Die Sprünge sind gewaltig. Ob es eine Rolle spielt, kommt auf das individuelle Szenario an. Viele Menschen denken zuerst an klassische Office-Anwendungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen.
Für Unternehmen und Behörden sind vielleicht ganz andere Werkzeuge wichtig, wie beispielsweise SharePoint. Cloud-Lösungen sind mehr als nur Office-Anwendungen mit ein paar Dateien im Internet. Es sind umfangreiche Umgebungen zur nahtlosen und sicheren Zusammenarbeit großer Mengen an Menschen. Ich wage zu bezweifeln, dass Bayern wegen Word bei Microsoft gelandet ist.
Videos spielen in der internen Kommunikation und Weiterbildung eine immer größere Rolle. Mit Stream (so heißt die Video-Plattform von Microsoft) lässt sich sehr einfach ein internes YouTube aufbauen, komplett mit Kommentarbereich. So finden Mitarbeitende schnell und einfach immer genau die Hilfe, die sie benötigen. Transkription und mehrsprachige Untertitel sind wichtig für Zugänglichkeit und Barrierefreiheit. Ob das für Bayern relevant ist, weiß ich nicht. Es soll nur ein Beispiel sein. Solche Mängellisten könnte ich für so ziemlich jeden Bereich erstellen.
Ich bin auch kein Freund davon, immer nur das Nötigste bereitzustellen. Das Nötigste kann schnell zu wenig sein, wie wir zu Beginn der Pandemie gesehen haben. Wenn wir technisch und wirtschaftlich nicht den Anschluss verlieren wollen, sollten wir Möglichkeiten schaffen, statt uns einzureden, dass wir das alles gar nicht brauchen. Diese Denke führt genau dazu, dass quelloffene Alternativen hinterherhinken, statt die Platzhirsche herauszufordern.
Nicht immer ist von Vornherein klar, dass eine große, maßgeschneiderte Lösung benötigt wird. Manchmal kommt in einer Abteilung ungeplant ein Bedarf auf, vielleicht nur für interne Zwecke. Dann braucht es eine Standardlösung, die schnell zur Hand ist und sich nahtlos integriert.
Ich glaube, Bayern ist nicht auf der Suche nach der besten Textverarbeitung bei Microsoft gelandet. Es geht um Cloud-Szenarien. Ich gehe davon aus, dass Anwendungen zur Erstellung von Dokumenten mit fortschreitender Digitalisierung ohnehin an Bedeutung verlieren werden, schlicht weil Dokumente an Bedeutung verlieren werden. Anders gesagt: Bevor Writer Word den Rang abläuft, wird wahrscheinlich beides überflüssig werden, zumindest in der Verwaltung.
Da sehe ich übrigens eine große Chance für unabhängige Lösungen. Das ist ein Paradigmenwechsel, bei dem sie sich ins Spiel bringen können, ohne gegen die Beharrungskräfte alter Lösungen aus dem Dokumenten-Zeitalter anstrampeln zu müssen.