Umstrittener Autobahn-Neubau A49 - Wo bleibt die ökologische Verkehrswende in Zeiten der Klimaerhitzung?

In dem sich formierenden Konflikt um den Autobahn-Neubau der A49 werden verschiedene Themen verhandelt, die aus meiner Sicht spannend und relevant sind:

  • Die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben, insbesondere in Bezug auf den Planfeststellungsbeschluss, die Ausgleichsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen) und das ÖPP-Verfahren. In diesen Bereichen sind gravierende Fehlentscheidungen getroffen worden.
  • Ideen für neue Verkehrskonzepte, die ein intaktes Natur-, Arten- und Trinkwasserschutzgebiet erhalten. In Zeiten der Klimakrise muss der Straßenverkehr, und hier insbesondere der emissionsstarke Auto- und LKW-Verkehr grundsätzlich überdacht werden. DER BUND Hessen hat bereits 2010 ein Alternativkonzept zur Entlastung der Anlieger an den Bundesstraßen vorgelegt, mit dem er auf eine Ortsumgehung setzt.
    Wir sind allerdings überzeugt, dass auch alternative Verkehrskonzepte unter Einbezug der Schiene realisiert werden können.
  • Den Erhalt und die Wiederaufforstung des Waldes. Die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass der Wald als CO2-Speicher eine ungemein bedeutende Stellung einnimmt und dringend geschützt werden muss. Aus diesem Grund haben die hessische Landesregierung und der Bund dezidierte Maßnahmenpakete verabschiedet, die es einzuhalten gilt.
  • Nachhaltige Konzepte zu erarbeiten und umzusetzen, die Wirtschaft und Ökologie in Einklang bringen. Die Region Marburg-Biedenkopf ist als starker Wirtschaftsstandort bekannt. Das Aktionsbündnis „Keine A49“ steht für eine zukunftsorientierte und moderne Gesellschaft, die ihre wirtschaftlichen Interessen nachhaltig mit dem Klima- und Naturschutz in Einklang bringt und für die kommenden Generationen eine lebenswerte Basis schafft"
    https://www.stopp-a49-verkehrswende-jetzt.de/
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Das Thema liegt mir auch sehr am Herzen.
Wenn ich in meinem Garten einen Baum fällen will, muss ich eine Ersatzpflanzung vornehmen. Wenn jetzt eine Autobahn gebaut wird, müssten doch entsprechend viele neue Bäume gepflanzt werden.

Überhaupt finde ich, dass solche Maßnahmen gerade in Zeiten von Erderhitzung sehr kritisch geprüft und unbedingt klimaneutral durchgeführt werden müssen.

Grundsätzlich müssen wir sämtliche Subventionen, Steuerbefreiungen und Co. klimaschädlicher Produkte abschaffen, das fördert auch neue Anreize für klimafreundlichere Produkte, sonst machen wir nur immer mehr vom Gleichen, weil wir es halt so gewohnt sind und schaufeln damit unser eigenes Grab:
Pendlerpauschale
Kerosin
Dieselprivileg
Fleisch- und Milchprodukte
nicht regenerative Energiewirtschaft

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Ich finde diese radikale Baustoppforderung falsch, aus folgenden Gründen (Disclaimer: Ich kenne die Gegend um Schwalmstadt persönlich, weil meine Frau dort gelebt hat):

  • Der Bau wurde Laut der Lage von allen rechtlichen Instanzen genehmigt. Wenn man Wert auf unser Rechtssystem legt, dann muss man auch dessen jahrzehnte brauchende Urteile akzeptieren.

  • Es ist eine 30-minütige Qual über Landstraßen und Alleen bis man mal von Alsfeld (Ausfahrt 2 an der A5) nach Schwalmstadt gekommen ist. Eine Autobahn würde die dort lebenden Bürger entlasten, zumindest diejenigen die nach Westen fahren wollen. Süden und Osten fehlt dann ja immernoch.

  • Die in diesem Gebiet ansässigen Unternehmen können ihre Produktion dort nicht ausbauen, weil die Infrastruktur nicht passt. Arbeitsplätze entstehen somit woanders. Autobahn ist genauso wichtig wie Glasfaser. (Das meine ich nicht ironisch. Das Netz in Deutschland ist nicht nur für Autos beschissen).

  • Auf Landstraßen sterben im allgemeinen (ich weiß nicht wie es konkret auf der B454 aussieht) mehr Menschen als auf Autobahnen. Somit ist der Nicht-Ausbau von Autobahnen ein bewusstes Inkaufnehmen von mehr Unfalltoten.

  • Zugfahren ist keine Alternative. Meine Frau hat mir im Monatsrhythmus von betrunkenen oder aufsässigen Fahrgästen berichtet, manchmal musste ich am Telefon wachen bis sie sicher zuhause war.

  • Wenn wir in Zukunft elektrisch aus regenerativen Energien fahren, dann ist die CO2 Problematik erledigt und der Individualverkehr umweltfreundlich. ÖPNV ist keine Alternative, er wird nie jeden in Deutschland erreichen. Nur Städter.

Zu Fordern alle Autobahnneubauten pauschal zu stoppen ist einfach nur asozial auf Kosten der Bürger, die noch nicht an das Autobahnnetz angeschlossen sind. Es zementiert den Zustand unseres Landes so wie er ist. Was wenn sich eine Region entwickelt, darf die das dann nicht? Muss auf alle Ewigkeit eine infrastrukturelle Zweiklassengesellschaft zwischen den heutigen Großstädten und dem Land bestehen?

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Liebes LdN-Team,
ich unterstütze Eure Aussage, dass man vor der der Frage des grundsätzlichen Baus einer Autobahn zu Gunsten der Verkehrswende und des Klimaschutz lieber für den gegen einen Neubau entscheiden sollte. Bei der Autobahn A 49 liegt der Sachverhalt aber meines Erachtens anders: die A 49 ist schon sehr weit gebaut worden und insofern zieht sie tatsächlich jetzt schon sehr viel Verkehr von Kassel in Marburg oder Gießen an. Das bedeutet, dass das vorhandene Teilstück der bestehenden Autobahn bereits jetzt schon intensiv genutzt wird. Am Ende der Autobahn bleiben dann aber die Autobahn-Nutzer nicht einfach stehen, sondern sie suchen sich über die Dörfer weiter ihren Weg nach Marburg oder nach Gießen. Von daher gilt Euer Argument „neue Straßen ziehen den Verkehr erst an“ an dieser Stelle nicht, denn der Verkehr ist schon da und verstopft die Dörfer (in derVerlängerung der nicht vorhandenen Autobahn). Dies führt dort zu einer enormen Belastung der Anwohner in den Dörfern. Auch kann man die von Eich bezifferten 20 Minuten der fiktiven Fahrtzeitverkürzung von Kassel nach Gießen so nicht stehen lassen, denn dies gilt nur dann, wenn die Autobahn tatsächlich frei ist. Wer aber die Autobahn A5 und die Autobahn A7 kennt, der weiß, dass am Hattenbacher Dreieck und am Kirchheimer Dreieck, nämlich da, wo die A7, die A5 und zusätzlich die A4 aus dem Osten zusammentreffen, ständig Stau herrscht. Und im Stau werden die Abgase und Klimakiller erst recht in die Luft geblasen. Wertvolle Zeit geht verloren und deshalb bleibt es auch durchschnittlich nicht bei nur 20 Minuten Ersparnis durch eine fertig gebaute A 49, sondern die Zeitersparnis würde wesentlich größer sein. Ich finde, dass angefangene und weit vorangebrachte Projekte noch zu Ende geführt werden sollten, wenn deren Realisierung Sinn machen. Bei der A 49 macht es meines Erachtens immer noch einen großen Sinn. Über Jahrzehnte wurden verschiedene Trassen geprüft und es wurde die Variante ausgewählt, die den geringsten Umwelteingriff nach sich zieht. Was neue Autobahnprojekte angeht, denke ich, sollten diese im Sinne des Klimaschutz und der Verkehrswende eingefroren werden. Da bin ich absolut bei Euch.

Mich würde auch eure Meinung zu der Frage interessieren: haben die Aktivisten, die die A3 blockiert haben, eine Mitschuld an dem Auffahrunfall, der sich in dem durch die Blockade entstandenen Stau ereignet hat?
Vielleicht als Einstiegslink: https://de.indymedia.org/node/109777

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