des “links-grünen Meinungskartells” ist :wink:

  1. Kritisierst du das Labeling anderer, indem du ein (beinahe) Label draufklebst.
  2. Mit dem Frage-Item “Sind die Ausländer an allem Schuld” oder ähnlichem wäre bis vor wenigen Jahren jede Erfassung an sozialer Erwünschtheit gescheitert (wie sehr ich mir wünschen würde, dass das auch heute noch der Fall wäre). Von daher hilft man sich damit eine ganze Reihe an Items zu nutzen, die in ihrer Summe genau darauf hinauslaufen. Ziemlich zuverlässig stören Menschen, die solche Sorgen vor zu vielen Fremden haben, nämlich lauter Sachen, die auch Deutsche machen, nur dass die damit nicht in Nachrichten und im confirmation bias landen (ja schon klar, Ausländer sind statistisch in Kriminalitätsstatistiken auffällig, aber der Unterschied zu Deutschen ist kaum so groß, wie er von diesen speziell besorgten Bürgern wahrgenommen wird und für beide Gruppen gilt, dass die ganz überwiegende Mehrheit dieses Verhalten nicht zeigt. Zumal kaum eine Gruppe an die AfD-Mitglieder und Mandatsträger heranreichen wird).
  3. Wenn bspw. ein Sachse Angst vor Islamisierung äußert, in einem Bundesland mit einem muslimischen Bevölkerungsanteil an der Grenze zur Nachweisbarkeit, oder in einem Land, in dem Muslime als Gruppe oder auch nur als Einzelpersonen in keinerlei Weise auch nur im Ansatz eine Machtperspektive in der absehbaren Zukunft haben, während gleichzeitig dieses Land von einer rechtsextremen Partei bedroht wird und in Sachsen der rechte Alltagsterror eben alltäglich ist, aber nicht als Gefahr wahrgenommen wird, dann lässt sich das ohne Xenophobie/Rassismus/Ausländerfeindlichkeit kaum erklären.
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Die titelgebende Frage dieses Threads war doch, wie soziale Ungerechtigkeit und Rechtsextremismus zusammenhängen.

Überzeugende Belege für die These, dass ein kausaler Zusammenhang besteht, hat es bislang nicht gegeben.

Es zeigt sich vielmehr ein anderes Bild:

Der Zusammenhang zwischen sinkendem Wohlbefinden und Unterstützung der AfD sei eindeutig und ließe sich nicht durch sozioökonomische Variablen wie Einkommen oder Bildung erklären.

(Hervorhebungen von mir)

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Vermutlich nicht.
Es gibt dafür aber auch keine so entschiedenen Fürsprecher bzw. Momentum für eine große sozialpolitische Reform, wie für ein AfD-Verbotsverfahren. Gegen etwas zu sein, in diesem Fall die AfD, ist halt auch immer einfacher als sich auf etwas zu einigen.

Gäbe es große politische Bestrebungen der AfD sozialpolitisch das Wasser abzugraben, dann hätte ich auch nichts gegen ein Verbotsverfahren. Aber aktuell wirkt es so als würde die Politik sich durch das Verbotsverfahren davor drücken, die eigentlichen Ursachen anzugehen.

Die Zeit ist doch jetzt auch da, z.B. bei der Rente. Aber da traut sich die Politik nicht, wirkliche Reformen anzugehen, z.B. Selbstständige und Beamte in die Rente zu hohlen, wie es viele andere Länder auch haben. Das wäre mal ein Signal für Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Woher stammt das?

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Sowohl das Zitat als auch den zugehörigen Link zur Quelle hatte ich bereits in einer Antwort an dich gepostet (s. o.).

Folgendes sei noch nachgetragen:

Ebenso wie in den Studien zu autoritären Überzeugungen finden sich in der nationalen und internationalen Forschung robuste Belege über den Zusammenhang von sozialen Dominanzorientierungen und rassistischen, rechtspopulistischen und rechtsextremen Einstellungen.

In Abgrenzung zu Altemeyers „enemies of freedom“ könnten Personen mit hohen Ausprägungen von SDO auch als „enemies of equality“ bezeichnet werden (Sidanius/Pratto 1999).

John Duckitt (2001) hat beide Konzepte, die autoritären Überzeugungen und die SDO in einem „dualen Prozessmodell“ zusammengefasst. Er geht davon aus, dass Personen mit ausgeprägten autoritären Überzeugungen die Welt als bedrohlich und gefährlich wahrnehmen („Dangerous World“), sich deshalb konform verhalten und von anderen Menschen auch konformes Verhalten erwarten und einfordern. Personen mit ausgeprägter SDO hingegen nehmen die Welt als Dschungel voller Konkurrenzkampf wahr („Competitive World“), in dem man nur durch kämpferisches und dominantes Verhalten überleben kann.

In einer Metaanalyse mit 46 Einzelstudien und insgesamt 12.939 Personen konnten Perry, Sibley und Duckitt (2013) die im dualen Prozessmodell vorhergesagten unterschiedlichen kognitiv-motivationalen Prozesse von RWA und SDO empirisch bestätigen.

Alternativ wird dann noch ein eher hypothetisches Konzept eingeführt:

Der autoritäre Gruppen-Narzissmus kann ein ergänzender Ansatz sein, um jene Organisationen, Akteur:innen und Sympathisant:innen beobachten und analysieren zu können, die auf den Straßen, in den Parlamenten oder in den Medien eine Zukunft propagieren, in der die Grenzen „dicht“ sind, vermeintlich illegal eingewanderte Menschen sofort abgeschoben werden, das EU-Parlament abgeschafft, eine „Gender-Ideologie“ und der „Klimawahn“ gestoppt, die eigene Gruppe oder Gemeinschaft nicht nur wieder groß, sondern ihre scheinbare Größe und Einzigartigkeit zum Maßstab aller gemacht werden soll.

Da ist man aber wohl noch in den Anfängen.

Wichtig erscheint mir hier die Betonung von Anti-Egalitarismus und rücksichtslosem Konkurrenzstreben bei der SDO, die gruppenbezogenen Abwertungen zugrunde liegen. Um noch einmal daran zu erinnern, SDO ist der stärkste Prädiktor fürs Wählen rechter Parteien (s. o.).

Diese Kausalkette ist auch, wie mehrfach gezeigt und empirisch belegt, in sich schlüssig. Die Annahme der Kausalität von tatsächlicher sozialer Benachteiligung, dem insgeheimem Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit durch die dazu notwendige Umverteilung und dem Wählen rechter Parteien (aus angeblichem Protest) konnte hingegen nicht - weder logisch noch empirisch - bestätigt werden.

Hier kann man sich noch ein ganzes Buch runterladen:

Die AfD – psychologisch betrachtet

Dort wird auch noch mal bestätigt, “dass AfD-Wählende im Vergleich zur übrigen Wählerschaft besonders hohe Autoritarismuswerte aufweisen.”

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