Hier auch mal meine 2 Cent zum Thema. Was der Gast Prof. Werding für Alterntiven vorschlägt, ist in meinen Augen vollkommen der falsche Weg und das übliche neoliberale Gewäsch. Eine kapitalgedeckte Altersversorgung basiert auf Wachstum. Wann steigen denn die Aktienkurse von Firmen? Wenn sie Gewinn erwirtschaften, indem sie expandieren, wachsen, mehr Produkte herstellen und verkaufen können, mehr Kunden haben. All dies sind Faktoren die einen positiven Einfluss auf die Aktienanteile des Unternehmen haben. Mehr Gewinn bedeutet, entweder produktiver werden oder die Produkte teurer machen. Letzteres führt meistens dazu, das Mitstreiter auf dem Markt ihre Produkte günstiger anbieten können/werden. Mehr Gewinn, ohne die Preise anzuheben, bedeutet produktiver, effizienter und konstensparender zu produzieren. Was ist der mit Abstand teuerste Kostenfaktor? Das Personal. Will ich also ein Produkt kostengünstiger herstellen, optimiere ich Arbeitsschritte. Am Ende auf Kosten von Personalabbau. Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn ein Angesteller seine Kapitalgedeckte Altersvorsorge mit Aktien seines Arbeitgebers finanziert und Rendite erzielen müsste, setzt er gleichzeitig seinen Arbeitsplatz aufs Spiel, da er Gefahr läuft, das ausgerechnet seine Position wegrationalisiert wird.
Überhaupt finde ich dieses Gerede von Wachstum vollkommen falsch. Wachstum bedeutet nichts anderes als Verbrauch. Ich will mehr Gewinn machen, muss ich mehr verkaufen, oder wie erwähnt effezienter werden. Mehr bedeutet allerdings auch mehr Material, mehr Rohstoffe (was auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen faktisch nicht geht), mehr Verbraucher.
Die Umlagen finanzierte Rente hat immer schon funktioniert. Sie hat Ölkrisen und sogar zwei Weltkriege überstanden und funktioniert. Der Unterschied zu heute liegt einzig und allein darin begründet, das damals fast jeder in die staatliche Rente eingezahlt hat. Heute sind es unter die Hälfte. Diverse Berufssparten haben ihre eigenen Vorsorgekassen und koppeln sich komplett aus der staatlichen Rente ab. Hinzu kommt noch der Schutzzaun für Reiche, genannt Beitragsbemessungsgrenze. Ab einem gewissen Einkommen steigen die Beitragszahlungen nicht mehr.
Dann diese unredlichen Vorschläge, das Renteneintrittsalter aufgrund der demografischen Situation zu steigern. Erzähl das mal einem Schichtarbeiter, einem Maurer, Dachdecker oder Installateur. Die meisten sind körperlich ab 55 Jahren kaum noch in der Lage ihren Job auszuführen, weil der körperliche Verschleiß sich letztendlich bemerkbar macht.
Noch mal zur Erinnerung. Wachstum bedeutet nichts anderes als den Verbrauch zu steigern. So lange mit diesen Argumenten debattiert wird, gibt es in meinen Augen keine Lösung sondern nur weitere Probleme.