Sind Aktienrente und steuerfinanzierte Rente in ihrer ökonomische Wirkung identisch?

Die Effekte gleichen sich in der Beziehung Staat - Unternehmen. In der Beziehung Staat - Aktionäre zeigt sich, dass im Falle der Aktienrente, die Rendite der Aktionäre, auf den Ersten Blick gleich bleibt und im Fall der Zusatzsteuer sinkt. Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass der Staat durch einen großen Fond in nennenswerten Umfang zusätzliches Geld durch Verschuldung schafft und im Kapitalmarkt spart, müssten die Finanzierungskosten der Unternehmen sinken. Sinkende Finanzierungskosten der Unternehmen und sinkende Renditen der Sparrer, sind aber natürlich die beiden Seiten der selben Medaille. Auch hier scheint es keinen deutlichen Unterschied zu geben.

Wenn man jetzt die Kosten der beiden Maßnahmen aus Sicht des Staates vergleicht, fallen bei der Zusatzsteuer keine an. Vor dem Hintergrund des Ziels (Umverteilung) ist dieser Aspekt also unerheblich.

Im Falle der Aktienrente muss jedoch zuerst Kapital geschaffen werden um Aktien zu erwerben. Da es sich dabei um eine “Finanzielle Transaktion” handelt ist dies in unbegrenzter Höhe auch unter der Schuldenbremse möglich. Das Finanzministerium verkauf also Staatsanleihen an die Bietergruppe Bundesemissionen. Mithilfe der Zentralbank wird neues Geld geschaffen welches der Staat dann im tausch gegen die Aktien an die Aktionäre überweist. Außerdem erhält die Bietergruppe Bundesemissionen bzw. deren Käufer laufen Zinserträge vom Staat. Unter Berücksichtigung der Vermögensungleichheit stehen diese beiden Effekte dem Ziel der Umverteilung entgegen.

Gehen wir vereinfacht davon aus, dass die Rendite der Staatsanleihen, und somit die Kosten des Staates bei 2,5% liegen und die Marktrendite der Aktien bei 7%. Dann müssen für die 30 Geldeinheiten Umverteilung aus dem oberen Beispiel rund 430 Einheiten Kapital geschaffen und den ursprünglichen Aktionäre überwiesen werden. Verteilt auf 10 Jahre sind das 43 Einheiten p.a. Hinzu kommen weitere knapp 11 Einheiten an laufenden Kosten pro Jahr.

Damit also 30 Einheiten p.a. von Staat an den ärmeren Teil Umverteilt werden können, müssen 54 Einheiten vom Staat an den reicheren Teil gegeben werden.

Ich bin immer wieder verblüfft, welche volkswirtschaftlichen Zusammenhänge mit „neoklassisch“ delegitimiert werden (mir scheint oft: eigentlich alle, soweit sie nicht irgendwie „neu“ sind). Saldenmechanik hat aber mit Neoklassik nicht zu tun und kann sich durch neue wissenschaftliche Theorien nicht ändern.

Nachfrage wird nicht in die Zukunft verschoben, in dem Sparer sparen. Das Geld wird nicht durch Sparen der produktiven Wirtschaft entzogen.

Unternehmen unterlasse v.a. dann trotz niedriger Zinsen Investitionen, wenn sie keine gute „Investmentidee oder -möglichkeit“ haben und ihre Liquidität mit höherer Rendite anlegen können. Aber auch dann wird Geld nicht der produktiven Wirtschaft entzogen (s.o.)

Ganz ehrlich: Soo tief wollte ich dann doch nicht mehr einsteigen. Dafür habe ich schlicht keiner Zeit ….

2 „Gefällt mir“

Das war die Erklärung:

Statt sich zu beteiligen an Unternehmen könne der Staat auch Steuern einnehmen und das Geld für die Beteiligungen anderweitig investieren.
Teile ich grundsätzlich. Allerdings kann eine Aktienrente weltweit investieren und damit das System resilienter machen.
Im gleichen Atemzug könnte man dann auch fragen, ob der Staat noch Subventionen verteilen sollte, oder besser in Zukunft nur noch Beteiligungen kauft. Konnten sie das Unternehmen nicht retten, ist das Geld in beiden Fällen weg. Kurbeln sie den Umsatz an, muss der Staat sich das Geld nicht über unbeliebte Steuern zurückholen, sondern wird direkt am Gewinn beteiligt.

Das wurde aus einem anderen Thread verschoben.
Edit:
Aus einem Beitrag weiter oben

Der Therad ist in einem anderen entstanden und hat dann einen eigenen bekommen, ich glaube daher wirken die ersten Posts noch etwas verwirrend.

Die Frage ist ob die sog. Aktienrente, über die politisch Nachgedacht wird um die Umlagefinanzierte zu stützen, nicht ökonomisch einer zusätzlichen Steuer sehr gleich kommt. Außerdem habe ich gefragt warum die Option „Steuer“ immer als Teufelszeug und schädlich gilt, die „Aktienrente“ jedoch nicht. Obwohl doch in beiden Fällen Unternehmensgewinne umverteilt werden sollen.

Das Argument verstehe ich nicht ganz. Zunächst fehlt mir für die Behauptung mit der Konzentration in Immobilienkonzernen Kontext. Zweitens wird da aus meiner Sicht keine Abhängigkeit “erhöht” im negativen Sinne. Moderne Gesellschaften in den kapitalistischen Demokratien sind so oder so von Kapital- und Finanzmärkten abhängig. Durch die Investition kann man aber mit partizipieren, einschließlich mittelbarer Mitsprache und unmittelbarer Erträge.

1 „Gefällt mir“

Der Titel bezieht sich auf den ersten Beitrag von FaxVerweigerer404 vom 6.1. Warum die beiden Posts von sereksim davor mit in den neuen Thread verschoben wurden, weiß ich nicht. Wirkt in der Tat verwirrend

Exakt. Mir ging es gar nicht um einen detaillierten Vergleich verschiedener Rentensysteme. Im Kontext des Threads aus dem diese Diskussion hier ausgelagert wurde war es nur ein Beispiel für den Unterschied zwischen grundlegenden Änderungen und Symptombekämpfung, am Beispiel des deutschen Rentensystems und der Aktienrente.

Was man ja auch als Problem sehen kann.

Die Mitsprachemöglichkeiten bleiben bei den Fondsmanagern, nicht bei den einzelnen Sparenden. Die Erträge sind natürlich das Ziel, weshalb ich auch geschrieben habe, dass die Aktienrente grundsätzlich funktioniert. Das heißt ja aber nicht, dass es nicht trotzdem auch Probleme gibt.

1 „Gefällt mir“

Dieses Thema wurde nach 3 Tagen automatisch geschlossen. Es sind keine neuen Antworten mehr erlaubt.