Dieser Beitrag macht meiner Meinung nach zu viele Themen gleichzeitig auf. Klar, die berühren sich gegenseitig, aber um konstruktiv weiterzukommen wäre es zielführender, nur ein Thema zu betrachten. Nehmen wir den Kindesunterhalt.
Ich finde es generell richtig, dass sich das Elternteil, das sich weniger an der Betreuung beteiligt, dann wenigstens finanziell beteiligt, auch wenn eine Einkommensdifferenz besteht. Sonst kann sich der eine Elternteil ja ziemlich einfach aus der Verantwortung stehlen, und das fände ich nicht okay.
Leider ist das auch etwas, was noch viel passiert. Gerade wird ja sogar diskutiert, die staatlichen Vorschüsse in diesem Fall zu kürzen (Unterhaltsvorschuss nur noch bis 12 statt bis 18), statt mehr Ressourcen darein zu stecken, dass die Menschen, die sich dem entziehen, zur Verantwortung gezogen werden.
Mir ist aber auch bewusst, dass außer bei einem echten 50:50-Modell immer eine Seite automatisch Unterhalt zahlt, und das ist echt scheiße geregelt. Schlimmer noch: Durch die harte Schwelle bei genau 50:50 lohnt es sich finanziell, um einzelne Übernachtungen zu streiten, also aus Geldgründen statt aus Kindeswohl.
Wie wäre es mit einem Kinderkontomodell? Beide Elternteile zahlen darauf Geld ein, das dann für Ausgaben für die Kinder genutzt werden muss, auch anteilig für die Miete. Eingezahlt werden alle Leistungen, die aufgrund des Kindes ergingen (auch Erlös durch Kinderfreibetrag, Kindergeld, Bürgergeld etc.). Der Betrag, der pro Elternteil eingezahlt wird, errechnet sich aus dem Betreuungsanteil, der gesamten Betreuungszeit, dem finanziellen Bedarf (Miete, Essen, Vereinskosten etc.) und dem theoretischen Stundenlohn des jeweiligen Elternteils.
Da ließe sich bestimmt eine gute Formel finden, welche das halbwegs gerecht macht (Australien rechnet so etwas seit 1989 gesetzlich, auf Basis beider Einkommen und des Betreuungsanteils). Und durch so eine Formel könnten auch alle Extremfälle einfach mal durchgerechnet und bewertet werden. Keine dummen langen Gerichtsverfahren.
Der eigentliche Hebel ist aber: Dieselben Berechnungsbausteine, die man dem Staat dafür zugänglich machen müsste, könnten gleichzeitig als Grundlage für Sozialleistungen dienen. Heute rechnet jede Stelle getrennt und rechnet sich gegenseitig an, daher die kafkaesken Schleifen wie im EU-Renten-Beitrag oben. Einmal erfassen, alle ziehen daraus: Das würde diese Karusselle beseitigen, die Leistungen vereinfachen und ganz nebenbei gezielte Förderung für Alleinerziehende ermöglichen.