Streitkultur: Reden wir noch oder schreien wir nur?

Ich bin heute morgen in unserer Tageszeitung über einen längeren Artikel gestolpert mit obigem Titel.

Der Autor beginnt damit, das ihn politische Debatten heute an den Pawlowschen Hund erinnern. Pawlow hatte ja bewiesen, das schon ein Glöckchen Speichelfluss beim Hund auslöst, obwohl noch kein Futter da ist.
Ähnlich sei es in der politischen Diskussion heute vielfach: es kommt ein „Trigger“, und die Empörung bricht bei einer Seite Bahn. Darauf reagiert die andere Seite mit ebenso viel Empörung, und man schaukelt sich hoch, bis der nächste Trigger kommt.

Das Gefährlicher sei, viele Menschen äußern sich, aber es werden keine Argumente ausgetauscht. Keiner wird schlauer, nichts verändert sich. Wenn man sich manche dieser Debatten später nüchtern anschaut, erkennt man wieviel unproduktive Energie vergeudet wurde.

Empörung ist nicht per se schlecht, sie kann auch Dinge verändern: #meetoo, Klimaproteste u.a. machen auf Missstände aufmerksam und führen zu Veränderungen.
Gefährlich wird es aber, wenn Empörung zum Grundzustand einer Gesellschaft wird. Alles ist „unfassbar“, das Leid in Gaza oder der Ukraine hat den gleichen Stellenwert wie Gendersternchen oder die Bezeichnung des Veggie-Burgers.

Wenn wir alles emotionalisieren, gibt es nur noch schwarz-weiß. Freund und Feind.

In den Zeiten der „Polykrise“ nennt der Autor drei Erkenntnisse, die Debatten beeinflussen:

  1. Wir können nur einen Bruchteil dessen verarbeiten, was passiert. Wir filtern also selektiv, gewichten Informationen.
  2. Wir lieben Geschichten, weil sie uns Zusammenhänge erzählen. Also je nachdem wie ich eine Geschichte konnotiere, ergibt sich ein anderes Bild.
  3. Wenn wir von etwas überzeugt sind, nimmt unser Gehirn gegenteiliges als Attacke wahr. Für unser Gehirn eine Art Selbstschutz gegen Bedrohungen.

Das Problem: heute liefern uns Algorithmen die Nachrichten und Informationen. Dazu nutzen diese unsere neurologischen Eigenarten. Was gefällt unserem Gehirn? Bestätigung!

Zitat des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen:„Mit nur ein paar Klicks kann man sich in sein eigenes Selbstbestätigungsmilieu hinengoogeln!“. Die alltägliche Dosis Bestätigung kann schon schädlich sein. Sie zementiert die Illusion, im Besitz der Wahrheit zu sein.

Entscheidend sind die dabei gesetzten Narrative. Das Grundprinzip dabei sei immer ähnlich. Narrativ qualitativ setzen, Narrativ quantitativ verbreiten, Beginn der offenen Feldschlacht. Beispiele gibt es zuhauf. Das provozierte Ampelaus der FDP, das Wirken der AfD.

Doch wie ändern wir unsere Debattenkultur: Der Autor Oliver Hollenstein, der diesen lesenwerten Text verfasst hat in der Sonntagsausgabe der Westfalenpost, nennt da einen meiner Meinung nach entscheidenden Punkt:

Zu verstehen, warum wir und andere so ticken, gibt uns die nötige Ausrüstung, um uns im Dickicht der Narrative zurechtzufinden und vielleicht wieder gemeinsame Pfade zu entdecken.

Zitat Bernhard Pörksen: „Die Art und Weise des Sprechens und Streitens ist der entscheidende Gradmesser demokratischer Vitatlität. Wir bringen die Welt in der wir leben, erst im Miteinander-reden hervor!“

Was meint Ihr?

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Welche Art(en) von Streit meinst du?

Und was schwebt dir als Ziel der streitigen Auseinandersetzung vor?

Geht es um den Streit von politischen Stellvertretern auf offener Bühne/in den Medien?

Ist das Ziel die so genannte Meinungsbildung?

Sollen Menschen auf die eine oder andere Weise beeinflusst werden? Oder geht es um ‘Schön, dass wir drüber geredet haben’?

Dass öffentlich eine ‘Schreikultur’ vorherrscht, kann ich - ehrlich gesagt - nicht erkennen.

Narrative sind ja tendenziell Fehlerquellen für einen rationalen Diskurs.

Was das Streiten m. E. oft so schwierig macht, sind nicht geteilte Werte, nicht geteilte Ziele, unterschiedliche Wissensstände im Hinblick auf wissenschaftliche Erkenntnisse, das Stellen der eigenen Befindlichkeit bzw. des eigenen Wollens über die Realität, der Ausschluss von betroffenen Dritten (z. B. über Geflüchtete zu reden, ohne dass diesen ermöglicht wird, selbst am Diskurs teilzunehmen).

Mal ein Beispiel: Soll sich jemand mit jemand anderem streiten, von denen einer die Universalität der Menschenwürde, wie sie in unserer Verfassung auf Ewigkeit festgelegt ist, infrage stellt?

Es ist doch vieles nicht verhandelbar wie beim Feilschen auf dem Flohmarkt, wo man sich am Ende vielleicht in der Mitte einigt.

Das glaube ich ist der Punkt.
Es geht nur noch um Richtig oder falsch, und was wir für richtig halten belegen wir mit reichlich Fakten. Also einer hat dann recht, der andere liegt falsch, Diskussion beendet.

Warum jemand so denkt wie er denkt, wie er zu seiner Meinung/seinem Narrativ kommt, was ihm/sie bewegt so zu denken, ist heute vielfach offenbar überhaupt nicht mehr von Interesse.

Wir reden übereinander und gegeneinander, aber kaum noch miteinander.
Es gibt also in meiner Wahrnehmung immer weniger Bereitschaft, anderen zuzuhören und zu verstehen. Sondern primär darum, die eigene „richtige“ Sichtweise zu begründen bzw. im Sinne der Selbstbestätigung zu verteidigen.

Macht Debatten oft sehr einseitig, sehr emotional und leider oft wenig konstruktiv.

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Ernst gemeinte Frage: Hältst du die allgemeine Menschenwürde für verhandelbar?

Das kann man doch im privaten Rahmen klären oder in ‘Selbsthilfegruppen’. Aber was soll das mit dem öffentlichen politischen Diskurs (Streit) zu tun haben bzw. dafür bringen?

Worauf willst du hinaus?

Mir wird immer unklarer, worauf du dich beziehst und was deine Einbringung bezweckt, wenn ich ehrlich bin.

Meiner sozialen Erfahrung entspricht das nicht.

Auch sehe ich nicht, wann jemals besser gestritten wurde.

Daher noch mal meine Bitte an dich, zu konkretisieren, auf was du dich beziehst und worauf du konkret hinauswillst.

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Ernst gemeinte Antwort: ich hab in meinen Ausführungen kein Wort über die Menschenwürde verloren, nur dein Beispiel abstrakt aufgegriffen. Es geht auch nicht darum ob etwas verhandelbar ist.

Aber auch deine weiteren Fragen aufgreifend:

Geht es Dir primär darum zu verstehen was ich sagen will oder unterschwellig darum zu verdeutlichen das mein Gedanke völlig unsinnig ist?
Ernst gemeinte Frage.

Mal an einem etwas abstraktem überspitzten Beispiel:

AfD Wähler liegen alle nachweislich belegbar falsch, sind also raus aus dem öffentlichen Diskurs. Zweifler am Klimawandel liefen nachweislich falsch, sind also quasi auch raus aus dem öffentlichen Diskurs.
Liste lässt sich fortführen. Bedeutet aber das der Kreis derer, die noch miteinander diskutieren immer kleiner wird.
Ist das der Gedanke hinter einer lebendigen Demokratie?
(Ich befürchte die nächste Frage wird sein ob ich mit AfD-Wählern sympathisiere und wie bb ich den Klimawandel anzweifle…. :wink:)

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Ich würde bezweifeln, dass irgendjemand die Menschenwürde gänzlich anzweifelt und für verhandelbar hält. Es gibt nur unterschiedliche Auffassungen darüber, wie weitreichend sie gilt.

Der eine sieht die Menschenrechte verletzt, wenn jemand von Stadtteilen und der Abschiebung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus spricht; der andere, wenn die Abtreibung von Embryonen mit einer erst später voll geltenden Menschenwürde begründet wird. Jemand mag sie verletzt sehen, wenn seine konservative Meinungsäußerung durch Proteste Dritter „gecancelt“ wird. Der Boomer mag seine Menschenwürde während Corona verletzt gesehen haben weil er sich nicht frei bewegen konnte und das Kind weil es in seiner Entwicklung behindert und diskriminiert wurde. Und wieder ein anderer sieht sie verletzt wenn einzelne Menschen zwar genug Geld für Zigaretten, aber nicht für die Ernährung ihrer Kinder haben.

Ich will das alles nicht bewerten. Aber für mich ist offensichtlich, dass die Aspekte der Menschenwürde so breit und diffus beschrieben sind, dass ihr Geltungsbereich letztlich Abwägungssache ist.

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Das trifft es am konkreten Beispiel schon ganz gut.

Gibt es die „eine richtige“ Definition von Menschenwürde? Wer legt die fest? In allen denkbaren Fällen?
Und heute scheinen wir abweichende Meinungen (von dem was für uns richtig ist) erst gar nicht mehr hören zu wollen.
Das lässt halt immer weniger offene Diskussion zu.
Ich weiß…..ein abstraktes Thema. Aber wir der zitierte Zeitungsartikel zeigt, scheine ich mit meiner „abweichenden“ Meinung nicht völlig allein zu sein.

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Ich saß mal mit drei Leuten am Tisch, die ich flüchtig kannte, das Gespräch war belangloser Small-Talk, dann kam plötzlich zusammenhanglos: „was mich aufregt ist der ganze Gender-Wahnsinn und dass man oft gar nicht mehr sagen darf, was man will.“ Eine emanzipierte Frau jenseits der 40 war dabei, die dann meinte, dass sie es schon schön fände, wenn man ihr Geschlecht explizit adressieren würde, den Rest des Gesprächs kann man sich vermutlich vorstellen. Ich weiß nicht, wie man das lösen sollte. Es gibt Themen, da ist jede Diskussion sinnlos.
Und zum zweiten Absatz sehe ich in der heutigen Zeit Diskussionen als immer schwieriger an. Da wirft dir jemand Zahlen zu Flüchtlingen hin - hier kann ich sie googeln aber während einem Gespräch auf der Straße? Früher hatten alle die gleiche Tageszeitung und den gleichen Wissensstand. Heute kannst du irgendwelche erfundenen Experten zitieren und hast die Deutungshoheit. Ich habe schon das Gefühl dass das Diskussionen ziemlich kaputt macht.

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Das ist tatsächlich ein riesiges Problem.
Wenn man sich schon nicht mehr darauf einigen kann, was ein Fakt und was nur eine Meinung ist, kann man sich das Diskutieren an dieser Stelle komplett sparen.

Aber natürlich gibt es auch politische Themen die nicht nur auf Zahlen und Fakten basieren, wie dein Beispiel bzgl. des Genderns. Das ist dann für mich tatsächlich ein reiner Wettstreit der Ideen und ihrer Überzeugungskraft.

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„Weil in Friedrichsdorf nicht alle Führungsämter weiblich besetzt seien, sende diese sprachliche Festlegung ein falsches Signal, so Gehrmann weiter. „Wir bedauern diese einseitige Umsetzung, denn sie widerspricht dem Anspruch auf Wertschätzung gegenüber allen Feuerwehrangehörigen“, heißt es von ihr.Man fordere eine rechtssichere, klare und neutrale Sprache – und am liebsten gar keine Geschlechterformen. Also Wehrführende und Stadtbrandinspizierende? Damit kommt die Forderung der CDU ironischerweise dem tatsächlichen Gendern näher, als ihr lieb sein dürfte.“

Sag bloß? Männer einfach mitzumeinen widerspricht dem Anspruch auf Wertschätzung? Aber wenn Frauen und nicht-binäre das sagen, ist das Genderwahn… und dann soll man so tun, als gäbe es eine sinnvolle Diskussion über “merkste selber!?” hinaus? Ist mir ehrlich gesagt nur lästig. Ich hab schon die Anspruchshaltung, dass ich nur Meinungen diskutiere, die sich jemand gebildet hat, nicht über solche, die jemand einfach nur hat, wie man einen Pickel hat. Einfach irgendwie bekommen und jetzt will man die in der Öffentlichkeit ausdrücken.

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Ja, das ist der Punkt: weil eine Seite bei Fakten immer häufiger verliert, werden nach Moral, die diese Seite früher stolz für sich gepachtet zu haben meinte, nun auch Fakten als unfaire Beschränkung der Meinungsfreiheit wahrgenommen. Klimaschutz, Energiewende, Nationalismus etc. Freundliche, sachliche Infos werden ignoriert und weggewischt, unfreundliche Reaktionen darauf sind gemein und d verschärfen nur die Polarisierung.

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Auch ein Aspekt der Diskussionskultur.
Um dein Beispiel des Genderns aufzugreifen: ich höre öfter von Frauen, das sie dem sehr rigorosen Gendern eher kritisch gegenüber stehen. Begründung u.a.: „Ich wurde nicht gefragt, ob ich das will.“;
In Diskussionen dann auch ein schwerer Brocken.

Aber das ist in dem Fall ja ser Punkt: der offensichtliche innere Widerspruch word auch nicht geheilt, wenn irgendwer anders irgendwas zum Gendern meint.

Auch hier fehlt wohl die breite Diskussion. Die moralische Meinungsführerschaft ist ja, wie du ja anführst, nicht immer die wahre Lösung in der Diskussion

Für mich ist der Begriff „Würde“ auch sehr abstrakt. Als Jugendliche verstand ich unter diesem Begriff damals jeden mit Respekt zu behandeln, keinen Mesnchen zu schlagen, zu bespucken, zu beleidigen oder oder zu mobben. Erst später habe ich gelernt, dass Menschenwürde auch für die Aufgabe eines Staates steht für ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen, die in Deutschland leben, zu sorgen. Ein menschenwürdiges Budget zum Leben hat das Verfassungsgericht gesetzt, aber andere Parameter sind sehr schwammig. Was ist schon Würde?
Ich würde die Behauptung in den Raum stellen, dass die Mehrheit der Deutschen und auch einige der AFD-Wähler hinter Artikel 1 stehen, aber den Beginn der Würde unterschiedlich setzen. Zweifelsohne gibt es auch viele, die anderen einen geringeren Wert und ihre Würde absprechen und damit die Basis für eine Diskussion erst gar nicht gegeben ist.

Aus meiner subjektiven unf anekdotischen Erfahrung gibt es tatsächlich kaum eine gesunde Streitkultur. Mein Vater wählt offen die AFD und mein Mann ist bei den Grünen. Geht es besser? Mit meinem Vater kann ich nicht diskutieren. Er ist viel zu emotional/wütend und zu tief in seiner Rabbit Hole. Ich meide Politikthemen aber nicht ihn, weil er mir immer ein guter Vater war und jetzt Opa für meine kleine Tochter.
Mit meinem Mann hatte ich zwei Tage vor der Geburt einen wirklichen schlimmen politischen Streit, der unsere Ehe fast zerstört hätte. Wir haben in vielen Themen eine ähnliche Meinung, aber ein größeres Thema meiden wir nun auch.

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Das wäre dann eine Folge: Man spricht dann gar nicht mehr über Themen.

Beispiel: jemand sagt, ich kaufe mir kein eAuto, weil es bei mir an Lademöglichkeiten mangelt.
In einer Diskussion kommen dann Fakten wie „In Deutschland gibt es 160.000 Ladepunkte“, also liegt der Betreffende falsch. Weitere Einlassungen werden abgeschmettert mit „der will nur nicht“.
Wenig später ist man auf der einen Seite radikaler Klimakativist, auf der anderen Seite Verbrenner-Anhänger und Klimaleugner.
Was bei beiden nicht stimmt, aber mangels offener Diskussion auch als Bild verfestigt.

Oder Thema Stadtbild: jemand äußert, das er sich in seinem Viertel unsicher fühlt weil dort augenscheinlich ausländische Jugendliche laut und aggressiv agieren.
Eine Seite zieht eine Statistik oder Studie aus dem Hut, das dieser Eindruck falsch ist weil ….;
Die Wahrnehmung dieses Menschen wird damit negiert, und wenige Wortwechsel später fallen subtile Rassismusanschuldigungen. Umgekehrt dann ähnlich. Eine sachliche Fokussierung auf die wirklichen Probleme wie fehlende Sozialräume oder hohe Jugendarbeitslosigkeit kommt dann erst gar nicht zustande, weil man sich argumentativ schon unversöhnlich gegenüber steht.

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Zwei Dinge sind aber klar: Die Verfassung schreibt vor, dass sie für alle Menschen in gleicher Weise gilt. Das Bundesverfassungsgericht hat darüber hinaus in zig Urteilen klargemacht, ab wann die Menschenwürde verletzt ist. Die Grenze ist also ziemlich klar definiert.

Ja, ganz objektiv. Mit Faktenleugnern, also denjenigen, die ein nachweislich falsches Realitätsverständnis haben, kann man keinen common ground finden. Daher ist es auch Zeitverschwendung, mit ihnen diskutieren zu wollen.

Ja? Dass naturwissenschaftliche Fakten bestritten werden?

Ist jetzt also das allgemeine Verständnis hier, dass es um so eine Art ‘Küchentischgespräche’ gehen soll?

Oder soll es um streitige Auseinandersetzungen von Politikern in der Öffentlichkeit (z. B. auf Podien) gehen?

Oder um Social-Media-’Gespräche’?

Oder um Talkshows?

Das sind alles jeweils völlig anders geartete Auseinandersetzungen mit anderen Bedingungen und anderen Zwecken und Zielen.

Und wenn es um Privatgespräche gehen soll, ist immer noch nicht klar, ob es um politische Streitgespräche gehen soll oder um andere Arten von Gesprächen.

Hier geht alles munter durcheinander.

Wie wäre es denn, sich überhaupt mal darauf zu verständigen, was hier der Gesprächsgegenstand sein soll?

Wenn schon dem Bundesverfassungsgericht Diffusität unterstellt wird (s. o.), dann ist das Springen zwischen völlig unterschiedlichen Gesprächsformaten hier noch weitaus diffuser.

Das weise ich entschieden zurück. Apropos: Diskussionskultur sollte auf derartige Unterstellungen verzichten.

Ein Gespräch zwischen Familienmitgliedern ist etwas völlig anderes als eine Fernsehtalkshow oder ein Politiker-Panel oder eine Bundestagsdebatte oder ein Social-Media-Battle usw. usf.

Bestimmte Diskussionen sollen ja u. a. zum Erkenntnisfortschritt (z. B. eines Publikums) beitragen.

Gespräche in Familien sind demgegenüber völlig anders geartet. Denn da spielt das Beziehungsgeflecht nahezu zwangsläufig eine Rolle. Da geht es oft gar nicht darum, wer die besseren Argumente vorträgt.

Auch geht es meist nicht darum, politische Entscheidungen herbeizuführen oder zur allgemeinen Aufklärung beizutragen.

Social-Media-Auseinandersetzungen sind oft sogar gar keine Diskussionen im Sinne des argumentativen Austauschs. Etc.

Politische Streitgespräche in der Öffentlichkeit im Sinne einer Debatte müssen zudem immer von biografischen Geschichtchen absehen oder sollten es jedenfalls, weil die vorgetragenen Argumente unabhängig vom Einzelfall Gültigkeit beanspruchen müssen.

Alles durcheinanderzumischen führt also nirgendwohin.

Hier werden mal einige Argumenttypen durchdekliniert:

In Privatgesprächen tauchen ganz andere Arten von Äußerungen auf.

Letztenendes sind Faktenargumente und logische bzw. Kausalschlüsse die am wenigsten anfechtbaren.

Debattenkultur ist das, was in Debattierclubs durchgespielt wird.

Deine Empfindung kann ich nicht ändern - auch nicht, dass du dich gemeint fühlst, obwohl ich gar nicht auf dich Bezug genommen habe.

Mein Argument bzgl. des BVerfG und der Menschenwürde war ganz allgemein.

Da ich dich gar nicht kenne und nichts Diversitätsfeindliches geäußert habe, erschließt sich mir deine Replik nicht.

Rückzug ist jedenfalls keine Lösung.

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Naja, du trägst jetzt auch zum diffusen Bild bei, indem du immer mehr Stichpunkte hineinwirfst, weil das Thema dir offenbar unangenehm zu sein scheint? Weil es möglicherweise nicht nur schwarz und weiß gibt?
Es geht um die allgemeine Debattenkultur in unserer Gesellschaft, sowohl in Politik, Medien als auch privaten Umfeld. Die genannten Aspekte finden sich in allen Lebensbereichen.

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Da sind wir halt wieder bei grundsätzlichen Welten, die da aufeinandertreffen. Ich halte es für wenig zielführend, meine anekdotische Realität in die Diskussion zu werfen, da es um allgemeine Realitäten gehen sollte. Du siehst das anders, weil du der Meinung bist, dass deine Realität nicht übersehen werden darf. Wir werden hier nicht auf einen Nenner kommen. Wie letztens ein Kabarettist sagte:

ich war 14 und hatte schon die richtige Meinung. Da dachte ich mir, wenn ich da mit 14 drauf komme, da kann es ja wohl nicht mehr lange dauern, bis die Erwachsenen drauf kommen. Naja, dauerte etwas länger. Sehr viel länger. Jetzt bin ich erwachsen und mir ist klar, dass das damals wirklich die richtige Meinung war. Aber - die anderen glauben dass von ihren Meinungen auch.