Provokanter Vorschlag: Erbschaftsteuer reformieren, dann reduziert sich mittelfristig die Zahl der oftmals zu Unrecht romantisierten und potenziell rechtslastigen Familienunternehmen.
Wie willst du sie reduzieren? Dazu müsstest du sie ja entweder komplett enterben, oder die Steuer so hoch machen, dass sie quasi nur durch einen Verkauf zu bezahlen ist.
Dann musst du aber auch mit den Konsequenzen rechnen.
Zudem weiß ich nicht was du unter „potenziell rechtslastig“ verstehst. Potentiell sind das ja quasi alle Bevölkerungsgruppen. Ob Familienunternehmen wirklich deutlich rechtslastiger sind als die Gesamtbevölkerung wage ich auch eher zu bezweifeln. Natürlich sind sie im Schnitt eher wirtschaftsliberal, aber Gesellschaftlich sind zumindest die die ich kenne eher liberaler als der Durchschnitt und oft weit weg von den Positionen der AfD.
Du vergisst letztlich auch, dass dieser Verband letztlich nicht eine große Masse an Unternehmen vertritt sondern insgesamt eher die Interessen einer vergleichsweise kleinen Gruppe.
Kontrollfrage: Sind internationale Konzerne (meist China oder USA) weniger problematisch? Denn wenn die Höhe so gewählt ist, dass die Familienunternehmen sich mittelfristig reduzieren wie du sagst, werden die sicher lediglich den Laden an größere Fische verkaufen.
Mir scheint das ist also eine Schnapsidee.
Bei diesem Teil gehe ich komplett mit. Der ganze Tanz darum, ob und wie viele Arbeitsplätze verloren gehen, wenn man Erben von pauschal als “Familienunternehmen” klassifizierten Unternehmen fair besteuert, fasst einfach mal alles von Familie Quant bis zum 10-Personenbetrieb unter ein Label. Diese Romantisierung macht sich der Verband der Familienbetriebe zunutze, um so zu tun, als sei eine Großindustriellendynastie am Ende auch nur ein Mom-and-Pop-Shop, dessen Erben die Geburtstage aller Kinder ihrer Angestellten im Kalender haben.
In den letzten zehn Jahren haben rund 460 Personen in Deutschland ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro geerbt oder geschenkt bekommen. In über der Hälfte dieser Fälle (mehr als 250) wurde darauf keinerlei Erbschaftsteuer erhoben. Wer ein “Familienunternehmen” im Wert von mehr als 100 Mio. erbt und dann behauptet, sich die Erbschaftssteuer trotz idR liquider Mittel des Unternehmens, Privatvermögen der Erben oder Stundungsmöglichkeiten nicht leisten zu können, ohne Stellen abzubauen, der sollte vielleicht einfach keinen Konzern in dieser Größenordnung führen.
Wie angedeutet, der Kommentar ist bewusst zugespitzt. Was mich allerdings bei den Diskussionen um das Thema Erbschaftsteuer so nervt, ist dass von dem “Mittelstand”, d.h. den Familienunternehmern stets so getan wird, als gäbe es ein ungeschriebenes Familienunternehmergesetz, dass Familienunternehmen ewig in Familienhand bleiben müssen. Wobei es sicherlich viele Beispiele dafür gibt, dass z.B. Börsengänge, MBOs oder auch Verkäufe an Finanzinvestoren den Unternehmen gut getan haben. Dann gibt es andere, die das Unternehmen ungefähr so führen, wie es auch ein PE-Investor tun würde, aber mit dem Anstrich des vermeintlich besseren Familienunternehmers.
Die diskutierte Öffnung des Verbands der Familienunternehmer hat doch überhaupt nichts damit zu tun, dass man mit der AfD über wirtschaftsrelevante Themen diskutieren möchte. Die laden ja auch sonst keine Leute ein, die von Wirtschaft keine Ahnung haben. Es ist auch nicht deren Aufgabe, irgendjemanden politisch “zu stellen”. Es geht doch einzig und allein darum, sich langsam an diejenigen ranzuschleimen, die zukünftig politisch eventuell mehr zu sagen haben.
Erbschaftssteuer ist hier nicht das Thema. Ich bin auch dafür, dass es Lösungen dafür gibt Erbschaften und Vermögen höher bzw. überhaupt zu besteuern und habe hier in anderen Threads auch schon grob skizziert wie ich mir das vorstellen würde.
Dein Punkt war aber, dass du damit die Zahl der Familienunternehmen reduzieren willst. Nur werden es eben nicht vorwiegend die großen Familienunternehmen mit Milliardenwert sein die am ehesten die Segel streichen, sondern die kleinen bis mittleren, die da eben weniger Substanz haben. Und Zahlenmäßig machen die eben doch einen weitaus größeren Teil aus als die ganz großen. Die Frage ist nur was kommt, wenn du die reduzieren willst? Der Nischenanbieter mit 50-1000 Mitarbeitern wenn von einem Konzern übernommen wird bleibt in der Regel nicht lange erhalten bevor Verwaltung und oftmals auch Produktion komplett eingegliedert sind.
Das dann noch damit zu rechtfertigen, dass ja Familienunternehmer tendenziell eher rechtslastig seien halte ich für nicht nur ein wenig, sondern sogar für zutiefst undemokratisch. Vor allem weil man dann ja die Marktmacht noch mehr in den Konzernen konzentriert, was ich gefährlicher finde als mehr oder weniger reiche Familienunternehmen mit wenigen Superreichen unter ihnen.
Wenn man Steuerpolitik mit dem Ziel diese Art der Unternehmen zu reduzieren damit rechtfertigt die treffen zu wollen die politisch eine andere Meinung haben, da dann schon bei rechtslastig und nicht mal rechtsradikal oder rechtsextrem ansetzt, dann begibt man sich meines Erachtens selbst in das Feld der radikalen bis extremen Meinungen.
Vielleicht für Leute hier interessant:
Thalia hat tatsächlich geantwortet.Sie sind bereits 2024 aus dem Verband ausgetreten und versuchen seither wohl vergebens, Verweise auf ihre Mitgliedschaft online entfernen zu lassen.
Miele hat ebenso geantwortet: Stellt sich hinter den Verband und seine Strategie, wenn man dieses Vorgehen denn als Strategie bezeichnen möchte.
Schade. Da muss ich mich für die nächsten Elektrogeräte wohl anderweitig umsehen.
…
Aber ich denke nicht, dass dadurch auch nur ein AfD Wähler seine Wahlentscheidung in Frage stellt.
Es geht bei solchen Maßnahmen nicht darum, diese Menschen von irgendwas zu überzeugen, sondern ihren Einfluss zu minimieren, sie auszugrenzen von jeder Chance auf Normalisierung ihrer verbrecherischen, verräterischen Ideologie. Wer als Deutscher Rechtsextremisten wählt, denn muss man nicht überzeugen, sondern vor dem muss man die anständigen Menschen im Land schützen.
Oatermann distanziert sich nun von der AFD und räumt Fehler ein.
Sie wollte die AFD einladen, um ihr klarzumachen, dass ihre Wirtschaftspolitik nicht mit den “Werten” und Ansichten des Verbands konform sei.
Witzig fand ich, dass die AFD die Nicht-Ausladung so dargestellt hat, dass der Verband sie unterstützt. Was er laut Ostermann eben nicht tut. Das hat Ostermann jetzt auch als Begründung herangezogen, das doch nochmal zu überdenken. Vlt. versteht sie jetzt, dass man denen nicht mit Sachargumenten zu kommen braucht. Hätte man ja nicht ahnen können, dass die AFD das für sich nutzt.
Ich finde es schockierend wie blind offenbar viele Vertreter sind was die Wirkung bestimmter Maßnahmen und Aussagen in den modernen Medien im Jahr 2025 angeht.
Man kann die AfD noch so sehr inhaltlich zerlegen, am Ende werden sie hier und da für sie positive Momente haben und passend zurechtgebogen wird so aus einer 15:1 Niederlage dann ein souveränder 0:1 Sieg zusammengeschnitten.
Die Firmen müssen sich wirklich auch fragen, ob ein so unsouverän arbeitender Verband überhaupt in der Lage ist Firmeninteressen zu vertreten.
Ist ja wohl offensichtlich eine Lüge.
Sonst hätte sie ja nicht Dinge gesagt wie „Brandmauer abgeschafft“, „trotzdem wollen wir keine AFD in der Regierung“
Die Kritik scheint zum Umdenken geführt zu haben.
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