Trump in China:Taiwan und Trumps Schweigen

Trump hat in China geschwiegen, als Xi Jinping klar und deutlich gesagt hatte:

Chinas ungewöhnlich scharfer Mahnung an die USA. Die Taiwanfrage sei das „wichtigste Thema“ der bilateralen Beziehungen, so Xi …. … Werde sie falsch behandelt, könne sie die Beziehungen beider Länder in eine „äußerst gefährliche Richtung“ lenken. Xi forderte von Washington „äußerste Vorsicht“. Eine „Unabhängigkeit Taiwans“ sei mit Frieden in der Taiwanstraße fundamental unvereinbar. … Wer mit China Geschäfte machen will, so lautet die unausgesprochene Botschaft, muss zuerst verstehen, welches Thema China mehr als alles andere umtreibt: Taiwan.

Dass dies ausgerechnet jetzt geschieht, ist kein Zufall. In Washington wartet ein Waffenpaket mit fortschrittlichen Abfangraketen für Taipeh im Wert von 14 Milliarden Dollar auf Trumps Freigabe. Im Senat drängen Demokraten und Republikaner auf eine Entscheidung. Trump aber zögert … Xi kann testen, ob ein amerikanischer Präsident, der nach Deals sucht, nun weniger Widerstand in Bezug auf Taiwan leistet als seine Vorgänger.

Als Reporter ihn am Nachmittag am Himmelstempel fragten, ob Taiwan in den Gesprächen zur Sprache gekommen sei, schwieg der amerikanische Präsident einfach. … Unter seinem Amtsvorgänger Joe Biden, der mehrfach öffentlich erklärt hatte, die USA würden Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs mit US-Truppen verteidigen, wäre das wohl nicht ohne Antwort geblieben. … Trump aber hat geschwiegen, gelächelt und weiterverhandelt. … Taiwan gehört dabei eben zur Verhandlungsmasse.

Quelle:

Das ist frappierend! Allein eine Störung der Lieferung von Halbleiterchips wäre nicht nur für die USA und Europa, sondern für sehr viele Staaten der Welt eine wesentliche massivere Störung der Weltwirtschaft als die Blockade der Straße von Hormus. Taiwan kontrolliert einen Großteil der weltweiten Spitzentechnologie bei Logikchips unter 10 nm; 2022 lagen rund 69% der globalen Kapazitäten in diesem Segment auf der Insel. TSMC produziert die modernsten Chips der Welt, die in praktisch allen Hochtechnologie‑Anwendungen stecken (von Smartphones, Autos, Flugzeuge, Servern, KI‑Rechenzentren, Drohnen, Satelliten, …). Eine Störung würde die technologische und militärische Handlungsfähigkeit nicht nur der USA und Europas massiv einschränken. Gerade die europäischen Hightech‑Industrien – Automotive, Maschinenbau, Telekom, Rüstung, Medizintechnik – sind stark von taiwanischen Halbleitern abhängig.

Neben der Chips-Frage gibt es weitere Gründe, warum die Taiwan-Frage für Trump keine Verhandlungsmasse sein darf:

Ökonomische Verpflechtung weit über Chips hinaus: Obwohl Taiwan nur eine mittelgroße Volkswirtschaft ist, ist es sehr stark in globale Wertschöpfungsketten eingebunden: Maschinenbau, Elektronik, Informations‑ und Kommunikationstechnologie sowie maritime Logistik. Eine Blockade oder ein Krieg um Taiwan würde nicht nur Halbleiter-, sondern zahlreiche Lieferketten von Europa bis Nordamerika empfindlich stören und schwere weltwirtschaftliche Verwerfungen auslösen.

Militärisch-Strategische Geo-Stabilität: Wer Taiwan kontrolliert, hat einen erheblichen Einfluss auf den Zugang Chinas zum offenen Pazifik. Fiele Taiwan unter Pekings Kontrolle, würde das die amerikanischen Positionen auf den Philippinen, in Okinawa und auf Guam militärisch deutlich verwunden und die Position der US‑Streitkräfte im Westpazifik schwächen und die Machtbalance in Asien zu Gunsten Pekings kippen.

Gerade die ökonomischen Aspekte gehen so weit, dass man auch den folgenden Aspekt diskutiert: Könnte Taiwans Rolle in der Weltwirtschaft auch als Abschreckungsfaktor wirken? Ein gewaltsamer Konflikt hätte so extreme ökonomische Kollateralschäden, dass dies in die Kalküle Pekings hineinspielen könnte. Die chinesische Regierung hat sich in großen strategischen Fragen seit Jahrzehnten als extrem weitsichtig, klug und unideologisch gezeigt. Dagegen ist die Taiwan-Frage aber in China emotional sehr aufgeladen.

Wobei Biden der einzige Präsident der USA ist, der nach Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Taiwan davon gesprochen hat, das Land aktiv verteidigen zu wollen. Seine Amtsvorgänger haben die Antwort auf die Frage immer betont offen gelassen.