Tag der Männergesundheit / Internationaler Männertag

Heute ist Internationaler Männertag und ich möchte die Gelegenheit nutzen, um das Thema hier im Forum vorzuschlagen. Der Männertag hat zum Ziel, sowohl auf toxische Männlichkeit und veraltete Rollenbilder als auch auf die im Schnitt deutlich schlechtere Gesundheit von Männern und andere Probleme im Kontext von Männlichkeit aufmerksam zu machen:

Kleiner Disclaimer: Es versteht sich hier im Forum hoffentlich von selbst, aber dieser Beitrag ist selbstverständlich nicht als Relativierung patriarchaler Probleme gedacht, die in diesem Beitrag nicht im Fokus stehen. Im Gegenteil, am besten soll der feministische Kampf für Geschlechtergerechtigkeit hier aufgegriffen und anlässlich des heutigen Tages der Blick auf die Aspekte der Geschlechterungerechtigkeit erweitert werden, unter denen Männer leiden.

Gesundheit

Eine geringere Lebenserwartung, höheres Risiko für Übergewicht, Herzinfarkt, Schlaganfall, 4 Mal höheres Selbstmordrisiko, etc. Männer rauchen häufiger, sind häufiger drogenabhängig . Die Liste ist lang. (Links: 1, 2, 3, 4)
Die Benachteiligung von Frauen im Gesundheitssystem ist Fakt (siehe exemplarisch die höhere Sterblichkeit von Frauen bei Herzinfarkten, obwohl Männer diese früher und häufiger haben). Trotzdem sind sie im Schnitt gesunder und leben länger. Was können Männer daraus lernen und an welchen Stellen muss sich das System ändern?

Bildung

Jungs sind auf allen Ebenen der Bildung schlechter als Mädchen: Bereits im Kindergarten „sind Mädchen sprachlich und motorisch weiter als Jungen. Erzieherinnen und Erzieher in Kitas halten Mädchen zudem für kreativer, geduldiger und sozialer.“ 2/3 der ErstklässlerInnen mit Lerndefizit sind Jungen. Förderschulen haben ein ähnliche Geschlechterdifferenz. Mädchen erhalten häufiger Gymnasialempfehlungen und machen häufiger und besser Abitur. „Die Wahrscheinlichkeit, auf eine Top-Abiturnote zu kommen, liegt bei einer jungen Frau 80 Prozent höher als bei einem jungen Mann.“
Ebenfalls schließen insgesamt mehr Frauen ein Studium ab und in den MINT-Bereichen schließt sich die Lücke.

Die Ergebnisse von PISA und anderen Erhebungen zeigen, dass Mädchen durchschnittlich eine bessere Sprachkompetenz (Deutsch und Englisch) haben, in allen anderen Bereichen die Unterschiede aber nicht so einheitlich sind. Trotzdem erhalten Mädchen über alle Fächer hinweg im Schnitt bessere Noten, auch bei gleichen Leistungen. Dass Arbeiterkinder für eine Gymnasialempfehlung bessere Noten haben müssen als Akademikerkinder, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass gleichzeitig auch Jungen für eine Gymnasialempfehlung mehr leisten müssen als Mädchen.

(Fortsetzung aufgrund der Länge im nächsten Beitrag)

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Soziale Kontakte

Die meisten Menschen - ganz unabhängig vom Geschlecht - möchten gute Freundschaften pflegen und eine Beziehung führen (wenig überraschend 97,5% der 18-29 jährigen). Bei Freundschaften ist aber ein Problem, dass Männern ein offener Umgang mit Gefühlen mehr oder weniger aberzogen wird und sich dies auch auf die Qualität und Quantität von Freundschaften überträgt:

Gerade junge Erwachsene sind außerdem häufiger ungewollt alleinstehend (knapp 50% der 18-29-jährigen). Insbesondere Männer scheinen damit sehr unglücklich zu sein und tragen diesen Unmut öfter auch aggressiv nach außen. Verstärkt wird das Phänomen wohl auch dadurch, dass in Beziehungen auch heute noch oft der Mann das höhere Einkommen und die höhere formale Bildung hat und dies tendenziell auch von Frauen erwartet wird [5]. In Kombination mit dem oben genannten Bildungsproblem ist also eher nicht zu erwarten, dass sich dieses Dilemma von alleine auflösen wird.

Frauen haben seit der Erfindung der Pille die Kontrolle über sich selbst als Individuen ausserhalb der Mutterrolle. Immer weniger Frauen sind ausserdem finanziell von einem Versorger abhängig, sie brauchen also im klassischen Sinne keinen Mann mehr, um überhaupt einen eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden

„Incels“ sind dabei wahrscheinlich nur der radikalste kleine Teil eines größeren Phänomens, der große Erfolg von Peterson und Tate spricht Bände. Erste Studien legen nahe, dass junge Männer oft in incel-communities abrutschen, wenn sie das Gefühl haben, Männlichkeitserwartungen nicht erfüllen zu können und online nach Hilfe suchen. Die incel-Bewegung bestätigt den Frust, den diese Männer fühlen und lenkt ihn auf Frauen und die Gesellschaft
Und damit hat das ganze auch Auswirkungen auf:

Politik

Ein Teil des Erfolgs von Personen wie Trump kann wohl auch auf die Unzufriedenheit junger Männer mit ihrem Leben in unserer aktuellen Gesellschaft zurückgeführt werden. Insbesondere scheint es ein Erstarken rechter und antifeministischer Positionen unter den jungen Männern zu geben, die sich gesellschaftlich und wirtschaftlich abgehängt fühlen (6, 7):

How men are faring in school and at work may not arouse everyone’s concern, but how men choose to pursue politics inevitably affects us all.
Gender theorists have described a perennial struggle among multiple masculinities. In this scenario, nobody who values the prospect of eliminating gender hierarchies can afford to be a bystander. Masculinity is fragile; it’s also malleable. The shapes it will assume in the future have consequences.

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Schöne Zusammenstellung und guter Vorschlag. Ich würde noch Kriminalität und Geschlecht ergänzen: Männer sind unter Straftatverdächtigen und Verurteilten deutlich überrepräsentiert. Bei den Gefängnisinsass:innen ist die Relation sogar ca. 1:14.
Was führt dazu, dass Männer häufiger Straftaten begehen und wie kann die Gesellschaft dies verhindern?

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Männer sind auch deutlich häufiger Opfer von Gewalttaten: BMI - Alle Meldungen - BKA-Studie: Sicherheit und Kriminalität in Deutschland

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Ich fände Interessant, ob diese Männer eher einfach Teil des Trends zur Reaktanz angesichts unabweisbaren Anpassungsdrucks auf bisher privilegierte Gruppen sind, oder ob sie diesen Trend quasi „setzen“, weil es die gleichen Männer sind, die auch bei vielen anderen Themen (Klimaschutz, Gewaltfreiheit etc.) die Anforderungen der Gegenwart nicht erfüllen wollen/können.
Ich persönlich finde es ein sehr gutes Zeichen, wenn bestimmten jungen Männern der Zugang zum Genpool der Zukunft verwehrt bliebe, bis sie sich mal reflektieren und weiter entwickeln. Dieser Typ Mann findet eher noch zu häufig Frauen, die sich auf den ganzen Macho-Mist einlassen.
Gleichzeitig frage ich mich, ob ich mit der Einstellung nicht auch Teil eines Problems bin: Zumindest habe ich den Eindruck, dass bei Schlechterstellung von Frauen (mittlerweile) häufiger über Strukturen, Sozialisation etc. gesprochen wird, während bei Nachteilen für Jungen/Männer eher ein „selbst schuld, müssen die eben an sich arbeiten“ mitschwingt.

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Es ist selbstverständlich etwas gutes, dass Frauen nicht mehr unter Druck oder sogar Zwang stehen, auch mit diesen Männer eine Beziehung eingehen zu müssen.
Ich glaube aber, dass die Unzufriedenheit, die ein signifikanter Anteil dieser Männer damit spürt, nicht unbedingt zum „reflektieren und weiter entwickeln“ anregt, sondern eher eine Entwicklung in rechte und antifeministische Kreise bestärkt. Allein schon deswegen und vielleicht auch, weil ein signifikanter Teil der Gesellschaft damit einfach offensichtlich wirklich unglücklich ist, ist es mit „gut so, selbst Schuld“ meiner Meinung nach nicht getan.

Den Verweis auf den Genpool verstehe ich mal als Scherz. Ich glaube nicht, dass Sexismus genetisch veranlagt ist und auch nicht, dass wir über die Qualität des menschlichen Genpools in diesem Kontext reden sollten.

Das ist meiner Wahrnehmung nach definitiv ein Problem. Das klassisch-patriarchale Bild des starken Mannes schwingt da glaube ich bei vielen noch gedanklich mit. Dazu kommt die starke Individualisierung unserer kapitalistischen Gesellschaft. Und auch die progressive/feministische Seite, die meiner Meinung nach schon deutlich besser und konstruktiver auf solche Themen eingeht, hadert glaube ich oft damit, Männer auch als Opfer statt ausschließlich als potentielle Täter und Gewinner/Nutznießer des Patriarchats zu sehen.

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Ähm. Ich bin keine Feministin, aber nein: Männer sind Opfer des Patriarchats? Mmm. Fast jeden Tag ein Femizid in Deutschland und wir sprechen sofort wieder in ellenlangen Ausführungen über Männer?
Ich kann mich in fast jeden Menschen hineinversetzen, denke ich, und dann auch ein gewisses Mitgefühl entwickeln, aber könnte es sein, dass die Schwerpunktsetzung hier falsch ist? Natürlich möchte ich, dass es Männern besser geht, dass sie gesund sind, dass sie nicht solchen Druck spüren. Aber hat sich diesbezüglich nicht bereits viel geändert? Trotzdem nimmt die Gewalt gegen Frauen zu. Finde den Fehler.

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im Thread über Femizide hieß es noch, dass Probleme von Männern doch, wenn es den Männern wirklich wichtig wäre, separat thematisiert werden sollen, und nun wo es einen solchen Thread gibt heißt es solange es femizide gibt dürfe man nicht über Probleme für Männer reden?

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Ok. Es hat sich schon viel geändert, das muss ja dann mal genügen.

Merkst du nicht, dass du genau die Aussagen reproduzierst die bei Männern die meinen es sei jetzt aber auch mal genug mit Feminismus zurecht kritisiert werden.

Und ich glaube, dass diese Rollenbilder und die Art und Weise wie viele Männer sozialisiert werden eben gleichermaßen Männer auch zu opfern aber eben auch zu Tätern machen.

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Und warum interessiert es dann anscheinend niemanden?

Ich bin raus.

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Ja. Das schließt nicht aus, dass sie auch Täter sein können und auch Profiteure des Patriarchats sind. Trotzdem sucht sich kein Mann die oben genannten Probleme selbst aus, die meiner Meinung nach auch im Patriarchat begründet liegen.

Dafür gab es den Disclaimer im Eingangspost:

Der Fokus ist hier auf den Problemen von Männern. Genauso wie man zurecht zB in der Diskussion um Gewalt gegen Frauen darauf besteht beim Thema zu bleiben und nicht zu Gewalt gegen Männer zu derailen, geht es hier in diesem Thread eben nicht hauptsächlich um Gewalt gegen Frauen.

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Würde es niemanden interessieren würden wir es hier nicht thematisieren!

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Als die Lage Feminzide thematisierte, kam sofort die Kommentierung: Aber die Männer können auch Opfer von Gewalt sein. Etc.

Diskutiert gern weiter. Wird Zeit, dass sich auch mal jemand um die Interessen von Männern kümmert :wink:

Am Thread Gewalthilfegesetz haben sich bisher zwei Frauen beteiligt.

Woran machst du fest, dass „es dann anscheinend niemanden“ interessiert? Mich interessiert das Thema Femizide sehr wohl ich äußere mich auch regelmäßig zu dem Skandal, dass wir seit immer zu wenig Frauenhäuser haben etc. Allerdings begegnet mir gelegentlich ein Haltung, die mir auch hier mitzuschwingen scheint: Bei „Frauenthemen“ haben Männer nichts zu sagen, weil sie Männer sind, die sollen sich erstmal selbst reflektieren etc. pp. Und wenn es dann um Männerthmen geht „Solange es Frauenthemen gibt, sollte nicht über Männerthemen gesprochen werden“… Was wäre dein Wunsch, wie hier über Männergesundheit gesprochen werden soll und von wem?

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Ich würde bestreiten, dass meine Interessen sich mit denen von Incels, Afdlern und anderen „klassisch“ patriachalen Männern überhaupt irgendwo überschneiden und wenn sie es tun, sicher nicht wegen unserer Gemeinsamkeit beim Geschlecht. Ich glaube auch nicht, dass es weit hergeholt ist, dass viele, vielleicht sogar die Mehrheit der Männer in einer weniger patriachalen Welt zufriedener und länger leben würden.

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Ich finde das übrigens schade. Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir dieses Thema hier auch geminsam auf eine Sachliche Ebene bringen könnten. Ich glaube nämlich, dass die die hier mitdiskutieren würden weitestgehend nicht weit weg von deinem Denken sind.

Bei Migranten die zu Tätern werden (egal ob Amoklauf, Vergewaltigung, Diebstahl, Drogenhandel) sind wir uns hier im Forum ja weitestgehend ziemlich einig, dass diese Menschen eben nicht nur Täter sind, sondern auch Opfer. Opfer von Anfälligkeit für Beeinflussung aufgrund der prekären Lage, Opfer der prekären Lage selbst, Opfer der Umstände der Flucht, Opfer im Herkunftsland, etc.

Warum können wir nicht hier im Thread mit einer ähnlichen Sichtweise auf das Problem zugehen. Der Mann der seine Frau tötet weil die sich trennen will tut das ja nicht deshalb weil das rational so richtig ist, sondern weil er so geprägt ist, dass ihm das als richtiger Schritt erscheint. Natürlich sind es Männer die an dieser Prägung schuld sind und es müssen auch allem voran die Männer sein die dafür sorgen, dass sich das ändert.

Ich hatte dazu einen langen Text geschrieben in dem ich allem voran kritisieren wollte, dass es das Gesetz nicht schon längst gibt und dass auch die Gesellschaft viel mehr mit wachem Auge solche Fälle identifizieren muss, damit in späteren Prozessen die Gewalt bezeugt werden kann, habe ihn dann vor dem Absenden gelöscht, weil in anderen Threads die Frauen betreffen kritisiert wurde, dass sich vor allem Männer daran beteiligen. Diese Kritik wollte ich gar nicht erst aufkommen lassen.

Edit: Und ich habe auch in diesem Text geschrieben, dass es vor allem Männer sind, die ihre Mitmänner hier auch auf Spur bringen müssen. Wenn in der Kabine einer erzählt wie er seine Freundin herablassend behandelt, dann finden das die meisten falsch, aber es ist selten, dass jemand da wirklich dagegen redet. Es wird eher drüber gelacht. Das sollte sich ändern, damit falsches Verhalten (die mehrheit sieht es als Falsch) auch als solches offensichtlich wird.

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Ich weiß jetzt nicht, wo du das gesehen hast. Aber das ist natürlich nicht so.
Selbstverständlich braucht es auch Männer, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen.

Mich stört nicht die Thematisierung diese Threads, sondern die gleichzeitige fehlende Reaktion auf die Thematisierung von Frauenrechten (218, Gewalt, Parität).

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Es ging um die Arbeitszeit von Eltern, vor allem Vollzeit bei Müttern. Aber auch schon in früheren Debatten über Schwangerschaftsabbruch und Femizide gab es diese Kritik.

Das Thema 218 war ja ohnehin erst für die nächste Legislaturperiode auf der Agenda, daher für mich gerade wenig Gesprächsbedarf. Da gab es diese Kommission und die war für eine Legalisierung, wobei Details wie Beratungspflicht offen gelassen wurden. Ich finde es auch falsch, dass sich die Union dagegen wehrt und würde mir wünschen dass es ähnlich wie bei der „Homoehe“ läuft und das dennoch irgendwie voran kommt, auch unter Schwarz-X als Regierung.

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