Todesspirale bei Stromnetzentgelten

Ähnlich zu der in LdN456 skizzierten Todesspirale für die immer teuer werdenden Netzentgelte bei den Gasnetzen (immer mehr Fixkosten müssen auf weniger Verbraucher aufgeteilt werden), gibt es diesen auch bei den Strom - Netzentgelten und Umlagen.

Durch eine PV-Anlage auf dem Dach (+Speicher) werden die Netzentgelte und Umlagen, die als variable Kosten auf die Strommenge gezahlt werden, eingespart. Die Kosten für die Netzinfrastruktur bleibt jedoch die Geichen (oder erhöht sich zusätzlich durch den notwendigen Ausbau für die erneuerbaren Energien). Es erhöhen sich demnach der Netzentgelte für alle, die sich keine Solaranlage installiert haben. Bei höheren Preisen ist der Anreiz für eine PV Anlage wieder größer und schon haben wir eine Todesspirale.

Allerdings ist es hier nicht so wie beim Gasnetz:

  • Auf lange Sicht werden nicht alle der Todesspirale entkommen. Nicht alle haben ein Dach und Mieterstrommodelle funktionieren noch nicht so gut.
  • PV Besitzer bleiben am Stromnetz angeschlossen und sorgen für Kosten auch zu den Zeitpunkten in denen sie keine Netzentgelte zahlen, weil sie ins Netz einspeisen.

Es gibt einen Zielkonflikt bei den Netzentgelten. Wir wollen sie hoch als Anreitz für die PV Installation und wir wollen sie tief, weil es nicht schön ist, in der Todesspirale gefangen zu sein.

Eventuell sollte das jetzige System überdacht werden, wenn es für einige unverschuldet teurer wird.

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Der Vergleich hinkt. Selbst Häuser mit relativ leistungsstarker PV und großer Batterie werden weiterhin einen erheblichen Anteil ihres Strombedarfs aus dem Netz decken. Schon weil PV im Winter wenig Leistung bringt, Wärmepumpe und Elektroauto aber auch in dieser Jahreszeit betrieben werden wollen.

Selbst wenn man (sehr optimistisch) davon ausgeht, dass die Hälfte aller Hausbesitzer in Deutschland PV auf’s Dach packen und damit im Schnitt die Hälfte ihres Strombedarfs decken, dann sinkt dadurch bei gleich bleibenden globalem Verbrauch die Strommenge im Netz nur um 25%. Von einer “Todesspirale” weit entfernt.

Aber der Verbrauch wird nicht gleich bleiben, sondern durch Elektroautos und Wärmepumpen merklich steigen. Unterm Strich wird sich die Finanzierung des Netzes also verbessern, nicht verschlechtern (wobei natürlich auch der Bedarf des Netzausbaus steigen wird, sinken werden die Netzentgelte also eher nicht).

Nein, die Netzentgelte unterstützen aktuell das politische PV-Ausbauziel: Wer viel PV baut, sparrt Geld. Das sollte man auf keinen Fall untergraben. Ich würde schwer bezweifeln, dass irgendwer in Deutschland höhere Netzentgelte zahlen muss, weil private Hausbesitzer PV auf’s Dach packen. Die Kosten entstehen in erster Linie, weil das Netz insgesamt mit einem höheren Anteil Erneuerbarer Energien zurechtkommen muss.

Wer Menschen ohne eigene PV vor zu hohen Stromkosten schützen will, hat dazu jede Menge andere Instrumente zur Hand als eine Bestrafung derjenigen, die PV auf eigene Kosten ausbauen. Ein intelligentes Konzept für Mieterstrom könnte es Vermieterin schmackhaft machen, ihre Mieter an den Vorteilen von PV zu beteiligen. Und durch einen aus Steuermitteln schnell und umfassend vorangetriebenen Netzausbau könnte man schnell zu mehr EE und Batterienkapazität im Netz kommen, was die Strompreise insgesamt drücken würde.

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Ich bin deiner Meinung, dass der Ausbau von PV nicht gebremst werden sollte.

Auch stimme ich dir zu, dass Todesspiral etwas reißerisch ist. Trotzdem gibt es diesen Effekt. Diese 25% an nicht gezahlten Netzentgelten und Umlagen, die du beispielhaft ausrechnest, weden nach dem jetzigen System vermehrt von den Verbrauchern ohne eigene Erzeugungsanlage gezahlt, ob der Netzentgelte und Umlagen steigen oder nicht und momentan steigen die Netzentgelte und Umlagen.

Zudem sind es nicht nur Privathaushalte, die die Netzentgelte und Umlagen auf diese Weise einsparen. Direktleitungen zu erneuerbaren Parks für Gewerbe und Industrie werden immer attraktiver (hier sind es auch Windanlagen).

Danke für deine Lösungsvorschläge!

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Zitat aus dem neuesten Papier der Bundesnetzagentur zur anstehenden Netzentgeltreform: „Dies führt zu der auch schon im Diskussionspapier aufgeworfen Thematik, dass Prosumer sich nicht adäquat an den Netzkosten beteiligen (Entsolidarisierung).“

Wer eine PV-Anlage auf dem Dach hat, senkt auf weder technisch noch ökonomisch zu rechtfertigende Weise seinen Beitrag zur Finanzierung der Netzentgelte. In der Konsequenz müssen alle anderen Netznutzer höhere Netzentgelte zahlen. Diese Marktverzerrung und individuelle Ungerechtigkeit ist möglich, da die aktuelle Netzentgeltsystematik quasi noch von vor der Energiewende stammt. Mit der Netzentgeltreform werden diese Probleme gelindert werden (ab dem 1.1.2029).

Durch die Netzentgeltreform werden kleine PV-Anlagen zukünftig weniger stark subventioniert werden. Das ist volkswirtschaftlich zu begrüßen, da PV-Anlagen dann nur noch dort installiert werden, wo sie sich auch ohne Subventionen lohnen. In der Konsequenz wird sich der PV-Ausbau dann in Richtung kosteneffizienterer PV-Anlagen verschieben (Freifläche, große Industriedächer etc.).

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Politisch halte ich das für extrem kurzsichtig. Das EEG hat über seine Subventionen insbesondere für kleine Privatanlagen extrem zur allgemeinen Akzeptanz und zur Unterstützung der Energiewende beigetragen. Die Energiewende ist kein rein „technisch und ökonomischer“ Prozess. Ich würde sogar sagen, dass die politische Dimension inzwischen weit wichtiger ist als die ökonomische Optimierung.

EE haben das Potenzial, Energie für alle deutlich billiger und zugänglicher zu machen. Wer das auf eine Frage der Verteilung der Netzentgelte unter privaten Konsumenten verengt, der sieht hier den Wald vor lauter Bäumen nicht.

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Die Energiewende ist kein rein „technisch und ökonomischer“ Prozess. Ich würde sogar sagen, dass die politische Dimension inzwischen weit wichtiger ist als die ökonomische Optimierung.

Danke für die Erweiterung um diese Dimension. Das ist sicher auch ein Grund für diese späte Anpassung:

Aber zurück zum Thema das es eine politsche Entscheidung für mehr Akzeptanz ist. Ich bin mir nicht sicher, ob diese jetztige Regelung dafür sorgt, dass das die erneuerbaren im guten Licht dastehen. Nehmen wir mal die Perspektive eines Mieters in einer Großstadt ein, der der Energiewende neutral gegenüber steht. Wenn dieser Mieter jetzt weiß, dass er durch die Energiewende generell mehr zahlen muss, freut er sich vermutlich nicht. Wenn er dann noch erfährt, dass er mehr zahlen muss, dadurch dass sich andere Solaranlagen auf die Dächer bauen, verstärkt das wirklich die Akzeptanz der Energiewende? Wird sich diese Person wirklich freuen, wenn sie Solardächer sieht? Ich denke nicht, weil sie gerade nicht an der Energiewende profitieren kann.

Es müsste vermutlich eine Art gerechten sozialen Ausgleich geben. Meines Wissens war da auch mal was geplant.

Stimmt, falls ich diesen Eindruck vermittelt habe, möchte ich das gerne gerade stellen. Erstens geht es nicht nur um Netzentgelte, sondern auch um Umlagen (bspw Offshore Wind). Zweitens geht es nicht nur um private Haushalte, sondern um alle (auch Gewerbe, Industrie und Institutionen), die sich mittels eigener oder nahgelegener Erzeugung diesen Unlagesystemen entziehen. Diese nicht gezahlten Umlagen werden vermehrt auf andere Verbraucher umgelegt.

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Ich nehme vor allem den Effekt wahr, dass Solaranlagen ansteckend wirken. Einer fängt an und nach ein paar Jahren gibt es in der ganzen Nachbarschaft welche.
Begeistert beobachten die Eigentümer ihre Stromzähler oder Apps…
Ich denke, auch Mieter würden gern mitmachen - sieht man an den vielen Balkonkraftwerken.
Wenn ein Stein erstmal ins Rollen kommt, ist er nicht mehr aufzuhalten.
Außer man hält ihn künstlich auf wie Frau Reiche und Herr Merz.
Am Ende des Tages müsste es doch dann für alle billiger werden. Nichts ist billiger als Sonne und Wind.

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Den Effekt nimmst nicht nur du war, der ist in Studien bestätigt:

Unter deutschen Haushalten bestätigt diese Untersuchung, dass nicht nur das bloße Sehen von PV-Dächern (passiver Effekt), sondern vor allem persönliche Kontakte und vertrauensvolle Kommunikation mit bereits PV-nutzenden Personen (aktive Peer-Effekte) die Übernahme von PV-Technologie fördern

Studie dazu

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Aber weniger als ein Haushalt ohne PV und dadurch weniger Entgelte pro kilowattstunde bezahlen. Daher verabschiedet er sich aus der Solidargemeinschaft für den Netzanschluss das Gleiche zu bezahlen bei gleichem Stromverbrauch. Meine Forderung dazu wäre schon lange, die Netzentgelte auf den Stromanschluss umzulegen und nicht auf die verbrauchten Kilowattstunden. Schließlich legt der Versorger ja keine neue Leitung in mein Haus, wenn ich plötzlich anfange rund um die Uhr deutlich mehr Strom zu verbrauchen. Die Leitung ist schon da und die Leitungskosten bleiben die gleichen. Eher könnte ich argumentieren, dass die Leitung nun aufgrund der PV-Anlagen meiner Nachbarn ausgebaut werden muss, da sie ertüchtigt werden muss den Strom auch ableiten zu können. Diese erhöhten Kosten trage überwiegend ich ohne PV-Anlage.

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Was dann den Effekt hat, den alleinstehenden Rentner nahe der Armutsgrenze in kleiner Mietwohnung genauso zu behandeln wie die Luxusvilla, in der die Sauna läuft oder das Homeoffice. Finde ich auch nicht zufriedenstellend.

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Ich stelle mal die steile These auf, dass praktisch nirgendwo in Deutschland wegen einer privaten PV Anlage die lokalen Stromnetze ausgebaut werden. Ein entsprechender Anspruch der Bauherren besteht auch nicht. Noch dazu werden PV-Anlagen bei zu viel Einspeisung heute schon abgeregelt.

Der Ausbau der lokalen Netze wird vor allem durch den Zubau von Wärmepumpen und Wallboxen für E-Autos nötig. Diese Technologien werden wiederum die meisten Menschen in irgendeiner Form in Anspruch nehmen.

das ist ja eben genau nicht der Fall, da die Luxusvilla eine höhere NAK haben wird, also Anschlussleistung haben wird und so eben bei gleichem Leistungspreis mehr für den Netzanschluss zahlt als der Rentner

Schließlich legt der Versorger ja keine neue Leitung in mein Haus, wenn ich plötzlich anfange rund um die Uhr deutlich mehr Strom zu verbrauchen. Die Leitung ist schon da und die Leitungskosten bleiben die gleichen.

Das ist so nicht richtig. verbrauchen Haushalte rund um die Uhr mehr Strom so steigt der Gleichzeitigkeitsfaktor bei Auslegung vorgelagerter Netzbetriebsmittel. Zwar ist somit deine direkte Anbindung nicht betroffen wohl aber die vorgelagerte Ortsnetzstation sowie nachfolgende Betriebsmittel wie Mittelspannungskabel bis hoch in die Hochspannung. Aus demselben Grund ist ja Netzausbau wegen PV-Zubau nötig. Nicht weil der Direkte Hausanschluss das nicht kann sondern die vorgelagerten Betriebsmittel

Ein bisschen zu steil: (zumindest ist es nicht schwer einen Gegenbeleg zu finden)

Hier steht dass die privaten Haushalte für die Strom-Netzbetreiber zusätzliche Kosten verursachen. Es muss also höchstwahrscheinlich das Netz wegen privaten PV Anlagen ausgebaut werden.

Noch dazu werden PV-Anlagen bei zu viel Einspeisung heute schon abgeregelt.

Dein letzer Satz stimmt auch nicht ganz. Ja, PV Anlagen werden abgeregelt, aber selten die privaten, weil die zu klein sind und die nötige Technik nicht verbaut ist. Steht hier unter Frage 1 zur Abregelung: (Abregelung ab 100kW)

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Aus deiner Quelle:

Dieses sieht eine gesetzlich vorgeschriebene Leistungsbegrenzung auf 60 Prozent der Einspeiseleistung für alle Anlagen vor, die noch kein intelligentes Messsystem verbaut haben. Anlagen, die bereits über ein intelligentes Messsystem verfügen, erhalten darüber hinaus in Zeiten negativer Strompreise keine Einspeisevergütung. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Abregelung der Anlage. Lediglich die Vergütung für die entsprechenden 15-Minuten-Intervalle negativer Strompreise werden einbehalten und ans Ende der EEG-Laufzeit (20 Jahre) angehängt. Das Solarspitzengesetz greift bei Anlagen über 2 kWp und Steckersolaranlagen sind somit nicht betroffen.

Anlagen ohne intelligenten Zähler werden also de facto pauschal abgeregelt (auf 60% ihrer Nennleistung). Anlagen mit intelligentem Zähler werden nicht abgeregelt, aber eine Einspeisung wird nicht vergütet. Dadurch sinkt der finanzielle Anreiz, die Anlage größer als unbedingt nötig zu dimensionieren.

Mein Eindruck ist eher, dass man verzweifelt nach Geldquellen sucht und in den PV-Anlagen ein vielversprechendes Opfer gefunden hat. Die ganze Argumentationslinie ergibt für mich keinerlei Sinn:

  • Kraftwerke zahlen in Deutschland keine “Einspeisegbühr” oder Netzentgelte für eingespeisten Strom. Warum sollen private PV-Anlagen hier schlechter behandelt werden, als Gas- und Kohlekraftwerke?
  • Meine PV-Anlage hat 12 KWp. Das ist also die maximale Leistung, die von uns ins Netz eingespeist werden kann. Gleichzeitig haben wir ein Elektroauto, eine Stromheizung und eine elektrische Warmwasserbereitung. Wenn auch nur einer dieser Verbraucher läuft, dann brauche ich eine ähnlich starke Leistung aus dem Netz. Der Netzbetreiber muss die Netzkapazität für mein Haus also auch unabhängig von meiner PV-Anlage so ausbauen, dass diese Strommengen problemlos gehandhabt werden können.
  • Zukünftig werden die meisten Häuser mit Wärmepumpen beheizt werden. Bei einer Nennleistung von 10KW muss das Stromnetz entsprechend ausgebaut werden, dass alle angeschlossenen Häuser mit dieser Leistung auch versorgt werden können. In aller Regel werden in einer Siedlung deutlich weniger Häuser eine PV-Anlage auf dem Dach haben, als eine Wärmepumpe vor der Tür und ein E-Auto in der Garage. Der Netzbetreiber muss entsprechend das Netz so ausbauen, dass im Winter alle Häuser gleichzeitig beheizt und alle Autos gleichzeitig geladen werden können. Quer über den Daumen gerechnet dürfte die dabei abgerufene Leistung deutlich höher sein, als die maximale Einspeisung der PV-Anlagen im Sommer.
  • Den Netzbetreiber und der Politik stehen jede Menge andere Instrumente zum Lastmanagement zur Verfügung als die Erhebung von Abgaben auf eingespeisten PV-Strom. Intelligente Zähler und Wechselrichter ermöglichen die Abregelung von Anlagen im Überlastungsfall. Man könnte die gleichzeitige Anschaffung von Batterien verpflichtend machen. Eine weitere Absenkung der Einspeisevergütung wird Überkapazitäten sowieso immer unattraktiver machen.

Darüber hinaus ist es absurd, eine der größten Erfolgsgeschichten der Energiewende künstlich abwürgen zu wollen. Wir wollen massive PV-Überkapazitäten, finanziert aus privatem Kapital. Wo soll denn sonst der ganze Strom für die kurz- und mittelfristige Speicherung herkommen, den wir in Zukunft brauchen, wenn wir Gas und Co. möglichst wenig zur Stromerzeugung einsetzen wollen?

Wenn private PV-Anlagen wirklich für einen Kapazitätsengpass bei den lokalen Stromnetzen verantwortlich werden sollten, dann ist die Konsequenz daraus eine stärkere öffentliche Finanzierung des Netzausbaus oder eine Transfer-Finanzierung von jenen, die in den letzten Jahrzehnten mit fossilen Energien große Gewinne eingefahren haben. Eine Diskussion über eine stärkere finanzielle Belastung für private PV-Anlagenbetreiber ist angesichts der politischen und wirtschaftlichen Ziele bei den Erneuerbaren Energien an Absurdität nicht zu überbieten.

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Beim Hören dieses Beitrages habe ich gedacht:

  • jeder, der seinen Gas-Anschluss still legt, schadet also den anderen. Und diese anderen sind evtl. nicht in der Lage auch auf WP zu wechseln.
    Ist das nicht total unsozial ? Einfach den “langsamen” zu sagen: Ihr müsst schneller sein ist ein sehr egoistisches Menschenbild.

Aber mit einem Unterschied:
Strom ist die Zukunft und effizienter als grünes Gas, sofern es das geben wird. Also sich aus einem nicht zukunftsfähigen und klimaschädlichen System zu entziehen ist etwas anderes als das mit den Stromnetzgebühren