Wie ich gelesen habe, hat das BMWE unter Katharina Reiche nun nicht nur vor den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen, sondern auch die dingend notwendigen Batteriespeicher abzuwürgen.
Ich bin in dem Thema kein Experte und vielleicht hat hier jemand mit vertieftem Wissen mehr Ahnung, aber für mich liest sich das folgendermaßen:
Insbesondere die wichtigen Großspeicher, die vmtl. an alten Kohle- und Atomkraftwerksstandorten installiert werden könnten, werden damit zurückgeworfen.
Weniger Batteriespeicher heißt mehr Gaskraftwerke, wenn KohleKW abgeschaltet werden, mehr Abschalten von Windkraft- und PV-Anlagen sowie mehr Netzausbau- und Redispatch kosten. Alles Geld, das in die Taschen der Netzbetreiber und großen (Gas)Kraftwerksbetreiber fließt.
Als Grund für das Alles wird natürlich vorgeschoben, dass die Anschlussanfragen sich häufen und man das neu strukturieren muss, dass das schneller geht. Wenn man aber das alte (schlechte) einfach abschafft ohne etwas neues vorzulegen, gibt es, stand jetzt, überhaupt keine Möglichkeit eine Genehmigung zu erhalten. Zusätzlich wird die Frage aufgeworfen ob die Zustimmung für die bisherigen Projekte noch bestand hat.
Das Ganze kann als Änderung des KraftNAV einfach innerhalb des Ministeriums entschieden werden. Die einzige Widerrede kann über eine öffentliche Diskussion passieren. Vielleicht kann man hier das Thema einmal aufgreifen.
In diesem Fall ist es für mich uneindeutig ob das Absicht oder handwerklich unglaublich schlecht ist -aber ich finde es erstaunlich wie sowas bei Habeck kommentiert wurde (GEG) vs wie das bei Reiche kommentiert wird
ich möchte deiner Darstellung widersprechen, dass weniger Batteriespeicher und Mehr Redispatch dem Netzbetreiber einen Vorteil verschaffen.
In der Tat ist es so, dass Redispatchkosten aktuell durchgereicht werden können. Sie gehören damit noch zu den nicht beeinflussbaren Kosten im Fotojahr. Wichtig ist hier das „noch“. Bereits lange steht zur Diskussion die Redispatchkosten so zu verrechnen, dass diese vom Netzbetreiber reduziert werden müssen. Zudem besteht nun mal die gesetzliche Verpflichtung eines Netzausbaus. Das heißt Mehr Redispatch = besser für den Netzbetreiber sehe ich ehrlicherweise nicht so.
Zu den Batteriespeicher im Allgemeinen und warum Netzbetreiber aktuell Probleme dadurch bekommen:
Die Anzahl und Gesamtleistung angefragter Batteriespeicher übersteigt aktuell immens die im Netzentwicklungsplan vorgesehen Speicherleistung. Das steht übrigens auch in deinem verlinkten Artikel. Das bedeutet, dass selbst wenn nicht alle Batteriespeicher ein Netzanschluss bekommen, es immer noch genügend gibt. Und dass Batteriespeicher keinen Netzanschluss bekommen, hat quasi einfache technische Gründe:
Die Kapazität des Netzes ist einfach nicht ausreichend, um alle Batteriespeicher aufzunehmen.In der Netzplanung im Verteilnetz wird mittels Worstcase Szenarien das Netz entsprechend ausgelegt. Das gilt auch für das 110-kV-Netz. Besonders im Lastfall, reicht die Netzkupplerkapazität für viele 110-kV-Netzgruppen nicht aus, um alle Batteriespeicher (n-1)‘ sicher anzuschließen. Der Netzbetreiber kann somit nicht für die Sicherheit des Netzes bei Anschluss aller Batteriespeicher garantieren und lehnt diese deshalb teils ab oder verweist auf Anschlusszeiten in Jahrzehnten.
Also wohlwollend könnte man sagen, einfach schlecht gemacht. Vor dem Hintergrund, dass Reiche durch und durch Gaslobby ist und dass in ihrem Bericht zur Ausbau–und Verbrauchsschätzung für das Jahr 2030 einfach so gut wie keine Batteriespeicher berücksichtigt wurden (weil dann mehr Gaskraftwerke) tue ich mir da mit dem wohlwollend schwer.
Wie gesagt bin ich da auch nicht voll in dem Thema drin, aber mein Satz sagt ja
“Geld das bei Großkraftwerks- und Netzbetreibern hängen bleibt”
War etwas schwammig formuliert, aber Kraftwerksbetreiber in BaWü und Bayern profitieren vom Redispatch auf jedenfall. Und indirekt profitieren glaube ich auch die NetzBetr vom Redispatch. Das heißt große Investition in Netzausbau, die groß gefördert wird und die Investition im Anschluss wieder umgelegt werden kann.
Ließe sich nicht ähnlich wie bei Solar- und Windanlagen eine Software-Lösung oder eine technische Lösung zur Abkopplung und Rückstellung für Speicher vorstellen?
Oder anders: Ich komme bei der Erklärung nicht ganz mit. Braucht es weitere Speicher um die Netzstabilität zu verbessern? Falls ja - wie kann das Netz befähigt werden diese aufzunehmen?
(Mein verständnis war bisher, das Speicher eher entlastend als belastend auf Netze wirken, deswegen meine Verwirrung)
Die Bundesnetzagentur meldet für 2024 insgesamt 9.710 Anschlussanfragen für Batteriespeicher ab Mittelspannungsebene mit rund 400 GW geplanter Leistung und 661 GWh Speicherkapazität – bei bisher installierten rund 2,3 GW und 3,2 GWh in diesem Segment.
Ende 2024 lagen den Übertragungsnetzbetreibern zusätzlich etwa 650 Anschlussanfragen für Großbatteriespeicher mit insgesamt 226 GW Leistung vor; deren Netzanschlusskapazitäten gelten für die nächsten Jahre als „weitgehend ausgeschöpft“.
Dies extrem umfangreichen Projektanfragen überzeichnen die realistisch benötigte Speicherkapazität für die nächsten Jahre deutlich.
Allerdings ist fraglich, ob viele Projekte nicht eher opportunistisch bzw. mehrfach angemeldet sind.
Je nachdem wo sie stehen. Das ganze Thema Speicher kann man nicht pauschalisieren. Ein Speicher im Süden, der Strom einspeichert aus dem Norden, weil dort Wind weht und der Gesamtstrompreis niedrig ist oder andersherum ist eine Belastung für das Netz.
Man muss daher unterscheiden wo und zu welchem Zweck ein Speicher installiert bzw. betrieben wird. Man kann ja auch gewisse Leistung des Speichers für Systemdienstleistungen vorhalten und den Rest für Arbitrage nutzen.
Genauso könnte man bestehende Netzanschlüsse durch Speicher ergänzen, so dass diese dort die Last minimieren, in so genannten Hybridparks. Das klappt aber auch nicht über all.
Die Netzbetreiber haben bisher nach dem Schema Wer zuerst kommt bekommt den Netzanschluss zuerst gehandelt. Das funktioniert bei der Masse der Anschlussbegehren nicht mehr. Dazu kommen dann ja auch noch Abnehmer, die auch angeschlossen werden wollen, Industrie, Rechenzentren, Fabriken etc. Daher braucht man eine Priorisierung. Insgesamt wurden aber schon viele Speicher genehmigt, was auch durch die Gesetzesänderung zum Vorrang für Batteriespeicher beschleunigt wird.
Das Thema Speicher wäre bestimmt mal sehr spannend näher zu beleuchten. Da kommt einiges auf uns zu. Es gibt sehr viele Netzanschlussanfragen für Speicher, die auch eine Auswirkung auf den Bedarf an gesicherter Leistung (Stichpunkt Versorgungssicherheit, Kraftwerksstrategie und Kapazitätsmarkt) haben kann.
Außerdem hat sich mit der letzten EnWG Novelle die Rahmenbedingungen für bidirektionales Laden von e Autos deutlich verbessert. Mit dem sogenannten MiSpeL Prozess der Bundesnetzagentur werden die Rahmenbedingungen für “Heimspeicher” ab nächstem April voraussichtlich ebenfalls deutlich besser.
Zwei wichtige Impulse für Speicher, Flexibilität und den Strommarkt. Das wäre sicherlich sehr spannend das mal genauer zu beleuchten.
Hinzu kommt das neue Sachstandspapier der BNetza, das heute veröffentlicht wurde, im Rahmen des Agnes Prozesses zum Thema Dynamische Netzentgelte. Die sollen wahrscheinlich zunächst nur für Großspeicher gelten. Auch das wäre eine sehr starke Änderungen im deutschen Stromsystem und würde vielfältige Chancen bspw. zur Flexibilisierung bedeuten.