Ukraineunterstützung und Souveränität Europas

Hallo,

ist das Thema Europaische Souveränität ist ja viel diskutiert, auch war es in der Lage Thema. Aber ich habe das Gefühl, bei dee Ukraine Unterstützung fällt es komplett hinten unter, mit schweren Schäden anderswo.

Die USA geben ja keine finanzielle Unterstützung mehr an die Ukraine. Sie verkaufen ihre Waffen lediglich an die Ukraine, welche diese mit (meist) europäischem Geld zahlt. Mittlerweile verdienen die USA ziemlich gut an diem Krieg (O-Ton Sicherheitshalber #101).

Gleichzeitig haben wir aber nach dem Doppelwums von Scholz, jetzt auch die Schuldenbremse für Militärausgaben aufgehoben, wollen Kriegs tüchtig werden und Europa wieder selbst (sprich ohne US amerikanische Hilfe) verteidigen können.

Da wäre es doch absolut sinnvoll, wenn wir der Ukraine auch europäische Waffen liefern würden, statt amerikanische zu kaufen. Damit bekommen diese Aufträge und somit Geld, können davon know how aufbauen, Leute einstellen, Kapazität erweitern usw. Aktuell scheint mir es aber eher so, als wollten wir das Geld doppelt ausgeben. Die Waffen aus den USA und gleichzeitig mit viel Staatsschulden dafür sorgen, dass europäische Hersteller das auch herstellen.

Das klingt doch absurd.

Mir ist natürlich bewusst, dass schon viele Waffensysteme aus den USA in der Ukraine sind, wofür es Munition, Ersatzteile und auch ersetzes Gerät benötigt. Aber sollten wir uns nicht abseits davon ausschließlich auf europäische Systeme konzentrieren? Bspw. Dann auch den Taunus liefern statt das amerikanische Pendant. Eurofighter statt al

3 „Gefällt mir“

Ich verstehe auch nicht, warum wir dann nicht direkt Waffen produzieren und liefern. Denn wenn wir sie eh schon bezahlen, ist es doch moralisch kein Unterschied mehr. Aber finanziell könnten wir so Geld sparen, nämlich den Profit der USA.

1 „Gefällt mir“

Ukraine-Krieg ist Wachstumsmotor: Globale Aufrüstung pusht Europas Waffenschmieden - ntv.de

Das ist eine Frage der technischen und quantitativen Verfügbarkeit. Man hat vermutlich drauf gehofft, dass in den USA nicht Trump nochmal an die Macht kommt. Damit hat man 2-3 Jahre verschlafen, die EU Industrie hochzufahren. Also sie fahrt hoch, aber wäre sicher in manchen Bereichen schon weiter.

Technisch gibt es einfach Dinge, die wir nicht können. Z.B. Flugabwehr ala Patriot. Ausrüstung für F16. Himars. Eurofighter ist nicht in ausreichender Stückzahl vorhanden, um ihn abzugeben.

Hier wurden Scalp aus Frankreich und Storm Shadow aus Großbritannien geliefert. Die werden aber nicht ausreichend schnell nachproduziert.

Das ganze ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen passieren kann und die Systeme werden jetzt benötigt. Man sollte aber so gut es geht auf eigene Systeme setzen. Am Ende stimmt sich die EU aber mit der Ukraine ab, was sie benötigt. Und wenn diese der Ansicht ist, dass sie Systeme aus den USA besser gebrauchen kann, dann werden wohl diese beschafft. Weil in ausreichend Stückzahl vorhanden etc.

Die letzte Folge war ein toller Spiegel unserer (europäischen als auch deutschen) Selbstwahrnehmung. Wir zeigen mit dem Finger andauernd auf den bösen Buben in Russland und den abtrünnigen besten Freund auf der anderen Seite des Atlantiks, und entrüsten uns am Ende, dass die Jungs ohne uns spielen wollen. Aber mehr als nur den Zustand festzustellen, und dann unser Elend zu beklagen, darüber hinaus kommen wir einfach nicht.

Wenn festgestellt wird, dass für einen Truppeneinmarsch europäischer Soldaten in keinem (?) europäischen Land derzeit keine Mehrheit zu finden ist, dann muss doch dort die Debatte erst richtig beginnen und der Beitrag nicht enden. Genau da liegt das Problem, wir setzen uns einfach nicht mit den Notwendigkeiten unseres eigenen Handelns auseinander. Warum nicht?

Klar, die Wahrheit ist unangenehm, und bringt uns eben mit moralischen Ansprüchen in Konflikt. Aber ist jetzt Überleben eine mögliche Folge aus Ansprüchen an Moral und Wohlstand, oder ist es die Grundlage für ein Leben in hohen moralischen Werten und Wohlstand? Bei letzterem brauchen wir eine Debatte, auch hier in der Lage, wie dieses Überleben von uns selbst gesichert werden kann - oder noch besser ausgedrückt: Wie wir dieses Überleben selbst sichern, und dabei als handlungsfähig und relevant wahrgenommen werden. Wir müssen wieder mehr zu Machern als zu Mahnern werden.

3 „Gefällt mir“

Hinzu kommt noch, dass es in Deutschland seit Jahren ein Bashing gegen Naturwissenschaften gibt. Wissenschaft wird als eine von mehreren möglichen Meinungen betrachtet. Das erlebt man in jeder Diskussionsrunde. Schaltet man ein beliebiges Quiz ein, werden bei Fragen zu Physik oder Chemie theatralisch die Augen verdreht, das wären Schulfächer, die nur genervt hätten. Als angeblich kluge Menschen lästern Leute wie Elke Heidenreich über Mathe, Physik, Chemie: “So ein Quatsch, den keiner braucht. Man muss Goethe von Schiller und Mozart von Bach unterscheiden können! Das ist wichtig!“

Studierende und Schulkinder lassen ihre Arbeiten von Chat-GPT schreiben. Lehrkräfte lassen diese Arbeiten von Chat-GPT prüfen. Jeder glotzt den ganzen Tag aufs Handy und lässt sich berieseln. Man wird nicht bewundert für wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfindungen, es geht nur noch um Likes, Aufrufe und den Algorithmus.

Wer von dieser Gesellschaft soll den neue Waffen erfinden und bauen? Die wenigen Nerds, die in der Schule so gemobbt werden, dass sie abbrechen oder mit Drogen anfangen oder Suizid begehen?

Politiker faseln von “hocheffizienten Verbrennern“ und “Technologieoffenheit“, aber wenn Ingenieure und Naturwissenschaftler ganz klar die Grenzen aufzeigen und die realistischen Möglichkeiten (Wärmepumpe, E-Autos) anbieten, wird das als “Grüne Ideologie“ beschimpft. Das ist so verantwortungslos! Nicht nur in Bezug auf Klima und Umwelt, auch für die Wirtschaft und das Ansehen von Natur- und Ingenieurwissenschaft! Und als Konsequenz daraus können wir keine Waffen bauen, um uns (jetzt noch in der Ukraine, als nächstes vielleicht im Baltikum, in Polen oder hier bei uns zuhause) verteidigen zu können.

Ich weiß, ich übertreibe etwas. Aber es ist ein Trend, der mir seit Jahren Sorgen macht.