Überdimensionierter Netzausbau

Es mehren sich die Stimmen, dass der Stromnetzausbau nochmal neu gedacht werden sollte, und Milliarden an Gelder gespart werden könnten.

  • Die Planung des aktuellen Netzausbaus erfolgte Top to Bottom. Sprich von den großen Stromautobahnen hinunter in die lokalen Level 4 Verteilnetze. Dies müsste umgekehrt werden.
  • Unser Stromnetz hat aktuell im Mittel eine Auslastung von 15%. Die aktuelle Planung des Netzausbaus ist überdimensioniert.
  • Batteriespeicher werden immer weiter das Netz entlasten. Mit strategisch günstig platzierten Großspeichern kann die Entlastung beschleunigt werden.
  • Smartmeter müssen endlich asap bundesweit ausgerollt werden, um auf allen Ebenen die Stromverteilung smarter zu machen.

Ein Weg, den Netzausbau besser zu steuern oder auf Preissignale zu reagieren ist die Aufteilung Deutschlands in Strompreiszonen (ca. 3-7, je nach Zielsetzung).

Derzeit kann es sein, dass in Norden der eine für negative Strompreise sorgt, in Baden-Württemberg ein Pumpspeicher gefüllt wird.

Der Strom aus dem Norden kommt aber in BW hat nicht an und die Windkraftwerke werden abgeschaltet. Im Süden fährt dafür ein fossiles Kraftwerk hoch und liefert den „kostenlosen“ Strom. Solch Irrsinn könnte man vermeiden und damit zeigen, wo zu welcher Zeit in Deutschland Strom fehlt.

Wer will das nicht: Herr Söder und Herr Kretschmer in trauter Zweisamkeit.:wink:

10 „Gefällt mir“

Wenn ich es richtig verstehe kann es sogar sein, dass auf diese Weise ein Pumpspeicherwerk in Österreich gefüllt wird. Die bekommen dann Geld dafür den Strom abzunehmen, aber tatsächlich handelt es sich um Strom aus einem bayerischen Gaskraftwerk.

Das relativiert dann auch die Exporte in Zeiten von viel erneuerbaren Energien wieder ziemlich.

Mehren die sich Oder werden nur die, die es schon immer gab lauter?

Das Problem bei solchen Themen ist aber, dass sich Kapazitäten nicht am Mittel orientieren müssen sondern an den Spitzen. Das Mittel also als Argument zu verwenden ist an sich schon unseriös.

Speicher und Smartmeter können zwar die Spitzen etwas glätten, aber ob das wirklich der Galechanger wäre der einen Netzausbau quasi überflüssig macht kann man auch bezweifeln. Insbesondere weil für Wärmepumpen und e-Autos der Bedarf an Strom insgesamt steigen dürfte.

Da gibt es ja sogar Stimmen die eher sagen der Ausbau wäre schon eher knapp bemessen, falls der regionale Ausbau an Erzeugern und speichern nicht bald richtig anläuft.

Die Frage muss ja dann auch lauten wie viel würde es sparen den Ausbau mit etwas geringeren Kapazitäten durchzuführen und was wäre dagegen der Preis dafür wenn der Ausbau zu knapp bemessen war.

Teuer macht es ja nicht die etwas höhere Kapazität, sondern dass überhaupt eine Trasse gebaut wird und unsbesondere die Umsetzung als Erdkabel vervielfacht die Baukosten.

1 „Gefällt mir“

Ich denke hier ist ein Problem, dass der Ausbau der EE und die Verbraucher sich sehr dynamisch entwickeln. Genau kann man den Bedarf vermutlich nicht an allen Stellen vorhersagen und dem stehen sehr lange Genehmigungen und Bauzeiten von Leitungen gegenüber. Das kann man auch nicht alle x Jahre neu aufrollen.
Ggf. gilt hier Haben ist besser als brauchen. Auch, wenn es sicher an der ein oder anderen Stelle Optimierungsbedarf gibt.

1 „Gefällt mir“

Das Thema Energiewandel ist ja primär eine physikalische Aufgabe, die Akteure hier sind aber offensichtlich nicht die Wissenschaftler, sondern Politiker und unsere lieben Netzbetreiber und Energieerzeuger. Angesichts der jüngsten Gesetze kommt mir - misstrauisch wie ich bin - die Frage, wer sitzt eigentlich am Regler und sagt, wann welche PV-Anlagen abgeschaltet werden. Könnten das vielleicht auch die Herren der Gaskraftwerke u. a. sein, die ihren Strom lukrativ verkaufen möchten und zu dem Zweck PV abschalten, um Gasstrom liefern zu können? Gibt es jemand, der diesen Leuten auf die Finger schaut? Und bitte nicht antworten: „Das regelt der Markt“, denn die Strompreise an der Börse sind auch manipulierbar (glaube ich) und die Aufsichtsbehörde läuft ja immer nur hinterher. Abgezockt ist abgezockt, und der Verbraucher schaut in die Röhre.
Bin ich zu misstrauisch? Überzeugt mich jemand vom Gegenteil?

1 „Gefällt mir“

Abschalten tun Netzbetreiber, die betreiben keine Kraftwerke, also die Vermutung, dass dadurch mehr Gas laufen würde, aus dem Punkt schwierig. Die Aufgabe ist die Netzstabilität, keine Stromproduktion. Außerdem wird abgeschaltet, wenn die Preise sehr niedrig oder negativ sind. Neues Gesetz sieht hier vor, dass bei Negativpreisen keine Vergütung nach EEG mehr stattfindet (die Laufzeit wird als Ausgleich dementsprechend verlängert). Zu diesen Preisen würden andere fossile Kraftwerke nur mit Verlusten betrieben werden, also ja das ist dann der Markt. Es gibt ja schon ein Überangebot.
Wenn jetzt ein Energieerzeuger sowohl Gaskraftwerke als auch PV Anlagen betreibt, könnte er natürlich seine PV Anlagen abschalten und dafür Gaskraftwerke betreiben, aber wie gesagt das ist ein Verlustgeschäft, weil man mit PV/Wind am meisten verdient.

Ich weiß nicht, woher du deinen ganzen Glauben nimmst, aber ggf. solltest du deine Konfession ändern :wink:

Das finde ich ein bisschen unfair, da er sehr offen damit umgegangen ist, dass es Glauben erzeugt aus Unwissenheit ist, was er da geschrieben hat.

Die Berichterstattung zum Netzausbau bezieht sich oft auf zwei Themen:

  1. Erdverkabelung. Damals mühsam von der Groko verhandelt, weil es Akzeptanz schaffen sollte. Mittlerweile ist es den gleichen Akteuren aber zu teuer, weil sie gemerkt haben, dass es auch jemand bezahlen muss. Vor dem Hintergrund wird dann oft ein „einfacher“ Wechsel weg von Erdverkabelung gefordert. Faktisch bedeutet das aber, dass häufig Genehmigungsverfahren neu aufgerollt werden müssen und wir vor allem bei den benötigten Übertragungsnetzen wieder Zeit verloren haben (die wir zuvor verloren haben, weil man von Freileitung auf Erdverkabelung gegangen ist).
  2. Mehren sich die Hinweise (durch schwacher Absatz Wärmepumpen und EV, sowie Elektrifizierung Industrie), dass der Strombedarf in 2030 deutlich geringer ausfallen wird, als man das noch vor ein paar Jahren angenommen hat. Deshalb sprechen sich gerade immer wieder CEOs von Unternehmen, die viele Netze bauen müssen (was natürlich krass CAPEX-intensiv ist) dafür aus, dass man das doch lieber noch etwas in die Zukunft strecken könnte, weil der Strombedarf geringer ansteigt. Faktisch steigern sich die Kosten für das benötigte Material dafür aber auch zunehmend. Transformatoren sind in den letzten Jahren x% teurer geworden. Wenn wir es in die Zukunft verschieben, bedeutet das deshalb noch lange nicht, dass es wirklich günstiger werden würde. Wir müssten nur später anfangen die Kosten zu bezahlen. Ob es der Wirtschaft zu dem Zeitpunkt dann gut gehen wird oder nicht - who knows?

Das schlimme ist, dass ich schon gar keine Konfession mehr habe! Wem - außer vielleicht LdN - kann man denn überhaupt noch glauben in Zeiten, in denen dreiste Lügen zu Wahrheiten hochgepusht werden. Und ganz sicher kann ich nicht glauben, dass - frei nach Lindner - der Markt das schon regeln wird!

1 „Gefällt mir“