Verhältnis CDU/CSU

Lieber Ulf, lieber Philip,

ich würde einen Artikel von Sascha Lobo mal zum Anlass nehmen und nach eurer Meinung zum Verhältnis von CDU und CSU fragen:

Meiner Meinung nach müssten CDU-Wähler in der ganzen Republik doch merken, dass jede Stimme für die CDU eine Viertelstimme für Bayern ist. Denn durch das spezielle Verhältnis der CDU zur CSU ist immer sichergestellt, dass bayerische Minister in der Regierung sind. Eine solche „Garantie“ kann kein anderes Bundesland für sich beanspruchen. Das führt auch dazu, dass auffallend viel Fördergeld nach Bayern zu fließen scheint, wie der von Sascha Lobo verlinkte Artikel nachzuweisen versucht.

Aus meiner Sicht wäre bei den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2013 der Zeitpunkt für die SPD gekommen gewesen, über inhaltliche Argumente (die CSU wollte damals schon die blödsinnige Ausländermaut und die noch blödsinnigere Herdprämie) der CDU eine Koalition anzutragen ohne Beteiligung der CSU. Aus meiner Sicht hätte sich die CDU argumentativ schon schwer getan gegenüber den Wählerinnen und Wählern zu verargumentieren, warum man nun diese Bedingung der SPD nicht erfüllen kann, weil sich alle ja immer auf die Inhalte berufen. Allerdings ist das ja nun auch schon länger her.

Zusammengefasst würde mich interessieren, wie ihr zu meiner These steht: Jede Stimme (bei Bundestagswahlen) für die CDU ist eine Viertelstimme für Bayern. Aus meiner Sicht müsste das Wählern in beispielsweise Niedersachsen und Schleswig-Holstein einfach mal deutlich gemacht werden. Vielleicht würde dann auch das dauernde unglaublich nervige rechtsaußen Getöse der CSU-Minister (es sind ja ausschließlich Männer) aufhören. Aus meiner Sicht ist es ein Skandal, wie viel Inkompetenz über diese Schiene in höchste Bundesämter gelangt. Dobrindt, Ramsauer, Scheuer, zu Guttenberg, Seehofer, unerträglich!

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Grundsätzlich versteh‘ ich Deine Verärgerung über die CSU-Minister-Inkompetenz und deren politische Ergebnisse (einschließlich einer Bevorzugung von Bayern im Verkehrsetat) sehr, sehr gut.

Aber: Die CDU wird sich in Koalitionsverhandlungen kaum von der CSU abspalten lassen. Ein solcher Affront würde die Zusammenarbeit in der Union auf lange Zeit extrem einschränken. Dann würde der CDU die bayerischen Stimmen fehlen und sie wäre geradezu gezwungen, in Bayern parallel zur CSU zu kandieren. Und die CSU müsste in den restlichen Bundesländern Kandidaten aufstellt (worüber man im Hinblick auf die AfD durchaus mal nachdenken sollte). Am Ende hätte die CSU an Einfluss und Macht eher noch gewonnen.

Das will, glaube ich, keiner … oder?