Eine sechsmalige Befristung auf bis zu 48 Monate finde ich schon ziemlich dreist, sozial unausgeglichen und auch nicht zielführend. Das sind 24 Jahre, praktisch ein halbes Berufsleben und mit grob 50 Jahren ist man dann unvermittelbar.
Wären zwei andere Maßnahmen nicht mit geringerem „sozialen Kollateralschaden“ auch für Unternehmen erleichternd:
Bürokratie rund um die Lohnbuchhaltung vereinfachen, siehe hierzu auch den Beitrage aus einem anderen Thread:
Befristeten Arbeitsverhältnissen per Gesetz ein 30% höheres Gehalt vorschreiben, plus verpflichtender Abfinden, abhängig von der Beschäftigungsdauer?
Moin,
So katastrophal ist es zum Glück doch nicht. Innerhald der ersten 4 Jahre der Beschäftigung, darf es höchstens 6 Verlängerungen einer Befristung geben. Ein Arbeitgeber kann seine Beschäftigten in diesen 4 Jahren also nicht 8 mal mit einem auf 6 Monate befristeten Arbeitsvertrag festnageln.
Das „schlimmste“ sind also 4 mal 6 Monate Befristung und 2 mal 12 Monate.
Aber das ist eine extreme Verschlechterung zu heute.
Die Ansage ist ganz klar: Flexibilisierung für Arbeitgeber, während man gleichzeitig einen Angriff auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall unternimmt. Künftig soll ab dem ersten Krankheitstag ein Attest Pflicht sein - mit der klaren Ansage, es gäbe „zu viele Krankheitstage“: Sprich: Die Leute sind zu einfach zu faul. Die Hausarztpraxen jubeln bestimmt schon vor lauter Freude, dass sie bald jeden Montagmorgen die Bude voll haben mit Leuten…
Die Regelung soll nur bis 2030 gelten, das war im ersten Beitrag der SZ noch nicht ersichtlich. Das macht es meiner Ansicht nach aber irgendwie seltsam. Nichts halbes und nichts ganzes.
Ich finde es auch in sich nicht schlüssig, auf der einen Seite erkennt man, dass der in der Agenda 2010 geschaffene Niedriglohnsektor eine Subvention von Arbeitskraft auf Kosten der Sozialbeiträge der nachfolgenden Generation war, aber auf der anderen Seite schafft man sich mit diesem Ansatz wieder die Beitragsempfänger von morgen…
Vielleicht hoffen die beiden „Volksparteien“ ja, 2030 dann grundlos befristete Arbeitsverhältnisse komplett zu „liberalisieren“ und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einfach ersatzlos zu streichen - natürlich alles nur im die Wirtschaft wieder flott zu machen…
Eine weitere Maßnahme, die die Geburtenrate senken wird. Niemand in Befristing denkt an Familienplanung und kommt zu dem Schluss, dass das grad n guter Zeitpunkt ist.
In jedem Vertrag von Anfang an eine Abfindung bei Kündigung festschreiben, die sich nach Beschäftigungsjahren richtet. Dann hat der Arbeitnehmer dem zugestimmt und der Arbeitgeber muss keine Klage fürchten.
Der Einfluss auf die Wohnungsnot dürfte auch… sagen wir mal „interessant“ werden: Niemand hat auf dem aktuellen Markt mit befristetem Arbeitsvertrag eine Chance auf einen Mietvertrag. Einen Kredit für Eigentum bekommt man damit auch nicht.
Hä? Ich verstehe das Problem nicht. Niemand, mit dem ich in den letzten 40 Jahren persönlich gesprochen hatte, hatte das Problem eine Wohnung zu bekommen oder einen Kredit zu kriegen. - Ihr Friedrich Merz
Nein, es geht um eine maximal sechsmalige Befristung innerhalb von insgesamt 48 Monaten (also alle Befristungen zusammengerechnet), nicht sechsmal mit je 48 Monaten. Also direkt auf 48 Monate, oder zweimal für 24, oder sechsmal für acht, oder irgendeine Mischform wie z.B. 12+8+6+4+10+8.
Die aktuelle Regelung ist die Hälfte davon, sprich höchstens drei Befristungen für insgesamt zwei Jahre.
Übrigens wird damit wahrscheinlich indirekt dann auch eine Entfristung bei Kettenverträgen mit Sachgrund schwieriger, denn die Richtwerte des BAG sind an die sachgrundlosen Grenzwerte gekoppelt und betragen das Vierfache eines oder das Dreifache beider Werte (Verlängerung und Höchstdauer). Bisher konnten solche Kettenverträge also nach acht Jahren, oder zwölf einzelnen Befristungen, oder sechs Jahren und neun Befristungen entfristet werden; künftig dürften es dann nach 16 Jahren, oder 24 Befristungen, oder zwölf Jahren und 18 Befristungen sein…?
Ich finde es ja auch geil, dass in NRW die Attestpflicht an Schulen abgeschafft wurde, auch mit dem Argument, dass man das Problem so in ein anderes System verschiebt und das ja nicht überbelasten könne und solle. Aber so ein Müll hier geht jetzt?
Vor allem konnte man so mal einen Tag zur Regeneration nutzen oder auch zwei. Jetzt direkt am ersten Tag rennen, mit Fahrzeiten und Wartezeiten biste unter 3 Stunden damit nicht fertig. Wenn jetzt JEDE/R direkt am 1. Tag gehen muss, werden die Wartezeiten ja NOCH länger. Natürlich lässt man sich dann wahrscheinlich länger krankschreiben bzw. ist länger krank. Ich hab den Eindruck, dass die Personen, die das entschieden haben, echt nicht in der Lage sind klar und gut zu denken. Mich macht es fassungslos und so, so wütend.
Auch, wenn ich die AfD echt verachte und furchtbar finde, ich könnte umso mehr verstehen, dass die Menschen sie wählen wegen so viel Mist.