Hallo ihr beiden, ich höre sehr gerne euren Podcast und ihr seid der einzige Podcast bei dem ich sogar sehr gerne die Werbung höre, ich finde sie sehr gut ausgesucht. Bei der heutigen Folge mit der Werbung zum stromtarif habe ich mich gefragt warum der Ökostrom immer noch automatisch teurer ist als der günstige stromtarif. Wir haben eine Partei an der Regierung die sich explizit nicht als Verbotspartei sieht sondern Anreize setzen möchte. Wäre nicht ein Anreiz hier den Ökotarif günstiger anzubieten? Stichwort: EEG Umlage. Mich würde eure Einschätzung dazu sehr interessieren. Liebe Grüße
Die Tarife sind je nach Anbieter nicht unbedingt teurer. Zu den Beschaffungskosten gibt es zwei Varianten. Variante 1: Der Strom wird vom Anbieter auch an der Strom börse gekauft, wo Strom jeder Herkunft gleichviel kostet. Als Zusatzkosten kann es noch Herkunftsnachweise für den grünen Strom geben, doch diese sind quasi wertlos. Dafür gibt es ein zu großes Angebot. Variante 2: Der Anbieter hat langfristige Lieferverträge mit Wind- und Solarparks geschlossen. Diese können je nach Abschlussjahr niedriger oder höher sein als Strom mit identischen Herstellungsprofil an der Steombörse heute. Wie der Anbieter dann mit den Mehrkosten oder Einsparungen umgeht, ist sein Ding.
Ich hoffe, die Antwort hilft weiter? Die EEG-Umlage hat wenig mit dem Preis zu tun, die ein Anbieter für seinen Strom haben möchte. Insbesondere, da sie aus dem KTF und nicht von dem Stromverbraucher gezahlt wird.
An der Börse wird nicht zwischen teurem Strom aus Gasverstromung und günstigem Windstrom unterschieden. Kein Wunder, das Produkt, das bei uns aus der Steckdose kommt, ist für alle gleich. Elektronen tragen schließlich kein Herkunftsetikett. Deshalb erhalten alle Verkäufer von Börsenstrom denselben Erlös pro MWh, egal zu welchem Preis sie den Strom erzeugen. Grünstrom kann schon allein aus diesem Grund nicht günstiger sein als das Standardprodukt.
Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Börsenstrompreis bei 89 €.
Für zertifizierten Grünstrom müssen zudem Herkunftsnachweise gehalten werden. Laut ecoplanet.tech liegen die Mehrkosten solcher Nachweise bei
zwischen 0,50€ und 8€ pro MWh – je nach Quelle, Technologie und Herkunftsland.
Die Kosten liegen also bei bis zu 10 % des Börsenpreises, realistisch wohl eher bei 4–5 %. Hinzu kommt ein Aufschlag, weil Großkunden mit Grünstrom Greenwashing betreiben können und Haushaltskunden ihn aus gutem Gewissen kaufen, wodurch die Nachfrage und damit der Preis steigt.
Die aktuellen Zertifikatskosten liegen bei ca. 0,7-1,2€/MWh. Auf kWh umgerechnet sind es 0,08-0,12ct. Die hohen Werte aus Deinem Beitrag kommen aus der 2022er Zeit, als sowohl Nachfrage nach Strom als auch nach nachhaltiger Erzeugung größer war.
Bei den Kosten eines Stromtarifes sollten diese 0,1ct/kWh kaum auffallen
Den Zusammenhang verstehe ich nicht ganz. Kannst du erklären, was du meinst?
Grundsätzlich gibt es aus meiner Sicht zwei Arten von Ökostrom Anbietern.
A. Anbieter bietet Ökostrom an. Hat selbst keine Anlagen, oder nicht genügend und kauft einfach Grünstromzertifikate (Herkunftsnachweise). Z.B. aus Wasserkraft in Skandinavien. Die sind günstig. Damit ist der Ökostrom auch günstig. Bringt der Energiewende aber nix, weil der Strom hier physisch nicht ankommt und Norwegen sowieso den Strom verbraucht. Dort ist der normale Strom quasi Ökostrom, das Zertifikat wird nicht benötigt und verkauft.
B. Anbieter bietet “echten” Ökostrom. So bezeichnen Anbieter wie Naturstrom, EWS usw. ihren Strom, als Unterscheidungsmerkmal. Sie bauen selbst Anlagen in Deutschland und verkaufen genau diesen Strom an ihre Kunden. Wer echten Ökostrom möchte, muss auf das Grünstrom-Label achten.
Gründe, wieso das teurer ist:
- Herkunftsnachweise sein günstiger als selbst Anlagen zu bauen
- “Echte” Ökostromanbieter sind kleiner
- “Echte”Ökostromanbieter haben ggf. höhere Finanzierungskosten für ihre Projekte
- “Echte” Ökostromanbieter versorgen weniger Kunden. Somit weniger geglätteter Verbrauch. Ggf. müssen sie öfter spontan an der Börse Strom nachkaufen, was teuer ist (reine Vermutung)
Physisch aus der Steckdose kommt immer das gleiche.
Anders ist es, wenn man selbst auf lokalen Ökostrom zurückgreift. Der dann auch um einiges günstiger sein kann, als alle anderen Tarife
- PV auf dem eigenen Dach
- Balkon PV
- PV auf dem Mehrfamilienhaus, was an die Mieter über Energiegemeinschaft oder Mieterstrom verkauft wird
- PV Strom vom Nachbarn oder jmd anderem im gleichen Netzknoten (lohnt sich wohl aktuell nur für Immobilienbesitzer mit größerem Portfolio, die den Strom selbst im Netzgebiet verbrauchen. Z.B. Kommunen. Auf der Schule erzeugen, im Rathaus verbrauchen. Nicht der Verkauf an externe Kunden)