Wo kann man denn diese “empirische Evidenz” nachlesen?
Weil ich in der Diskussion auch schon das exakte Gegenteil deiner Aussagen hier gehört habe - dass das Modell in Österreich tatsächlich als erfolgreich betrachtet würde, den Konkurrenzkampf unter den Anbietern befördere und dem Konsumenten eine verlässlichere Entscheidungsgrundlage (keine plötzliche Preiserhöhung zwischen Entscheidung “ich fahr gleich an der Tanke vorbei” und dem Tankprozess eine halbe Stunde später mehr möglich) biete.
Allerdings leider auch weitgehend ohne Angabe konkreter Quellen für die Aussagen und methodisch nachvollziehbarer Studien.
Daher stehe ich etwas auf dem Schlauch, was ich davon halten soll. Rein spieltheoretisch kann ich mir durchaus vorstellen, dass eine nur einmalige Erhöhung - idealerweise zu einem fixen Zeitpunkt am Tag und mit verzögerter Veröffentlichung, um jeder Berücksichtigung der Konkurrenzpreise gleich einen Riegel vorzuschieben - und beliebig viele Senkungen untertägig den Konkurrenzkampf fördern und implizite Preisabsprachen ohne “Hinterzimmer-Deals”, rein durch Beobachtung der Konkurrenz und algorithmisches Anpassen der Preise an diese (gegen die das Kartellamt machtlos ist, weil diese Art gegenseitiger, sich spieltheoretisch ergebender “Preisabsprachen” ohne direkte Absprache auskommt, und direkte Absprache aber das Einzige ist, was das Kartellrecht sanktionieren könnte), erschwert, weil das “Austesten” niedrigerer Preispunkte und Herausfinden, ob die Konkurrenz mit-absenkt oder ob sie höhere Preise behält (in welchem Fall man selbst natürlich sofort wieder erhöhen würde), verunmöglicht wird.
Allerdings ist Preisfindung am Spritmarkt ein ziemlich komplexes System mit vielen Variablen, konkurrierenden Motivationen und Marktteilnehmern, so dass ich mir mit dieser intuitiven Betrachtung alles andere als sicher bin.
Einzig mit einem Punkt bin ich mir sicher: der Verbraucher hat zumindest einen Planbarkeits-Vorteil, wenn er keine böse Überraschung zwischen Entscheidungsfindung und tatsächlichem Tanken mehr befürchten muss, sondern im Grunde nur noch positiv überrascht werden kann, dass der Sprit auf dem Weg zur Tanke billiger geworden ist.