Steuern, Vermögen, Fairness – wie verhindern wir, dass Studierte ohne Erbe am Ende die Zeche zahlen?

…Liebe Lageristen, liebe Mitlesende,

im Moment wird an vielen Stellen über mögliche Änderungen im Steuersystem gesprochen, mal eher hinter verschlossenen Türen, mal offen. Konkret geht es darum, den Spitzensteuersatz von 42 auf 49 Prozent anzuheben und die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge von 25 auf 30 Prozent zu erhöhen. Dazu kommt die Idee, den Solidaritätszuschlag komplett abzuschaffen, was aber nur einen kleinen Teil der Mehrbelastung ausgleichen würde.

Worum geht es eigentlich?

Die geplanten Änderungen würden vor allem Menschen treffen, die über der Grenze zum Spitzensteuersatz liegen, und alle, die Kapitalerträge erzielen. Immobilienbesitz wäre dagegen weiterhin nur am Rand betroffen, also eher über Dinge wie Grunderwerb- oder Grundsteuer. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten sehr klar, dass Wohneigentum der größte Vermögensmotor in Deutschland ist. Eigentümerhaushalte sind im Median deutlich vermögender als Mieter, und weniger als die Hälfte der Haushalte lebt überhaupt im eigenen Zuhause. Davon profitieren logischerweise vor allem diejenigen, die bereits geerbt haben oder in einem abbezahlten Haus wohnen.

Hinzu kommt, dass Erbschaften und Schenkungen rasant wachsen. Im Jahr 2023 wurden über 121 Milliarden Euro an Vermögen steuerlich erfasst, ein neuer Rekordwert. Die Erbschaft- und Schenkungsteuer legte ebenfalls zu. Das zeigt sehr deutlich, wie groß der Anteil von Vermögensübertragungen zwischen Generationen inzwischen ist. Erwerbsarbeit allein spielt bei der Vermögensbildung im Vergleich dazu eine immer kleinere Rolle.

Für viele von uns, die ein Studium hinter sich haben, kein Erbe erwarten und sich ihre Altersvorsorge über Kapitalmarktprodukte wie ETFs, Fonds oder Betriebsrenten aufbauen, entsteht dadurch der Eindruck, dass steigende Steuern bei Arbeit und Kapital vor allem uns treffen. Währenddessen bleiben Substanzvermögen wie Immobilien, die in den letzten Jahren massiv an Wert gewonnen haben, weitgehend außen vor. Und wenn man sich anschaut, welche Steuern den größten Anteil am Gesamthaushalt ausmachen, sieht man schnell, dass Kapitalerträge nur eine kleine Rolle spielen, während Lohnsteuer und Umsatzsteuer den Löwenanteil tragen.

Worüber ich gerne sprechen will

Mein Ziel ist es herauszufinden, wie ein Steuersystem aussehen kann, das leistungsfähig bleibt, Investitionen nicht bremst und trotzdem sozial gerecht ist. Vor allem möchte ich verhindern, dass Menschen ohne Erbe und mit kapitalmarktbasierter Altersvorsorge weiter benachteiligt werden.

Vorschlag für Leitfragen

Lastenverteilung zwischen Arbeit, Kapital und Besitz
Wie sinnvoll ist es, Arbeit und Kapital weiter zu belasten, während große Vermögen aus Immobilien kaum erfasst werden?
Welche Kriterien sollten wir als Maßstab nehmen, wenn wir über faire Besteuerung reden?

Kapitalerträge und private Altersvorsorge
Wie stellen wir sicher, dass langfristiges Sparen nicht schlechter gestellt wird, wenn die Abgeltungsteuer steigt?
Welche Freibeträge oder Sonderregeln wären gerechtfertigt?

Wohneigentum und Substanz
Wie kann Eigentum stärker einbezogen werden, ohne Mieter zu belasten oder Wohnen generell teurer zu machen?
Gibt es Modelle, die den Ersterwerb unterstützen, aber große Immobilienvermögen dennoch angemessen berücksichtigen?

Erben und Schenken
Wie gehen wir mit den stark steigenden Erbschaftsvolumina um, ohne Unternehmensnachfolgen zu gefährden, aber dennoch große Übertragungen gerechter zu besteuern?

Ganzheitlicher Blick statt lauter Einzelmaßnahmen
Braucht es einen neuen, einheitlichen Ansatz, der alle Einkunftsarten fair einordnet?
Oder sollten wir lieber am bestehenden System festhalten und gezielt Altersvorsorgeprodukte schützen?

Einstiegs-Thesen zur Orientierung

  1. Eine Erhöhung von Spitzensteuersatz und Abgeltungsteuer verschiebt nur Belastungen, löst aber die strukturellen Ungleichgewichte zwischen Einkommen, Immobilienvermögen und Erbschaften nicht.

  2. Eine echte Entlastung der Mitte braucht klare Regeln für langfristiges Sparen und weniger Flickwerk.

  3. Eigentum spielt eine riesige Rolle für Vermögensunterschiede. Wenn Reformen das nicht berücksichtigen, verschärft sich die Schieflage weiter.

Danke für eure konstruktiven Beiträge :+1:

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