Wenn ich mich auf die Zahlen verlassen kann, die der Spiegel zitiert:
Der Grundfreibetrag soll um 1.000 Euro angehoben werden. Nicht spezifiziert wird, ob das einschließlich der sowieso jährlich erfolgenden Erhöhung um ca. 300 Euro oder zusätzlich hierzu laufen soll.
Selbst wenn es um die vollen 1.000 Euro geht, ist das keine Maßnahme, die “kleinen” Einkommen zugute kommt. Einkommenssteuer wird für einen verheirateten Arbeitnehmer mit zwei Kindern erst ab ca. 32.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen fällig (was einem Haushaltseinkommen von 64.000 Euro entspricht). Wer weniger verdient, dem hilft auch ein höherer Grundfreibetrag nichts. Und da das Median-Einkommen in Deutschland mit ca. 45.000 nicht weit oberhalb dieses Einkommensniveaus liegt, werden sich auch die Ersparnisse für den Rest der kleinen und mittleren Einkommen im überschaubaren Bereich bewegen (vielleicht ca. 250 Euro/Jahr?)
Dann soll der Grenzsteuertarif flacher verlaufen. Wie sich das auf kleine und mittlere Einkommen auswirken wird hängt stark von den Details ab.
Von diesen Veränderungen profitieren notwendigerweise natürliche ich die hohen Einkommen. Die bekommen zusätzlich aber noch eine deutliche Anhebung des Einkommens, ab dem der Spitzensteuersatz fällig wird, von derzeit 70.000 auf 85.000 Euro. Wer derzeit am oberen Ende dieses Einkommensniveaus liegt, würde dadurch jedes Jahr ca. 2.300 Euro Steuern sparen. Also etwa ein Brutto-Monatsgehalt von einem Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen.
Dann soll der Solidaritätszuschlag entfallen, der derzeit nur von Menschen mit sehr hohem Einkommen gezahlt wird (10% der Einkommenssteuerpflichtigen).
Ob das fair ist, kann man eigentlich nur beurteilen, wenn klar ist, wie es finanziert wird.
Die CDSU will dafür explizit nicht die Staatseinnahmen erhöhen, muss also irgendwo Geld sparen. Durch diese Sparmaßnahmen werden aber irgendwelche Menschen in Deutschland weniger Geld verdienen. Denn die Staatsausgaben gehen ja zu einem sehr großen Teil über Löhne, Gehälter, Subventionen und den Kauf von Waren direkt in die Taschen der Bürger.
Wenn also die Finanzhilfen des Bundes um 15% reduziert werden sollen, dann kann man sich ja mal anschauen, wofür der Bund derzeit Finanzhilfen zahlt: Bundesfinanzministerium - 30. Subventionsbericht des Bundes
Da fallen dann oft Stichworte wie “Erneuerbare Energien”, “ÖPNV”, “Energieeffizientes Sanieren”, “Städtebauförderung”, “Baukindergeld” usw.
Natürlich könnte hier auch eine Streichung der Subventionen z.B. für den Flugverkehr oder das Stopfen von Schlupflöchern bei der Besteuerung großer Konzerne gemeint sein. Angesichts der sonstigen Politik der CDSU halte ich das aber für eher unwahrscheinlich.
Das selbe gilt, wenn 8% der nicht sicherheitsrelevanten Verwaltungsausgaben abgebaut werden sollen. Grundsätzlich heißt das erstmal, dass perspektivisch 8% weniger Gehälter an die Beschäftigten in der Verwaltung des Bundes gezahlt werden sollen. Und dann ist die Frage, woran genau gesparrt werden soll. @longfellow hat die relevanten Bereiche ja schon aufgezählt.
Die Frage nach der Fairness lässt sich aus Perspektive des Spitzenverdieners vermutlich relativ leicht beantworten: Die Steuerersparnis ist substanziell und die Einschnitte bei den staatlichen Leistungen schränken diese Person vermutlich nicht über Gebühr ein.
Aber für Menschen mit niedrigem und mittleren Einkommen halte ich es für fragwürdig, ob eine Steuerersparnis von 0-250 Euro/Jahr mehr wert ist, als eine spürbare Reduzierung staatlicher Transferleistungen bei Energiepreisen, Altersvorsorge, Umweltschutz, ÖPNV und Bildung. Was man an Einkommenssteuer spart, das zahlt man hintenrum doppelt und dreifach wieder drauf.