Warum private Stromspeicher gut fürs Netz sind

Hallo zusammen,

in der aktuellen Lage berichtet ihr ja über die Möglichkeiten zum Einsatz privater Stromspeicher. Ein Punkt der mir hier zu kurz kommt ist die Perspektive der Netzbetreiber. Wir haben ja öfter im Sommer den Fall großer Stromerzeugung im Norden und großer Verbraucher im Süden. Aufgrund des fehlenden Netzausbaus kriegen wir den Strom vom Norden aber nicht in den Süden (Stichwort Redispatch). Diese Ungleichheit im Netz wird aber nicht über den Strompreis an der Börse abgebildet. Wenn jetzt zu diesem Zeitpunkt die Strompreise womöglich hoch sind (aufgrund des hohen Bedarfs im Süden) fangen möglicherweise alle Speicher an, ins Netz einzuspeisen und belasten das Netz (vor allem im Norden) noch mehr. Der Netzbetreiber hat hier auch überhaupt keine Steuerungsmöglichkeit. Ohne steuerbaren Eingriff der Netzbetreiber könnte das zu Situationen wie in Spanien/Portugal führen. Eine sehr gute Lösung wären hier verschiedene Strompreiszonen wie es sie in andern Ländern längst gibt. Natürlich würde das den Strompreis in Süddeutschland (bei einer Nord/Süd-Trennung) erhöhen, aber spiegelt eben die Realität wieder.

Und noch ein Punkt den ich aus meiner Perspektive (Einfamilienhaus in Südbayern, 3 Personen, PV Anlage (8,25kWp, Stromspeicher 5,5kWh, E-Auto mit 50kWh) mal anbringen möchte. Der nutzen des bidirektionalen Ladens wird meiner Ansicht nach völlig überbewertet. Im Sommer habe ich so viel Strom dass ich nicht mehr weiß wohin damit ;). Bedeutet das Auto ist immer voll und ich speise sowieso recht viel ein. Bei den dynamischen Stromtarifen ist es auch im Sommer eigentlich immer so, dass die Preise recht gering sind (Bezug und Einspeisung). Da fahre ich auch mit meinen derzeitigen 8 Cent Standardvergütung nicht so viel schlechter. Im Winter sind auch die dynamischen Preise höher und ich habe kaum Ertrag aus meiner PV. Wenn ich hier Ertrag habe, dann wird der im Haus (Wärmepumpe/Stromspeicher/Haushalt) verbraucht. Da bleibt kaum was über, das ich Einspeisen könnte. Wenn ich jetzt mein Auto auch noch nutze um in die Arbeit zu fahren (was ja gerade im ländlichen Raum überwiegend der Fall ist) wann habe dann noch die Möglichkeit den Auto Akku zum Einspeisen bzw. zum Zwischenpuffern zu nutzen. Maximal in der Übergangszeit aber selbst da, müsste das Auto ja zuhause stehen… Für mich (und wahrscheinlich viele andere Nutzer) wird der Nutzen hier völlig überwertet.

2 „Gefällt mir“

so läuft die Börse nicht. Die Börse simuliert die “Kupferplatte”, der Windstrom macht den Strompreis also billig, und die Redispatch-Kosten landen dann in der Preiskomponente “Netzentgelte” (weil das Wegwerfen und Nacherzeugen=Redispatch sozusagen als felhende Leitung unter Netz verbucht wird).

Das Problem wäre schlimmstenfalls eher, dass Speicher im Süden sich aus dem Netz bedienen, obwohl der vermeintlich billige Strom teuer redispatcht wurde. Im Sommer, wo die PV genug liefert, wird aber der Netzbezug ohnehin gering sein. Die Situation ist eher im Winter zu befürchten, wenn an einem Wochenende wenig Verbrauch erwartet wird, und daher der Windstrom allein den Preis in den Keller treibt.

Der Witz an der unter dem Stichwort MiSpeL von der BNetzA geplanten Regelung ist, dass du nicht auf dem vollen Speicher hocken bleiben musst, sondern ihn Tag für Tag ins Netz entladen kannst, wenn der Strompreis hoch ist - meistens etwa 18-20 Uhr und 6-8 Uhr am nächsten Morgen. Der Börsenpreis liegt da täglich bei 10 bis 12, manchmal auch 20ct/kWh oder mehr - was der Direktvermarkter daraus für dich macht, da fehlen mir Praxisbeispiele. Durch das Entladen ins Netz hast du dann im Speicher Platz, um in der Mittagszeit zu laden, wenn du womöglich wegen negativer Preise gar nichts bekämst.

Also um die Überschrift zu beantworten: private Stromspeicher können gut fürs Netz sein, noch sind die Anreize dafür gering, aber es ist in der Mache.

Es gibt m.W. auch schon gewerbliche Stromspeicher als Investitionsobjekte. Ich saß kürzlich bei einem auf Energiesysteme und -management spezialisierten Betrieb, der über eine Schwestergesellschaft solche als Fullservice-Leistung anbietet, ähnlich wie auch Freiflächen-PV-Anlagen

Es wird ein Grundstück gepachtet, auf den ein großer Stromspeicher gestellt wird, der in billigen Stromzeiten aus dem Netz lädt und in teuren Stromzeiten ins Netz einspeist.

Ja, hier in der Umgebung werden gerade viele große Stromspeicher geplant (oder zumindest die Netzanschlüsse angefragt). Einige sind auch schon umgesetzt. Auf die großen Speicher kann der Netzbetreiber ja auch Einfluss nehmen, ähnlich wie auf große PV Parks etc. Aber eben nicht auf die kleinen Hausspeicher und Haus-PV Anlagen.

Okay. Ich hatte mal im enPower Podcast (leider die Folge auf die Schnelle nicht gefunden) gehört, dass es wohl ein Problem werden könnte, weil die Netze Deutschlandweit ungleich belastet sind, und das dem Stromspeicher ja “egal” ist. Wenn durch die Einspeisung ein Gewinn erzielt werden kann, dass speist der Speicher ein, egal wo in Deutschland. Aber wenn dem nicht so sein sollte, umso besser :slight_smile:

In meinem Umfeld wurde gerade ein Angebot für die Pacht einer landwirtschaftlichen Fläche für so eine Nutzung gemacht. Das war deutlich profitabler als für Freiflächen-PV, der Business-Case scheint also durchaus real zu sein.

Für diese Anwendung ist aber anscheinend die Einspeisekapazität entscheidend. Da muss ein Umspannwerk mit erheblicher freier Kapazität in direkter Nähe sein, sonst funktioniert das nicht. Die Speicher sollen im Idealfall Mehrere Ladezyklen pro Tag durchlaufen, wofür es möglich sein muss einen erheblichen Teil ihrer theoretisch möglichen Einspeiseleistung auch zu realisieren.

Speicherprojekte werden mit 1 oder 2 Ladezyklen pro Tag gerechnet, da wir in Deutschland eine Vormittags und einen Abendsspitze im Strompreis haben.

Hier mal für letzte Woche ein Diagram von energy-charts:

Gut zu sehen, sind die zwei täglichen Spitzen. Der Spitzenstrompreis ist dabei häufig nur für wenige Minuten verfügbar. Bsp.:

23.09. 18:30 16.7 ct/ kwh
23.09. 18:45: 22.7 ct /kwh
23.09. 19:00 26.6 ct /kwh
23.09. 19:15 23.9 ct /kwh
23.09. 19:30 20.2 ct /kwh

Man halt also nur ein kleines Zeitfenster um den maximalen Gewinn zu realisieren, daher benötigt man volle Einspeiseleistung. Je mehr Speicher wir besitzen, desto kleiner werden die Unterschiede. Das Bsp. was ich gebracht habe war auch ein sehr extremes Beispiel, aber 0.5C sollten nicht unterschritten werden. (2h zum Entladen/Laden)

Da wir allerdings gewaltige Energiemengen benötigen, bedeutet das eben auch große Leistung und damit dicke Kabel. Je näher man an einem Umspannwerk ist, desto billiger wird es.

In Förderstedt entsteht grade einer der größten Speicher Deutschlands mit 600MWh Netto-Kapazität und 300 MW Leistung, direkt neben dem Umspannwerk.

2 „Gefällt mir“

Das große Problem der Heimspeicher ist, dass diese nicht Netzdienlich sondern, grade Netzschädlich betrieben werden. Egal ob Sommer oder Winter, wenn die Sonne scheint produziert die Solaranlage massig Strom. Auch im Winter, 10:00 morgens ist der Speicher gefüllt und die Anlage speist ein. Von 0% Einspeisung auf 70% Einspeisung innerhalb von 1 Stunde. Das belastet das Netz extrem. Insb. da wir nicht nur einen Tag schönes Wetter haben, sondern mehrere Tage, die Speicher sind daher nie leer.

Besser wäre es, wenn die Heimspeicher zur Bedarfs-Hochzeit einspeisen würden und zur Produktions-Hochzeit geladen werden würden. Allerdings gibt es aktuell keine Anreize dies zu tun.

Hier mal die Zahlen der Speicherkapazität um das potenzial zu verdeutlichen.
18.51 GWh Heimspeicher (83%)
0.7 GWh Industriespeicher
3.04 GWh Großspeicher

Quelle: Battery Charts - Daten zu stationären Batteriespeichern in Deutschland

Und noch zur Einordnung von Energiecharts, am 15.06.2024 (ein guter Tag) hatten wir ungefähr 151.3 GWh Fossile Produktion (selbst zusammengerechnet). Besseres Lastmanagement, bisschen mehr Erneuerbare und ein bisschen mehr Speicher und wir könnten die Fossilen streichen.

1 „Gefällt mir“

Ich kann hier nur aus zweiter Hand berichten (aus der Praxis, Ebene Stadtwerke, welche alle denkbaren Domänen der Energiewirtschaft vertritt wie Herstellung, Ein- und Verkauf, Verteilung, Stabilisierung, Regulierung und all den alltäglichen Nickeligkeiten, die aus höherer Warte unsichtbar sind).

Die kurze Antwort aus dieser Sicht lautet: Nein, sie sind unter bestimmten Bedingungen willkommen. Warum? Weil private Energieerzeuger in der Regel dann Energie erzeugen, wenn gerade mehr als genug da ist (“die verschmutzen mir mit ihren Anlagen meinen schönen Strom”, gemeint ist damit eher das Netz bzw. die fehlende Steuerbarkeit der Kleinanlagen). Die Lösung wäre in dem Fall, den Strom nicht einzuspeisen, sondern zu speichern und dann in der Nacht zu verbrauchen bzw. abzugeben.

Wird mit den Speichern allerdings spekuliert (marktdienlich), wird das aus Netzsicht eher ungern gesehen. Es ist für die Versorgungssicherheit irrelevant, dafür kann es aufgrund von Regulierungslücken (es gibt nicht nur zu viel, sondern auch schlechte Bürokratie) in bestimmten Situationen zu rechtlichen Problemen und sogar zu volkswirtschaftlichem Schaden kommen.
Das trifft wohl aber eher auf die derzeit massiv im Aufbau befindlichen “Zocker”-Speicher zu, nicht die kleinen Batterien, die Onkel Felix unter die Solaranlage gestellt hat.

1 „Gefällt mir“

Heimspeicher sind heute noch reine Privatsache:
Jeder optimiert nur den Eigenverbrauch.
Für den einzelnen Haushalt logisch, aber fürs Netz praktisch nutzlos.

Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach folgende Asymmetrie:
Strom einkaufen geht inzwischen marktbasiert über dynamische Tarife, beim Verkauf hängt man weiter an der starren EEG-Vergütung (7-9 Cent, egal wie hoch der Börsenpreis gerade ist).

Damit fehlt Privathaushalten jeder finanzielle Anreiz, netzdienlich einzuspeisen.

Der entscheidende Hebel hierfür wäre die konsequente Bündelung der kleineren privaten Heimspeicher zu größeren Stacks bzw. virtuellen Kraftwerken. Erst wenn hunderte oder tausende kleine Speicher wie ein einziger Großspeicher auftreten, können sie relevante Überschüsse aufnehmen, Lastspitzen glätten und somit Flexibilität ins Netz bringen.

Ebenfalls sollte man Speicher, die nachweislich netzdienlich betrieben werden, von Netzentgelten befreien. Denn diese helfen ja dann dabei, Leistungsspitzen im Netz aufzunehmen und Abregelungen von Erneuerbaren zu vermeiden (was generell dringend reduziert werden muss → technisch betrachtet ist jede Abregelung schlicht absurd und traurig).

Mit einem Heimspeicher von vielleicht 5 kW Entladeleistung kann man schlecht in die Direktvermarktung gehen. In einer Gruppe von hundert solcher Speicher sieht das aber schon ganz anders aus.

1 „Gefällt mir“

Ob jetzt viele kleine Speicher als kleine Speicher auftreten oder als ein virtueller Großspeicher, ist erst einmal völlig egal, in Summe haben sie eine Kapazität zur Energieaufnahme, die unabhängig von der Handhabe ist. Wichtig ist nur, dass sie in Zeiten von Energieüberangebot speichern und zu anderen Zeiten abgeben. Notwendig für das Auftreten eines solchen Szenarios wäre lediglich die Abschaltbarkeit der Heimanlagen (meist nicht gegeben) durch den zuständigen Netzbetreiber und bei Anlagen, die kontrolliert einspeisen, eine Abschaffung der fixen Einspeisevergütung.

Ansonsten (wie gesagt, zweite Hand Information) installieren gegenwärtig ausschließlich die Netzbetreiber Anlagen, welche der Netzstabilität (Redispatch, Frequenzstabilisierung, Spannungsstützung, …) dienen. Alle privat installierten Anlagen (ich meine nicht die Heimanalgen) haben den einzigen Zweck, Arbitrage auszunutzen und bieten (genau weiß man das noch nicht) geg. die einfache Möglichkeit, Gewinne einzufahren.

Der Versorgungssicherheit sind Batteriespeicher grundsätzlich nicht dienlich, weil die Kapazität Größenordungen (!) zu niedrig ist.
In Deutschland gibt es genügend Speichermöglichkeiten, die “versorgungsdienlich” wären (Gaskavernen etc.), allein fehlt es an der Infrastruktur und wahrscheinlich auch am Geld, zudem stehen diesen Bestrebungen die fixen Einspeisevergütungen im Weg.

Noch ein abschließender Punkt: Häufig werden Fahrzeuge dem Energiesystem zugerechnet. Das halte ich für groben Unsinn. Der Zweck von Fahrzeugen ist die Mobilität (und zwar ausschließlich) und nicht die Netzstabilisierung oder energetische Notreserve. Hätte ich die Wahl, würde ich mein Fahrzeug auf keinen Fall dem Energiesystem zur Verfügung stellen.

Das stimmt soweit nicht. Es gibt schon länger das virtuelle Kraftwerk von Sonnen (Alles über VPP - unser virtuelles Kraftwerk | sonnen), dass sogar Regeleneergie bereitstellt. Nach deren Angaben sind sie allerdings in Deutschland das einzige virtuelle Kraftwerkskonzept, dass für Regelenergie zugelassen ist. Es geht also bereits. Auch bei großen Batterien spielt das Angebot von Regelleistung eine Rolle. Es gibt z.B. Anbietende, die aus Autobatterien Speicher ans Netz bringen (keine VPPs, sondern lokale Großspeicher ( Großspeicher in Grevesmühlen ). Diese bieten auch Regelleistung an. Aber auch etablierte Player machen nicht nur Arbitrage mit ihren Speichern ( 220 Megawatt zur Stabilisierung des Netzes: RWE stellt Batteriespeicher in Hamm und Neurath fertig ). Von daher scheint deine Quelle da nicht auf dem aktuellen Stand zu sein oder noch auf der typischen Schiene vieler Stadtwerke/VNBs, die sich gegen Veränderungen sträuben.

Auch hier: Nur weil sie nicht alleinig dazu in der Lage sind, bedeutet es nicht, dass Batterien nicht schon einen Beitrag leisten. Grundsätzlich können Batterien nämlich sehr gut dazu beitragen, dass das Netz stabil ist und Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann.

Das Argument ist in etwa so, wie wenn man am Anfang der Energiewende gesagt hätte, dass die Erneuerbaren ja nichts bringen, weil die Kapazität zu gering ist. Sie sind also hinsichtlich eines CO2-neutralen Stromsystems nicht hilfreich. Wieso bei Gaskavernen die Infrastruktur im Weg steht erschließt sich mir nicht. Die sind doch gerade ans Gasnetz angeschlossen und tragen zur Versorgungssicherheit bei. Nur eben, dass es da in Zukunft hoffentlich weniger Erdgas benötigt, weil eben Batterien einen Teil z.B. der Gaskraftwerke ersetzen können und damit weniger Emissionen entstehen (sofern der Strom zu Zeitpunkten mit viel EE eingespeichert wurde).

Das scheint die Position deiner Quelle auch zu bestätigen. Mit mehr EE und dezentralerer Erzeugung ist es anspruchsvoller das Netz zu steuern. An sich sind aber Batterien ja genau hier hilfreich, weil sie zu Zeiten von einem hohen Angebot einspeichern können. Hier dann noch von Zocker-Speichern zu reden ist dann aber auch schlicht populistisch und falsch. Es braucht eigentlich viel mehr Speicher, die mit dazu beitragen, dass Erneuerbarer Strom nicht abgeregelt werden muss, sondern eingespeichert wird und zu Lastspitzen wieder vermarktet wird. Die Speicher, die schon am Netz sind und so aggieren profitieren aktuell schlicht davon, dass sich Netzbetreibende zum einen schlicht durch passives Unterlassen darauf ausruhen, dass neue Projekte sher viel Aufwand haben überhaupt angeschlossen zu werden und damit möglichst lange von der volatilität profitieren können.

Klar ist die Regulierung an vielen Stellen noch anzupassen, aber Batteriespeicher, sowohl private, wie auch Großbatterien, sind prinzipiell ein elementarer Bestandteil des zukünftigen Systems.

3 „Gefällt mir“

Letzteres erscheint mir eine sehr steile These, da Stadtwerke häufig im Besitz von Gemeinden sind, bei welchen, jedenfalls noch und im Süden, die Grünen einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Ausrichtung der Stadtwerke haben. Mag in anderen Regionen anders sein.

Wie das Geschäftsmodell von Sonnen aussieht, weiß ich nicht. Generell sind das aber Ausnahmen, da Gewinnmaximierung durch Arbitrage und Netzdienlichkeit einen Zielkonflikt darstellen.

Zudem kommen hier Effekte zustande, dass der Arbitragehandel zu virtuellen Geschäften führt (führen kann), in welchen zwar Energie gekauft und verkauft wird, aber am Ende des Tages kein einziges kWh durch das Netz fließt (virtueller Leistungstausch). Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass Marktteilnehmer in solchen Situationen lieber Regelleitstungen bereitstellen anstatt auf diese Weise aktiv zu werden.

Bei der Kapazität des Großspeichers muss man beachten, dass die tatsächliche Speichergröße im Durchschnitt nur bei 50 % der maximalen Kapazität liegt.

Der Speicher von RWE ist natürlich netzdienlich, da RWE auch als Netzbetreiber auftritt und aus purem Eigeninteresse handelt. Schrieb ich ja so.

Sie können stabilisieren, aber der Versorgungsicherheit dienen sie nicht. Dazu ist deren Kapazität zu gering. Die aktuelle Auslegen scheint so zu sein, dass sie bei Engpässen maximal 1-2 h durchhalten, wenn sie nur halb geladen sind, weniger. Damit ist Frequenzstabilisierung und geg. Redispatch möglich, aber keine Versorgungssicherheit. Auch nicht als Baustein.

Dazu wären in großem Umfang Elektrolyseure bzw. Biogasanlagen notwendig. Ich sehe beides nicht im notwendigen Umfang, und ich weiß auch nicht, ob unter den aktuellen Umfang hier jmd. investieren möchte. Ist auch ein Regulierungsthema.

Ich hatte die privaten Speicher von der Zockerthese ausgenommen. Das betrifft ausschließlich die Speicher, die den Arbitragekuchen anknabbern möchten, und lt. Aussage sind das eben der Großteil der aktuellen Investments. Wenige Ausnahmen ändern da nichts, und die Zeit wird zeigen, ob Arbitrage sich dauerhaft lohnt. Im Moment scheinen die Investoren das so zu sehen.

Die Netzbetreiber müssen derzeit eh genug investieren und können das auch nicht endlos an ihre Kunden weitergeben. Ich hatte einmal einen Vortrag des EnBW-Vorstands über die Energiewende gesehen (nur das PowerPoint, nicht den Vortrag). Die geschätzten Netzausbaukosten waren astronomisch (ich mag das jetzt nicht suchen), und das war vor Corona. Am Ende geht es um Geld und nicht um Technik.

Es benötigt nicht nur die Unmengen an Kapital, es sind auch die Regulatorien zu beachten und die Firmen, die das alles bauen müssen, gibt es auch nicht in ausreichender Kapazität.
Die Stromwende ist halt nicht wie bei Harry Potter mit witschen und wedeln auf die Bretter gebracht.

Kleine Randbemerkung, aber Arbitrage ist hier glaube ich der falsche Begriff. Spekulation trifft es eher.

Arbitrage (von französisch arbitrage, von lateinisch arbitratus „Gutdünken, freie Wahl, freies Ermessen“) ist in der Wirtschaft die ohne Risiko vorgenommene Ausnutzung von Kurs-, Zins- oder Preisunterschieden zum selben Zeitpunkt an verschiedenen Orten zum Zwecke der Gewinnmitnahme. Gegensatz ist die Spekulation, die solche Unterschiede innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausnutzen will und, da sie auf die Zukunft gerichtet ist, mit Risiken behaftet ist.

RWE ist kein Netzbetreiber. Ja, RWE hält Anteile an Amprion, aber das sind zwei voneinander unabhängig operierende Unternehmen. Seine Verteilnetzsparte ist schon 2018 an e.on übergegangen. Durch das Unbundling hat Amprion auch keinen direkten Einfluss auf den Speicher bezüglich der wirtschaftlichen Strategie und dem aggieren auf den unterschiedlichen Märkten (z.B. Daz-Ahead, Intra-Day oder Regelenenergie). Da es auf deine Aussage bezogen war, dass nur Netzbetreibende Speicher installieren, die Netzdienlich sind nochmal: Das ist schlicht nicht zuteffend.

Dazu auch noch etwas ganz praktisches: Netzbetreiber dürfen laut §7 EnWG per default erst mal keine Speicher betreiben. Das wird zwar für viele wieder direkt eingeschränkt und es gibt weitere Ausnahmen, aber das ist alles nicht ohne bürokratischen Aufwand zu erledigen (§ 7 EnWG - Einzelnorm, https://www.bbh-blog.de/alle-themen/einsatz-von-stromspeichern-durch-netzbetreiber-moeglichkeiten-und-bedingungen/). In der Praxis wird z.B. die option gewählt die netzdienlichen Speicher auszuschreiben. Das wird wiederum nur genehmigt, wenn der Netzausbau teurer wäre. Wenn nun der hauptsächliche Betrieb des Speichers das Einspeichern von Strom bei viel EE udn Ausspeichern zu Zeitpunkten mit hoher Nachfrage und wenig EE ist, dann passiert nichts anderes als ein von dir angeprangerter Speicher wohl auch machen würde. Schlicht, weil der Preis bei viel EE gering ist und im anderen Fall hoch.

Ja es kann sein, dass es lokal viel EE gibt, aber der Preis in der deutschen Strompreiszone hoch. Allerdings sollte der andere Fall deutlich überwiegen und damit der Speicher quasi das machen, was der private Speicher auch macht. Nur, dass wir dafür nun ein weiteres Dienstleistungsentgelt ind Form der Netzentgelte zahlen. Etwas, dass vermutlich nicht sein müsste, wenn man an der geeigneten Stelle einem Unternehmen erlaubt einen Speicher anzuschliessen (das Unternehmen wird vermutlich die Gewinne aus dem Handel mit Strom zur Bereitstellung der Dienstleistung an Netzbetreibende nicht weittereichen).

Aber was dann, wenn alles andere nicht geht? Weiter fossiles Gas und andere Optionen ausbremsen, weil sie ja noch nicht so weit sind. Vielleicht lohnt es sich da mal z.B. nach Kalifornien zu schauen. Da sind Batteriespeicher inzwischen so essentiell, dass sie sowohl die Preise stabilisieren als auch dazu beitragen, dass die Duck-Curve nicht mehr so extrem ausfällt ( In CAISO, Solar Generation Jumps Again While Batteries Reshape Demand , hat dazu auch viele Abbildungen eingebaut).

Genau. Sie sind verflochten, und demzufolge hat RWE ein Interesse an einem stabilen Netz. Dass RWE kein eigener Netzbetreiber ist, ist lediglich ein Ergebnis von Regulierung.

Man muss dazu noch bemerken, das aktuell die betriebswirtschaftlichen Effekte von Speichern noch nicht klar sichtbar sind, da die Geschäftsfelder neu sind und die Regulierung aktuell noch Lücken haben. Letzteres taucht momentan allerdings in erster Linie in den Risikobetrachtungen von ISO 27001 usw. auf, ob da tatsächliche Relevanz dahinterhängt, weiß ich nicht.

Alles andere geht. Entsprechende Infrasturktur hinter die EE-Kraftwerke bauen ist zwar großtechnisch noch nicht erprobt, aber die Tech ist da. Es scheitert an der Regulierung, da ein Geschäftsführer rechtfertigen muss, warum er hinter sein ertragreiches Solarkraftwerk noch eine zusätzliche, renditeschmälernde weitere Anlage stellen soll.
Ich weiß nicht, was die aktuelle politische Planung ist, aber solange Kraftwerke noch für virtuellen Strom bezahlt werden, wird überschüssige Energie nicht in Wasserstoff oder Gas umgewandelt werden.

Das ist jetzt ein klassisches Verschieben des ursprünglichen Diskussionspunktes. Es ging darum, dass du behauptet hast, dass nur Netzbetreibende Speicher bauen würden, die netzdienlich sind. Nochmal, die Unternehmen agieren voneinander unabhängig und bei allen netzstabilisierenden Maßnahmen darf Amprion RWE auch nicht bevorteilen. Es gibt genug Gründe, um RWE zu kritisieren, aber der hier ist unzutreffend.

Da du wohl schlicht kein Freund von Batterien bist, nur so viel: Aus welchem Grund sollten wir auf etwas setzen (Wasserstoff), was aktuell noch nicht im Ansatz in einer ausreichenden Skala, und auch absehbar nicht, verfügbar ist? Ja, Wasserstoff wird eine Rolle spielen, aber viel mehr als Langzeitspeicher und nicht zu dem Zweck, den Batterien haben. Dazu kommt, dass Batterien schlicht die grünstigere Option sind, gerade wenn es um kurzzeitige Speicherung und Stabilisierung des Netzes geht. Zudem gibt es Batterien schon jetzt in der notwendigen Form am Markt und in der Größe. Wie gesagt, in der Praxis hat sich das in anderen Ländern schon bewährt. Ja, es ist da noch einiges regulatorisch zu regeln. Dazu gehört aber auch, dass Netzbetreiber nicht mehr so stark auf der Bremse stehen können, um den Batterieausbau zu blockieren.

Eine Batterie kann doch genau das machen. Strom einspeichern, wenn viel EE im Netz ist, und den Überschuss dann später ausspeichern. Gerade bei PV mit den Tageszeit-abhängigen Schwankungen ist das eine bessere Option, als die Wasserstoffroute zu nehmen.

Edit: Satzbau angepasst.

1 „Gefällt mir“

Strom fließt im Netz immer über eine Impedanz also einen frequenz- und lastabhängigen Widerstand. Daher kann man Speicher grundsätzlich auf zwei Seiten einsetzen: entweder auf der Erzeugerseite oder auf der Netzseite.

Das gilt für alle Speichertechnologien auch für Batteriespeicher. Allerdings kann man Batterien nicht einfach zwischen zwei Netzknoten setzen und erwarten, dass dadurch Netzengpässe gelöst werden. Das Nadelöhr ist die übertragbare Leistung im Netz, nicht die Energiemenge.

Um Netzengpässe wirklich zu entschärfen, müsste man Speicher vor dem Engpass-Knoten platzieren. Die Auslastung solcher Speicher ist aber meist schlecht, weil sie stark vom Einspeiseprofil und dem Firmwert (gesicherte Leistung) der angeschlossenen PV-/Wind-Anlagen abhängt.

Das Beispiel RWE Hamm ist deshalb kein klassischer Energiespeicher zur Arbitrage (günstig laden, teuer entladen), sondern ein Primär- und Sekundärnetz-Puffer. Er dient der Frequenz- bzw. Leistungsstabilisierung und dem kurzfristigen Kapazitätsausgleich nicht der langfristigen Energieverschiebung.