Update: BKA lässt Bilder von Kindesmissbrauch im Netz

In LdN269 hattet ihr mit dem Journalisten Daniel Moßbrucker besprochen, wie es sein kann, dass Bilder von Kindesmissbrauch vom BKA nicht gelöscht werden. Die Frage stellt sich brandaktuell mehr denn je, denn Moßbrucker & Team haben im Rahmen einer Recherche von Panorama und STRG_F eigenhändig mit 2 Leuten (!) ganze Foren leergefegt.
Ein toller Erfolg – und gleichzeitig eine Geschichte, bei der ihr wirklich einen Unterschied machen könntet als Lage: Es braucht jetzt „nur noch“ genug mediale Aufmerksamkeit, damit bei der nächsten IMK (Innenministerkonferenz?) entsprechend priorisiert wird. Disclaimer: IJM ist eine der führenden NGOs beim Thema OSEC, also der Bekämpfung von sexueller Ausbeutung von Kindern über das Internet. Wir würden gerne eine breitere Öffentlichkeit für die Dimension dieses Verbrechens sensibilisieren: Fast 500.000 Kinder auf den Philippinen sind betroffen, wie die Scale of Harm Studie zeigt. Wir stehen gerne als Gesprächspartner dazu bereit; mit Daniel Moßbrucker sind wir seit Längerem im guten Austausch zu dem Thema.

Beste Grüße
M. Lewerentz
Pressesprecher IJM Deutschland
mlewerentz@ijm-deutschland.de

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Hier eine Zusammenfassung der neuen Aktion:

Wie in der LdN 449 im Zusammenhang mit der Chat-Kontrolle - leider fast ein bisschen so nebenbei - berichtet:

Nachdem im Nachgang zu ihrer ursprünglichen Aktion in 2021 nichts passiert ist, haben die 2 NDR-Journalisten, Robert Bongen und Daniel Moßbrucker, im Rahmen einer monatelangen Aktion über 310.000 Links zu Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder in einschlägigen Darknet-Foren automatisiert ausfindig gemacht und an die betroffenen Cloud- und Hostingdienste gemeldet. Die Provider haben daraufhin die Inhalte, auf die Links verweisen, offenbar anstandslos gelöscht. Infolge dieser konsequenten Löschungen haben zumindest zwei große pädokriminelle Foren ihren Betrieb vollständig einstellten.

Damit haben die NDR-Journalisten gezeigt, was Behörden mit vergleichsweise niedrigem Aufwand erreichen könnten! Und bis heute unterlassen!

Ein Skandal erster Güte!

War an mir komplett vorbeigegangen. Danke für die LdN, dies nochmal zu erwähnen.

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So leid es mir tut, diese Themen jetzt miteinander zu vermischen, aber was ist das für ein Staat, der aus Angst um jeden Euro zuviel Menschen im Transferbezug haargenau und mit erheblichem Aufwand untersucht, der aber nicht in der Lage ist, das zu tun, was diese beiden bewundernswerten Journalisten geschafft haben. Beim Thema Kinderschutz haben alle vergangenen Regierungen Arbeitsverweigerung begangen.

Es ist befremdlich, wenn Herr Merz bei Carmen Miosga folgendes sagt:"Weil ich es schwer ertragen kann, über das Leid von Kindern zu sprechen. Das können Sie überall nachlesen, ich bin sei 1989 der erste Bundeskanzler, der eigene Kinder hat. Und das prägt auch mein politisches Arbeiten.“

Offensichtlich interessieren ihn und seine Mitstreiter nicht alle Kinder. Eine Regierung, die sich für Kinder interessiert, würde unsere Schulen nicht verfallen lassen. Sie würde alles tun, um jegliche Kriminalität aus Schulen fernzuhalten ( Drogenverkauf etc ). Sie würde Kinder in Armut effektiv helfen und sie nicht auf lästige Ausgaben im Sozialsystem reduzieren. Und sie würde alles tun, um Verbrechen gegen Kinder - besonders sexuelle - zu verhindern und Straftäter zu verfolgen. Dazu gehört selbstverständlich, jegliche sexuelle Darstellung mit Kindern zu löschen.

Auch wenn es polemisch klingt und wohl auch ist, aber was könnte man mit dem Geld für Mütterrente etc alles für Kinder tun.

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Finde das Them auch extrem wichtig. Und es ist ein ideales Beispiel, wo mehr Pragmatismus einen enormen Effekt hätte.
Im Podcast wurde die Stellungnahme der Zentralstelle gegen Internetkriminalitätauf auf die Frage “Wie relevant sind Messengerdienste für die Verbreitung von Kinderpornografie?“ erwähnt. Hat jemand vielleicht eine zitierbare Quelle die sich mit dieser Frage auseinandersetzt? Am Besten auf statistischer grundlage.

Das hat zwei Seiten. Die Polizei argumentiert, dass das vorübergehende am Netz lassen der Seite als Honeypot die weiteren Ermittlungen erleichtern kann.

Edit: ich korrigiere mich so weit, dass die Polizei neben Überlastung immer wieder ermittlerische Gründe nennt. Dass Überlastung ein schwaches Argument ist, beweisen die Berichte von Strg_F.

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Und, dass es sobald gelöscht wohl oft schwer wäre Urheber ausfindig zu machen, zumindest wenn die Daten nicht vorher gesichert werden.

Ich glaube hier müsste man dann schon eine Abwägung zwischen dem Nutzen der Löschung und den Auswirkungen auf Ermittlungen gemacht werden. Dort wo man mangels Kapazität gar nicht ermitteln kann wäre ein Löschung doch wohl das geeignetste Mittel.

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Das mag sein, aber hier müsste eine Abwägung geschehen. Wie sehr hilft es tatsächlich der Polizei? Übrings wurde in all den Berichterstattungen über solche Fälle nie etwas darüber berichtet, dass die im Netz belassenen Darstellungen ihnen auch nützlich wären. Es ging immer nur um Kapazitäten und evtl um Zuständigkeiten.

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Das ist natürlich Unsinn: allenfalls führt es dazu, dass weitere Straftaten begangen werden. Außerdem kann man auch bei bereits gelöschten Dateien die versuchten Zugriffe loggen und hat damit weiter jede Menge Daten, mit denen man versuchen kann, denjenigen auf die Spur zu kommen, die versuchen, den Schweinkram runterzuladen.

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Der einzige wirkliche Vorteil für die Polizei ist leider polizeiliche PR: Das Bundeskriminalamt lässt alle ein, zwei Jahre mal mit viel Tamtam ein Darknet-Forum hochgehen und feiert sich dann ausgiebig dafür. Nur leider bringt das zur Bekämpfung der Kriminalität oder gar zum Schutz der Kinder so gut wie gar nichts, solange die Dateien weiter auf den Servern im Clearweb liegen: Wenn ein Darknet-Forum hochgeht, zieht die „Community“ einfach auf eine neue Plattform um und fertig.

Das ist ja genau der Grund, warum das Löschen der einzige effektive Weg ist: Wenn Downloads von Missbrauchsdarstellungen nicht mehr klappen, weil die Dateien sofort gelöscht werden, sobald irgendwo ein Link auftaucht, dann trocknen die Foren quasi aus.

Das BKA kommt mir vor wie eine Truppe von Cowboys, die auf spektakuläre Effekte setzen, statt wirklich effektiven Opferschutz zu betreiben. Das ist ein echter politischer Skandal, denn das BKA operiert ja nicht im luftleeren Raum, sondern unter Leitung des Bundesinnenministeriums.

Und die nächste Stufe des Skandals ist erreicht, wenn die - zugegeben bisher ineffektive, aber eben auch bewusst ineffektive - Bekämpfung von derlei Schweinkram im Netz dann als Argument herhalten muss, um Maßnahmen wie die Chatkontrolle zu begründen …

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Das Problem ist doch eigentlich, dass BKA und Politik scheinbar weder die Kapazitäten, noch die Kompetenz besitzen, das Thema großflächig anzugehen. KI klingt da wie ein Allheilmittel das großflächig ohne viel Aufwand angewandt werden kann.

Die Hoffnung ist da leider größer als die Sensibilität für das Thema Datenschutz.

An Kapazität kann es wirklich nicht liegen, wie die zwei Journalisten im Alleingang gezeigt haben.

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Aus Sicht des BKA wird man denke ich in erster Linie versuchen wollen die Produzenten von Kinderpornografie zu erwischen. Das Offlinenehmen entsprechender Inhalte macht es zwar erst mal schwieriger für Konsumenten, ob es in Folge aber auch wirklich die Produktion verringert, darf bezweifelt werden. Als im Podcast das Abschalten des Darknet Forums erwähnt wurde, musste ich jedenfalls soft an Kinox denken. Natürlich war das ein grandioser Schlag gegen illegales Streaming, trotzdem gab es nach kurzer Zeit einfach diverse Klone unter leicht anderer URL. Ohne entsprechende Strafverfolgung kommt man mit zwei Teilzeitstellen jedenfalls nicht weit.

Was ich noch nicht verstanden habe: Wenn das BKA die Bilder nicht löschen lässt, warum macht es nicht die Zivilgesellschaft?

Wenn es beim letzten Mal 2 Journalist:innen schafften die ganze Szene lahm zu legen, dann ließe sich das doch über Crowdfunding finanzieren. Ich glaube das öffentliche Interesse ist groß genug, dass man da eine handvoll Stellen schaffen könnte und noch eine:n Jurist:in zu beschäftigen.

Kann mir mal jemand erklären, warum die Missbrauchsbilder bei kommerziellen Hoster im „Bright-Net“ gespeichert liegen? Die meisten dieser Hoster löschen die Bilder auf Aufforderung sofort, so dass die URLs in den Foren ins Leere laufen.

Gibt es im Darknet keine Cloud-Anbieter/Hoster? Wenn nein: Warum nicht? Wenn ja: Warum werden diese offenbar bis heute nicht genutzt.

Und: Besteht nicht die Gefahr, dass bei massenhaften Löschen durch die Hoster im „Bright-Net“ diese Bilder nicht ins Darknet wandern, wo die „Provider“ gar nicht für Löschanfragen erreichbar sind?

Andernfalls könnte man doch offenbar mit geringem Aufwand eine NGO gründen, die das macht, was das BKA machen sollte: Eine IT-Infrastruktur aufbauen, die weitgehend automatisiert die URLs aus den einschlägigen Foren bei den kommerziellen Hostern im „Bright-Net“ melden, zur Löschung auffordern (diese kontrollieren und wenn nicht: zur Anzeige bringen) … und auf der NGA-Webseite immer prominent einen laufend aktualisierten Ticker: „Aktuell xy Mio. Bilder von Kindesmissbrauch gelöscht … weil das BKA es einfach nicht tut“.

Ich bin überzeugt, dass man dafür ausreichend Spendengelder einwerben könnte und vielleicht auch ITler finden würde, die ehrenamtlich dabei unterstützen würden, eine solche Plattform aufzubauen.

Ich bin auch überzeugt, dass diese NGO nicht sehr lange existieren müsste. Entweder schämt sich Politik oder BKA dann doch mal so sehr, dass sie es doch selbst übernehmen (die NGO könnte die Plattform an den Staat verkaufen und die Spendengelder anteilig zurückzahlen). Oder die perversen Verbrecher finden eine Alternativ zur Verbreitung von diesen Bildern per URL und die NGO findet keine Lösung, da gegen vorzugehen.

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Weil du dafür auf Darknet auf Seiten mit Kindesmissbrauchsdarstellungen rumsurfen musst, was dir sehr schnell strafrechtlich relevante Inhalte in den Cache spült.

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Mit “Darknet” ist in aller Regel das Tor-Netzwerk gemeint. Das ist - ganz vereinfacht - vergleichbar zum www, aber zum einen deutlich kleiner und zum anderen wird nicht direkt eine Verbindung zwischen dem Rechner des Nutzers und dem Server, auf dem die besuchte Website liegt aufgebaut, sondern die Anfrage wird über drei unterschiedliche Server geleitet und in jedem Schritt verschlüsselt.

Das heißt, im Darknet ist weniger Speicherplatz und der upload/download dauert länger. Da es mit dem Speichern im Clearweb offensichtlich funktioniert - warum sollte man das ändern?

ich bin vom dem Thema immer wieder schockiert , und hab mich an die Lage zurückerinnert, die damals gezeigt hat, wie krass das Thema ist, und wie einfach man es lösen kann. Weil Storage nun mal super kompliziert im DarkNet ist, und bei normalen Hostern super easy. Dass die Hoster selbst nicht das prüfen, ist schon komisch. Aber unsere Polizei könnte das wirklich easy lösen. Und rechtssicher. Klar, ist das heftig, und ein Beamter, der sich die Bilder vielleicht zur Validierung ansehen muss, das ist bestimmt nicht leicht, emotional. Aber es ist es wert, und es ist easy, automatisierbar, KI kann helfen.

ich verstehe es nicht, und schreib direkt ins Konrad Adenauer Haus… nur aufregen hilft ja nix

Wie sollte ein Hoster so etwas prüfen können? Da werden ja nicht die JPGs hochgeladen, sondern verschlüsselte Archive, so dass von den eigentlichen Daten erst einmal nichts zu erkennen ist – das ist ja gerade der Sinn von Verschlüsselung.

ich erinnere mich, dass in einer älteren Recherche die Files ohne Verschlüsselung auf den Servern lagen, als jpeg. aber das nur nebenbei.

Wer will denn bitte ernsthaft, dass private Hoster unsere Dateien nach unangemessene Inhalten screenen?