Auch wenn ich den Schlussfolgerungen in der Tendenz zustimmen kann, ist hier glaube ich ein Faktencheck fällig. Den gibt es im Prinzip hier [1] schon, da die Diskussion um Regelbarkeit von AKWs ja nicht wirklich neu ist. Hier habe ich eine Studie des TAB (Büro für Technikfolgenabschätzung des deutschen Bundestages) verlinkt und vorgestellt.
AKWs können demnach Lastwechsel mit ca. 10% Nennleistung pro Minute folgen. Zum Vergleich: Gasturbinen liegen bei etwa 12% und Kohlekraftwerke bei 2,5 bis 4%. Es stimmt also, dass AKWs langsamer als Gasturbinen sind, allerdings ist der Abstand gar nicht so groß und von mehreren Stunden für eine Änderung der Leistungsabgabe kann erst recht keine Rede sein. Interessant ist auch: die AKWs sind deutlich schneller als Kohlekraftwerke.
Es gibt allerdings einen signifikanten Nachteil, der französischen AKWs in der Vergangenheit wohl zum Verhängnis geworden ist: der Bereich, innerhalb dessen man die Leistung der AKW regeln kann, ohne dabei signifikant Lebensdauer zu verbrauchen, ist relativ klein (80 – 100% Nennlast). Das ist deutlich weniger als bei einer Gasturbine. Außerdem ist es deutlich teurer ein AKW in Teillast zu betreiben als eine Gasturbine.
Mein Fazit: spielt Geld eine untergeordnete Rolle, kann man mit AKWs schon Gas einsparen, weil sie Lastwechseln schneller folgen können, als z.B. Kohlekraftwerke. Ob das so signifikante Mengen wären, dass sie die in der Diskussion befindlichen Aufwände und Risiken wert wären, wage ich aber zu bezweifeln.
[1]
Edit: die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung müsste man vor dem Hintergrund des hohen Gaspreises nochmal wiederholen. Ein AKW ist halt im Regelbetrieb sehr teuer, weil die Investitionskosten hoch sind. Beim Gaskraftwerk sind letztere gering. Der Brennstoff ist allerdings inzwischen so teuer, dass der AKW Regelbetrieb in der Mittellast ggf. sogar günstiger sein könnte.