Zu 2.: Als ein Tool sollte man Einfuhrzertifikate, denke ich, auf jeden Fall anschauen und in der Toolkiste behalten. Ich denke aber nicht, dass wir das inflationär einsetzen sollten. Wie schon gesagt, ökonomische Effizienz kann Sinn machen. Die USA haben z.B. Einfuhrzölle auf PV-Module aus China, ohne das dadurch auf breiter Front amerikanische PV-Unternehmen aus dem Boden gestampft wurden. Das einzige was passiert ist, PV-Anlagen lohnen sich nicht mehr so sehr verglichen mit z.B. Gas. So ein Instrument will mit Fingerspitzengefühl eingesetzt werden :).
Zu den Handelskriegen, absolute Zustimmung! Wir sollten den Freihandel nicht stumpf durchziehen, sondern intelligent abwägen, wo und mit wem. Ich hatte lange die Hoffnung, dass die WTO noch rettbar ist, aber habe da immer weniger davon. Ich sehe da mittlerweile eher die Entwicklung der bilateralen Handelsabkommen, die einen Freihandel zwischen „willigen Partnern“ sicherstellen als Lösung, die sich durchsetzt. Wobei ich für das Thema leider kein Experte bin :).
Zu 3.: Ist auf jeden Fall eine Idee, ja! Ich denke, dass wir alle darin übereinstimmen, dass die DOGE-Arbeit eher geschadet hat als etwas gebracht hat. Ich sehe das Potenzial z.B. KI-Systemen oder klassischen Modellen wie System Dynamics usw. einzusetzen um Interaktionen vorher zu sehen und Vorschläge zu generieren, wie wir Bürokratie effizienter gestallten. Was dabei halt nicht passieren darf, ist, dass wir interne und schützenswerte Informationen wild in irgendwelche privatwirtschaftlich betriebene oder von anderen Staaten-kontrollierte Systeme hochladen. Mit veröffentlichten Gesetzen, Informationen usw. sollten wir hier aber schon einmal sehr weiter kommen können 
Zu 4. Menschen in Berufen zu halten, die keinen Nutzen produzieren ist ineffizient, ja. Das gilt leider aber für sehr viele Berufe in der modernen Gesellschaft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich dieses Problem nicht lösen lässt indem wir den Kündigungsschutz aufweichen, den Länder inden der Kündigungsschutz geringer ist haben die gleichen Probleme.
Eine stärkere Arbeitslosenversicherung ist KEINE Lösung dafür. Bei einem Job geht es nicht ausschließlich darum Geld zum Überleben zu verdienen. Die sozialen und psychischen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit sind mittlerweile gut bekannt. Ich sehe hier allerdings ebenfalls nicht die Lösung darin, dass wir Menschen in Beschäftigungstherapie belassen, da bin ich bei Ihnen. Ich habe leider keinen Zugriff auf den Economist-Artikel.
Einige andere hatten hier Ausschnitte geteilt. Ich stimme der Aussage zu, dass die Risikobereitschaft geringer ist. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das ausschließlich an den Kündigungsschutzregelungen liegt, aber die machen die Situation definitiv nicht besser.
In der Wissenschaft haben wir ja z.B. Zeitverträge, die das Risiko klar begrenzen. Daraus ergeben sich dann ganz andere Probleme, z.B. Brain Drain, Zukunftsangst der Mitarbeitenden, mehr Konkurrenz/weniger Kollaboration, usw.. Vielleicht gibt es insgesamt andere oder bessere Wege, die Risiken für alle Seiten zu begrenzen und die Planbarkeit zu erhöhen. z.B. kann ich mich ja (mehr oder weniger) freiwillig für eine riskantere und temporäre Stelle bewerben. Vielleicht sollten wir im Sinne der Vertragsfreiheit erlauben, dass in Arbeitsverträgen (z.B. wenn diese außerhalb des Tarifvertrags stattfinden, was dann meistens nur bei Verträgen die über tariflich vergüten der Fall ist) andere Kündigungsfristen usw. verankert werden dürfen. Teilweise geht das ja heute schon. Die gelebte Realität ist ja bzgl Arbeitszeit z.B. auch komplett anders als das was auf dem Papier steht, wenn man in einem StartUp oder in der Forschung arbeitet.
Wir sollten darüber reden was wir wie anpassen können und wollen. Wir sollten mMn allerdings nicht in blindem Aktionismus Regeln z.B. aus den USA übernehmen. DAS wir Dinge ändern müssen, insb auch durch die KI-Disruption ist denke ich klar, zumindest in meinem Umfeld ist das gar keine Frage mehr ob, sondern nur wann. Hier kommt ja z.B. dazu, dass viele Juniorstellen gar nicht mehr ausgeschrieben werden. Aber das ist mMn auch ein anderes Thema.
Bzgl Risikbereitschaft, absolut. Auch wenn ich mit Nassim Nicholas Taleb in vielen Punkten nicht überein stimme, sehe ich doch, dass wir „Skin in the Game“ in D auf breitem Feld nicht mehr belohnen und auch nicht mehr einfordern, sondern „Cover your Ass“ das Mantra ist.
Ich fände es schön, wenn wir z.B. die Möglichkeit schaffen Gesetzesänderungen auszuprobierne, z.B. durch Gesetze die ein Ablaufdatum und Erfolgskriterien haben. Dann würden wir uns endlich auch mal wieder etwas mehr ehrlich machen.