Verteidigungsfähigkeit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe über die Wehrpflicht hinaus

Richtig. Den Klimawandel habe ich in meiner Aufzählung aber bewusst weggelassen, da Deutschland dort sowohl für seine Ursachen als auch in seiner Bekämpfung nur teilweise verantwortlich ist. Anders als für unsere maroden Brücken und Schienen, die kaputten Schulen, die desaströse Bau- und Wohnungspolitik.

Das nicht, aber unsere Antworten können wir beeinflussen.

Bedeutet dann was? Also Antwort so, aber Handeln anders?

Die Demonstrierenden wollen ja gerade keinen Wehrdienst leisten. Ihnen dann zu sagen, sie sollen das am besten freiwillig tun, um zu verhindern, dass sie dazu verpflichtet werden, ignoriert doch den Kern ihrer Position.

Zumindest mal die Legitimität und mMn Verständlichkeit ihrer Forderung anzuerkennen, ohne sie so negativ wie möglich zu interpretieren und darauf basierend von vornherein zu verwerfen. (das hast du hier nicht gemacht, andere aber schon)

Die staatliche Verpflichtung ein Jahr lang militärisch ausgebildet zu werden, potentiell gegen den eigenen Willen, ist nun Mal ein krasser Eingriff. Das ist einfach so, selbst wenn man es als strategisch notwendig oder unausweichlich sieht

Aber was bedeutet das denn dann, wenn man den jungen Menschen zugesteht, das es ein krasser Eingriff ist, wir ihre Bedenken verstehen und respektieren, sie aufgrund weltpolitischer Erfordernisse trotzdem verpflichten müssen?

Ich sehe da ein ziemliches Dilemma

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Ich verstehe es immer noch nicht.
Ich mag nicht in der Pflege arbeiten, bin aber froh, dass es Leute gibt, die das gerne machen und würde nie dagegen auf die Straße gehen oder in Interviews sagen, wie schlimm und abartig ich diesen Beruf finde. Andere hassen Büro und Steuern und sind froh, dass es Leute wie mich gibt.
Dementsprechend müssten sie doch nach dem StFlorians-Prinzip hoffen, dass es genug gibt, die das doch gerne machen und nicht Anti-Kriegsdienst-Kampagnen starten. Das wird das Problem doch nicht lösen?

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Ja, das ist ein Dilemma.
Die öffentliche Kommunikation stellt aber dieses Dilemma oder die Nachvollziehbarkeit der Position der Jugendlichen trotzdem nicht wirklich in den Fokus.
Deutlich öfter höre ich, die Jugendlichen seien zu naiv, verwöhnt oder weltfremd.

Ich habe in einem Beitrag weiter oben Vorschläge für eine Politik gemacht, die auf die Interessen und Lebensrealitäten von Jugendlichen eingeht und sie als politischen Akteur überhaupt erstmal wahrnimmt. Das sind natürlich wenn überhaupt langfristige Maßnahmen, die jetzt akut nicht schnell viel ändern würden. Vielleicht hilft ein Blick in die vielen anderen Länder, die ebenfalls keine Wehrpflicht haben.

Der Vergleich hinkt auf mehreren Ebenen. Erstens steht keine Verpflichtung zum Pfleger werden im Raum. Dazu kommt, dass der Bereich Militär nahezu immer mit einer moralischen Abwägung einhergeht, die es bei der Entscheidung Pfleger zu werden so nicht gibt. Drittens gibt es über die spezifische Regelung der Wehrpflicht hinaus ja einen allgemeinen Trend zur Militarisierung. Dem kann man nun verschieden gegenüberstehen, aber auch hier gibt es keinen sinnvollen Vergleich mit dem Pfleger.

Dazu kommt, dass niemand gesagt hat, Soldaten seien alle schlimm und abartig. Die Forderungen sind doch sehr explizit auf die Ablehnung einer allgemeinen Wehrpflicht im Kontext der zunehmenden gesellschaftlichen Militarisierung ausgerichtet.

Wenn man wirklich davon ausgehen könnte, dass sich genügend Freiwillige melden, dann würde die Wehrpflicht auch nicht kommen und wir könnten uns die ganze Debatte sparen. Es ist doch nun aber offensichtlich, dass (fast) alle davon ausgehen, dass die Ziele so wie sie aktuell definiert werden mit den bisherigen freiwilligen Maßnahmen eben nicht erreicht werden.

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Was würde wohl passieren, wenn es zu wenige gäbe angesichts einer immer älteren Gesellschaft? Ist es denn so abwegig, dass es der Union gar nicht um Wehrpflichtige sondern um Ersatzdienstleistende geht?

Aber warum?

Verteidigungsministerium: Mehr freiwillige Wehrdienstleistende als im vergangenen Jahr | DIE ZEIT

Die Gesamtzahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten in den vergangenen zwölf Monaten stieg laut dem Verteidigungsministerium um mehr als 2.750 auf etwa 184.330. Zielmarke ist laut dem neuen Gesetz, kommendes Jahr zwischen 186.000 und 190.000 Aktive zu haben. Bis 2035 soll diese Zahl auf 255.000 bis 270.000 steigen.

Wir sind absolut im Soll.

Sicherlich ein Nebeneffekt, der gerne mitgenommen wird. Ob das jetzt aber der eigentliche Grund für die Wehrpflichtdebatte ist… Das bezweifle ich.

Das ist gut, wusste ich tatsächlich nicht. Es ist aber auch einfach nicht das was kommuniziert wird. Medial herrscht da eher ein Ton vor, wie er auch von der Lage kam: „Die SPD hat einfach Riesenprobleme. Die Jusos brauchen noch ein paar Jahre um sich der Realität zu stellen […] Alle wissen: sehr unwahrscheinlich, dass das [Anm.: die freiwillige Musterung] reichen wird.“ (LdN 454)

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Interessanter Aspekt.

Das ist ja auch der Punkt der mich etwas umtreibt.

Was wenn bestimmte Entwicklungen dazu führen das unsere Gesellschaft in wirklich ernste Probleme gerät, die nur durch gemeinsames Engagement zu bewältigen sind?

Mal etwas weg von einer Wehr-„Pflicht“:

Mal die fiktive Lage, das Putin nun doch Europa soweit destabilisieren will, das es quasi zusammenbricht.
Und guckt sich Deutschland aus. Nicht mit einem Einmarsch von Truppen, sondern eher Hybrid.

Also Angriffe auf Stromversorgung und Bankensystem, massive Störung des Internets, ggf. gezielte Anschläge oder Sabotage von Infrastruktur, um das Leben in Deutschland zum Zusammenbruch zu bringen und Deutschland aus dem „Spiel“ zu nehmen.
Wie gesagt, völlig fiktiv. (?)

Wie würde die Bevölkerung reagieren, jung und alt?

Proteste gegen die Regierung, Russland alles zu geben was es will, damit wir unser altes Leben zurück bekommen?
Deutschland verlassen? (Klingt immer so einfach wenn man es so sagt)

Sich wehren gegen die Bedrohung und aktiv werden um Deutschland zu schützen, mit und ohne Waffen?
Oder lamentierend auf der Couch sitzen und heulen, das die Welt so schlecht ist?

Fände ich eine interessante Frage, wie wir Deutschen so ticken.
Ich kann das ja nur für mich beantworten, auch meine Familie dabei im Blick.

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