Was erzeugt Populismus? Eine Meta-Analyse kausaler Evidenz auf Basis Cambridge University Press

Aufs ‘Kleingedruckte’ kommt es hier an:

[R]elated to the notion of insecurity, status loss12 (Gidron and Hall 2017), and status discordance13 (Kurer and Van Staalduinen 2022) appear to be a stronger predictor of the populist vote than more direct measures of economic deprivation, such as unemployment. This underpins the importance of utilizing fine-grained measures of economic insecurity, as emphasized in our study.

(Hervorhebung von mir)

Das wurde hier schon mal recht gut beschrieben:

Laut den ISSP-Umfragen war eine Gruppe besonders anfällig für die Propaganda rechter Parteien: Menschen, die sich selbst viel weiter oben in der Status-Hierarchie verorten, als ihr Einkommen vermuten lässt.

Es sind also Menschen, bei denen Wunsch und Wirklichkeit besonders weit auseinanderklaffen. Und die darunter zu leiden scheinen, dass sie sich stark mit anderen vergleichen.

[…] Patrick Forber von der Tufts Universität in Boston setzt das Ultimatum-Game ein, um zu verstehen, was solch destruktives Verhalten begünstigt.

Er hat dabei herausgefunden, dass dies meistens im Kampf um sozialen Status passiert. Wenn sich der Wettkampf um Plätze in der sozialen Hierarchie intensiviert, versuchen die Zurückgelassenen anderen zu schaden, um ihren Platz in der Rangordnung wiederherzustellen.

Man findet diese Logik sehr explizit bei den Anhängern rechter Parteien wieder, die sehr wohl ahnen, dass sie wirtschaftlich leiden könnten, wenn ihr Land zum Beispiel die EU verlässt oder hohe Zölle einführt. Aber sie gehen auch davon aus, dass andere Gruppen noch stärker darunter leiden werden als sie. Dass die Gesellschaft als Ganze vielleicht etwas ärmer werden wird – aber dass ihr eigener sozialer Status in der neuen Ordnung höher sein wird als vorher.

https://archive.is/KquhE

Aus der empirischen Psychologie, für die politologische Studien (weitgehend) blind sind, weiß man wiederum, dass nur bestimmte Menschen so ticken, nämlich insb. solche, die hohe Werte bei der SDO haben:

Social dominance orientation (SDO) is a personality trait measuring an individual’s support for social hierarchy and the extent to which they desire their in-group be superior to out-groups. […] It is a predisposition toward anti-egalitarianism within and between groups.

Individuals who score high in SDO desire to maintain and, in many cases, increase the differences between social statuses of different groups, as well as individual group members. Typically, they are greedy and seekers of power.

Zusammen mit der politischen Einstellung des Autoritarismus (Right-Wing-Authoritarianism, kurz RWA) bildet SDO das stärkste Prädiktorenpaar für Vorurteile.

(Wikipedia)

Das Ding ist nun folgendes: Solche Leute interessieren sich nicht für mehr soziale Gerechtigkeit, sondern nur für den eigenen Platz in der gesellschaftlichen Status-Hierarchie.

Dies sei erwähnt, weil viele Linke glauben, dass man mit einer linkeren Politik rechtes Wahlverhalten stark verringern könnte.

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