Interessanter Artikel dazu:
Leider hinter Paywall.
Die Zusammenfassung des Textes (per ChatGPT):
Die Kernaussage des SPIEGEL-Artikels: Kassenpatienten warten nicht zufällig länger. Das Vergütungssystem schafft für Arztpraxen einen deutlichen finanziellen Anreiz, Privatpatienten schneller zu behandeln.
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Bundeskanzler Merz bezeichnet die unterschiedlichen Wartezeiten als Gerechtigkeitsproblem, nennt aber noch keine konkrete Lösung.
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Eine SPIEGEL-Auswertung von rund 24.000 Doctolib-Suchergebnissen aus April und Mai 2025 zeigt erhebliche Unterschiede. Beispielsweise betrug die mittlere Wartezeit beim Lungenfacharzt 129 Tage für Kassenpatienten und 35 Tage für Privatpatienten.
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Hauptursache ist die unterschiedliche Vergütung:
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Kassenärzte müssen bei vollem Versorgungsauftrag mindestens 25 Wochenstunden für gesetzlich Versicherte anbieten.
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Das dafür verfügbare Honorar ist begrenzt. Zusätzliche Behandlungen erhöhen den Gesamtverdienst häufig nicht, sondern senken rechnerisch die Vergütung pro Fall.
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Privatversicherungen bezahlen dagegen grundsätzlich jede einzelne Leistung.
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Privatpatienten brachten einer Praxis 2023 durchschnittlich rund 74.000 Euro mehr Umsatz, als dieselben Behandlungen nach Kassentarif erbracht hätten. Die Ärzteschaft argumentiert, damit würden Personal und Geräte für alle Patienten mitfinanziert. Gleichzeitig erkaufen diese höheren Honorare faktisch frühere Termine.
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Seit 2019 werden bestimmte Kassenbehandlungen außerhalb des Budgets vollständig bezahlt – etwa über Terminservicestellen, dringende Hausarztüberweisungen und offene Sprechstunden. 62 Prozent der dringend vom Hausarzt vermittelten Patienten erhielten dadurch innerhalb von vier Tagen einen Facharzttermin.
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Für den SPIEGEL ist dies der entscheidende Beleg: Wenn die gesetzliche Krankenkasse ähnlich wie eine Privatversicherung bezahlt, bekommt auch der Kassenpatient schneller einen Termin.
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Das geplante Primärarztsystem soll Patienten künftig zunächst über den Hausarzt steuern. Es wird voraussichtlich frühestens 2028 wirksam und gilt nicht für Privatversicherte. Die unterschiedliche Behandlung beider Gruppen beseitigt es daher nicht.
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Gleichzeitig soll ab Januar 2027 die zusätzliche Vergütung für vermittelte Termine und offene Sprechstunden entfallen. Die bestehenden Verpflichtungen der Praxen bleiben jedoch bestehen.
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Erste Praxen planen deshalb Leistungskürzungen. Der im Artikel zitierte HNO-Arzt will wöchentlich 30 Sprechstunden beziehungsweise rund 180 Kassentermine streichen; dadurch entfällt eine Arztstelle.
Die Einschätzung aus meinem persönlichen Umfeld, in dem auch ein paar Ärzte vorhanden sind, deckt sich mit dem Artikel. Durch das pauschale Abrechnungssystem der gesetzlichen Krankenkassen ist die Behandlung von Kassenpatienten über dem Pauschalsatz einfach nicht sinnvoll. Man stelle sich vor, der Bäcker bekommt von Gesetzwegen vorgeschrieben, dass er zwar so viele Brötchen pro Woche verkaufen kann, wie er will, aber nur Geld für 1000 Brötchen bekommt. Ab dem 1001ten muss er sie kostenlos abgeben.
Die geplante Gesetzgebung wird das ganze weiter verschlimmern, sodass Kassenpatienten noch schwieriger einen Termin bekommen werden. Da die privaten Kassen die Leistungen bei jedem Patient zahlen (und diese auch noch höher sind), kann ich jeden Arzt verstehen, der offene Termin dann eher an Privatpatienten vergibt.
Und nur um das Argument vorweg zu nehmen: Ja, Ärzte verdienen gutes Geld. Das sagen auch alle in meinem Bekanntenkreis. Und keiner der Ärzte wird an den neuen Regelungen pleite gehen. Der große Nachteil, den ich an den Maßnahmen sehe, ist, dass die sowieso schon knappen Terminslots dadurch weiter verringert werden.
Als kleine Anekdote: Ich habe im Freundeskreis auch eine Person, die Herzkrank ist. Bei einem Kontrolltermin beim Hausarzt wurde etwas festgestellt, was mit dem behandelnden Kardiologen abgeklärt werden muss. Überweisung an Kardiologen → frühestmöglicher Termin ist in 8 Monaten. Na danke, vielleicht braucht man dann den Termin gar nicht mehr …