Reform GKV - langfristig denken und präventive Maßnahmen fördern

Hallo zusammen,

was mir leider bei den Kommentaren zum Gutachten zur Reform der GKV gefehlt hat, war der sonst immer in der Lage betonte Ansatz langfristige Verbesserungen zu finden und sich grundlegende Probleme anzuschauen anstatt oberflächlich zu behandeln. Ich möchte damit nicht die erwähnten Lösungen schlecht reden, einige der Reformvorschläge sind bestimmt sinnvoll. Aber eben nur, wenn man zeitgleich über langfristige Maßnahmen nachdenkt…

Anbei einige Dinge, die mir aufgefallen sind:

  1. Zweitmeinung bei planbaren Operationen: Wie kann es sein, dass anscheinend 85% sich gegen einen Gelenkersatz in Hüfte/Knie entscheiden, wenn sie eine Zweitmeinung einholen. Bewertet der erste Arzt die Situation nur wirtschaftlich und hat gar keine Sicht auf das Wohlbefinden der Person? Und wenn ja, liegt das an der Ausbildung der Ärzte? Oder an unserem Vergütungssystem, wie ja bereits in vorherigen Podcasts thematisiert.
  2. Keine kostenlose Versicherung von Ehegatten: Ich frage mich, woher die 3,5 Milliarden hier herkommen? Oft genug wurde im Podcast darüber gesprochen, dass man es sich heut zu Tage kaum noch leisten kann, als Alleinverdienender eine Familie zu ernähren. Wie kommen also diesr hohen Zahlen zu Stande? Sind z.B. aktuell selbstständige kostenlos über Ehegatten versichert oder betrifft es aktuell das nur die Generation 50+, sodass diese Reform in einigen Jahren eh irrelevant wird. Und beziehen diese 3,5Mrd auch schon mit ein, dass Personen die Kinder unter 6 Jahren haben ausgeschlossen sind?
  3. Krankengeld: Auch hier frage ich mich, wie viele Leute die Zahlung des Krankegeldes tatsächlich ausnutzen und wie viele Leute tatsächlich langfristig krank und arbeitsunfähig sind und durch eine Kürzung benachteiligt würden? Ist dies nicht eine ähnliche Diskussion, wie im Podcast schon so oft über die (Aus)Nutzer des Bürgergelds geführt wurde, die eigentlich arbeit haben könnten? Statt darüber nachzudenken Krankengeld zu verschärfen, sollten wir uns nicht eher darüber gedanken machen, wie Angebote für langfristig arbeitsunfähige Menschen verbessert werden können, sodass sie vom Staat und nicht von der GKV unterstützt werden. Nach 78 Wochen sollte es ja möglich sein, langfristig kranke Menschen in eine staatliche Förderung (z.B. Bürgergeld) zu überführen. Anscheinend passiert dies aber aktuell nicht.
  4. Zucker-, Tabak und Alkoholsteuer: Steuern sind ein erster guter Schritt in die richtige Richtung, aber Steuern alleine haben nur eine begrenzte Wirkung. Zusätzlich muss über den Gesundheitsnachteil aufgeklärt werden, sodass Menschen allgemein weniger zuckerreiche und verarbeitete Lebensmittel wählen. Was ist außerdem mit fettreichen Lebensmitteln. Zuckeergesüßte Getränke sind zwar eine Lebensmittelgeuppe, die mit ernährungitbedingten Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, aber da hört es nicht auf. Fettreiche Lebensmittel, Fleisch und besonders Fast Food sind mit ebenso vielen Erkrankungen assoziiert. Also auch hier können Steuern zwar eine gewisse Wirkung zeigen, sollten jedoch durch weitere Maßnahmen unterstützt werden. Ich selber habe Public Health Nutrition studiert und mich genau mit diesem Thema beschäftigt. Würden wir in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen aber auch in Betrieben mehr gesundheitsförderung betreiben könnten viele Erkrankungen vermieden und somit vier Kosten im Gesundheitswesen gespart werden.
  5. Wo ist das Thema Bewegung geblieben? Für eine langfristige Reduzierung der Kosten in der GKV brauchen wir nicht nur ernährungsbezogene Präventionsmaßnahmen, sondern müssen auch Bewegung mehr fördern. Ich kenne zum Beispiel einige Arbeitgeber, die Sportkurse während der Arbeitszeit für wine gewisse Zeit pro Woche fördern. Solche Ansätze müssen mehr verfolgt werden. Von Seiten der GKV gibt es ja bereits einige Angebote, wie z.B. Rückenkurse oder Bonusprogramme. Ggf. könnten diese Programme in Zukunft Krankheitszahlen reduzieren.

Forschung, warum langfristig Prävention und Gesundheitsförderung wichtig für eine Reduktion von Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes und auch Krebs ist, gibt es online in Massen. Empfehlenswert sind hier das Leibniz Insitut für Präventionsforschung und Epidemiologie und das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam.

Ich freue mich auf die Diskussion!

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Auch ich bin enttäuscht von der doch recht einseitig wirkenden Empfehlung, das ganze Paket durchzuwinken und Widersprüche besser gar nicht erst zuzulassen. Als Betroffene ( ambulant tätig )frage ich Einkommesverlust von 4,5 % verordnet wird bei gleicher Leistung (Soeben bei Psychotherapeuten geschehen zum 1.4.26), nachdem auch die Inflation schon nicht ausgeglichen wurde.

Und der ach so tolle 66 Punkte Plan sieht vor, allen ambulant tätigen Ärzten und psyhotherapeuten pauschal 10% weniger Geld zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich für gleiche Leistung bzw. immer mehr zusatzaufgaben und voranschreitender Möglichkeiten. Und Psychotherapeuten auch nicht mehr voll zu bezahlen, sondern deren Leistungen auch zu budgetieren: d.h. alle bekommen halt einfach nur z.B. 70% des festgelegten Wertes für ihre Arbeit, wenn das Budget alle ist. Tolle Luft im System! Hier wird hochqualifizierte Arbeit einfach mal entwertet und weniger bezahlt. Und weil Freiberufler sich so schlecht wehren können, wenn ihnen (wie den meisten) die Patienten am Herzen liegen, kann man dort einfach schnell mal den Rotstift ansetzen.

Anstatt die echten Probleme des Gesundheitssystems anzugehen. Luft wäre bei überbordender Bürokratie , nicht funktionierenden ständig neuen Vorgaben und Vorschriften ,überbordenden Kontrollen bis ins kleinste Detail, sinnlosen Vorschriften, massenhaften Regressforderungen für kleinbeträge, wo die Gerichtskosten höher liegen als der Betrag (und sich manchen Arzt die aufwändigen Rechtsverfahren nicht leisten will/ kann und dabei meine ich vor allem Zeit und Nerven)… Die kassenärztliche Vereinigung hat schon viele effektive Vorschläge gemacht, wie das Übel bei der Wurzel angegangen werden könnte ( ohne ganz auf Kontrollmechanismen verzichten zu müssen) !

Der 66 Punkte Plan stellt unkorrigiert ganze Existenzen in Frage und schafft damit sicher keine bessere Behandlung für Patienten! Im Gegenteil.

Ich bin entsetzt.

Es sollte heißen: wie fänden andere Berufe es, wenn deine hochqualifizierte Arbeit auf einmal geringer bewertet wird?

Es gab keinen Inflationsausgleich, alle kämpfen um höhere Löhne, aber Psychotherapeuten und Ärzte sollen einfach mit geringeren Einkommen zufrieden sein ?!?? Mit welchem Recht??

Für mich ist das ein Schlag unter die Gürtellinie!

Ich gehe auch nicht zur Autowerkstatt oder zum Anwalt und verlange die Arbeit zum geringeren Preis, weil mein Einkommen gesunken ist!

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