Ich habe auch erst relativ spät genau genug gelesen. Die Frage ist aber präzise: „Wie würden die meisten Anhänger:innen antworten…“ nicht: „Wie würden die sich tatsächlich verhalten, welche Politik würden die mittragen…“ Dass die Mitläufer der Rechtsextremisten regelmäßig von nichts gewusst und nichts gewollt haben wollen, kann man als aufmerksamer Studienteilnehmer also durchaus mitdenken
Insgesamt fällt mir mal wieder auf, dass Umfragen immer das gleiche Problem haben, wie Arbeitsblätter: Wie genau die Teilnehmer:innen lesen und das gelesene auslegen, ist extrem unterschiedlich, sowohl zwischen den Teilnehmer:innen, als auch im Zeitverlauf einer Umfrage.
Gutes und wichtiges Thema!! Politik und Psychologie. Hier habe ich vor allem gehört: Psychologie als Werkzeug in der Politik.
Mir fehlt: Politiker als Wesen mit Psychologie!
Damit meine ich: WAS jemand glaubt und präferiert in der Politik und wie er/sie handelt und kommuniziert ist bereits Psychologie.
Fakten spielen oft nur eine Nebenrolle.
Was noch im Hinblick auf narzisstische Rivalität („also andere abwerten, um sich selbst aufzuwerten“) interessant ist, ist, dass die Art bei Mittelschichtsangehörigen dominiert:
Während es in den unteren Schichten eher die narzisstische Vulnerabilität ist, die zum Wählen rechtsradikaler Parteien führt.
Hier die Studie:
Eine bekannte Studie von Paulhus & Williams (2002), die den Begriff der „Dunklen Triade“ prägte, zeigt einen positiven Zusammenhang zwischen diesen Eigenschaften und dem Erreichen von Führungspositionen. Die „Dunkle Triade" beschreibt drei subtile, aber schädliche Persönlichkeitsmerkmale: Narzissmus, Machiavellismus und psychopathische Tendenzen (oft als „subklinische Psychopathie" bezeichnet). In der Politik wird dieses Konzept diskutiert, um zu erklären, warum bestimmte Politiker besonders charismatisch, aber auch manipulativ, rücksichtslos oder selbstbezogen wirken können.
Während Narzissmus (10–20 %) und Machieavellismus (15–25 %) „häufig“ auftreten, ist subklinische Psychopathie (2–5 %) eine seltener auftretende Komponente. Studien (z. B. von Buckels et al.) fanden heraus, dass Personen, die sich politisch engagieren, im Durchschnitt etwa 2- bis 3-mal höhere Werte in Machiavellismus und Narzissmus aufweisen als Nicht-Politiker.
Es gibt eine ganze Reihe Studien dazu, u.a. die Methoden zur Erhebung sollte man sich (wie immer ;-)) anschauen, um die Aussagen richtig einzuschätzen. Auch sind manche Werte geschätzt. Was man aber gut zu wissen glaubt ist, dass die Merkmale er dunklen Triade 2-3 Mal häufiger bei Politikern anzutreffen ist, als in der Bevölkerung.
Vielleicht überraschend: Wähler fühlen sich durch Narzissten und Machieavellisten angezogen.
Wer es genauer wissen möchte, schaut in die Studie:
Ich finde es schade, dass Fr Brakemeier in dem Interview auch weiter an der mMn kontrafaktischen Legendenbildung zum Heizungsgesetz mitwirkte. Jemand meinte hier im Thread sie sei SPD-Mitglied und es war eben entweder die SPD oder die FDP, die den Entwurf vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin an die Bild leakte. Eine Kritik an der „schlechten Kommunikation“ Habecks, die diesen Fakt nicht berücksichtigt, greift einfach zu kurz. Auch eine besser geplante Kommunikation hätte diesen Leak nicht vorhersehen können.
Ganz allgemein stimme ich der bereits genannten Kritik zu: Die Empfehlungen für bessere Kommunikation und mehr zuhören sind sicherlich richtig und sollten von PolitikerInnen ernst genommen werden. Allerdings greift eine Psychologie, die sich ausschließlich darauf fokussiert, die fest stehenden Entscheidungen der Machthaber der Bevölkerung besser zu verkaufen, viel zu kurz. Insbesondere wenn es viel berechtigte inhaltliche Kritik an politischen Entscheidungen auch und gerade von der SPD gibt, ist es fast schon eine bequeme Ausrede sich ausschließlich auf die Kommunikation zu fokussieren, als wäre diese das Hauptproblem.
Abseits vom politischen sehen wir hier glaube ich eine Grenze der Möglichkeiten der Psychologie, die ja erstmal auf das Individuum ausgerichtet ist. Entsprechend sind die genannten Vorschläge individuell: nicht „kämpfen“ oder „aktivistisch werden“, sondern individuelle Entscheidungen, Akzeptanz der Realitäten und Selbstfürsorge. Das mag für individuelle psychologische Probleme helfen, aber nicht wenn die Probleme fundamental größer, systematisch oder gesellschaftlich sind. Wenn ich der Überzeugung bin, der Klimawandel ist gerade dabei unseren Planeten zu verbrennen, während sich Regierungen an fossile Industrien anbiedern, hilft mir Akzeptanz davon nicht viel.
Sie ist studierte und promovierte Psychologin, seit über 10 Jahren Professorin und mittlerweile auch Leiterin des Lehrstuhls und Direktorin am Zentrum für Psychologische Psychotherapie an der Uni Greifswald. Wo „merkt man“ da, dass sie Quereinsteigerin sei?
Der Clou ist, dass man die Dunkle Triade bzw. Tetrade (inkl. Alltagssadismus) auch bei Wählenden rechter Parteien nachweisen kann. Z.B.:
(Übers. m. DeepL)
Da man sie in der gesamten Bevölkerung nachweisen kann, ist das viel weniger ein Clou, als gar nicht überraschend.
Und es gibt auch eine Anwendung der Dunklen Triade auf Alice Weidel, in zumindest einer Zeitung.
Aber ich hatte irgendwie gehofft, mal einen Thread ohne Zuspitzung und Ausrichtung auf Rechtsradikalismus genießen zu können. Das Thema Rechtsradikalismus ist sehr wichtig, aber sorry, so kommt das bei mir langsam wie die Werbung für „Seitenbacher Müüüüsli“ an.
Merkmale der Dunklen Tetrade zeigen sich bei Wählenden rechter Parteien signifikant häufiger bzw. deutlich ausgeprägter als bei Wählenden des anderen Teils des Spektrums.
Das ist auch völlig logisch, da rechte Politik auch auf Fremdbestrafung (s. Alltagssadismus), narzisstische Rivalität (Fremdabwertung zwecks Selbstaufwertung, Konkurrenz statt Kooperation usw.), Empathielosigkeit (s. Psychopathie) sowie Moralabwehr und egoistische Rücksichtslosigkeit zum eigenen Vorteil (s. Machiavellismus) zielt.
Total spannende Diskussion, wobei ich der Anfangskritik zustimme.
Mir hat die Folge gut gefallen; endlich den Blick in Richtung Psychologie zu bewegen. Insgesamt war mir das Ganze aber auch zu kurz gegriffen (sicherlich der Länge geschuldet) und in der Tat manchmal zu individualisiert.
Die Psychologie hat im übrigen auch noch das Feld der Sozialpsychologie zu bieten, deren Konzepte den Blick da deutlich öffnen könnten. Auch psychodynamische und systemische Ansätze sind spannend für das Verständnis des kollektiven Verleugnens. Man könnte mit Sicherheit einen eigenen Podcast füllen mit dieser Thematik.
Sehr empfehlenswert sind hinsichtlich des gesellschaftlichen Umgangs mit der Klimakrise auch die Arbeiten von Fabian Chmielewski. Ich kann da aber leider nichts frei verfügbares zum Posten finden. Ich kenne seine Beiträge aus Fachzeitschriften und Fortbildungen. In jedem Fall sehr lesenswert. Wäre bestimmt auch ein toller Gast für die Lage!
Hi Maja, werden Teile dieser Ergebnisse irgendwo veröffentlicht? Hoffentlich erreichst du ein breites Spektrum
Vielleicht noch ein Aspekt:
Aggression/Gewaltneigung sind ja auch psychologische Themen.
Ein aktuelles Beispiel:
Bei einer AfD-Veranstaltung am Dienstag in Dessau-Roßlau ist der Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle durch verbale Ausfälle gegen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkelsowie den amtierenden Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) aufgefallen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau in der Sache.
Man habe ein Verfahren nach Paragraf 126 des Strafgesetzbuches eingeleitet, sagte eine Sprecherin dem SPIEGEL. Der Paragraf sanktioniert die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Neben Steimle waren auch der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September, Ulrich Siegmund, und der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla zu der Diskussionsveranstaltung gekommen.
Die ehemalige Bundeskanzlerin sei die eigentliche Gründerin der AfD, »ohne das Merkel würde es die AfD gar nicht geben«, sagte er und würdigte die Ex-Kanzlerin herab, indem er den neutralen Artikel »das« benutzte.
Dann kam Steimle auf das unlängst enthüllte neue Porträt von Merkel zu sprechen. »Warum hat sie sich im Stehen malen lassen? Weil sie ahnt, sie wird bald sitzen«, sagte der Kabarettist und deutete so an, Merkel stehe eine Gefängnisstrafe bevor. Chrupalla, Siegmund und zahlreiche Zuschauer applaudierten. »Im Moment hängt sie erst mal«, legte Steimle nach. »Und wenn alle Stränge reißen oder der Nagel bricht, dann stellen wir sie an die Wand. Uns wird schon was einfallen.«
Auch den amtierenden Bundeskanzler ging Steimle an: »Mittlerweile muss ich sagen, wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?«, fragte der Kabarettist. Der Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte im Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler verübt, das misslang; Stauffenberg bezahlte den Umsturzversuch mit seinem Leben. Das Publikum in Dessau-Roßlau applaudierte auch nach dieser Anspielung, Siegmund und Chrupalla hielten sich zurück.
Während die Stauffenberg-Bemerkung noch als provokative, aber straffreie Gewaltfantasie durchgehen könnte, ist die Formulierung zu Merkel strafrechtlich weit heikler. Denn hier könnte mit »dann stellen wir sie an die Wand« und »uns wird schon was einfallen« die Tötung Merkels in Aussicht gestellt oder sogar angekündigt werden, und zwar in Wir-Form.
Das Androhen schwerer Straftaten kann auch nach § 241 StGB strafbar sein, als Bedrohung eines anderen Menschen, wobei die Begehung in der Öffentlichkeit strafverschärfend wäre. Auch hier reicht der Strafrahmen von Geldstrafe bis drei Jahre Freiheitsstrafe.
Danke für deine Gedanken. Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass man Fakten gezielt psychologisch einsetzen kann, um Menschen zur Diskussions- und Kompromissbereitschaft zu bewegen, welche den Kern der Demokratie darstellt.
Die „Mitte-Studie 2024/25“ widmet ein ganzes Kapitel (Kapitel 9) den psychologischen und soziale Faktoren.
Diese Studie vom Friedrich Eber Institut argumentiert, dass psychologische Faktoren wie Stress, Angst, geringe Lebenszufriedenheit und traumatische Erfahrungen eine zentrale Rolle spielen. Sie wirken als Katalysatoren, die Menschen anfälliger für rechtsextreme Ideologien machen und die Zustimmung zur Demokratie schwächen können. Besonders die Erziehung und die daraus resultierende psychische Grundhaltung (Autoritarismus) werden als langfristige Prägung identifiziert.
Deshalb ist es wichtig, das anzuerkennen und Bezug darauf zu nehmen.
Schwerpunkte befassen sich mit dem Einfluss von Bildung, Schule und Erziehung auf die Entstehung oder Bekämpfung von Rechtsextremismus sowie mit Herausforderungen einer sozialverträglichen Transformation auf dem Land, in der Stadt und beim Klimaschutz. Politische Gewalt, antifeministische Einstellungen oder libertäre-autoritäre Haltungen sind weitere Fokusthemen.
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Der eigentliche Alarmgrund ist: Die Grauzone wächst. Immer mehr Bürger:innen bewegen sich in einem „Teils-Teils“-Bereich. Sie lehnen Extremismus nicht mehr klar ab, sondern normalisieren ihn schleichend. Begriffe wie „Remigration“ oder die Äußerung, die AfD sei „eine Partei wie jede andere“, finden in der Mitte Raum. Diese „schamlose Normalisierung“ ist gefährlicher als offener Hass, weil sie die demokratischen Grenzen verwischt.
Was treibt diese Entwicklung an? Die Studie zeigt starke psychologische und soziale Faktoren. Wer sich durch Krisen (Inflation, Corona, Kriege) verunsichert fühlt, wer unter Stress leidet oder geringe Lebenszufriedenheit empfindet, wird anfälliger für autoritäre Versprechen und einfache Feindbilder. Besonders beunruhigend ist der Befund zur Sozialisation: Wer in einer autoritären Erziehung mit viel Gehorsam und Leistungsdruck aufgewachsen ist, verharmlost den Rechtsextremismus heute fast doppelt so oft wie andere. Unsere psychische Prägung wirkt also bis in die politische Gegenwart nach.
Gleichzeitig gibt es Hoffnung: Die große Mehrheit der Deutschen steht klar zur Demokratie und lehnt Menschenfeindlichkeit ab. Doch diese Haltung reicht nicht mehr, wenn sie passiv bleibt. Die Studie ist ein Aufruf: Wir müssen den Graubereich aktiv auflösen und unsere demokratischen Werte nicht nur als selbstverständlich betrachten, sondern sie täglich verteidigen und mit Leben füllen. Demokratie ist kein Selbstläufer, sondern braucht eine Mitte, die handlungsfähig bleibt. Die Zeit des „Teils-Teils“ ist vorbei; jetzt zählt das klare Bekenntnis.
Vielen Dank, ich schaue mal, ob das möglich ist. Falls ja, dann aber erst nachdem ich meine BA abgegeben habe und sie korrigiert ist. Wenn du magst, kannst du die Studie gern teilen, das würde mir sehr weiterhelfen!
Ja stimmt, noch ein Anwendungsfall…
Ich bin schon seit einiger Zeit Hörer und habe mir heute die Folge #486 zu etwa drei Vierteln angehört. Im Kontext „Klimakatastrophe“ ging es mal wieder darum, „weniger Fleisch“ zu essen. Mir ist auch in vergangenen Folgen schon aufgefallen, dass die beiden Betreiber relativ abfällig über Tiere sprechen (z. B.,„Viecher“), einer von beiden hat wohl Haustiere, dennoch scheinen von landwirtschaftlicher Ausbeutung betroffene Tiere überhaupt nicht in die Kategorie leidensfähiger Individuen zu passen. Ich bin Ethiklehrer, betreibe den Instagram-Kanal „veganer_ethiklehrer“ und bringe in unserer Signalgruppe „Veganes Lehrerzimmer“ andere vegan lebende Lehrkräfte zusammen. Aufgrund unserer Aufklärungsarbeit erleben wir regelmäßig Diffamierung, Schikanierung, Verleumdung etc. Veganismus ist die grundlegenste Form einer Gerechtigkeitsbewegung. Besonders in einem solch ansonsten aufgeklärten Podcast finde ich es extrem bedauerlich, dass „Nutztiere“ allenfalls als klima- und gesundheitsbelastend wahrgenommen werden. Beides lässt sich übrigens pauschal nicht aufrecht erhalten. Ich wünsche mir, dass das Team sich ernsthaft mit Tieren als Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft auseinandersetzt. Literarische Anregungen wären Bernd Ladwig: „Politische Philosophie der Tierrechte“ oder Martha Nussbaum: „Gerechtigkeit für Tiere“. Und was politisch im Bereich „Tierschutz“ so abgeht, ist absolut unterirdisch. Bitte sensibilisiert euch etwas für dieses Thema. Ich weiß nicht, ob man hier eine url posten darf, wer mag, kann mal auf meiner Website tierrechtslehrer.org vorbeischauen.
Beste Grüße —Peter Heinrich
Hallo Heinrich, zugegeben, ich bin bei dem Thema nicht sonderlich sensibilisiert und mag das wohl überhört haben, aber an „abfällige“ Äußerungen über Tiere kann ich mich nicht erinnern. Mag sein, dass der eine oder andere sich mal in der Hektik des Diskurses im Wort vergriffen hat (ob „Viecher“ wirklich abwertend gemeint ist?) - wir reden hier über einen ungeskripten Podcast, nicht über vorgedachte und -geschriebene Worte - aber ich kann kein derartiges Muster bei den Hosts erkennen.
Das Thema Veganismus ist in meinem Augen ein Klassiker im Bereich „Leben und Leben lassen“. Wenn ich das nicht falsch verstanden habe, leitest Du auf Deiner Webseite - und das klingt dann auch in Deinem Beitrag an - den Veganismus aus der Ethik ab und beanspruchst damit de facto ein Absolutismus, der Nicht-Veganern eigentlich keinen Raum mehr lässt. Selbst wenn Du recht haben solltest, dass Fleisch essen un-ethisch ist - ich glaube nicht, dass dies Polarisierung zielführend ist.
Wir haben in dieser Forum diese Diskussion immer wieder: Soll man zum Beispiel Menschen, die Fliegen, dicke SUVs fahren, unvermindert Fleisch essen, für diese Konsum- und Investitionsentscheidung kritisieren und verurteilen? Wenn doch unzweifelhaft klar ist, dass sie damit zur Klimakatasstrophe beitragen anstatt ihn durch Flugscham, kleine E-Autos und Veganismus zu bremsen? Und damit gegen den klaren Wusch der Mehrheit, mehr gegen die Klimakatastrophe zutun, handeln?
Ich meine dennoch: Nein. Denn es sind nicht die individuellen Konsumentscheidung, die uns zu retten vermögen, sondern die großen gesellschaftlichen, also politischen Entscheidung (CO2-Preis, Verbot von [wie auch immer Strecken]-Flüge, zielgerichtetere Förderung von E-Autos, ein Gebäudeenergiegesetz, dass tatsächlich den CO2-Footprint von Gebäuden signifikant reduziert, …]. Denn nur die haben den notwendigen Hebel, um wirklich etwas zu bewirken. Das soll keine Ausrede sein, nicht auf individueller Ebene zu handeln. Besser wäre es, wenn die Mehrheit, die mehr Klimaschutz wünscht, solche individuellen Konsumentscheidungen treffen und dadurch ergänzten, die Politik in diesen Fragen vor sich herzutreiben.
Ist es im Veganismus nicht ähnlich? Solange die große Mehrheit der Gesellschaft entschieden hat, dass es ok ist, Tiere zu „nutzen“ (aber Tierquälerei nicht möchte … und zugegebenermaßen dabei beflissentlich von der Realität wegguckt), ist es nicht zielführend, fleischessende Menschen zu verurteilen, sondern man sollte - was Du ja offenbar tust - für Mehrheiten kämpfen. Umgekehrt sollen Menschen, die als Veganer leben, nicht abschätzig behandelt werden.
Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft ein Anrecht hat, nicht für ihre Doppelmoral mit Blick auf Tierschutz vs Massentierhaltung/Tierquälerei kritisiert zu werden. Der Grat zwischen darauf hinweisen und „verurteilen“ ist schmal, weil viele ein Hinweisen auf die existierende Doppelmoral reflexartig gleich als Vorwurf/Verurteilung verstehen.
Es ist ja wie bei anderen gesellschaftlichen Fragen auch: Wenn man sie fragt, sind (fast) alle genauso gegen Tierquälerei wie sie auch gegen Rassismus, Sexismus etc sind (ohne das jetzt gleichsetzen zu wollen). Trotzdem existiert das ja alles weiterhin und das kann man dann auch ansprechen.
Das Kämpfen für Mehrheiten kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden und schließt nicht aus, Klartext über die existierenden Probleme zu reden. Natürlich ist die Lösung für systemische Probleme, systematische Veränderung und nicht individuelle Konsumentscheidungen. Trotzdem muss ja erstmal das existierende Problem anerkannt werden.
Da stimme ich zu. Allerdings wird das von @veganer_ethiklehrer gar nicht gemacht. Er bemängelt die, aus seiner Sicht, zu geringe Aufmerksam und Sensibilität für dieses Thema.
Und es ist ein objektiv wahrnehmbarer Missstand, dass tierquälerische Haltung und Umhang mit Nutztieren nicht grundsätzlich geächtet und geahndet werden.
Insbesondere im Hinblick darauf, dass dann auch noch 20% der Fleischproduktion weggeworfen und durch miserable Haltungsformen tausende Tiere „gekeult“ werden müssen, weil es ständig zu Erkrankungen der Tiere kommt. Auch die „Nicht-Veganen“ Medien sind voll von entsprechenden Berichten, die leicht vermeidbare Gräueltaten an Nutztieren belegen.
gepostet 16.07.2016 17:13
Sie ist studierte und promovierte Psychologin, seit über 10 Jahren Professorin und mittlerweile auch Leiterin des Lehrstuhls und Direktorin am Zentrum für Psychologische Psychotherapie an der Uni Greifswald. Wo „merkt man“ da, dass sie Quereinsteigerin sei?
In ihrem Fach (klinische Psychologie und Psychotherapie) ist sie natürlich keine Quereinsteigerin, aber darum ging es in dem Interview kaum. Man merkt es da, wo sie ihr Fachgebiet verlässt und sich in die politische Psychologie begibt.
